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Thurmansbang

Wegen Streit mit Behörde: CSU-Mann bittet auf AfD-Veranstaltung um Hilfe – jetzt prüft seine Partei Konsequenzen

In Bayern eskalierte ein Streit um die Tierhaltung eines Landwirts: Der CSU-Gemeinderat sucht bei einer AfD-Veranstaltung Unterstützung – gegen „Behördenwillkür“, wie er sagt. Nun prüft seine Partei Konsequenzen.

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IMAGO/Pond5 Images

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Ein Konflikt um die Tierhaltung eines Landwirts aus Thurmansbang hat am Freitag in Solla im bayerischen Landkreis Freyung-Grafenau einen neuen Höhepunkt erreicht. Der dienstälteste CSU-Gemeinderat der Gemeinde, Andreas Bauer, trat bei einer öffentlichen Veranstaltung der AfD vor rund 110 Besuchern ans Rednerpult und übte scharfe Kritik am Veterinäramt des Landkreises sowie an Landrat Sebastian Gruber. Zugleich bat er die AfD um Unterstützung.

Ausgangspunkt der Auseinandersetzung sind wiederholte Kontrollen des Veterinäramtes auf Bauers Hof in Traxenberg. Nach Informationen der PNP beanstandeten die Behörden unter anderem unzureichende Futter- und Tränkegelegenheiten sowie den Allgemeinzustand einiger Tiere. Bauer habe wiederholt Besserung zugesagt. Am Freitagmorgen wurden schließlich Rinder von einem Tierhändler abgeholt – nicht freiwillig, wie es heißt. Kurz darauf erschienen erneut Veterinäre des Landratsamtes, diesmal mit Polizeischutz.

Neben dem Hof wurde ein Plakat angebracht, das nach Angaben der Polizei als beleidigend eingestuft wurde. Darauf stand: „Gegen Beamtenwillkür. Gegen Bauern Vernichtungsbehörde. Vernichtungsbehörde und deshalb sofortige Aufnahme ins Jagdgesetz.“ Ein Ermittlungsverfahren wurde eingeleitet; das Banner – das neben einem AfD-Banner hing – musste entfernt werden.

Parallel läuft gegen Bauer ein weiteres Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung. Hintergrund ist ein Verkehrsunfall Anfang Dezember auf der Kreisstraße FRG 33, bei dem eine Autofahrerin leicht verletzt wurde, nachdem ein Jungstier ausgebrochen war und auf die Fahrbahn lief. Die Ermittlungen richten sich gegen den Tierhalter.

Bauer machte in sozialen Medien große Beutegreifer (Wolf oder Luchs) für den Ausbruch verantwortlich und sprach von einem „qualvoll zerfleischt“ aufgefundenen Kalb. Eine Untersuchung durch das Landesamt für Umwelt kam jedoch zu dem Ergebnis, dass das Kalb eines natürlichen Todes gestorben sei und erst danach von einem anderen Tier angefressen wurde.

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Nach eigenen Angaben verkaufte Bauer am Freitag seinen gesamten Tierbestand. In einer WhatsApp-Nachricht, die der PNP vorliegt, schrieb er von der „letzte[n] Rettung vor der Beamtenwillkür der Veterinäre im LRA Freyung-Grafenau“. Am Abend sprach er bei der AfD-Veranstaltung, an der auch der Bundestagsabgeordnete Stephan Protschka teilnahm. Dort habe er laut PNP auf die „Bitte an die Zeitung“ geäußert, dass sie Folgendes schreibe: „CSU-Mitglied bittet AfD um Hilfe bei der Behördenwillkür“.

Bereits im Vorfeld soll Bauer in WhatsApp-Nachrichten, die der PNP vorliegen, zur Wahl der AfD aufgerufen haben. Dort habe der 66-Jährige unter anderem geschrieben: „Wahltag ist Zahltag darum am 08.03.2026 AfD!“. Dabei tritt der Bauer selbst bei den Kommunalwahlen in Bayern für die CSU an; für seine Gemeinde steht er auf Listenplatz zwei.

Die CSU kündigte nun die Prüfung von Konsequenzen an: Der Ortsverband Thurmansbang erklärte, es sei „unvereinbar mit unseren Grundsätzen“, wenn ein eigener Kandidat gleichzeitig eine andere Partei unterstütze. Der CSU-Kreisvorsitzende Olaf Heinrich sagte der PNP auf Anfrage: „Der CSU-Kreisvorstand wird in seiner nächsten Sitzung über Reaktionen auf die Aussagen von Herrn Andreas Bauer beraten. Klar ist: dass ein CSU-Gemeinderat zur Wahl der AfD aufruft ist völlig inakzeptabel und mit nichts zu rechtfertigen.“

Landrat Sebastian Gruber wies die Vorwürfe, die Andreas Bauer erhoben hatte, gegenüber der PNP zurück und erklärte, Bauer versuche, „sich in einer Opferrolle darzustellen und die Verantwortung für seine ausschließlich selbst verursachten Missstände auf andere zu schieben“.

ha

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27 Kommentare

  • Der Bauer war als Privatmann unterwegs und keinesfalls für CSU-Mann! Was für Daniel Günther gilt, gilt für den Landwirt doch auch, oder? Immerhin sind alle vor dem Gesetz gleich, oder doch nicht?

  • Glaube wenig, hinterfrage alles, denke selbst.
    Nichts ist so, wie es scheint und gar nichts geschieht zufällig.

    • Interessant, wie viele Daumen ein Bot bekommt, der ständig denselben Text postet. So sieht also „selbst denken“ und „alles hinterfragen“ auf AN aus.

      -32
      • Ich finde den Kommentar von „bibu“ nicht unschlüssig. Wir wissen schlicht zu wenig über diese Geschichte. Kann sein, kann nicht so sein. Und warum sollte sich die AfD für einen CSUler in straf- oder zivilrechtlichen Fragen einsetzen, wo sie sowieso keine Handhabe hat?

      • Sie zeigen doch mit ihrem Schwachsinns-Text, daß das nötig ist.
        Trotzdem ist zu vermuten, daß Sie weiterhin nichts kapieren werden.

        • Und? Was kapieren Sie denn so? Klären Sie mich auf.

          0
  • Schön, dass ein CSUler die AfD um Hilfe bittet.
    Bröckelt langsam dahin die Brandmauer.

    • Wer das Land und die Landwirtschaft etwas kennt, wird vermuten, dass bei dem armen Mann eine Tragödie abläuft, die mit dem (in der Tat sehr lästigen) Veterinäramt nur zum Teil zu tun hat.
      Die AfD wird dem Mann nicht helfen können; dies in dieser Meldung und im Kommentarbereich so politisch aufzublasen scheint mir ziemlich an der Sache vorbei zu gehen.

    • Vorsicht vor der Maulwurfplage.

  • Eine kuriose Lokalposse.

  • In diesem Fall habe ich Verständnis für die CSU. Der Mann sollte die Partei wechseln. Fertig.

    Keine Partei kann jemanden gebrauchen, der für die Konkurrenz Wahlwerbung macht.

    Zur restlichen Sache wird wohl niemand in diesem Forum etwas sagen können. Alles könnte so, oder so, oder so, oder ganz anders sein.

    Spekulationen und vage Vermutungen bringen nichts.

    • Sollte an den Vorwürfen gegen den Landwirt jedoch etwas dran sein und sich das unzweifelhaft tatsächlich herausstellen, dann dürfte die AfD wohl wenig über diese Wahlkampfhilfe erfreut sein.

      • Ich stimme beiden Kommentaren zu.

    • Ich sehe es etwas differenzierter.
      Das Problem sind das die gleichen Parteien von der Kommune bis zum Bund durchgehen.
      Aber all diese verschiedene Verwaltungseinheiten haben auch unterschiedliche Interessen.
      Daher verstehe ich durchaus das sich jemand in der Kommunalpolitik in einer Partei engagiert, aber bereits auf Kreisebene diese komplett ablehnt .

  • Die Bayern sind lustig.

  • Kommt immer darauf an, wer es macht und wen man vorschlägt. Bei der „Schwesterpartei“ springt dann auch schon einmal eine Beförderung heraus.

    Der Einfachheit halber hier der Vorgang per KI: Karin Prien (CDU), schleswig-holsteinische Bildungsministerin und zeitweise Mitglied im „Zukunftsteam“ von Armin Laschet, hat im September 2021 für Aufsehen gesorgt, indem sie indirekt dazu aufrief, im Wahlkreis Südthüringen den SPD-Kandidaten anstelle des CDU-Kandidaten Hans-Georg Maaßen zu wählen.

  • Bei widerspenstigen Bürgern funktionieren Kontrollen noch.
    Also wenn man will.
    An den Grenzen funktionieren sie nicht.

  • Es ist mir nicht ganz klar, welche Hilfe sich der Bauer erwartet. Offenbar ist und war die Haltung nicht den Gesetzen entsprechend und seine Beteuerungen etwas zu ändern wurden offenbar nicht umgesetzt. Mag sein das er sich verfolgt fühlt aber den anderen Bauern geht es doch genau so. Sind wir doch froh das es Kontrollen gibt.

  • Uff, aus der Ferne ist es schwierig so etwas einzuordnen, aber es liest sich als hätte er seinen Laden nicht im Griff und hätte, ausgelöst durch Tierschutzbestimmungen die ihm nicht passen oder die er nicht umzusetzen wusste, gegen das Veterinäramt gemauert und angefangen zu, ich nenne es mal ‚Reichsbürgern‘.

    Denkbar ist auch, dass der Bauer den Veterinären zu weit rechts war und sie sich daher maximal störend verhalten haben, kann aber auch sein dass der Bauer einfach nicht einsehen wollte, mehr Geld/Zeit für die Tiere auszugeben.

    Das verhalten der CSU ist auch nur verständlich.

  • Menschen entwickeln sich in Phasen – auch in Parteien. Nach der Pubertät folgt die Konformität. Quelle: Ich-Entwicklung

    In der Konformität bestimmt das Gefühl Zugehörigkeit den Selbstwert. Dazu wird kontinuierlich die in- und out-group als ‚wir‘ und ‚die Anderen‘ definiert.

    Wer mit der out-group ‚den Anderen‘ spricht, dem wird die Zugehörigkeit zur in-group ‚wir‘ entzogen.

    Die aktuelle Epoche Aufklärung kann die Verknüpfung von Zugehörigkeit und Selbstwert nicht abbauen, denn der Verstand führt nicht zur Vernunft – Myside Bias.

  • Die deutschen Bauern werden seit Jahrzehnten gegängelt und ruiniert. Erst im Krisenfall werden die Untertanen merken, dass man von grünen Sprüchen nicht satt wird.

  • Klingt nach einem völlig überforderten Menschen! Allein die Aktion, auf Listenplatz 2 für die CSU zu stehen und dann offen zur Wahl der AfD aufzurufen! Mit solchen Verwirrten kann die AfD nicht punkten und sollte sich schnellstmöglich von dem Mann distanzieren!

  • Ist doch alles Links-Grün verseucht hier im Land.
    Oder frei nach Shakespeare: Es ist was Faul im Staate Deutschland!
    Daraus wachsen neue Allianzen!

  • Zivilcourage ist unerwünscht bei den „Etablierten“, man hat sich unterzuordnen und nichts in Frage zu stellen. Die AfD freut sich über so ein mitdenkendes couragiertes Mitglied!

  • Und damit wird von der CSU bestätigt das sie nicht’s taugt… Das gleiche trifft auf die CDU zu… Nie wieder Union… Die AfD wird bald ein neues Parteimitglied begrüßen dürfen…😃🫶

    • Warnung vor der Infiltration.

  • Hm..🤔🤔..bedeutet in der Denke „unsereDemokratie“Parteien folgendes: sollte ein AfD-ler ein Mitglied „unsereDemokratie“Partei vor dem Ertrinken retten, wird der GERETTETE im Nachgang von den eigenen Parteigenossen „unsereDemokratie“ ertränkt, oder? Unsere „unsereDemokratie“Superdemokraten haben wirklich ’nen Knall..

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