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Wie Olympiasiegerin Alysa Liu zur Heldin der US-Rechten wurde

Eileen Gu wuchs in Amerika auf und studiert in Harvard.Gegen viel Geld tritt sie bei den Olympischen Spielen dennoch für China an. Seitdem kritisiert sie Donald Trump, aber nie Xi Jinping. Alysa Liu tritt hingegen stolz für die USA an – und wird von der US-Rechten gefeiert. Eine Geschichte über Patriotismus und Freiheit auf dem Eis.

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Alysa hat auffällig gefärbte Haare. „Halos“ (zu Deutsch „Heiligenscheine“) nennt sie die gebleichten Querstreifen in ihrem sonst dunkelbraunen Haar. Sie trägt viele Ohrringe, und wenn sie lächelt, sieht man das selbstgestochene Piercing unter ihrer Oberlippe, das aus bestimmten Winkeln die Illusion kleiner Vampirzähne erzeugt. Alysa Liu ist Eiskunstläuferin, und zwar nicht irgendeine. Sie hat gerade als erste US-Amerikanerin seit über zwei Jahrzehnten bei den Olympischen Winterspielen Gold gewonnen. 

Wenn man sich fragen würde, ob sich dieser Erfolg in ihrer Karriere abgezeichnet hat, wäre die Antwort: erst ja und dann auf gar keinen Fall.  Mit 13 Jahren wurde sie zum ersten Mal US-Meisterin der Frauen und stellte damit als jüngste Gewinnerin aller Zeiten einen Rekord auf. Ihre Konkurrentinnen mussten sie auf das Treppchen heben, und selbst ganz oben auf dem ersten Platz war sie noch kleiner als die anderen auf den unteren Stufen. Im nächsten Jahr gewann sie wieder, ein weiterer Rekord. Mit 16 Jahren nahm sie zum ersten Mal an den Olympischen Spielen teil. Sie galt als die Nachwuchshoffnung im amerikanischen Eissport. 

Als sie wenig später bekannt gab, mit dem Eiskunstlauf aufzuhören, galt ihre Karriere als unwiderruflich und endgültig beendet. Zwei Jahre war sie weg, bis sie ebenso überraschend beschloss, wieder professionell zu trainieren. Ihre alten Trainer hatten versucht, es ihr auszureden. Niemand nimmt mitten in der Pubertät eine Auszeit vom professionellen Eiskunstlauf und kommt dann einfach so wieder zurück. Der Körper hat sich verändert, die Gewichtsverteilung ist anders – alles Umstände, die die Sprungqualität beeinflussen. Bisher hatte das noch niemand geschafft. Und doch: Alysa fand schnell zu ihrer alten Form zurück und wurde sogar noch besser. 2025 wurde sie prompt Weltmeisterin. Und diese goldene Strähne setzte sie bei den Olympischen Spielen nun fort. 

Die „Verräterin“

Zu Beginn der Saison wurde Alysa in der Wintersport-Szene für ihr nie dagewesenes Comeback gefeiert, in den sozialen Medien für ihre alternative Goth-Ästhetik, die in der konservativen Eiskunstwelt als Rebellion gilt. Doch nun ist Liu unverhofft noch in einer dritten Szene zu einer Art Heldin geworden – ausgerechnet unter den Rechten. Denn zu Alysa Liu gibt es noch eine Gegenspielerin: Eileen Gu, die „Verräterin“.

Eileen Gu ist wie Alysa ebenfalls US-Amerikanerin mit chinesischen Wurzeln. Sie ist in San Francisco geboren, ihr Vater hat in Harvard studiert, ihre Mutter in Stanford, wo sie selbst ebenfalls studiert. Wie Alysa nahm sie ebenfalls an den Olympischen Winterspielen 2026 teil, allerdings als Freestyle-Skierin. Hier enden die Gemeinsamkeiten, denn obwohl Eileen in den USA geboren und aufgewachsen ist und dort ausgebildet und trainiert wurde, trat sie nicht für die USA an, sondern für China. 

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Sie traf Chinas Staatschef Xi Jinping zum ersten Mal im Jahr 2019. Chinesische Staatsmedien berichteten, dass sie für den Beitritt zum olympischen Team die chinesische Staatsbürgerschaft angenommen habe, was – da es in China keine doppelte Staatsbürgerschaft gibt – grundsätzlich bedeuten würde, dass sie ihren amerikanischen Pass aufgeben musste. Für Eileen hat sich seitdem nicht viel geändert. Sie wohnt immer noch in den USA, studiert dort weiterhin an ihrer Elite-Uni. Sie hat in Interviews immer noch diesen Westküsten-Akzent. Sie ist auf den Titelseiten amerikanischer Magazine wie dem Time Magazine zu bestaunen und wirbt für amerikanische Luxusmarken auf dem US-Markt. 

Was sich für sie geändert hat, ist das viele Geld, das sie mit diesem Seitenwechsel verdient hat. China soll ihr Millionen gezahlt haben. Obwohl Freestyle-Ski wohl nicht der bekannteste Sport unter den Olympia-Disziplinen ist, gilt sie zumindest für Forbes mit über 20 Millionen US-Dollar Gehalt im Jahr als die bestverdienende Athletin der Olympischen Winterspiele 2026. Das überrascht dann doch nicht so sehr, wenn man bedenkt, dass ihr hübsches Markengesicht ja nun zwei sehr große Märkte bespielen kann: den westlichen und zusätzlich den chinesischen. 

Als Begründung, weshalb sie für China antritt, erklärt sie natürlich, sie wolle die kleinen Mädchen in China inspirieren. Wie süß und selbstlos. Doch man kann wohl ziemlich sicher sagen, dass die Athleten in China, die keine andere Wahl haben, als für China anzutreten, nicht so viel gezahlt bekommen wie Gu und auch nicht so viele Freiheiten genießen. Die eigentliche Botschaft, die sie nach China sendet, ist: Von Amerika aus betrachtet ist China eigentlich ganz schön. 

Kritik an Trump, aber nie an Xi

Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb Eileen – oder Ailing, wie sie auch genannt wird – nie ein schlechtes Wort über den chinesischen Staatspräsidenten und Generalsekretär der Kommunistischen Partei verliert. Während westliche Athleten ständig zu politischen Statements gegen ihre Regierungen gedrängt werden, darf der Sport für Ailing/Eileen unpolitisch bleiben. Sie wird zu Menschenrechtsverletzungen in China nicht ausgefragt. Den US-Präsidenten Donald Trump kritisiert sie dagegen von sich aus gerne. 

Muss schön sein, das Staatsoberhaupt des Landes, in dem man lebt, öffentlich kritisieren zu können und am nächsten Morgen sein Olympia-Champion-/Elite-Studentinnen-/Model- und Social-Media-Star-Leben weiterleben zu können. Würde man das in dem Land versuchen, das sie repräsentiert und verharmlost, wüsste man gar nicht, ob man am nächsten Morgen überhaupt noch weiterleben darf. 

Der Vater von Alysa Liu hat in China genau das getan. Nach dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens organisierte er Proteste gegen die Regierung. Als Folge musste er in die USA fliehen. Als Alysa bei den Olympischen Winterspielen 2022 in Beijing für die USA antrat, musste sie in ständiger Begleitung durch FBI-Agenten geschützt werden; kurz zuvor war sie Ziel chinesischer Spionageaktionen geworden. 

Es ist schon lustig. Würde man Ihnen oder irgendwem auf der Straße Eileen und Alysa ohne Kontext im Vergleich zeigen und sie fragen: „Wer von beiden wird von den Rechten gefeiert?“, dann würden wohl die wenigsten auf das Mädchen mit gefärbten Haaren und Piercings zeigen. Doch das macht die beiden Frauen und das, was sie repräsentieren, eigentlich so schön 0anschaulich. Alysa hat verstanden, was die wenigsten jungen Erwachsenen mit gefärbten Haaren und Piercings verstanden haben: Diesen Lebensstil gibt es nur im Westen. 

Anders sein, herausstechen, rebellieren: Nur im Westen ist das einfach nur eine Ästhetik, die man an- und ausziehen kann. Während sie sich hier oder in den USA über den bösen Kapitalismus, Autoritarismus oder gar Faschismus beschweren, vergessen sie, dass es da draußen wirklich noch Staaten gibt, die autoritär sind. Staaten, die ihren tollen Kommunismus wirklich mal ausprobieren und schauen, wie viele Leute dabei draufgehen. „Vielfalt und Toleranz“, ein Wortpaar, das schon über die Bedeutungslosigkeit hinaus gebraucht wird, gibt es in dieser Kombination in diesen Staaten nicht. 

Man fragt sich, was sie zu befürchten haben, wenn sie verlieren

Wäre Alysa nicht in Kalifornien, sondern irgendwo im ländlichen China geboren, hätte sie wohl nicht dieses Jahr Gold gewonnen. Nicht nur, weil es fraglich ist, ob die Tochter eines Regimegegners überhaupt jemals eine Schlittschuhbahn gesehen hätte. Heute sagt sie über den überraschenden Abbruch ihrer Karriere, dass es sich wie eine Befreiung angefühlt habe, als ihre Eishalle wegen Corona geschlossen war. Zum ersten Mal erfuhr sie, wie sich eine echte Pause anfühlt. Ihr ganzes Leben lang hatten andere darüber bestimmt, wann sie trainiert, was sie anzieht, was sie tanzt, was und wie viel sie isst. 

Während ihrer Auszeit lebte sie ein ganz normales Leben. Sie studierte, machte ihren Führerschein, reiste, wohin sie wollte. Sie kam zurück, weil sie das Eiskunstlaufen dann doch vermisste. Dieses Mal wollte sie aber mitbestimmen, was sie anzieht, welche Choreografie sie tanzt und was sie isst. „Ich brauche keinen fremden Antrieb, ich habe meinen eigenen Ehrgeiz. Ich mag es zu kämpfen, dann fühle ich mich lebendig.“

Die Freiheit, die sie auf das Eis bringt, sieht man ihr an. Wenn sie lächelt, sieht sie tatsächlich glücklich aus; es ist nicht dieses künstliche Tänzerlächeln, das die Augen nicht erreicht. Wenn man die Athleten aus Ländern wie China bei den Olympischen Spielen sieht – und nicht die, die wie Eileen gar nicht dort leben – dann sieht man technische Perfektion, aber dann nichts. Jeder, der nicht Gold bekommt, weint; wer Gold bekommt, sieht nur erleichtert aus. Man sieht Kinder, die ihr Leben lang nur gedrillt wurden und wie dressierte Äffchen präsentiert werden. Man sieht Erwachsene, die trotz Verletzungen mit schmerzverzerrtem Gesicht und Tränen in den Augen weiterkämpfen. Man fragt sich zwangsläufig, was sie in ihrem Heimatland zu befürchten haben, wenn sie verlieren. 

Alysa genießt und nutzt die Freiheit, die ihr das Leben in den USA bietet. Und sie weiß, dass es nicht das schlimmste Land der Welt ist. Sie schmückt sich stolz mit der Fahne ihres Landes, singt seine Nationalhymne mit der Hand auf dem Herzen und trägt ihren Sieg in das Land zurück, das ihr das ermöglicht hat. 

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26 Kommentare

  • Guten Morgen, Frau David, mir scheint, Sie haben heute ein paar Trolle geweckt. Könnte etwas damit zu tun haben, dass man im Land des Lächelns so gar keinen Humor hat, wenn man es zu kritisieren wagt… Zur inhaltlichen Kritik: Ich persönlich finde, dass solche Geschichten den Zauber sportlicher Großveranstaltungen ausmachen – da bekommt man neben dem Genuss sportlicher Hochleistungen und der Spannung des Wettkampfes etwas mit von der Welt. Dem Vater der jungen Frau zolle ich größten Respekt – und Ihnen Dank für den kurzweiligen und doch bedeutsamen Artikel am Sonntagsmorgen. Hochachtungsvoll Karl Krumhardt

    • Man sollte jedes System kritisieren dürfen und können, auch das kapitalistische Haifischsystem der USA, das auf seine Weise auch nicht besser ist als das der VRC.

      • Auweia. Ein China Troll.

    • dafür das Sie ein Dr. jur. sind kommentieren Sie arg undifferenziert. Auch in den USA gibt es keine Höchstleistung ohne entsprechende Unterstützung, und auch in den USA kann man in Ungnade fallen und die Unterstützung entzogen bekommen. …

  • Alysa Liu ist für junge Frauen gewiss ein Vorbild. Sie und ihr noch junges Leben künden von Freiheit, Selbstbestimmung, Leistungswillen und unbändiger Lebensfreude. Ihre Geschichte ist es wert, erzählt zu werden. Dank an Frau David.

  • Bravo!

  • Jedes Sportevent wird versucht politisch einzuwirken. Das hat da nichts zu suchen.

  • Für Eileen Gu hoffe ich das sie nie in Ungnade fallen wird, das Regime in China ist da nicht zimperlich.
    Naja am ende geht es ums liebe Geld, beim Sport schon lange, machen die USA auch also Sportler, Wissenschaftler usw. abwerben. Außer Deutschland wir nehmen nur Fachkräfte xD

    Das Personen im Westen nicht sicher vor China sind ist lange bekannt, es gibt ja berichte das zB bei Männern China in Soviet Manier versucht Honey fallen aufzustellen um die Leute zu kompromittieren, nein das ist keine Erfindung von Epstein.

    Wau da haben sich aber hier einige China Diktatur Fanboys in Kommentar Bereich verirrt.

    Leute die USA sind durchaus übel, aber China, Iran usw sind da ganz andere Kaliber

    • Wo sind die USA übel?

  • China ist auch pro Iran, Putin, Hamas, Hezbollah etc.

  • Nach den Fussballern, deren „Nationalmannschaften“ ja sehr „bunt“ sind, nimmt das jetzt auch bei Olympia den ursprünglichen Gedanken der Spiele.

    Zig Sportler treten für andere Länder an, nur um anzutreten!
    Bei der Sommer-Olympiade fing das schon an.

  • Können wir nicht einmal Sportler nur Sportler sein lassen, die sich mit den besten in ihren Disziplinen messen???

    Ja im kalten Krieg gab es klar Ost gegen West, rein politisch, rein ideologisch.

    Dann fielen die Mauern physisch und psychisch in vielen „Denkstübchen“.

    Auf der einen Seite will man heute Vielfalt, Freiheit und auch noch immer regiert Geld die Welt, aber wehe man entscheidet frei die Vielfalt/Chancen zu nutzen um auch Geld zu verdienen.

    Man muss doch schon froh sein, das Mitstreiter sich in den Chromosomen gleichen und es somit fair ist, sofern keine Substanzen nachhelfen.

    Wenn ausländische Spieler bei Sportarten wie Eishockey, Soccer, Autorennen etc. teilnehmen für die saisonale Unterhaltung, kommt auch kaum bis kein Politiker der dann Millionen die Freude vermiesen will.

    -10
  • Das ist der sprichwörtlich Sack Reis.

    -15
    • Die Meinungsfreiheit in den USA ist kein Sack Reis

  • Ja, schon klar, China 2026 gaaaaaaanz böse

    -19
  • USA gut, China böse, wie einfach man sich die Welt machen kann.

    -21
    • Unterschied Demokratie gegen Diktatur. Wie einfach die Welt sein kann.

    • Lesen und verstehen ist nicht so ihr Ding.

    • Im beschriebenen Kontext ist das so

      • … und weil es so beschrieben ist, ist es richtig? Ein bischen simpel gedacht.

  • Für so einen abenteuerlichen Kommentar muss man echt schon ein paar Gläser geleert haben. Wieviele Sportler treten für Staaten an, in denen sie nicht geboren wurden und oftmals gibt es kaum eine Verbindung. Das ist auch in Ordnung so, denn es geht auch um Geld und Förderung.
    Überlegt lieber einmal, warum ein amerikanischer Präsident gute Sportler als „Loser“ bezeichnet?

    -26
    • Nochmal lesen. Der Artikel ist doch sehr klar

      • … klar tendenziös . . . etwas für seichte Gemüter.

  • Wortwahl..

    Ich spiel was.. .. Das Spiel der Diskremenierung..

    Siehe..
    ..US-Rechten wurde..

    Wesentlich Besser wäre wahrscheinlich was..:-)

    „Wie Olympiasiegerin Alysa Liu zur Heldin der US wurde“

    Hätten wir uns wenigsten die Diskreminierng im Rhmen der Click-Bailt Nummer Geschenkt..

    Solange Ihr die Begrifflichkeite der „Gegenseite“ Verwendet..

    Wird die Gegenseite Gewinnen..

    Könnt Ihr machen was Ihr wollt..:-)

    Lieber eine Schlechten Ruf.. als gar kein Ruf..

    Schnackelt was..:-)

    -34
    • Zuerst „DiskrEmEnierung“, dann „DiskrEminierung“. Noch ein Versuch?

      • Nun seien Sie doch nicht so hart, sowas kann doch mal passieren, wenn man um 0645 noch nicht wieder ganz nüchtern ist!
        *Zwinkersmiley

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