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Wolfram Weimer – der wichtigste Politiker der Bundesregierung

Wolfram Weimer will nicht zurücktreten – und begründet das damit, dass er sich den „rechten Trollen“ nicht beugen wolle. Was für eine Farce – die Hilfe von Links, auf die er spekuliert, hat er längst verloren.

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Man muss schon ziemlich dreist sein, wenn man Politiker werden will. Immerhin maßt man sich damit an, dass man geeignet wäre, über das Leben anderer zu bestimmen. Ich weiß also eigentlich gar nicht, warum mich die Dimensionen von Dreistigkeit bei Politikern immer wieder so aus der Fassung bringen. Man würde meinen, wenn man die Politik über Jahre hinweg verfolgt, gewöhnt man sich an so was. Vielleicht ist das aber gerade auch eine Qualität für diesen Job, denn wenn man sich irgendwann über nichts mehr aufregt, hat man nichts mehr zu schreiben. Jedenfalls keine eigene Meinung mehr. 

Diese Woche ist es Wolfram Weimer, mit dessen Dreistigkeit ich nicht so wirklich klarkomme. Der Anlass ist offensichtlich, gewissermaßen selbstverschuldet. Man wirft uns vor, dass wir ihn stürzen wollen würden, dass das eine Kampagne von uns wäre, dieser Artikel wird wohl auch wieder in die Gesamtzahl an Artikeln eingerechnet, die wir ihm in diesem Monat gewidmet haben, was dann wieder irgendwas beweisen sollte. Ich empfinde es nicht als unsere Aufgabe und dementsprechend nicht als unsere Mission, Weimer zu stürzen. 

Sein Rücktritt bleibt eine politische Entscheidung. Dennoch ist die Presse ein Kontrollorgan. „Public Watchdog“ nennt man das auch. Es war unsere Aufgabe, Missstände aufzudecken, jetzt ist es unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass das Thema nicht unter den Teppich gekehrt wird. Dementsprechend müssen wir das Thema in den Schlagzeilen halten, und dann reicht die Artikelzahl eben in den oberen zweistelligen Bereich. Wenn man das als Kampagne bezeichnen will, sollte das ohne negativen Unterton geschehen. Genau dafür gibt es die Pressefreiheit doch schließlich. 

Dieser Artikel ist kein Teil dieser „Kampagne“. Nachdem ich unfreiwillig auf die Gedichtszeilen gestoßen bin, die Weimer als Jugendlicher geschrieben haben soll, wollte ich mich eigentlich möglichst wenig mit dieser Personalie beschäftigen. Ich habe auch früher Gedichte geschrieben – über neblige Sommertage im Wald, die Wellen der Ostsee und Weihnachtsvorfreude. Ich wünschte, dass ich die noch irgendwo rumzuliegen hätte, um mich von dem reinzuwaschen, was meine armen Augen da wahrnehmen mussten. Ich glaube, so was bringt einem drei Tage länger im Fegefeuer ein. 

Mein Problem ist aber, dass ich tatsächlich Apollo-Leser bin – ich weiß, total unseriös. Und als ich da die Überschrift gelesen habe, dass Weimer wirklich schon wieder behauptet, dass das alles nur eine Kampagne von Rechts, genauer der AfD, sei, da bin ich einfach wieder in blanke Fassungslosigkeit verfallen. Mit diesem Artikel verpflichte ich mich also nicht – so ehrlich muss man sein – dem höheren Gut der Pressefreiheit, sondern nur meinem mentalen Wohlbefinden.

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Genauer erklärte er im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung, er sei der „Hauptgegner“ von „aggressiven Kampagnen“ der AfD. Er gibt sich aber kämpferisch und kündigt an, er werde sich „den rechten Trollen nicht beugen“. Er will nicht mitansehen, wie das Land in den „Rechtsautoritarismus“ abrutsche und „keinen Zentimeter nachgeben, wenn es um unsere kulturelle Vielfalt in Theatern, Museen oder Gedenkstätten geht“. Der arme Wolfi, die Verantwortung für Theater und Museen in einem Land wie Deutschland zu tragen, muss hart sein, ganz besonders in Zeiten wie diesen. Jeder redet doch gerade von den furchtbar rechtslastigen Theatern, in die sich kein Linker mehr reintraut. Und wo sieht man heute schon noch Diversität und Vielfalt in der Kunst?

Wir erleben häufig, dass Politiker, NGOs, Firmen – einfach jeder, der Imageprobleme hat – die „Kampagne von Rechts“ vorschiebt, um sich hinter einem größeren Feindbild zu verstecken und berechtigte Kritik mundtot zu machen. Bei Wolfram Weimer wird es zu so einem lustigen Schauspiel, weil es so offensichtlicher Schwachsinn ist. Erstens hat die AfD mit dem Thema gar nichts zu tun. Sie konnte genauso nur servierte Tatsachen aufgreifen wie die Linken auch, namentlich etwa Gregor Gysi. Zweitens: Warum sollte die AfD ausgerechnet ihn zum Hauptgegner ihrer Lügenkampagne ernennen?  

Ganz ehrlich, wer zur Hölle hat sich vor den Skandalen um seine Firma für Wolfram Weimer interessiert? Ich nicht. Ich glaube, die Allermeisten kannten weder ihn noch sein Amt. Und noch weniger könnten erklären, was der Unterschied zwischen einem Staatsminister und einem Bundesminister überhaupt ist. Sein Amt hat keine Bedeutung in der Breitenwirkung. Wenn man einen Coup gegen die Bundesregierung starten wollen würde – mit ausgedachten, fabrizierten Anschuldigungen und gefälschten Beweisen –, warum sollte man mit den unwichtigsten Posten anfangen? Warum nicht Friedrich Merz, Lars Klingbeil? 

Wenn Wolfram Weimer morgen weg wäre, würde sich am Kurs der Bundespolitik nichts ändern. Was für eine Verschwendung an Kampagnen-Ressourcen. Wie sollte die AfD ausgerechnet auf Wolfram Weimer stoßen? Ein Rachefeldzug für die Urheberrechtsverletzung gegen Alice Weidel? Gestern klaut er noch ihre Reden, heute nutzt er sie als Schutzschild. Das Einzige, was die AfD ausgerechnet an Weimer auszusetzen haben könnte, wäre seine seltsame Obsession damit, sich an ihr zu bereichern. 

Obendrauf kommt noch, dass Weimer wirklich glaubt, dass sich der Schutz von Links so leicht erkaufen lässt. Die Linken canceln sich untereinander fast noch mehr als die Rechten, ein falscher Genderstern oder kulturell angeeignetes Ingwerplätzchen und man ist raus, aber Wolfram Weimer, der Karriere als konservativer Politiker gemacht hat, meint, er könnte einmal „Die böse AfD!“ rufen und alles ist vergessen. Das ist für mich quasi die kandierte Kirsche auf dem Sahnehäubchen dieser schlechten Verteidigungsstrategie, an der hoffentlich keine bezahlten PR-Berater beteiligt waren. 

Denn was das Lager um Friedrich Merz nicht versteht, ist, dass die Brandmauer eigentlich nur für sie gemacht ist. Die SPD, die Grünen oder die Linken würden typischerweise gar nicht Gefahr laufen, sich irgendwie mit der AfD zu überschneiden. Sie müssen sich nicht zurückhalten oder irgendwelche Kompromisse eingehen, um die Brandmauer aufrechtzuerhalten. An der Grenze steht nur die CDU. Die denkt, dass das ein freudiges, glückliches Gemeinschaftsprojekt ist und sie endlich auch mal dazugehört. Und dass sie für ihren Einsatz irgendwann mal belohnt wird. Doch dieses Projekt ist eine Einbahnstraße. Und es wird keiner kommen, um sie zu retten.

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39 Kommentare

  • Er lenkt ab. Das tatsächlich Erschreckende ist, dass sein Verhalten in der höchsten Politik als normal angesehen wird.

    • In „unserer Demokratie“ ist alles genehm, so lange es nicht von rechts kommt.

  • Das Problem ist, dass alles bereits vorbeizugehen droht.
    Der Druck auf Weimer hat in dieser Woche, zumindest für mich gefühlt (mir ist klar, dass das nicht verlässlich sein muss), deutlich nachgelassen.

    Merz und Weimer scheinen die Affäre oder muss man eher sagen die Affären aussitzen zu wollen.

    Und ich habe den Eindruck, dass ihnen das auch zu gelingen scheint.

    • In Bayern ist dafür gesorgt, dass die Affäre weiter brodelt

    • Ich kann mir vorstellen, dass gerade die lächerliche Verteidigungsstrategie und Merz‘ Pro-Weimer-Basta einige Medien motiviert, in der Geschichte noch tiefer zu graben und sie eben nicht im Sande verlaufen zu lassen.
      Dass es vor eine weiteren Enthüllung eine Zeit lang eher ruhig ist, verbinde ich mit der Hoffnung auf Qualitätsjournalismus wie bei AN, also keine unsauberen Schnellschüsse sondern unwiderlegbare Fakten zu liefern.

  • Sehr geehrte Frau David,
    für ihren scharfsinnigen Beitrag über die
    babylonische Gefangenschaft der CDU möchte ich ihnen danken.

  • Ein Unternehmer der Politik(er) verkauft. Am Ende bekommt Er als Boni eine vom Steuerzahler finanzierte Apanage. Ich finde es immer schön wenn am Ende ein Märchen wahr wird!

  • Ich finde Friedrich Merz übrigens noch viel dreister. Er ist es, der Weimer die Rückendeckung gibt.

  • Eltern zu ihrem Kind; die Schule hat angerufen, du warst drei Tage nicht in der Schule.
    Kind zu Eltern: das ist alles nur eine Kampagne von rechts gegen mich. Es entstehen jetzt ungeahnte Möglichkeiten für Schulschwänzer und Schulverweigerer. Wenn ein Kulturminister solche Ausreden findet, warum also nicht auch die Kinder in der Schule?

    • und Mutti schreibt ein Attest

  • Nicht dass hier noch jemand meint es würde sich was bewegen, hier zur aktuellen Meldungslage (04.12.2025) in Bezug auf Wolfram Weimer:
    https://www.google.com/search?sca_esv=23dd50ea98785b26&q=wolfram+weimer&tbm=nws
    Die wichtigsten Nachrichten sind offenbar
    „Eurovision Song Contest: Weimer gegen deutsche ESC-Teilnahme, falls Israel ausgeschlossen wird“ (Die Zeit)
    „„ttt Talk“: Kulturstaatsminister Weimer kündigt „Milliarden-Impuls“ für deutsche Filmbranche an“ (MDR)
    „Weimer Media Group: Drei Minister sagen für Ludwig-Erhard-Gipfel 2026 zu“ (WELT)
    Dazu vielleicht noch interessant: „2026 lädt die Weimer Media Group erneut zum Ludwig-Erhard-Gipfel ein: Drei Bundesminister haben ihre Teilnahme bereits zugesagt. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer lässt seine Anteile an der Firma nun treuhänderisch verwalten, doch die Grünen sehen weiter Interessenkonflikte.“ – also alles keine so große Sache…

  • Die Anwaltskammern werden ihren Klienten jetzt immer bei Korruption und Betrug empfehlen, immer alle Vorwürfe zurückzuweisen und als Kampagne von “ Rechts“ zu bezeichnen.

    • solange es nichts Neues gibt ist Weimer pure
      Zeitverschwendung.

  • Weimer hängt an Merzens seidenem Faden. Im Grunde weiß er das auch, er will es nur nicht wahrhaben. Ich würde wetten, er holt sich beim Kanzler alle drei Tage eine Bestätigung für seine Daseinsberechtigung ab.

    • Vor allem ist ihm auch der Rückweg in die Medien verbaut. Der Mainstream (FAZ, ZDF, SZ, die Zeit etc.) hat ihn auf eine Weise fallen lassen, die das unmöglich macht. Und bei den alternativen Medien braucht er natürlich auch nicht mehr anzukommen.

      Dieses „gegen rechts“, was er da im Moment probiert, ist in gewisser Weise surreal und gespenstisch. Es spricht ja auch für sich, wen er da noch „bekommt“: ein Artikel in der Welt, wo sein Sohn arbeitet, und die Osnabrücker Tageszeitung (nichts gegen Osnabrück!).

      Wenn er es noch bis, sagen wir, in den Januar schafft, kann er sich natürlich in der Kulturbranche wieder Jubel „kaufen“, weil er über die Vergabe relativ vieler Subventionen verfügt. Aber die mögen ihn natürlich nicht, weil er irgendwie cool oder einer von ihnen wäre, sobald er sein Amt nicht mehr hat, kennen die ihn gar nicht mehr.

      Es ist vorbei.

  • Weimer hat sich immer kulturalistisch betätigt. Sonst wäre er gar nicht im Amt. Ihm eben jenes zum Vorwurf zu machen, ist von Rechts und Links einfach infam.

  • Der Mann hat mit Hilfe seiner Amtskollegen mächtig Kohle gescheffelt. Oder würde jemand 40.000 Euro zahlen, wenn es sich um Normalos gehandelt hätte, die da auf die Tegernseer Bühne treten?
    Dubios auch die öffentlichen Gelder, die an seine Firma geflossen sind. Wieso eigentlich? Die Firma stand und steht gut da.
    Als Minister mit entsprechender Vorbildfunktion muss er sich solchen Fragen stellen.

  • Manche kleben am Stuhl, eine Rückgrat aus Gummi und keine Moral begünstigen das noch.

  • Strategisch hellsichtig, Frau David. Aber Merz hat es bis heute nicht begriffen. Und Weimer ist als Person völlig unwichtig. Er ist nur ein Schlawiner, der sich die Taschen füllen will. So wie ich die Sache sehe, ist diese Regierung in einem Jahr Geschichte. Weimer wird dann auf den Spuren von Roland Schill wandeln, falls den noch jemand kennt.

    • Unterschätzen Sie nicht den gewaltigen Linksblock in unserem Land.

      • 42% waehlen 4 linke parteien und da kommen jetzt noch 26% cdu- waehler hinzu, wie man heute morgen bei apollo lesen kann… (h. wuest artikel).
        da kommt man auf 68% der waehler, die einen linken kurs wollen, und das ganz freiwillig !
        von solchen zahlen konnte erich honecker nur traeumen.

      • Stimmt. Könnte sein, dass dann eine Linkskoalition unter Duldung der CDU regiert oder die AfF verboten ist. Aber Merz und Weimer sind dann vorbei.

    • Ronald Barnabas Schill: Der Provokateur – Autobiografie. Soundtrack, Berlin 2014
      Ich freue mich auf die Weimer’schen Memoiren.

  • Die Freiheit, die man genießt:

    Jeder kann sich so lächerlich machen, wie er will.

    Nur zu –

    • Die Kommentare sprechen allerdings auch für sich. Immerhin.

    • Ich kenne nur die Zusammenfassung des Artikels von Wallasch. Aber die ist schon so krass, dass man sich echt fragen muss, was der Schreiber sich (heimlich?) dabei gedacht hat.

      Besonders heftig finde ich die Stelle, wo Weimer beschrieben wird, wie er im Bistro der Gedenkstätte (Zitat: „in einer angenehmen Atmosphäre“) ein Stück Mohntorte „ordert“, um dann „mit Mohnkrümeln im Mundwinkel“ über Erinnerungspolitik und Religion zu philosophieren, und Geschichten aus seiner Familie erzählt, die einem schon wieder irgendwie erschwindelt vorkommen.

      Mein Tipp: wahrscheinlich wurde ein Schreiberling dazu verdonnert, weil Weimers Sohn bei der Welt arbeitet, und hat dann zwischen den Zeilen seine Ironie eingebaut.

  • Die Ukrainisierung in ihrem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf!

  • wie unwichtig der ist zeigt die Anzahl der Kommentare.
    Mit dem locken Sie keine Maus mehr hinterm Kachelofen raus.

  • Großartiger Text über ein Häufchen Elend namens CDU.

  • Auch meine Denke.

    Wichtigster Politiker wäre er nur, wenn er es schafft, mit seinem Gierhals selbst die Beine des Kanzlerstuhls weg zu saugen.

  • Da er von den anderen CDUCSUler nicht kritisiert und zum Rücktritt gezwungen wird, gehe ich davon aus dass sie alle involviert sind- auch etliche SPDler- insofern ist die Korruption hier nichts anders als in der Ukraine- nur dort erfolgen Untersuchungen und Rücktritte, hier erfolgt nichts- korrupter als in der Ukraine- was für verachtenswerte Gestalten- und die Medien spielen wie immer voll mit- eine polit-mediale Diktatur

    • in der ukraine haben sie ein spezielles kommittee fuer aufklaerung von korruption.

  • Bitte dran bleiben! Es kann nicht sein dass sich Korruption nun in diesem Land auch noch auszahlt. Bald haben wir sonst ukrainische Verhältnisse.

  • Sagenhaft guter Aufsatz.
    Das Wort „Vielfalt“ kann ich allmählich nicht mehr hören, so wenig wie „Hass und Hetze“ oder „Kampf gegen Rechts“. Das alles sind nur noch wohlfeile Floskeln für alles Beliebige, die in der bequem-dummen Masse kleben bleiben, wie in einem durchgekauten Kaugummi.
    §188 StGB wurde gegen Politikerbeleidigungen eingeführt.
    Gibt es denn keinen Paragraphen gegen Beleidigungen der freien Presse? „Troll“ erfüllt meiner Meinung nach diesen Tatbestand der Beleidigung der vierten Gewalt.

  • Ein Symptom, der Kerl. 🤬

  • Ich möchte den blöden Weimer eigentlich nicht direkt neben Ihnen sehen.

  • Es werden keinerlei Konsequenzen für Weimer erfolgen.
    Die Elite lässt das nicht zu.
    Nur eine neue Regierung kann das Land wieder auf die Füße stellen.

    • Ja und am besten wäre es, es wäre eine blaue Regierung.

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