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Unverständnis und Arroganz: Die polit-mediale Blase beißt sich an den Bauern die Zähne aus

Die Reaktion auf die Proteste aus den Politikerbüros und Redaktionsstuben ist Arroganz und Hochnäsigkeit. Die rhetorischen Ausfälle werden immer absurder. Ein Best-of der verzweifelten Diffamierung.

Es ist schon ein bemerkenswerter Kontrast zwischen öffentlicher Meinung und veröffentlichter Meinung, der sich dieser Tage mal wieder zeigt. Die Bauern und ihre Proteste werden von Politik und Presse beschimpft, zerredet, verleumdet und verurteilt, während die deutliche Mehrheit der Deutschen klare Sympathien für die Landwirte und ihre Anliegen hat. Die Politikerbüros und Redaktionsstuben dieses Landes scheinen sich beim Thema Bauernproteste von der Stimmung im Land geradezu hermetisch abgeriegelt zu haben. Sie versuchen verzweifelt, den Menschen zu erklären, dass das, was sie gut und richtig finden, in Wahrheit schlecht, böse und falsch ist.

Fast anerkennend muss man über die Mühe sprechen, mit der Journalisten nach jeden noch so kleinen Plakat oder Sticker suchen, mit dem man den Bauernprotest als rechtsradikal framen kann. Der kompromisslose Einsatz von Politik und Presse, um den Protest der Landwirte zu delegitimieren, ist in seiner Entschlossenheit schon bemerkenswert. Aber er ist vor allem von zwei Dingen durchzogen. Unverständnis für und Arroganz gegenüber den Bauern, aber auch vielen Durchschnittsdeutschen. 

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Protest gegen eine Art, Politik zu machen

Die Politiker und viele Pressevertreter scheinen überhaupt nicht zu verstehen, worum es bei den Demonstrationen geht. Ginge es nur um den Agrardiesel, würden die Trucker nicht mit den Landwirten demonstrieren. Ginge es nur um den Agrardiesel, wäre die öffentliche Stimmung, anders als die veröffentlichte Stimmung, nicht so eindeutig aufseiten der Bauern. Es ist eben kein Protest gegen die Agrardieselsteuer oder gar für eine Subvention. Es ist der Protest gegen eine Art, Politik zu machen. Es ist der lange überfällige Protest gegen den Gängel-Staat. Einen Staat, der im Leben der Menschen zwar omnipräsent ist, aber nichts wirklich besser macht – eher im Gegenteil.

Dieses Gefühl kann jeder Mensch in Deutschland nachvollziehen. Und deswegen hat der Bauernprotest eine solche Wirkung und Unterstützung im Volk. Deswegen protestieren längst nicht mehr nur die Landwirte, sondern auch Spediteure, Restaurantbetreiber, Tankwarte. Deswegen stehen auch mehr als zwei Drittel der Deutschen hinter den Demos. Es ist sicherlich auch der im letzten Jahr viel diskutierte Unterschied zwischen Kreuzberg und dem Gillamoos, zwischen München und Niederbayern, der hier zum Tragen kommt.

Aber hier geht es nicht um schnöde Strukturdebatten, um den Stadt-Land-Gegensatz. Die wahre Trennlinie verläuft nicht zwischen Dorf und Metropole, sondern zwischen dem sprichwörtlichen Elfenbeinturm und dem Rest des Landes. Diesen Unterschied können die Politiker offenbar nicht sehen.

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Immerhin: Ein paar Politiker, wie die SPD-Ministerpräsidenten Weil und Rehlinger, stellen sich jetzt scheinbar hinter die Bauern. Sie haben aber anstatt der Bauernprobleme vor allem ihr Problem verstanden, dass in ihren ländlich geprägten Bundesländern auch für sie und ihre Karriere viel vom Bauer abhängt. Freilich haben viele Genossen das nach wie vor nicht begriffen: „Lasst uns gemeinsam solidarisch sein“, tönt der SPD-Parteivorstand im Netz gegen die Landwirte. Die Partei, deren Haushaltstricks überhaupt erst in die Misere geführt haben, fordert jetzt „Solidarität“ von der Bevölkerung für ihr eigenes Versagen ein – lachhafter kann es im Ernst kaum noch werden. 

Das „Rechtsextrem“-Framing hat jede Wirkung verloren

Im gleichen Posting warnt die SPD-Führung auch vor „Bauernfängern“ von der AfD. Tatsächlich kann sich die AfD aber entspannt zurücklehnen und muss nur warten, dass die Ampel ihnen die Wähler regelrecht in die Arme treibt. Das haben Umfragen, Meinungstrends und Erhebungen mittlerweile seit Monaten zur Genüge dokumentiert – die Politik begreift es nach wie vor nicht und spricht stattdessen mantraartig von „Rechtsextremisten“, als würde das noch irgendjemanden abseits des ohnehin treuen Schickeria-Milieus ernsthaft beeindrucken.

Wenn ohnehin fast jeder vierte Deutsche sich offen zu einer vermeintlich „rechtsextremen“ Partei bekennt, hat dieses Schlagwort offensichtlich jede Form von Abschreckung verloren. Und auch das Gerede von „Umstürzlern“ ist als hohle Angstmacherei entlarvt.

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Die Heuchelei ist längst offensichtlich: Bei der „Letzten Generation“ und der Klima-Bewegung wird offen von „System Change“ gesprochen. Luisa Neubauer sitzt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und erteilt der Demokratie offen eine Absage. Politiker wie Habeck sahen das und applaudierten. Den radikalen Klimaklebern sprach Habeck gar seinen „Respekt“ aus.  Mit welcher Glaubwürdigkeit will ausgerechnet er sich jetzt hinstellen und vor Extremisten und Systemgegnern warnen?

Auch die Elfenbeinturm-Presse begreift nicht, was im Land los ist

Die politmediale Blase hat aber nicht nur ein Verständnisproblem. Denn was ihnen an Verständnis fehlt, kompensieren sie einfach mit Missgunst und Verachtung. ZDF-Journalist Oliver Schmidt erklärt, die Bauernproteste seien „illegitim“. Das Handelsblatt schreibt: „Die Bauern nehmen sich einen völlig überzogenen Aufstand heraus.“ Die taz befindet, die aktuellen Proteste seien „unangemessen“. Die Bauern werden als verwöhnte und eigentlich ohnehin viel zu reiche Nörgler dargestellt, als wütende Bratzen, die einfach den Hals nicht vollkriegen.

Man darf mutmaßen: Weder Oliver Schmidt vom ZDF, noch die jeweiligen Autoren vom Handelsblatt oder der taz haben überhaupt Ahnung, was Landwirtschaft in vielen Facetten bedeutet. Dafür haben sie viel Arroganz. Eine Arroganz, die auch bei vielen Kollegen zum Tragen kommt, wenn vom „Mistgabelmob“ die Rede ist. 

Und sie verstehen nicht: Mit ihren Attacken gegen die Bauern schreiben sie auch gegen die Deutschen ganz allgemein an. Denn die deutliche Mehrheit der Menschen steht hinter den Bauernprotesten – die Bild spricht von 69 Prozent. Eben weil der Protest sich nicht mehr allein um die Agrarpolitik, sondern längst um die Gesamtlage im Land dreht. 

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