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China-Trip: Söder in den Fängen der Panda-Propaganda

Auf seiner Chinareise kann sich Markus Söder fühlen wie der Staatschef, der er niemals wurde: Und das schmeckt ihm merklich. Dafür vergisst er alles Problematische an der Volksrepublik, trifft Parteisekretäre und lässt sich absolut einlullen. Auf der Reise geht es Markus Söder eh nur um eins: Markus Söder.

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„Wir werden da fast behandelt wie ein eigenständiger Staat“. Markus Söder freut sich merklich über die Aufmerksamkeit und Ehrerbietung, die ihm auf seiner Chinareise zuteil wird. Man verzeihe mir, dem norddeutschen „Saupreißn“, da ein wenig Amüsement, aber es sagt wieder viel über Söders Selbstbild. Markus der Erste, König von Bayern, besucht den chinesischen Kaiser. Der Spiegel kommentiert: Er, Söder, „muss irgendwo hin mit seinem Geltungs- und Gestaltungsdrang.“

Und in China ist genug Platz. Söder bereist drei Provinzen und wird überall hochherrschaftlich empfangen. Das entspricht ein Stück weit auch bayerischem Geltungsdrang – aber Söder bedient ihn sehr gut. Die Chinesen wissen, wie sie bei ihm die richtigen Knöpfe drücken. Für die Fahrten des bayerischen Ministerpräsidenten und seiner Entourage sperren die chinesischen Behörden jedes Mal die Straßen ab. Etwa in der Megastadt Chengdu, die allein mehr Einwohner als ganz Bayern hat. An den Auffahrten staut sich der Berufsverkehr, bei An- und Abfahrt im Hotel reihen sich die Angestellten und winken synchron. Söder gefällt sich dabei sehr. Und so ruft der Ministerpräsident direkt eine außenpolitische Linie aus: „Es geht bei uns mehr um Real- statt Moralpolitik“. Man erkenne „die Herausforderung, die China darstellt“, sagt Söder. Aber man wolle vor allem „Türöffner für unsere Wirtschaft sein“, die Aufgabe der Politik sei dabei, der Wirtschaft „Geleitschutz zu geben“.

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Pandas, Politik und Prunk

Er sieht sich, das merkt man nicht nur hier, in den Fußstapfen von Franz-Josef Strauß. Auch der machte nach seiner gescheiterten Kanzlerkandidatur gerne Außenpolitik – auch ohne Berührungsängste. Es war der „Kommunistenfresser“, der Erich Honecker und der strauchelnden DDR überlebenswichtige Kredite verschaffte. Er schüttelte auch als erster bundesdeutscher Politiker dem chinesischen Diktator Mao Tse-Tung die Hand. Man merkt: Bayern, die es nicht ins Kanzleramt schaffen, zieht es ins Ausland. Und das auch nicht unbedingt wertegeleitet.

Er trifft auch den chinesischen Ministerpräsidenten Li Quiang. In einem prunkvollen Saal mit übergroßen Flaggen – das Blau-Weiß Bayerns genauso groß wie Schwarz-Rot-Gold und das Rote Banner der Volksrepublik – sitzt er scheinbar auf Augenhöhe. Söder gefällt das.

Bei all dem Geltungsdrang, dem persönlichen wie dem freistaatlichen, kommt auch Söders Tierliebe nicht zu kurz. Natürlich, wie sollte es anders sein, darf er auch viele Pandas treffen. „Ein Panda würde ja auch gut zu Bayern passen, so friedfertig“, schwärmt Söder vor dem Gehege. Vielleicht geben die Chinesen ihm ja einen mit. Das hat außenpolitisch Tradition für Peking, und zwar so sehr, dass der Begriff „Panda-Diplomatie“ ein fester Begriff unter China-Experten. Man könnte auch sagen: Panda-Propaganda. „Menschenrechtsverletzungen und Todesstrafe ruinieren den Ruf. Deshalb poliert China sein Image mit Bildern von Panda-Babys auf, dem Inbegriff von Unschuld und Friedfertigkeit“, kommentierte die Süddeutsche Zeitung diese chinesische Praxis schon 2010. „Die gesamte Weltöffentlichkeit wird von der Panda-Propaganda manipuliert.

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Söder verfängt sich in Pekings Propaganda

„Denn wesentlich effizienter als die weltweite Bärenverschickung ist es, Fotos und Videos von Pandas medial zu verbreiten, wie das von Robert Zoellick, dem damaligen stellvertretenden amerikanischen Außenminister, der im Januar 2006 ein Panda-Junges im Arm hielt. In chinesischen Medien galt dies als Zeichen dafür, dass die USA eine weitere Annäherung an China anstrebten.“ Dass diese Panda-Propaganda heute auch noch funktioniert, zeigen die Bilder vom pandakuschelnden Söder, die vor wenigen Tagen etwa die Bild abdruckte.

Mit Pandas lässt sich Söder ablichten – über Menschenrechte und mit Regimegegnern spricht er nicht, was beispielsweise sein Vorgänger Horst Seehofer noch bewusst tat. Er will, wie gesagt, Türen öffnen. Und er ignoriert dabei völlig

Schenken werden die Chinesen keinen Panda. Denn seit 2007 verleiht die Volksrepublik Pandas nur noch. Wie man hört, für fürstliche Leihgebühren um die eine Million im Jahr. Im Verhältnis zu China kriegen wir eben nichts mehr umsonst. Nicht nur beim Thema Pandas schenkt Peking dem Westen nichts mehr – in Zeiten von längst laufendem Systemwettstreit, mittelbarer und auch unmittelbarer Bedrohung durch die Volksrepublik. Hat Söder das begriffen? Es wirkt nicht so. Aber bei diesem Besuch ging es ja auch nicht um China, Deutschland und auch nicht um Bayern – es ging vor allem, so scheint es, um Söders Selbstbild.

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