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„Trifft uns schwer“

Kahlschlag beim Weltmarktführer: WMF schließt drei Werke im Südwesten, Konzern baut Tausende Stellen ab

WMF und ihr Mutterkonzern, die Groupe SEB, wollen europaweit mehr als 2.000 Stellen abbauen. Drei Werke will der Konzern schließen, darunter das Stammwerk von Silit. Diese Produkte könnten künftig in Asien hergestellt werden.

Der Stammsitz von Silit in Riedlingen soll geschlossen werden. (IMAGO/Dreamstime)

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Der französische Haushaltswarenkonzern Groupe SEB plant umfassende Einschnitte in seiner Geschäftsstruktur. Der Weltmarktführer für elektrische Haushaltskleingeräte beabsichtigt, im Rahmen eines Sparprogramms weltweit bis zu 2.100 Stellen abzubauen. Zu dem Konzern gehören bekannte Marken wie WMF und Tefal. Auch mehrere deutsche Werke stehen vor dem Aus.

Durch die Maßnahmen strebt die Groupe SEB an, bis Ende 2027 Einsparungen in Höhe von 200 Millionen Euro zu realisieren. Weltweit beschäftigt die Groupe SEB mit Hauptsitz in Écully, Frankreich, aktuell rund 30.000 Mitarbeiter. In der DACH-Region beschäftigt die Groupe SEB derzeit rund 4.400 Mitarbeiter. Ins Leben gerufen wurde das Unternehmen im Jahr 1857.

Allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz sollen bis zu 600 Arbeitsplätze wegfallen. Hinzu kommen rund 500 Stellen in Frankreich und 300 weitere an anderen europäischen Standorten. Wie aus einer Mitteilung des Konzerns hervorgeht, wird der Stellenabbau mehrere Unternehmensbereiche betreffen – darunter Verwaltung, Vertrieb und Marketing, den stationären Handel sowie Teile der Produktion.

Neben dem Stellenabbau sind auch Standortschließungen vorgesehen – davon soll das traditionsreiche Silit-Werk im oberschwäbischen Riedlingen ebenso betroffen sein wie die Werke in Hayingen (Baden-Württemberg) und in Diez (Rheinland-Pfalz). In Riedlingen werden Töpfe und Pfannen der Weltmarke gefertigt, in Hayingen werden Messer produziert und in Diez Backformen hergestellt.

Das 1956 gegründete Werk in Riedlingen ist Stammsitz der Silit-Werke GmbH & Co. KG und fungiert seit 2016 ausschließlich als Produktionsgesellschaft innerhalb der WMF-Gruppe. Zugleich zählt der Standort zu den bedeutendsten Arbeitgebern der Stadt. Entsprechend betroffen zeigte sich das Rathaus angesichts der Ankündigung. „Die Nachricht trifft unsere Stadt schwer“, heißt es in einer vom Wochenblatt veröffentlichten Stellungnahme. Rund 130 Beschäftigte sind vor Ort von der Entscheidung betroffen.

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Die Kapazitäten aller drei Standorte sollen nach Angaben des Konzerns auf andere Werke verlagert werden. Berichten der Schwäbischen Zeitung zufolge bedeutet dies unter anderem, dass Produkte der Marke Silit künftig in Asien gefertigt werden sollen. Insgesamt sind rund 250 Mitarbeiter von der Produktionsverlagerung betroffen.

Welche konkreten Folgen das angekündigte Sparprogramm für den WMF-Hauptstandort in Geislingen haben wird, ist derzeit noch unklar. In der aktuellen Pressemitteilung unterstreicht die Groupe SEB jedoch die Bedeutung des Standorts. „Der Campus im baden-württembergischen Geislingen bleibt weiterhin Hauptsitz der Marke WMF, regionales Headquarter für die Region DACH der Consumer-Einheit und globales Kompetenzzentrum für professionelle Kaffeemaschinen“.

An der Börse wurde der angekündigte Sparkurs positiv aufgenommen. Infolge der Mitteilung legte der Aktienkurs am Mittwoch zeitweise um elf Prozent auf rund 59 Euro zu. Interpretiert werden kann dies wie folgt: Investoren bewerteten den „Rebound“-Plan als glaubwürdig und als notwendigen Schritt zur Wiederherstellung der Rentabilität.

Derzeit deutet sich an, dass der langfristige Abwärtstrend der Aktie, der seit Mai 2021 anhält – damals notierte die Aktie noch bei über 150 Euro – durchbrochen werden könnte und sich das Papier entsprechend erholen könnte. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass SEB nach den Produktionsverlagerungen wieder profitabler wirtschaftet.

Hintergrund des konsequenten Sparkurses, den die WMF-Mutter vorantreibt, ist nicht zuletzt der intensive Wettbewerbsdruck aus Asien. Hersteller aus Asien, insbesondere aus China, treten mit äußerst niedrigen Preisen und hoher, wenn auch oberflächlicher Innovationsgeschwindigkeit auf. Dies führt dazu, dass etablierte Anbieter wie SEB zunehmend Marktanteile verlieren.

Dass chinesische Produzenten Haushaltswaren günstiger anbieten können, liegt vor allem an den profitableren Standortbedingungen im Reich der Mitte. Im Vergleich zu Westeuropa sind Energie- und Arbeitskosten dort niedriger, Bürokratie sowie Steuer- und Abgabenbelastung geringer. Zudem profitieren die Unternehmen in der Volksrepublik von umfangreichen staatlichen Subventionen. Dies ermöglicht es ihnen, ihre Produkte zu wettbewerbsfähigeren Preisen auf dem Weltmarkt anzubieten.

Vor diesem Hintergrund plant auch SEB, Teile der Produktion nach Asien zu verlagern, um so Kosten zu senken. Neben Fernost erwägt der Konzern Medienberichten zufolge auch eine Ausweitung der Kapazitäten in Länder wie die Türkei, Brasilien und Ägypten. An diesen Standorten dürfte es dem französisch geführten Weltmarktführer ebenfalls leichter fallen, kosteneffizient zu wirtschaften.

Auch die insgesamt schwache Konsumlage in Europa hat das Geschäft von SEB zuletzt stark belastet. Seit mehreren Jahren ist die Nachfrage insbesondere in Deutschland verhalten. Geopolitische Spannungen, anhaltend hohes Preisniveau sowie strukturelle Probleme in den Sozialsystemen gelten als wesentliche Ursachen. Erst im Februar stieg die Sparneigung der deutschen Verbraucher auf den höchsten Stand seit der Weltwirtschaftskrise 2008/2009 (mehr dazu hier).

Wie stark die Konkurrenz aus China beziehungsweise der rückläufige Konsum den Weltmarktführer zuletzt wirtschaftlich unter Druck gesetzt haben, zeigt sich deutlich in den Geschäftszahlen. So musste SEB im vergangenen Jahr seine Umsatz- und Gewinnprognose gleich zweimal nach unten korrigieren.

Am Ende stand ein spürbarer Einbruch: Das operative Ergebnis sank um 25 Prozent auf 601 Millionen Euro. Der Nettogewinn belief sich 2025 auf 245 Millionen Euro bei einem Umsatz von 8,17 Milliarden Euro. Den Aktionären soll dennoch eine unveränderte Dividende in Höhe von 2,80 Euro je Aktie ausgezahlt werden.

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49 Kommentare

  • Ist doch super! Baden-Württemberg wird noch schneller CO2-neutral.

    • und bedeutungslos

  • immer tüchtig Schwarz-Grün oder Grün-Schwarz wählen, dann ist auch bald der Rest der Industrie aus BW verschwunden. Aber dafür ist dann der Bahnhof in Stuttgart für 30Mrd. in 10 Jahren fertig

    • Wie nur 30Mrd und in 10 Jahren schon fertig ?? Haben die jetzt endlich mal eine Festpreis vereinbart und sich auf einen verbindlichen Bauzeitenplan Geeinigt wie es für jeder andere Investor und Geschäftsmann eigentlich vor Baubeginn selbstverständlich ist ?

    • Nur in 10 Jahren? Nicht eher 30 Jahre?

  • „……die AFD wird die deutsche Wirtschaft zerstören, wenn sie an die Macht kommt…..“ sagen die Altparteien.
    Kann die AFD gar nicht. Bis dahin wird nach der Zerstörungsorgie der Altparteien nichts mehr von der deutschen Wirtschaft übrig sein.

  • Mir schwant, dass dieses Land bankrott ist, bevor die ersten Visa für Indische Fachkräfte ausgestellt sind.

    • die Inder können dann mit ihren Kobras am S21 Bahnhof auftreten

  • Weiter Grün/Schwarz wählen liebe BW. Leider wollt ihr das so.

  • Es geht weiter, mit der Wirtschaftszerstörung in Europa zugunsten eines Klimawahns.

    • Nicht zu vergessen die Steuern, Regulierungen und Energiekosten, da kommt so einiges zusammen. 🙁
      Aber es gibt ja Länder wie China, Indien oder USA, die den Klima-Wahnsinn nicht mitmachen, niedrige Energiekosten und kaum Regulierungen haben

  • Die Mehrheit hat diesen Kurs bestätigt und wird das weiterhin tun. Hohe Energiepreise = Verelendung

  • Wer immer weniger Geld hat muss halt preiswert kaufen. Ich habe chinesische Billigtöpfe. Die erfüllen ihre Funktionen schon mehr als 10 Jahre.
    Vorteile die auf Marketing beruhen brauche ich nicht.

    • Ich habe einiges von WMF, von früher. Da war die Qualität noch sehr gut.
      Seit vielen Jahren hat diese aber sehr stark nachgelassen und ist/war nur teuer und das Markteting hielt alles am laufen.
      Mit WMF verbindet man von früher eben noch Qualität, was aber leider nicht mehr zutrifft.
      Es ist wie mit so sehr Vielem, Qualität schlecht/deutlich schlechter und Preis hoch. Das kann auf Dauer nicht gut gehen.
      Und wie die Bürger wählen, kann auch niemand mehr nachvollziehen. Sie wählen tatsächlich unbeirrt ihren völligen Untergang.
      Da es doch einigen noch sehr gut geht (wirtschaftlich), sie zehren aus dem Gewesenen, bleibt diese völlig übertriebene egoistische Einstellung erhalten. Ganz dem Motto: Hauptsache mir geht’s gut.
      Allerdings wird diese Rechnung nicht ewig aufgehen.

    • Zur Ehrenrettung von Silit sei gesagt: Die Silargan-Emailtöpfe gehören zum besten Kochgeschirr, das es gibt.
      Kein Werbespruch, sondern Realität. Leider aber auch sehr teuer, dank der Standortpolitik der Altparteien.
      Höchste Energiekosten, höchste Steuern und Abgaben, höchste Material- und Transportkosten, irrsinnige Bürokratie, hohe Löhne. Das ist bei internationaler Konkurrenz nicht durchzuhalten.
      Langfristig wird bei dieser Politik die gesamte deutsche Industrie abwandern. Dann geht dem Staat das Geld aus und auch die Beamten und der öffentliche Dienst werden leiden.
      Kaufen sie also nur weiter ihre China-Ware und wählen sie die Altparteien.
      Nur, wer wird ihnen in einem wirtschaftlich kollabierten und bankrotten Land ihr Gehalt, ihre Pension oder ihre Sozialhilfe zahlen? China??

    • Ich hatte 2 teure Pfannen von Silit, pro Stück 79,90.
      Schlechte Qualität, unebener Boden. Habe die nach 1 Jahr entsorgt und dann eine Pfanne bei Aldi gekauft, 19,95. Die hat einen ebenen Boden und anscheinend bessere Qualität als Silit.

  • „Wir werden nichts besitzen, aber wir werden glücklich sein…“ sagte einst Klaus Schwab. Seine „Enkel“ setzen das jetzt um, indem sie den Betrieben den berühmten „Gashahn“ abdrehen.

  • Nein, nein, das glaube ich alles nicht. Haben doch die hohen Herren aus der Wirtschaft erst kürzlich heftig in die Hände geklatscht, als unser großer Vorsitzender eine heroische Rede gehalten hat…

    • Wir müssen nur mehr arbeiten, hat unserer großer, unfehlbarer Kanzler auch gesagt. 😂

  • Aber hatte nicht ein Politiker gerade gesagt, dass es mit der Wirtschaft Deutschlands bergab gehen wird, wenn die AfD an die Regierung kommt?

  • Die haben wohl schlecht gewirtschaftet….;-)

  • „(…) globales Kompetenzzentrum für professionelle Kaffeemaschinen“.

    Professionelle Kaffeemaschinen? Hmmm … Kann man so sehen, wenn man will. Ich will nicht. Das einzig Professionelle ist die geplante Obsoleszenz. Meine letzten beiden WMF-Kaffeemaschinen erreichten nicht einmal das Ende ihrer Garantiezeit. Seither koche ich meinen Kaffee mit einem anderen Produkt.

    • Professionelle kaffeemaschinen kommen meist aus Italien (wer hat’s erfunden…?) Habe auch mit hochgelobten schweizer modellen (nach einem kanton benannt) nur theater gehabt: teuer, unzuverlässig und happige wartungskosten.

  • Dann werde ich also für Töpfe und Pfannen von WMF und Silit demnächst nur noch TEMU – Preise bezahlen müssen…super

    • weiter träumen 🙂 🙂

  • Tja, auch CHINESEN müssen sparen…;-)

  • Das Silit-Werk in Riedlingen gehört dem Organisationsbereich der Ulmer Geschäftsstelle der IG Metall an. Um vor allem auf Fabrik-Schließungen vorbereitet zu sein, sind zwar in der Vergangenheit keine Mühen gescheut worden, insbesondere über die intellektuelle Kraft zu verfügen, die dafür stets Not tut. Aber die Träger des damit unverzichtbaren Denkens stellten hauptamtliche Gewerkschaftsfunktionäre bereits vor Jahren dort einfach ins Abseits. Es kommt dann nicht von ungefähr, wenn die Silit-Belegschaft dadurch auf sich selbst zurückgeworfen ist. Dem Versprechen des 1. Bevollmächtigten Michael Braun „Wir lassen dich nicht im Regen stehen“ fehlt es angesichts dessen längst an der erforderlichen Substanz.

    • Nur zur Erinnerung: Der französische Soziologe Emile Durkheim reklamierte schon im Jahr 1897, dass der Intellekt der einzig verfügbare Wegweiser ist, sobald der Instinkt aussetzt. Eine der vielleicht verhängnisvollsten Folgen ist heutzutage eine völlige Orientierungslosigkeit, falls weiterhin intellektuelle Kraft nur einen verschwindend geringen Marktwert hat. Es verliert sich dann alles in einem trostlosen Ungefähr. Exakte Aussagen darüber, was richtig und was falsch ist, sind nicht mehr möglich. Eine scharfe Kritik nicht zuletzt an der Schließung des Silit-Werks in Riedlingen zu üben, ist daraufhin bereits im Ansatz zum Verstummen gebracht.

      • Übrigens: Ist das Schicksal des einzelnen Arbeiters ungeklärt, fehlt es einer hochentwickelten Industriegesellschaft insgesamt an einer Richtung. Fraglich bleibt deshalb auch künftig, warum fortwährend keinerlei Anstalten unternommen werden, den dazu notwendigen Aufschluss zu gewinnen? Immerhin schützt das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland den Menschen als Individuum und nicht als Kollektiv. Zuvörderst eine Werksschließung hätte dem Rechnung zu tragen, wenn die Entscheidung nicht willkürlich sein soll. Die Groupe SEB müsste insofern erst noch offen vor Augen legen, das Recht, einen Betrieb an ein Ende kommen zu lassen, begründet in Anspruch zu nehmen. Ansonsten stünde zu befürchten, dass sich das Unternehmen bloß selbst ruiniert.

  • Meine Güte lässt Deutschland nach. WMF war mal das A und O der Küchentechnik. Sehr gut und teuer. Es war eine Auszeichnung, sowas zu besitzen. Tempi passati.

  • So lange die Bürger noch genug Geld haben, um Steuern zahlen zu können, sind sie ruhig und mucken nicht auf.

  • Da freuen sich doch die Landesbürger, wenn sie bald Bürgergeld beziehen dürfen.

  • Sollen sie halt Blechnäpfe fürs Militär produzieren.

  • Mit Özdemir kann es nur besser werden-)))

    • …und ich kann die BW nicht mal bedauern… :))

  • Diese Art Nachrichten waren und sind seit langer Zeit erwartbar, warum also so überrascht??? Hat man geglaubt, dass diese „Wahnpolitk“ keine gravierenden Schäden hinterlässt? Glaubt man immer noch, das das kleine, geistig doch immer noch eingeschränkte Menschlein das Klima beherrschen, retten oder bezwingen kann? Wann hat eigentlich der geistige Größenwahn in derartigem Maße seinen Einzug in die Gesellschaft gehalten? Wirr, irr, komplett wahnsinnig!

  • Möchte nicht wissen, wieviel CO2 in einem Geschäftsjahr die nicht nur jeweils selbst ausgestossen, sondern auch bei ihren Zulieferern verursacht haben.
    Damit ist jetzt Schluß!

    -18
  • „insgesamt schwache Konsumlage in Europa“, „Nachfrage insbesondere in Deutschland verhalten“ – Ach?! Sollte das etwa mit explodierenden Kosten (Abgaben, Steuern, Beiträge, Inflation, Mieten usw.) bei stagnierenden Löhnen zu tun haben?! Und WARUM die Kosten explodieren, ist jedem klar, bei dem 1+1 noch immer 2 und nicht 5 ist!

  • Dann verkauft euern kram in China.

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