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Nigel Farage ist zurück – und mischt Großbritanniens Wahlen auf

Nigel Farage will es noch einmal wissen: Mit seiner Reform Party kandidiert er fürs britische Parlament und dürfte die Wahlen damit endgültig zum Albtraum für die Tories machen. Sein Wahlkampfthema Nummer eins? Migration.

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„I’m back.“ – Das ist Nigel Farages Message nach drei Jahren Auszeit von der britischen Politik. Mr. Brexit will es noch ein mal wissen und diesmal ins britische Parlament einziehen. Damit wird er die sowieso schon schwer angeschlagenen Tories unter Premierminister Rishi Sunak noch weiter unter Druck setzen.

Für Farage, der im englischen Wahlkreis Clacton antritt, ist es der achte Anlauf für einen Sitz in Westminster. Dennoch: Er ist für seine Comebacks berüchtigt, unterschätzen sollte ihn keiner. 20 Jahre lange machte er mit seiner Kleinpartei UKIP Wahlkampf für einen EU-Austritt. „Ihr habt mich alle ausgelacht, nun ich muss sagen: Jetzt lacht ihr nicht mehr, oder?“, erklärte er 2016 grinsend dem EU-Parlament, nachdem Großbritannien für den Brexit gestimmt hatte.

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Im britischen Unterhaus saß er nicht, aber im EU-Parlament führte er mit seiner Partei die größte britische Fraktion vor Labour oder den Tories an – bei EU-Wahlen war UKIP stärkste Partei. Was den Brexit angeht, war er die führende Stimme im Land und zog sich nach dem erfolgreichen Referendum zunächst aus der Politik zurück.

Doch das nur, um wenige Jahre später zurückzukommen, um – wie er es sah – den Brexit zu retten. Denn die Verhandlungen rund um den Austritt zogen sich, sogar ein Exit vom Brexit brachten damals manche ins Spiel. Nach Quereleien mit seiner alten Partei gründete Farage dann die Brexit Party, die seitdem die UKIP völlig ersetzt hat und kehrte so in die britische Politik zurück. Bei den Europawahlen 2019 machten die britischen Wähler einmal mehr seine Partei zur Nummer eins – und er drohte später zur Parlamentswahl im selben Jahr den Tories wichtige Stimmen wegzunehmen. Das hatte das Potenzial, die Wahl umzukrempeln.

Inzwischen war Boris Johnson britischer Premierminister geworden und nach vielen Hinterzimmer-Gesprächen und Hoffnungen auf ein Wahlbündnis gab sich Farage mit öffentlichen Brexit-Zusagen von Johnson zufrieden – er trat mit seiner Partei in allen bisherigen Tory-Wahlkreisen nicht an. Ein Wahldebakel für die Konservativen blieb so aus, stattdessen fuhren sie dank Johnsons Popularität einen historischen Wahlsieg ein und der erfüllte sein „Get Brexit Done“-Versprechen: Am 31. Januar 2020 verließ das Vereinigte Königreich die EU. Gut ein Jahr später gab Farage seinen Weg in den Ruhestand bekannt. Der Job war erledigt, so die Stimmung.

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Jetzt, vier Jahre später, sieht das Land anders aus. Es gibt nicht nur einen neuen König, es gab gleich mehrere neue Premierminister, von denen sich keiner aus einer Spirale der Unbeliebtheit retten konnte. Der letzte in der Reihe: Rishi Sunak – der nun die Wahlen von Herbst auf Juli vorgezogen hat. Man fragt sich, wie er es schaffen will, die sich abzeichnende Wahlniederlage abzuwenden. Keiner weiß es so richtig. Für viele muss sich Farages Comeback als Anführer der Reform Party (die umbenannte Brexit Party) wie der letzte Sargnadel für die Karriere des Premierministers anfühlen. Labour liegt nicht nur weit vor den Tories, jetzt bekommen sie auch noch starke Konkurrenz von rechts.

Glaubt Farage wirklich daran, dass seine Partei jetzt groß abräumt? Wohl kaum. Auch er dürfte damit rechnen, dass der Labour-Vorsitzende Keir Starmer neuer Premierminister wird. Aber warum nicht dabei sein – in den hitzigen Debatten in Westminster, wenn Starmers Regierung „sich schnell als noch schlechter als die des verhasster Vorgänger“ herausstellt, wie es der britische Spectator vorhersagt?

Wie mehrheitsfähig die Reform Party selbst ist, mag das eine sein, aber dass Farage eine der prominentesten – und unter Konservativen beliebtesten – Köpfe des Landes ist, steht außer Frage. Er sei ein „ehrlicher Typ, der mit gesundem Menschenverstand spricht“ meinten Wähler in seinem neuen Wahlkreis, die Daily Mail befragte. Thema Nummer eins hier: Migration. Dabei will er noch härter auftreten als Sunak, der Asylbewerber bereits in Drittländer wie Ruanda schicken will.

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Farage machte zuletzt Schlagzeilen damit, dass er erklärte, immer mehr junge Muslime würden „unsere britischen Werte nicht teilen, sondern vieles von dem hassen, wofür wir stehen“ – Hintergrund war eine Umfrage, in der fast jeder zweite Moslem in Großbritannien mit der Hamas sympathisierte (Apollo News berichtete).

Ob Farage es mit scharfer Migrationskritik also im achten Anlauf ins Unterhaus schafft, wird sich am Wahlabend am 4. Juli zeigen. Eins steht jetzt schon fest: Sein Comeback bereitet dem angeschlagenen Sunak sicher nur noch mehr Kopfschmerzen.

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