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Anstieg um 541 Prozent

Proteste gegen Migration auf den Kanaren: „Verteidigt unsere Stadtviertel“

Die Zahl der illegalen Migranten, die aus Afrika auf die kanarischen Inseln kommen, hat sich im Vergleich zum Vorjahr versechsfacht. Die Insel ist ein Tor nach Europa und hoffnungslos überlastet. Jetzt gehen die Einwohner auf die Straßen.

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Am Samstag sind auf den Kanarischen Inseln hunderte Menschen auf die Straßen gegangen, um gegen die unkontrollierte Migration zu protestieren, die die Region bereits seit Jahren plagt und über die Grenzen ihrer Kapazitäten bringt. Mit Plakaten wie „Stoppt die illegale Einwanderung“ oder „Verteidigt unsere Stadtviertel“, sind die Demonstranten in mehreren Städten wie Las Palmas auf die Straße gegangen. 

„Es ist zum Menschenlebenshandel geworden und die Mafia profitiert von allen Toten auf See“, erklärte einer der Organisatoren der Demonstration, Rudy Ruyman, gegenüber der französischen Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP). „Diese Situation auf den Kanarischen Inseln ist unhaltbar“, sagte ein weiterer Demonstrant der AFP. Er fügte außerdem hinzu: „Die Kanarischen Inseln können es sich nicht leisten, diejenigen zu unterhalten, die ankommen.“

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Es soll Versuche gegeben haben, die Demonstration zu verhindern, da die Gefahr von Hassrede bestehe. Laut lokalen Medien ist daraus aber nichts gefolgt. Die Kanaren gehören geologisch zu Afrika, aber politisch zu Spanien, sind damit auch Teil der EU. Für viele Europäer, darunter auch sehr viele Deutsche, sind sie ein beliebtes Reiseziel, da sie zwar die afrikanischen Temperaturen haben, aber auch leicht zu bereisen sind. 

Die Lage und Zugehörigkeit zur EU machen die Kanaren aber auch für Migranten sehr beliebt. Neben Italien und Griechenland stellt Spanien eines der drei wichtigsten Einreisetore für die Einwanderung nach Europa dar. Die kanarischen Inseln sind dabei zum Hauptziel für Migranten aus Senegal und anderen afrikanischen Ländern geworden. 

Illegale Migration versechsfacht

Wie die EU-Grenzschutzagentur Frontex vermeldet, sind allein im Januar und Februar dieses Jahres 12.092 illegale Migranten über die Atlantikroute auf die Kanaren gereist. Das stellt einen Zuwachs von 541 Prozent, also eine Versechsfachung, im Vergleich zum Vorjahr dar.

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Dass die Migrationsroute über den Atlantik als besonders gefährlich gilt, obwohl die Kanarischen Inseln nur etwa 100 Kilometer von der Nordwestküste Afrikas entfernt liegen, tut der Sache wohl keinen Abbruch. Die Gefährlichkeit der Route wird unter anderem an der unberechenbaren Wucht des Atlantiks, aber auch der mangelhaften Seetüchtigkeit der gewählten Boote zugeschrieben. Oftmals versuchen die Migranten, mit Fischerbooten aus Holz oder sogar mit Schlauchbooten über den Atlantik zu reisen. 

Mehr als 5.000 Migranten sind in den ersten fünf Monaten dieses Jahres bereits bei dem Versuch, nach Spanien zu migrieren, gestorben. Die meisten davon auf der kanarischen Route – was, wie die spanische NGO Caminando Fronteras im Juni berichtete, 33 Todesfällen pro Tag entspricht. 

Behörden um mehrere hundert Prozent überlastet 

Die Kanaren brechen unter der Migration zusammen. Insbesondere die Anzahl an unbegleiteten minderjährigen Migranten belastet die Region besonders. Die Inselgruppe nimmt zwar nur 1,48 Prozent von Spaniens Fläche ein, dafür sind dort derzeit aber 40 Prozent aller minderjährigen und unbegleiteten Migranten untergebracht, wie Teneriffa News berichtete.

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Damit halten sich derzeit zwei von fünf Migranten in Spanien auf den Kanarischen Inseln auf – Tendenz steigend. Bisher wurden lediglich 32 minderjährige Migranten von den Kanarischen Inseln in andere Regionen verlegt. Der Grund für diese Verteilung ist das spanische Ausländergesetz. Die Betreuung der aktuell 5.645 Minderjährigen übersteigt die verfügbaren Ressourcen der Behörden vor Ort aber massiv.

Die Überlastung der kanarischen Aufnahmesysteme für minderjährige Migranten liegt trotz Aufstockung in den vergangenen bei fast 300 Prozent der eigentlichen Kapazität. Auf einer Sektorkonferenz in Santa Cruz diese Woche wollen die Vertreter Teneriffas daher eine Gesetzesänderung erwirken. Doch die übrigen Regionen Spanien stellen sich quer. 

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