Werbung:

Werbung:

Wirtschaftskrise

Vierte Pleite in zwei Wochen: Der Zerfall der Hellweg-Gruppe – ist das das Ende der Baumärkte?

Mit der Insolvenz der Gartencenter Augsburg GmbH hat bereits das vierte Unternehmen aus dem Umfeld der Hellweg-Gruppe Insolvenz angemeldet. Das ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer tiefgreifenden Krise, die den gesamten Handel in seinen Grundfesten erschüttert.

Die Gartencenter Augsburg befinden sich entgegen dem Namen in Nordrhein-Westfalen, hier in Unna. (imago images/CHROMORANGE)

Werbung

Die Insolvenzwelle, die den Wirtschaftsstandort Deutschland erfasst hat, schwächt sich auch in diesem Sommer nicht ab. Im Gegenteil: Sie verschärft sich zunehmend. Besonders der Einzelhandel gerät immer stärker unter Druck. Hintergrund sind nicht zuletzt die schwache Konsumstimmung sowie steigende Kostenbelastungen, etwa durch Mieten, Energie und wachsende Abgaben.

Erst am 30. Juni meldete mit der Gartencenter Augsburg GmbH & Co. KG erneut ein bedeutendes Unternehmen der Branche Insolvenz an. Das 1965 gegründete Unternehmen betreibt sieben Standorte in Nordrhein-Westfalen: in Bochum, Castrop-Rauxel, Hagen, Iserlohn, Krefeld, Schwerte und Unna. Rund 360 Beschäftigte sind von der Insolvenz betroffen.

Für die nähere Zukunft verfolgt das Unternehmen jedoch einen konkreten Plan – aufzugeben ist keine Option. Der Betrieb soll fortgeführt werden. Bis Ende August soll ein Käufer gefunden werden. Die Löhne und Gehälter der rund 360 Beschäftigten sind zunächst für drei Monate durch das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit abgesichert.

Es handelt sich bereits um die zweite Insolvenz in der Unternehmensgeschichte. Schon 2013 hatte das Unternehmen ein Insolvenzverfahren durchlaufen. Damals übernahm die Hellweg-Gruppe – zu der auch die BayWa Bau- & Gartenmärkte gehören – den Betrieb aus der Insolvenz heraus.

Besonders brisant: Auch andere Unternehmen der Gruppe haben vor Kurzem den Gang zum Insolvenzgericht angetreten. Gartencenter Augsburg stellte jedoch klar, dass das eigene Verfahren nicht in direktem Zusammenhang mit den parallel laufenden Insolvenzen stehe – rechtlich seien die Gesellschaften voneinander getrennt. Auffällig ist jedoch das Timing.

Lesen Sie auch:

Gartencenter Augsburg ist bereits das vierte Unternehmen aus dem Hellweg-Umfeld, das innerhalb von zwei Wochen einen Insolvenzantrag gestellt hat. Den Anfang machte die Baumarktkette Hellweg Profi-Bau- & Gartenmärkte GmbH & Co. KG selbst am 17. Juni 2026. Hellweg betreibt in Deutschland 68 Märkte und beschäftigt rund 2.900 Menschen.

Wenige Tage später beantragte die österreichische Hellweg-Gesellschaft beim Landesgericht Linz ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung. Auch die BayWa Bau- und Gartenmärkte – die seit Jahren nicht mehr zur BayWa AG gehören – befinden sich nun in einem Eigenverwaltungsverfahren. Dort sind 46 Standorte in Süddeutschland und rund 1.300 Beschäftigte betroffen.

Das ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer tiefgreifenden Krise, die den gesamten Einzelhandel beziehungsweise den Fachhandel in Deutschland in seinen Grundfesten erschüttert. Die Ursachen für die Insolvenz benennt Gartencenter Augsburg selbst öffentlich: eine anhaltend schwierige Marktentwicklung mit gestiegenen Einkaufspreisen, steigenden Mieten und allgemeinen Kostensteigerungen – insbesondere bei der Energie – sowie eine ausgeprägte Konsumzurückhaltung.

Gerade Letzteres wiegt besonders schwer. Erst im Februar erreichte die Sparneigung der deutschen Verbraucher nach Angaben der GfK und des Nürnberg Instituts für Marktentscheidungen (NIM) mit 18,9 Punkten – 9,5 Punkte mehr als im Vorjahr – den höchsten Stand seit der Finanzkrise 2008. Auch seither hat sich die Lage kaum verbessert. Im Juli lag die Sparneigung mit 16,4 Punkten nur geringfügig niedriger.

Der Hintergrund: Wenn Verbraucher aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheit, der anhaltenden Strukturkrise, einer wieder anziehenden Inflation oder der Sorge vor einer steigenden Abgabenbelastung ihre Ausgaben zurückhalten und auf Anschaffungen wie Gartenmöbel oder Gartenausstattung verzichten, trifft das den stationären Handel unmittelbar. Zusätzlich verschärft wird die Situation durch den Onlinehandel, der Standardsortimente häufig günstiger anbietet und dem klassischen Einzelhandel Kunden entzieht.

Wie stark die gesamte Branche finanziell unter Druck steht, zeigen auch die Zahlen des Bundesverbands Heimwerken, Bauen und Garten (BHB). Dieser bezifferte den deutschen Gesamtmarkt für Bau- und Heimwerkermärkte im Jahr 2025 zwar auf rund 24,67 Milliarden Euro, den gesamten DIY-Markt sogar auf 49,10 Milliarden Euro. Die Entwicklung ist jedoch rückläufig: Im ersten Quartal 2026 sanken die Umsätze. Besonders stark war der Bau- und Gartenfachhandel betroffen. Hier zeichnete sich ein Rückgang von 0,9 Prozent ab.

Werbung

Kommentar schreiben

Strafbare Inhalte, Beleidigungen oder ähnliches sind verboten (hier unsere Kommentar-Richtlinien). Kommentare sind auf maximal 1.000 Zeichen limitiert.

Ohne Account kommentierenKein gesicherter Name, von jedem frei wählbar

Mit Account kommentieren Ihr Nutzername für Sie gesichert & einmalig

Anmelden ›Kostenlos registrieren

17 Kommentare

  • Die Mehrheit in Deutschland wünscht sich leider den weiteren Niedergang Deutschlands.

    • Zustimmung. Baden Württemberg wählt sich sogar noch einen Özdemir-Abstiegs-Beschleuniger.

      • Es ist schon befremdlich, wie du Wählerentscheidungen kritisierst, wenn sie nicht deiner Meinung entsprechen…

        • Ist meistens so, das man das kritisiert, was nicht der eigenen Meinung entspricht!

          0
      • Da hat die Deindustrialisierungskoalition sogar einen Stimmenzuwachs von 3,2% bei den LTW 26 in Ba-Wü, geht es verrückter?

        • Wie Flummi oben geschrieben hat, die Mehrheit wünscht sich das.
          Nimm es hin wie es ist, deine Kommentare ändern nichts!

          4
        • Ach was Karl, eine Kommentarfunktion ist deshalb vorhanden um seine Meinung zu äussern, wenn euch das nicht passt, euch linksgrünen Vögel, warum kommentiert denn ihr???

          1
  • Die Baumärkte sind zum Teil selber Schuld. Sie werden schlecht geführt von unqualifizierten Managern. Immer häufiger muss man in Baumärkten feststellen, dass bestimmte, ganz einfache, banale Artikel fehlen oder nicht (mehr?) geführt werden. Eine kurze Suche im Internet löst dann das Problem. Oft wird also daher online gekauft, da das Angebot vielfältiger ist, schnell verfügbar mit extrem kurzen Lieferzeiten. Häufig werden noch andere Sachen mit bestellt, damit das Porto nicht so ins Gewicht fällt.

    • Absolut richtig, bei obi wurden mir einmal aufgrund meiner Beschwerde und entsprechender Diskussion über den nicht vorhandenen Service vom Geschäftsführer Prügel angeboten.

      • Unentgeltlich? Quasi als Wiedergutmachung?

  • Völlig sinnlos in der Hoffnung zum Baumarkt zu fahren entsprechendes Werzeug oder Teile für eine Problemlösung zu finden, weil man es dort nicht bekommt. Aqua Destillata wäre das einzige was mir im Moment einfällt.

  • Über den Service kann ich mich bei unseren beiden Hornbach-Märkten in der Umgebung nicht beschweren. Da passt alles für den Kunden. Beim Hagebau-Markt nebenan siehts nicht so gut aus, die Mitarbeiter geben sich alle Mühe, aber ich fürchte, dies werden die nächsten sein.

  • Wenn Baumärkte sich nicht weiter entwickeln und z.b. e-commerce mit aufnehmen ist das die Folge. Eine Baumarktkette die mit H anfängt z.b. erzielt 80% seines Gewinns im Eu Ausland insb. Osteuropa. Wer zu spät kommt den bestraft das Leben.

  • Da zerstörte und zerstört gerade jemand Deutschland, also unsere Existenzgrundlage und wir nölen und nörgeln ganz frech rum, dass geht doch nicht.

  • Das muss gelogen oder einfach nur falsch sein!
    Unser geliebter Kanzler der 2. Wahl betont doch in jeder seiner Reden, dass der Aufschwung bereits da sei, dass die Unternehmer ihm gegenüber immer und immer wieder betonen, wie positiv sie in die Zukunft sehen!
    Und ich glaube dem Kanzler der 2. Wahl uneingeschränkt! Der muss es wissen! Der kann das!

  • Hinzukommen überalterung bei Biodeutschen und Migranten welche keinen Baumarkt für ihre Wohnung benötigen. Im letzteren Fall übernimmt die Renovierung die städtische Wohnungsbaugesellschaft.

  • Dieses Insolvenz-Karussell läuft im Wesentlichen immer gleich ab … zunächst Staatsknete durch Erpressung besorgen ,auch mit Hilfe der Gewerkschaften , dann kommt die Insolvenz-Verzögerung um die Zitrone auszupressen ! Danach erfolgen „ Auffanggesellschaften „ um den Kreis der Beschäftigten gezielt , zu verringern ! Danach kommt die Erholungsphase einer Insolventen Scheintoten ! Inzwischen sind mehre Insolvenz – Verwalter Steinreich geworden und natürlich die Gewerkschaften auch ; die man zur Beruhigung braucht ! Dann wird weiter gewurstelt bis nichts mehr geht ! Dann welch ein Wunder nun kommt die Insolvenz , die die Beschäftigten letztlich mit Lohnverzicht bezahlen und natürlich „ Aufgefangen „ werden müssen mit Staatsgelder !! Aber die Insolvenzhaie und deren Helfer die Gewerkschaftler ratlos aber bereichert zurück lässt !!

Werbung