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Ein Jahr ICE unter Trump: Eine Bilanz der Abschiebungen und Zusammenstöße

Unter US-Präsident Trump steht die Einwanderungsbehörde ICE in der Kritik. Wir ziehen eine Bilanz seit seinem Amtsantritt: über Abschiebungen und Gewalt sowohl gegen als auch durch ICE-Beamte.

Greift hart gegen Migration durch: US-Präsident Donald Trump (IMAGO/Cover-Images)

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Als der heutige US-Präsident Donald Trump im November 2024 die Präsidentschaftswahl in den USA gewann, war das auch seinem Versprechen geschuldet, die größte Abschiebewelle in der amerikanischen Geschichte durchzuführen – „Massenabschiebungen jetzt!“ wurde zu einem der republikanischen Wahlkampfslogans. Für Wähler von Trump war Migrationspolitik direkt hinter der Wirtschaftslage der motivierendste Faktor bei der Wahlentscheidung, wie etwa Nachwahlbefragungen von NBC zeigten.

Sowohl linke Kritiker als auch Unterstützer des US-Präsidenten dürften sich zumindest darin einig sein, dass Trump seit seinem Amtsantritt vor etwas mehr als einem Jahr dieses Wahlversprechen so weit wie möglich umgesetzt hat. Dabei wurde vor allem eine Behörde berühmt-berüchtigt: die „Immigration and Customs Enforcement“-Behörde (kurz ICE). Die Behörde wurde 2003 infolge der Terroranschläge vom 11. September 2001 gegründet und ist seitdem für die Festnahme illegaler Einwanderer im Einsatz.

Seit Trumps zweiter Amtszeit hat ICE deutlich expandiert

Während der zweiten Regierungszeit von Trump wurde die Größe von ICE nochmals deutlich erhöht: Binnen weniger Monate verdoppelte sich die Zahl der ICE-Beamten von rund 10.000 auf über 20.000. Auch im laufenden Jahr soll die Zahl der ICE-Beamten um 10.000 ansteigen.

Neben den allgemein deutlich vergrößerten Operationen kommt es seit Trumps Amtsantritt immer wieder zu Schwerpunkteinsätzen in amerikanischen Großstädten, etwa in Washington, D.C., Chicago oder aktuell in Minneapolis. Neben ICE ist auch die Border Patrol (CBP), also der US-Grenzschutz, bei solchen Operationen gegen illegale Migranten im Einsatz.

Millionenfache (Selbst-)Abschiebungen

Und tatsächlich sollen ICE und CBP nach Angaben der Regierung in großem Ausmaß gegen illegale Migranten innerhalb der USA vorgegangen sein: Laut Angaben des Heimatschutzministeriums, dem ICE und Border Patrol unterstellt sind, sollen im vergangenen Jahr rund 600.000 illegale Migranten aus den USA abgeschoben worden sein.

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Ein Teil dieser Abschiebungen geschah dabei direkt nach dem Grenzübertritt – laut New York Times jedoch auch 230.000 nach Festsetzungen im Landesinneren. Dieser Wert übertrifft bereits nach einem Jahr die Zahl solcher Abschiebungen während aller Biden-Regierungsjahre zusammen. Allein im Rahmen der „Operation Midway Blitz“ in Chicago wurden durch ICE 4.500 illegale Migranten festgenommen – während der „Operation Tidal Wave“ in Florida wurden unterdessen binnen weniger Wochen 1.100 illegale Migranten festgenommen.

Auch an der Grenze hat Trump durchgegriffen: Die Zahl der illegalen Grenzübertritte ist im vergangenen Jahr gegenüber 2024 um 93 Prozent gesunken. Auch die Zahl der versuchten Grenzübertritte ist deshalb deutlich zurückgegangen. Die Drohkulisse gegen illegale Migranten, gepaart mit Subventionen dafür, ließ auch die Zahl der freiwilligen Rückkehrer deutlich in die Höhe schnellen: Nach Angaben des Heimatschutzministeriums lag die Zahl solcher „Selbstabschiebungen“ im vergangenen Jahr bei 2,2 Millionen. Auch deshalb erreichten die USA im vergangenen Jahr erstmals seit über 50 Jahren einen Abwanderungsüberschuss von schätzungsweise bis zu 300.000 Menschen.

Immer wieder führen ICE-Beamte Razzien an Arbeitsplätzen durch, um mögliche illegale Migranten festzusetzen. Teilweise gibt es auch Verkehrs- und Straßenkontrollen durch ICE zur Feststellung illegaler Migranten.

Immer wieder kommt es zu tödlichen Schüssen durch ICE-Beamte

Mehrmals kam es auch zu tödlichen Einsätzen von ICE und Border Patrol: Die beiden Vorfälle in Minneapolis in diesem Jahr stehen gerade im medialen Fokus. Die tödlichen Schüsse auf die Anti-ICE-Blockierer Renée Good und Alex Pretti spielten sich im Zuge der Ausschreitungen in Minneapolis mit nur wenigen Tagen Abstand ab (mehr dazu hier).

In insgesamt drei Fällen kam es 2025 zu umstrittenen Tötungen durch ICE (in anderen Fällen ist die Beweislage im Sinne von Selbstverteidigung eindeutig); bislang wurde jedoch jedes Mal erfolgreich auf Selbstverteidigung plädiert.

Kritiker der Trump-Regierung werfen ICE vor, nun besonders rabiat gegen illegale Migranten vorzugehen – allerdings sind Tote während ICE-Einsätzen kein Novum: Bereits während der Obama-Regierung kam es zu mindestens acht Toten durch Schüsse von ICE-Beamten – aufgrund des Fehlens einer einheitlichen Statistik stützt sich die Fallzahl lediglich auf Schätzungen.

Für Kritik sorgten auch Vorwürfe von Missständen in ICE-Unterbringungen – insgesamt starben 32 Menschen im vergangenen Jahr, während sie sich im Gewahrsam der Behörde befanden – meist durch Krankheiten oder Suizid. Kritiker werfen jedoch vor, dass die Unterbringung von Menschen in Gewahrsam zum Teil nicht akzeptabel sei und sogar einige der Todesfälle verursacht habe.

ICE ist dabei bereits während der ersten Trump-Regierung zum Politikum geworden – durch die während der zweiten Trump-Amtszeit verstärkten ICE-Operationen eskalierte die Debatte um die Behörde. Bereits im Laufe des vergangenen Jahres mündete das immer wieder in Gewalt gegen Beamte.

Anti-ICE-Proteste eskalieren immer wieder zu Gewalt

So geschehen etwa am 24. September, als in Dallas der mutmaßlich linksextreme Joshua Jahn vom Dach eines benachbarten Hauses mit einem Gewehr das Feuer auf eine ICE-Einrichtung eröffnete. Doch obwohl er mutmaßlich das Ziel hatte, ICE-Beamte zu treffen, tötete er lediglich zwei internierte illegale Migranten und verletzte einen weiteren. Danach beging er Suizid.

Auch sonst gibt es immer wieder Überfälle, Angriffe und Brandanschläge auf ICE-Beamte – bislang jedoch ohne Todesopfer. Auch massive Demonstrationen, die teils das Ziel hatten, die Arbeit der Einwanderungsbehörde zu blockieren, gab es bereits im vergangenen Jahr immer wieder – etwa in Los Angeles, als Demonstranten über Tage, oft ausgestattet mit mexikanischen Fahnen, die Innenstadt verwüsteten. Insgesamt hat es seit Trumps Amtsantritt bis Ende des vergangenen Jahres 275 gewalttätige Angriffe auf ICE-Beamte gegeben. Zusätzlich gab es 66 Angriffe mit Autos auf Behördenmitarbeiter.

Die Gewalt gegen ICE eskalierte in den vergangenen Wochen nochmals deutlich – in Minneapolis, wo ICE wegen eines Betrugssystems durch Mitglieder der somalischen Diaspora zuletzt verstärkt aktiv war, ist der Widerstand gegen ICE in massive Demonstrationen und gewalttätige Ausschreitungen ausgeartet. Ein bekannter Ausruf der Demonstranten lautete: „Rette ein Leben – töte einen ICE-Beamten!“

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8 Kommentare

  • Ich drücke es mal „neudeutsch“ aus: „ICE, ICE Baby“ 😉🤟

  • Na, Atlas. Noch nicht wach? Wo bleibt dein Trump-mobbing. Stimmt, ist noch nicht deine Uhrzeit…

    • Der muss sich erst seinen Haferbrei übers Lätzchen schieben,

    • Interessant. Seit Sonntag habe ich hier keine Kommentare mehr gelesen, und nun ist der erste, den ich lese, einer, der meine Person erwähnt. Unweigerlich drängt sich mir die Frage auf: Hat man mich so sehr vermisst?

      Wenn ich zudem betrachte, worüber hier berichtet wird und wie persönlich sowie emotional die Leser kommentieren, fühle ich mich in meiner Entscheidung bestätigt, mich hier nur noch selten oder vielleicht gar nicht mehr zu beteiligen.

      • Na ja.. Atlas sieh es mal so: wenn man länger ein Pfeifen im Ohr hat, welches urplötzlich verschwindet, vermisst man es auch, selbst wenn es etwas Lästiges, Negatives ist 😉

      • Schade!

  • AN: was wollt Ihr mit dem Wort „Diaspora“ aussagen?

  • der Schlußsatz ist das Beste am ganzen Artikel

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