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Wie die E-Wende die deutsche Automobilindustrie in eine unaufhaltsame Abwärtsspirale stürzt

Die Krise in der Automobilindustrie frisst sich immer tiefer in die Lieferketten. Dank der E-Wende bricht der Gewinn nicht nur bei Autobauern sondern auch bei Zulieferern ein. Es entsteht eine drastische Abwärtsspirale, die zu immer mehr Werksschließungen führt.

Nicht nur die großen Zulieferer wie ZF sind von der Abwärtsspirale der ganzen Autoindustrie betroffen (IMAGO/Sven Simon)

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Die deutsche Zulieferindustrie droht mehr und mehr an der Energiewende zu zerbrechen. Egal ob kleine, mittelständische oder große Betriebe: Dank schwacher Absätze – in erster Linie im Bereich der E-Mobilität – erteilen Autobauer den Zulieferern weniger Aufträge. Es gibt einen Dominoeffekt, in dessen Folge in allen Bereichen die Gewinne einbrechen. Das führt zu immer rigoroseren Sparkursen, zu Stellenabbau, Abwanderung und zu immer mehr Werksschließungen in Deutschland.

ZF Friedrichshafen etwa verfolgt derzeit einen strikten Sparkurs, der bis 2027 Einsparungen in Höhe von 500 Millionen Euro vorsieht. Vor diesem Hintergrund wurden nun auch die Bestellungen bei einem der Zulieferer, der Schlote Saar GmbH aus Saarbrücken, reduziert. Medienberichten zufolge könnte dies das mittelständische Unternehmen schwer treffen und im schlimmsten Fall sogar in die endgültige Insolvenz führen. Schlote ist in hohem Maße von den Aufträgen des Friedrichshafener Stiftungskonzerns abhängig.

Die Schlote Saar GmbH ist eine Tochtergesellschaft der Schlote Gruppe und auf präzise Metallverarbeitung für die Automobil- und Zulieferindustrie spezialisiert. Derzeit sind rund 120 Mitarbeiter am einzigen Standort des Unternehmens in Saarbrücken beschäftigt. Das Werk blickt auf eine lange Tradition zurück: Es ist seit dem Jahr 1876 in Betrieb und gehört seit 2011 offiziell zur Schlote Gruppe.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten im Unternehmen sind jedoch nicht neu. Die Schlote Gruppe hatte bereits 2024 für vier deutsche Tochtergesellschaften Insolvenz angemeldet. Dieser Schritt erfolgte, nachdem drei Großbanken die Kreditlinien gekündigt hatten. Betroffen waren die Standorte Harsum, Wernigerode, Brandenburg und Harzgerode. Ende des Jahres folgte schließlich auch für den Standort der Schlote Saar GmbH ein Eigenverwaltungsverfahren.

Die Restrukturierung der Schlote Saar GmbH wird seitdem von den Rechtsanwälten Nikolas Otto und Rouven Quick von der Kanzlei BBL begleitet. Aus einer Mitteilung der Kanzlei vom 17. Oktober 2024 geht hervor, dass bereits vor der Beantragung des Eigenverwaltungsverfahrens geplante Maßnahmen mit Geschäftspartnern nicht wie vorgesehen umgesetzt werden konnten.

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Die nun angekündigte Reduzierung der Bestellungen durch ZF Friedrichshafen könnte dem Unternehmen daher den entscheidenden Todesstoß versetzen – insbesondere angesichts der vergeblichen Investorensuche. Seit der Insolvenzanmeldung ist es der weiterhin handlungsbefugten Geschäftsführung nicht gelungen, einen Kapitalgeber für die Schlote Saar GmbH zu gewinnen.

Der Fall der Schlote Saar GmbH wirft ein Schlaglicht auf die Verwerfungen, die sich derzeit übergreifend in der Industriesparte abzeichnen: weitreichende Kettenreaktionen und erhebliche Verwerfungen infolge des Strukturwandels hin zur Elektromobilität. In der Quintessenz lässt sich vieles auf die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit deutscher Autobauer wie Volkswagen, Mercedes-Benz, BMW & Co. im Bereich der Elektromobilität zurückführen.

Diese Wettbewerbsnachteile sind maßgeblich durch die unvorteilhaften Rahmenbedingungen am deutschen Wirtschaftsstandort bedingt. In der Bundesrepublik sind die Steuer- und Abgabenlast hoch, ebenso wie Energie- und Arbeitskosten. Hinzu kommt eine ausgeprägte bürokratische Belastung. In der Folge steigen die Betriebskosten der Hersteller deutlich an, was die Margen schmälert. Dadurch sind deutsche Autobauer kaum in der Lage, ihre Elektrofahrzeuge auf dem Weltmarkt zu einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis anzubieten.

In Ländern wie China stellt sich die Situation hingegen anders dar. Dort profitieren Hersteller von vergleichsweise niedrigen Energie- und Arbeitskosten, geringerer Steuer- und Abgabenbelastung sowie weniger bürokratischen Hürden. Darüber hinaus erhalten Unternehmen aus dem Reich der Mitte umfangreiche staatliche Subventionen und einen erleichterten Zugang zu strategisch wichtigen Rohstoffen wie seltenen Erden, aber auch zu Batteriematerialien, die für die Produktion von Elektrofahrzeugen von zentraler Bedeutung sind.

Entsprechend können chinesische Hersteller wie BYD, SAIC Motor oder Nio ihre Fahrzeuge deutlich günstiger anbieten. Sie gewinnen zunehmend Marktanteile – nicht nur im Heimatmarkt, sondern weltweit, auch in Deutschland und Europa. Die Folge sind spürbare Absatzeinbußen bei deutschen Herstellern. Diese stehen vor gravierenden Problemen, denn sie müssen im Konkurrenzkampf mit finanziell starken chinesischen Anbietern bestehen. Hintergrund sind die EU-Klimaziele: Die Flottengrenzwerte verpflichten die heimischen Hersteller dazu, einen wachsenden Anteil an Elektrofahrzeugen abzusetzen, während der Anteil von Verbrennermodellen im Produktportfolio schrittweise reduziert werden muss.

Zwar wurde das vollständige Verbrenner-Aus in seiner ursprünglichen Form aufgeweicht, und es gibt Initiativen, auch die strengen Flottengrenzwerte zu überdenken. Bis dahin ist es jedoch noch ein sehr weiter Weg (mehr dazu hier). Um die durch den Absatzrückgang entstandenen finanziellen Engpässe auszugleichen, greifen Autobauer zunehmend zu strikten Sparprogrammen. Neben Anpassungen in der Personalpolitik kommt es dabei immer häufiger auch zu gekürzten Aufträgen an Zulieferer wie ZF Friedrichshafen, Bosch, Continental & Co.

Diese Unternehmen stehen infolge ebenfalls unter erheblichem Kostendruck und sehen sich auch dazu gezwungen, Einsparungen vorzunehmen. Das führt zu weiteren Einschnitten entlang der Lieferkette und stellt insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) vor existenzielle Herausforderungen. Letztlich zeichnet sich eine gravierende Abwärtsspirale in der Zulieferindustrie ab, die kein Ende zu finden scheint.

Wie stark kleine und mittlere Zulieferer in Deutschland unter dieser Entwicklung leiden, zeigt der Deloitte Supplier Risk Monitor 2025/2026. Demnach befinden sich derzeit 19 Prozent der kleinen Zulieferer in einer „kritischen Zone“ mit EBIT-Margen unter fünf Prozent und einer Verschuldung, die mindestens dreimal so hoch ist wie das operative Ergebnis. Bei den großen Zulieferern sind es 12 Prozent.

Zudem planen viele Betriebe, ihre finanziellen Probleme auf die Beschäftigten umzulegen. Laut einer Erhebung des Verbands der Automobilindustrie aus dem Oktober 2025 beabsichtigen nahezu zwei Drittel der mittelständischen Zulieferer (61 Prozent), Personal abzubauen. Im Mai desselben Jahres waren es noch 57 Prozent.

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30 Kommentare

  • Kann man bei den Wahlprognosen für BaWü und Bayern noch nicht so sehen oder viele Bürger freuen sich dort wenn einstmals gutbezahlte Facharbeiter Ihren Job verlieren.

    • Sie wählen ihre Peiniger von den Altparteien immer und immer wieder.
      Stockholm-Syndrom?

      • Kein Stockholm-Syndrom. Politische Naivität, Bildungsmangel und die Unfähigkeit, gedanklich gegenwärtige Dynamiken in die Zukunft fortzuschreiben.

    • Ob es daran liegt das die CDUin BW einen Kuschelkurs gegenüber den Grünen fährt um den zukünftigen Partner nicht zu verärgern?
      Ich frage nur einen Freund

  • Betrachtet man die Entwicklung erkennt man Deindustrialisierung. Die ganze produzierende Industrie ist betroffen, vor allem Chemie und Metall. Ist so gewollt. Wir werden alle nichts besitzen und glücklich sein.

    • Genau das war doch gewollt. Die Marktführerschaft der deutschen Autobauer im Automobilbau zerstören. Deshalb wurde sie in die E-Auto-Falle gelockt.
      Zugunsten von wem? Denkt mal nach!
      Jetzt kommt ein Comeback des Verbrenners und die Deutschen haben ihre Entwicklung- und Produktionsstrukturen für Verbrennermotoren teilweise schon zerstört.
      Und die neuen Verbrenner werden dann wo produziert? Ratet mal!
      Für wen haben die Politik-Marionetten in EU und BRD eigentlich gearbeitet?

  • Es braucht den Triplewumms. Los gehts.

  • Der linksgrüne Morgenthau-Plan wird nun umgesetzt. Ob das Volk will oder nicht.

    • In BaWü will das Volk offensichtlich.

      • Ja, uns geht es noch zu gut. Das zeigen die Ergebnisse der NRW-Wahl 2025, oder auch der Hamburger Bürgerabstimmung zur Klimarettung. Lernen durch Schmerz. Vorher werden wir nicht schlau.

  • Zur Rettung des Klimas muss man halt Opfer bringen!

    • Ich hoffe das war Sarkasmus…

  • In amerikanische Wirtschaftsnachrichten stand neulich (kein Witz!):
    „German politicians turn Stuttgart, famous for their Mercedes and Porsche factories, into Detroit 2.0“
    ☝️🧐😬

  • Ist das jetzt der Wirtschaftswumms?

  • So ist es , wenn man aus Klimaschutzgründen den Leuten Sachen aufdrängt, die nicht sie haben wollen.
    Leute frustriert, Wirtschaft im Eimer, Klima wie immer ! Lose Lose in Reinkultur!

  • Leider haben da welche keine Ahnung sonst würde man diesen Verfall sofort stoppen.
    In Baden Württemberg gefällt es den Wähler anscheinend, das Arbeitsplätze verloren gehen, sonst würde er ja unverzüglich sein Wahlverhalten ändern. Das sieht aber leider nicht so aus.

  • Die Transformation läuft, also die Transformation in die Armut. Viele im Ländle und anderswo haben nur Angst, dass die AfD ‚die Macht ergreift‘!

  • Und was wäre ihr Vorschlag wie man damit umgeht? Man kann ja an der Verbrenner Technologie festhalten und wird dann links und rechts überholen von der neuen Technologie. Ich glaube das ist aktuell in vielen Branchen der Fall, dass man die Diskussion Ideologisch führt und sich so der Zukunft nicht öffnet.

    • „Und was wäre ihr Vorschlag wie man damit umgeht?“

      Ganz einfach, beide Technologien sollten parallel und offen weiterlaufen. Sollte die Batterie wirklich einmal so weit sein, dass sie wirtschaftlich und technologisch funktioniert, dann soll der Verbraucher selbst entscheiden. Das bessere Produkt setzt sich am Markt durch. Momentan ist das nicht der Fall, darum will man es dem Verbraucher aufzwingen. Doch der Bürger kann rechnen, sehr zum Unwillen der Politik.

      • Naja, so Doppelstrategien waren ja noch nie gut weil man dann in beide Technologien investieren muss und so bei der neuen meist keine Kritische Masse zusammen bekommt bzw. man nicht die ganze Belegschaft strikt nach der neuen Ausrichtet. Vor allem in Zeiten wie heute ist wischi waschi halt zum Scheitern verurteilt. An Technologien fest zu halten nur weil Arbeitsplätze davon abhängen ist ja eine tolle Idee. Wir brauchen flächendeckend Pferdeställe, da geht dann was und die AfD Wähler kapieren es auch noch 😉

        • Dann werden sich die einen Unternehmen so und die anderen anders entscheiden und den einen oder anderen wird es am Ende „erwischen“.
          Wo ist denn da das Problem?
          Natürlich ist es den Unternehmen lieber, wenn der Staat die Richtung vorgibt – dann kann man sich in dieser Frage schonmal nicht „verzocken“, die Gefahr dabei ist, dass es am Ende alle erwischt, weil der Staat falsch lag.
          Ende des 15. Jahrhunderts war China nautisch besser aufgestellt als Europa, größere, seegängigere Schiffe. Dann wechselte der Kaiser, und die Flotte wurde abgewrackt, weil er Entdeckungsreisen für sinnlosen Blödsinn hielt und in einem Zentralstaat hat der Kaiser das letzte Wort.
          In Europa klapperte ein Genuese inzwischen viele Hautstädte ab, bis er endlich jemanden fand, der seine geplante Fahrt finanzieren wollte…

          1
        • Eigentlich eine ganz gute Diskussion, nur am Ende werden Sie etwas unsachlich. Eine neue Technologie einzuführen, bedeutet immer eine Doppelstrategie. Da sehen die S-Kurven dementsprechend anders aus. Ich kann bzw. darf jetzt leider nicht näher ins Detail gehen, jedoch läuft die Batteriefertigung derzeit nur äußerst mau bzw. mussten Anlagen teilweise stillgelegt werden. Reduziert gesagt: So wie ich geschrieben habe, entscheidet am Ende der Verbraucher. Und der kann hierzulande sehr wohl rechnen und bewerten.

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  • Wie gewählt, so geliefert.
    .
    Aber bald gibt es ja Kanonen statt Butter …

  • Dies gilt auch ganz besonders für Baden-Württemberg. Dort hat der finanziell/industrielle Niedergang noch nicht komplett durch geschlagen. Aber Städte wie Karlsruhe, Rastatt etc. kurz vor dem finanziellen Black-Out. Bei den Wahlen : richtiges Kreuz machen.

  • „In Ländern wie China stellt sich die Situation hingegen anders dar.“
    Nicht zu vergessen die Währungsmanipulation der staatlichen chinesischen Nationalbank, womit sich die Chinesen von vornherein und außerdem einen Preisvorteil von ca. 40% ergaunern.
    Das ermöglicht den Chinesen, ihre Waren zu Preisen auf den Weltmarkt zu bringen, die unter reellen, fairen Wirtschaftsbedingungen nie unterboten werden können. Dies sind Dumping-Preise. Auf diese Weise verschaffen sich die Chinesen seit 32 Jahren einen inzwischen exorbitant hohen Handelsbilanzüberschuss.
    Dieser bedingt logischerweise in anderen Ländern ein Handelsbilanzdefizit, das langfristig immer eine Verlagerung der einheimischen Arbeitplätze dorthin bedeutet, wo der Handelsbilanzüberschuss erarbeitet wird. Dies betrifft die einfachen Arbeitsplätze zuerst, also die sozial Schwachen zuerst. (Das ist das Problem der USA.)

  • Ab in die Rüstungsproduktion. Da werden Werte von Fachkräften geschaffen in den kommenden Boris-Pistorius-Werken, mit tieffliegenden Merzflugkörpern oder der Maschinenpistole Uschi mit Krummlauf.

  • Eine einzige Katastrophe ! ABER: ALLES GEWOLLT ! Das ist kein Zufall und auch kein „Versagen“, wie es häufig – fehleinschätzend – genannt wird.

    Schaut man sich vor diesem desaströsen Hintergrund bspw. die aktuellen Umfrageergebnisse zur Wahl in BW an, fällt man glatt vom Glauben an die Menschheit ab.

    Wer also ist letztlich verantwortlich für das ganze Desaster ? Die kriminellen und psychopathischen Polit-Gangster, oder der sie stützende und „demokratisch legitimierende Souverän“, der ohne Not und absolut freiwillig an dem Ast sägt, auf dem er – noch – gerade so sitzt ?

  • Ist schon nicht so schlau, wenn die super deutsche Industrie am Weltmark vorbei produziert und somit sich den Absatz versaut. Aber die super schlauen Apollo Jünger sind der Meinung, dass der „Deutsche“ Absatzmarkt der Nabel der Welt ist. Und der „Deutsche“ Konsument durch den Kauf von Verbrenner die Deutsche Automobilindustrie rettet.

  • Opiumkrieg 4.0. Die Europäfer sind so unendlich Geschichtsbergessen.

  • Jedes Vieh wählt sich seinen eigenen Schlachter!

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