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Warum die Exporterwartungen deutscher Unternehmen wirklich einbrechen

Das ifo-Institut meldet einen erneuten Einbruch der deutschen Exporterwartungen. Doch die Ursachen liegen tiefer als der Krieg im Iran: Schon seit Jahren verliert das deutsche Exportmodell an Dynamik – das hat politische Gründe.

In Asien wird weiter fleißig exportiert, in Deutschland ist die Entwicklung deutlich schlechter. (IMAGO/Frank Sorge)

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Die deutsche Konjunktur tritt weiterhin auf der Stelle. Vor allem beim Außenhandel sieht es aktuell schlecht aus. Die vom ifo-Institut erhobenen Exporterwartungen sind im März 2026 wieder deutlich zurückgegangen. Der Indikator fiel von plus 2,7 auf minus 0,9 Punkte – der erste Rückgang nach drei aufeinanderfolgenden Anstiegen. Der Hoffnungsschimmer der letzten Monate ist nun verflogen.

Besonders stark rückläufig waren die Exporterwartungen in der Chemieindustrie mit minus 9,2 Punkten sowie im Maschinenbau mit minus 1,8 Punkten. Beide Branchen zählen zum Kern der deutschen Exportwirtschaft.

Der Indikator wird als Saldo berechnet, also als Differenz zwischen dem Anteil der Unternehmen mit positiven und dem Anteil mit negativen Exportaussichten, gemessen in Prozent. Werte über null signalisieren optimistische Erwartungen, während Werte unter null auf eine pessimistische Einschätzung hindeuten.

Als Hauptursache für die aktuellen Rückgänge nennen die Forscher die Eskalation im Nahen Osten. „Der Krieg im Iran hat die Unsicherheit unter den Exporteuren merklich erhöht“, sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen, in einer Stellungnahme. „Viele Unternehmen befürchten eine sinkende Nachfrage in wichtigen Absatzmärkten.“

Erwähnt werden muss jedoch auch, dass die schwache Stimmung unter den Exporteuren nicht aus dem Nichts kommt. Die deutsche Exportwirtschaft schwächelt bereits seit längerer Zeit. Seit 2021, als die wirtschaftliche Erholung nach den Coronamaßnahmen einsetzte, sind die ifo-Exporterwartungen von Höchstständen von über 20 Punkten kontinuierlich zurückgegangen.

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Der Iran-Krieg spielt bei diesen strukturellen Entwicklungen eher eine untergeordnete Rolle. Auch die seit 2025 erhobenen US-Zölle tragen zu dem langfristigen Stimmungstief in der deutschen Exportwirtschaft nur vergleichsweise wenig bei. Zentral verantwortlich sind die unvorteilhaften Rahmenbedingungen am deutschen Standort, die dazu führen, dass heimische Unternehmen auf internationalen Märkten an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, was in der Folge zu rückläufigen Exporten führt.

Neben hoher Steuer- und Abgabenlast und überbordender Bürokratie sind es vor allem die immer weiter steigenden Energiekosten, die exportorientierte Unternehmen erheblich belasten. Denn die deutsche Exportindustrie ist maßgeblich auf Rohstoffe und Vorprodukte aus dem Ausland angewiesen, um ihre Güter herzustellen.

Mit der Einstellung der günstigen Gaslieferungen aus Russland im Jahr 2022 und der Umstellung auf Flüssigerdgas (LNG) sind die Gaskosten deutlich gestiegen. Zwar haben sich die Preise nach den Spitzen, die während der Energiekrise 2022/2023 erreicht worden waren, etwas entspannt, liegen jedoch weiterhin spürbar über dem Niveau vor dem Ausfall russischer Lieferungen.

Aus der Gaspreisanalyse 2026 des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) geht hervor, dass die durchschnittlichen Gaspreise für Nicht-Haushaltskunden – ohne erstattungsfähige Steuern und bei einem Verbrauch von 278 bis 1.111 Millionen kWh – im ersten Halbjahr 2025 bei 5,0 Cent pro kWh lagen. Im ersten Halbjahr 2015 betrugen sie hingegen lediglich 2,9 Cent pro kWh.

Auch die Strompreise sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen – nicht zuletzt infolge der grünen Transformation. Mit der Abschaltung der letzten drei Kernkraftwerke im Jahr 2023 gewann der großflächige Ausbau erneuerbarer Energieträger, insbesondere von Solar- und Windkraft, an Fahrt.

Seitdem ist die Stromversorgung in der Bundesrepublik zunehmend von diesen Energiequellen abhängig geworden. Das ist insofern problematisch, da sie nur unter bestimmten Wetterbedingungen Strom erzeugen. Bleiben Wind oder Sonnenschein aus, kann es zu Engpässen in der Stromversorgung kommen, was wiederum steigende Preise zur Folge hat.

Erschwerend hinzu kommt, dass in den vergangenen Jahren auch die Stromnetzentgelte immer wieder gestiegen sind. Dabei handelt es sich um Gebühren, die von Netzbetreibern für die Nutzung und den Ausbau der Stromnetze erhoben werden. Je nach Bundesland machen sie inzwischen zwischen 20 und 30 Prozent des gesamten Strompreises aus.

Der Anstieg der Netzentgelte ist auf den milliardenschweren Ausbau der Stromnetze zurückzuführen, der im Zuge der grünen Transformation erforderlich geworden ist. Die dabei entstehenden Kosten wurden und werden noch immer von den Netzbetreibern auf die Verbraucher umgewälzt.

Doch nicht nur die rückläufigen Exporterwartungen verdeutlichen, wie stark der deutsche Außenhandel in den vergangenen Jahren unter Druck geraten ist – auch die realen Exportzahlen sprechen eine klare Sprache: Der einstige deutsche Exportmotor gerät zunehmend ins Stottern.

Wie aus Erhebungen des Informationsdienstes des Instituts der deutschen Wirtschaft (iwd) hervorgeht, legten die deutschen Waren- und Dienstleistungsexporte zwischen 2000 und 2015 im Schnitt real um 4,5 Prozent pro Jahr zu. Im Zeitraum von 2015 bis 2019 betrug das Wachstum nur noch 2,6 Prozent. Zwischen 2019 und 2023 lag es sogar lediglich bei 0,6 Prozent.

In den Folgejahren setzte sich dieser schwache Trend fort. Wie Germany Trade & Invest (GTAI) in einem kürzlich veröffentlichten Bericht erklärte, verzeichneten die Exporte auch im Jahr 2025 lediglich ein Wachstum von 0,6 Prozent auf 1,6 Billionen Euro. Und Aussicht auf Besserung in den nächsten Jahren lassen die Umfragewerte des ifo-Instituts nicht gerade aufkommen.

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13 Kommentare

  • Tja seit Jahr(zehnt)en ist dt. Politik Exportweltmeister in Sachen Moral.

    Ebenso hat man unser teures innovatives Know How lieber exportiert als es präventiv daheim zu sichern.
    Funktionierendes hat man mutwillig gesprengt, verboten, sanktioniert oder eben bürokratisiert.

    Doch die Welt lebt nicht in der „vielfältigen bunten Berliner Blase“.
    Das Reich der Mitte kaufte und kopierte den dt. Mittelstand und produziert nun das wofür Deutschland einst gebraucht wurde

    Pharma
    Chemie
    Maschinenbau
    IT
    Energie
    etc..

    Gesetze die gegen Mensch, Innovation, Freiheit und Fortschritt sind, kennt man so im Ausland nicht. Ein Energieeffizienzgesetz was Stromverbrauch per Zwang halbiert, bedeutet entweder halbe Industrie oder Menschen „weg“

    § 4 Energieeffizienzziele
    https://www.gesetze-im-internet.de/enefg/BJNR1350B0023.html

    „Mutti“ hat immer geldgeile Wirtschaftsbosse mit nach China genommen, als „Wirtschaftsdelegationen“. Heute totale Abhängigkeit als Resultat.

    Politisierte Wirtschaft = Sozialismus!

  • Bruttoliste Mittelklasse-SUV:
    BMW, Mercedes, VW: ab 60.000€
    Tesla Y: 45.000€
    Lexus: 55.000€
    Mazda: 50.000€
    NIO: 50.000€
    BYD: 42.000€
    Kia: 35.000€

    Wir sind zu teuer. Die hohen Preise will keiner mehr zahlen weil die Leistung und Qualität nicht besser ist.
    BYD ist für einen Chinesen sogar noch günstiger und von der Preis-Leistung unschlagbar. Zudem kostet der Strom dort 7-8 Cent (Benzinpreis 1,20€).

    • Deswegen will Klingbeil auch Mehrwertsteuer erhöhen und Ehegattensplitting abschaffen, damit die Deutschen mehr Kaufkraft haben.

      • ??????

    • Auch das günstigste Fahrzeug aus ihrer Liste ist für die meisten Almans längst zu teuer. AUSGERAUBTE und AUSGEPLÜNDERTE Bürger besitzen keine Kaufkraft mehr.

  • In der DDR hatte der Sozialismus 4 Feinde: Frühling, Sommer, Herbst und Winter.

    Im linksgrünen Merzelschland hat er nur noch zwei: Physik und Markt.

    • Nur ein Feind — Realität!

      • Sie haben Recht: Realität ist die Vereinigungsmenge aus Physik und Markt.

        Für unsere linksgrünen Mathematiklegastheniker allerdings intellektuell zu komplex. Ausnahme, der Mathematiker Boris Palmer, der nun nicht unter dem Kita-Experten Özdemir Minister werden will.

        Baden-Württemberg: Wir können alles, außer Physik.

  • Das Ausland hat aufgeholt und überholt. Die Weltwirtschaft wächst.

  • Klaus-Rüdiger Mai schreibt auf „Tichys Einblick“ diesbezüglich alles, was von Relevanz ist, für dieses DESASTER.

    https://www.tichyseinblick.de/meinungen/klingbeils-reformprogramm-raubzug?amp=1

    • Klingbeil bleibt unverzichtbar, denn er wies letzten Sonntag nach dem Wahlergebnis Rücktrittsforderungen mit der Begründung ab, es gäbe gerade zwei Kriege.

      Man stelle sich vor: Konferenzen mit Trump, Putin, Xi und Netanjahu ohne die Schwergewichte Klingbeil und Bas!

      Klingbeil muss Kanzler bleiben!

  • Zum besseren Verständnis: Nicht Russland hat die günstigen Gaslieferungen eingestellt. Es waren EU und deutsche Bundesregierung, vermutlich auf Geheiß der Täter, die in einem Akt kriegerischen Terrors die Versorgungsleitungen NordStream sprengten.

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