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Thüringer Maschinenbauer

Nächster Weltmarktführer am Ende: Industrieofenbauer ELIOG ist insolvent

Mit dem Thüringer Industrieofenspezialisten ELIOG ist der nächste deutsche Weltmarktführer in die Insolvenz gerutscht. Vor allem Energiekosten, Bürokratie sowie die Verwerfungen in der Automobilindustrie haben existenziellen Druck ausgeübt.

Karlotta Gründobler ist geschäftsführende Gesellschafterin von ELIOG – und beklagte sich in der Vergangenheit immer wieder über die deutsche Bürokratie. (IMAGO/HMB-Media)

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Der deutsche Maschinenbau verliert zunehmend an Substanz – leise, aber schrittweise gerät Betrieb um Betrieb in die Insolvenz. Das jüngste Opfer ist die Eliog Industrieofenbau GmbH mit Sitz in Römhild, Thüringen. Der Spezialist für maßgeschneiderte Industrieöfen und Wärmebehandlungsanlagen gilt seit Jahrzehnten als Weltmarktführer in diesem Segment. Eine Sanierung wird nun angestrebt.

Die Hintergründe der Insolvenz beschreibt das Unternehmen eindeutig: „Der Antrag war geboten, da das Unternehmen Forderungen und fällige Verbindlichkeiten absehbar weder termingerecht noch vollständig begleichen kann“, erklärte Sanierungsgeschäftsführer Stefan G. Mairiedl jüngst in einer Stellungnahme.

Für die 74 Beschäftigten am einzigen Standort des Unternehmens in Römhild sind Löhne und Gehälter bis einschließlich Juni 2026 über das gesetzliche Insolvenzgeld abgesichert. Der laufende Geschäftsbetrieb soll während des Sanierungsprozesses fortgeführt werden. Ob Eliog langfristig gerettet werden kann, hängt jedoch maßgeblich davon ab, ob neue Investoren gefunden werden.

Gegründet wurde das Unternehmen 1924 in Düsseldorf als Hersteller elektrischer Industrieöfen. Nach den Kriegszerstörungen der Jahre 1943/44 wurde der Betrieb ins thüringische Römhild verlagert und in der DDR als VEB Elektro-Industrieofen- und Gerätebau weitergeführt. Seit 2011 gehört Eliog zur familiengeführten Rupprecht-Gruppe. Es handelt sich bereits um die zweite Insolvenz in der Firmengeschichte – bereits 2009 gerieten mehrere Unternehmen der damaligen Eliog-Gruppe in die Insolvenz.

Der unmittelbare Auslöser der Krise, die die Eliog Industrieofenbau GmbH erfasst hat und letztlich dazu führte, dass Verbindlichkeiten nicht mehr beglichen werden konnten, war die dramatisch schwache Auftragslage. Kunden reduzierten ihre Bestellungen zuletzt stark, verschoben Projekte auf spätere Geschäftsjahre oder stornierten sie vollständig.

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Die Kundenbasis von Eliog umfasst vor allem die Automobil- und E-Mobilitätsindustrie, die Luft- und Raumfahrt, die Metallurgie sowie die Kunststoff-, Glas- und Elektronikindustrie. Genau diese Abnehmerbranchen befinden sich jedoch seit mittlerweile zwei Jahren in einer synchronen Investitionszurückhaltung.

Besonders hart traf Eliog jedoch der Einbruch im Automobilgeschäft. Die deutsche Automobilindustrie – einer der größten Abnehmer von Industrieöfen – steckt in der tiefsten Krise seit Jahrzehnten. Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW kürzen ihre Investitionsbudgets, während Zulieferer zunehmend Liquidität horten, statt neue Investitionen vorzunehmen.

Verantwortlich dafür ist in erster Linie der politisch vorgegebene, aber am Markt stockende Hochlauf der Transformation hin zur Elektromobilität, der sowohl Autobauer als auch Zulieferer finanziell massiv belastet und zu weitreichenden Einsparungen zwingt.

Parallel zur Nachfrageschwäche fressen die Energiekosten seit Jahren die ohnehin dünnen Margen von Maschinenbauern wie Eliog auf. Laut der Gaspreisanalyse 2026 des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) liegen die Industriegaspreise trotz eines Rückgangs gegenüber den Krisenhöchstständen der Jahre 2022 und 2023 weiterhin deutlich über dem Niveau der Jahre 2016 bis 2020. Auch die Stromkosten verharren auf einem hohen Niveau.

Hinzu kommt der steigende CO₂-Preis im europäischen Emissionshandelssystem (EU-ETS), das Industrieunternehmen dazu verpflichtet, für jede ausgestoßene Tonne CO₂ immer höhere Beträge zu entrichten: So waren es im Jahr 2024 noch 66,46 Euro pro Tonne, inzwischen sind es 88,52 Euro pro Tonne.

Diese Kostenbelastung wirkte gleich doppelt: Einerseits belastete sie Eliog direkt in der Produktion – Industrieöfen werden mit erheblichem Energieeinsatz gefertigt. Andererseits trifft sie auch die Kunden des Unternehmens indirekt. Industrieöfen und Wärmebehandlungsanlagen zählen selbst zu den besonders energieintensiven Produkten.

Verantwortlich dafür, dass die Energiekosten in der Bundesrepublik so hoch sind, ist in erster Linie die Energiepolitik der vergangenen Jahre: die Abschaltung der Kernkraftwerke, die Umstellung auf wetterabhängige Solar- und Windkraft sowie der LNG-Umstieg nach dem Ende der russischen Gaslieferungen. All das hat die Strom- und Gaskosten dauerhaft auf ein Niveau angehoben, das die gesamte verarbeitende Industrie in Deutschland gegenüber internationalen Wettbewerbern strukturell benachteiligt.

Auch die überbordende Bürokratie und Regulierung am deutschen Standort haben letztlich dazu beigetragen, dass Eliog in die Insolvenz geschlittert ist. Karlotta Rupprecht, Eigentümerin von Eliog, veröffentlichte bereits im vergangenen Jahr auf LinkedIn ein Video, in dem sie unter Tränen schilderte, wie ein geplanter Neubau am Standort, der das Unternehmen wettbewerbsfähiger machen sollte, seit Jahren an der Genehmigung einer einzigen Zufahrtsstraße scheitert.

„Hier ist ein Unternehmen, das mit großer Anstrengung versucht, den Weg in die Zukunft zu gehen. Hier hängen Arbeitsplätze und ganze Familien dran.“ Der Antrag sei letztlich mit dem Hinweis „Zufahrt nicht genehmigt“ abgelehnt und auf Eis gelegt worden. Allein die Bauvoranfrage für den Neubau habe rund 20 Monate in Anspruch genommen.

Dieser Fall ist kein Einzelfall, sondern Ausdruck eines strukturellen Problems. Überbordende Bürokratie stellt für den deutschen Maschinenbau, aber auch für die gesamte heimische Industrie, eine enorme Belastung dar. Verzögerungen, aber auch ein hoher Kostenaufwand, sind inzwischen Alltag. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) beziffert die Bürokratiekosten im Maschinenbau aktuell auf bis zu 6,3 Prozent des Umsatzes eines Unternehmens – Tendenz: weiter steigend.

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24 Kommentare

  • Dabei hatten die unverbesserlichen CDU Wähler Merz mit Abstand die größte Kompetenz in Wirtschaftsfragen zugesprochen…

    • Wirtschtaftszerstörungskompetenz

    • Gehört etwa Abwirtschaften nicht zu Wirtschaft??? (Augenzwinker)

      Schon „Mutti“ hatte eine Abwrackprämie ins Leben gerufen, der Industrie „rettete“, weil der Steuerzahler dafür Mrd. gestohlen bekam. Also nicht einmal eine „Selbstbeschenkung“, sondern wie so oft wer das Geld hatte.

      Ein Rechtsanwalt, der ist eben KEIN wirtschaftlich agierender Unternehmer. Und wie er „verhandelt“ mit der SPD, zeigt Kompetenz als „Anwalt/Verhandler“ und die Rechtssicherheit welches das Amt zuließe aber nicht zur Geltung kommt.

      Nun wrackt man ganze Industrien ab und erneut zahlt der Steuerzahler, diesmal Transferleistungen für Entlassungen, Steuererhöhungen weil Steuereinnahmen aus Gewerbe fehlen usw..

      Die CDU hat schon ab 1990 ein ganzes Land abgewrackt und genau diese Expertise führt man seit 2008 weiter.

  • Bei Mercedes-Benz steht offenbar in den kommenden Wochen die Entscheidung an, ob sich der Fahrzeugbauer von einem Werk in Deutschland trennt.
    Dabei geht es um die Fabrik in Ludwigsfelde südlich von Berlin, in der rund 1800 Beschäftigte Vans bauen. Derzeit laufen die entscheidenden Gespräche, berichteten Beteiligte dem Handelsblatt.
    Als wahrscheinlich gilt zurzeit ein Verkauf oder ein Teilverkauf an ein anderes Unternehmen. Als Interessent wird KNDS genannt.
    Das deutsch-französische Rüstungsunternehmen soll mit dem Dax-Konzern seit einigen Wochen darüber sprechen, das Werk zu übernehmen, erfuhr das Handelsblatt bereits aus Konzernkreisen.

    • Ihr Beitrag ist fundiert. Der Ausverkauf Deuitschlands geht seinen Weg.
      Deutschland wird in 10 Jahren nur noch ein Endverbrauchermarkt ohe Rohstoffe sein.

      Das blüht in ganz Europa.
      Dann wird die Eu ein Billiglohnland wie Bangladesh werden.

  • Ich finde das gut. Wir müssen CO2 sparen, es geht um das Überleben der Menschheit. Und wenn die Produkte jetzt in China mit dem 3fachen CO2 hergestellt werden ist das ein toller Erfolg finde ich.

    • Ich glaube so schlecht sieht die CO2 Bilanz von China gar nicht aus. AKWs, riesige Wasserkraft, Solarparks und weitere AKWs in Planung…

    • Soll doch China sich mit CO2-Emissionen umbringen. Wenn dann fast alle Chinesen durch CO2 tot sind, wird D mit seinem 0-Zero Konzept zeigen, wer Recht hatte. So sieht realistischer Weitblick aus.

  • So ein Leckerbissen geht doch bestimmt ins Ausland. Alles was Rang und Namen hat, Marktführer oder hidden Champion ist, das ist heiß begehrt. Aufkaufen, ausschlachten, Patente erobern, Beute ins Ausland transferieren und/oder Konkurrenz elimieren. So wird Deutschland platt gemacht. Das geht schon seit Jahren so, es gibt bald nichts mehr zu holen.

  • Die Parteien sorgen sich in erster Linie um ihre Pfründe. Die Low-Performer in Berlin hätten bis jetzt so viel tun können und müssen, um ihren Eid zu erfüllen.

  • Macht euch keine Sorgen.
    Das schwarzrote Wirtschaftswunder wird genauso gut funktionieren wie das grüne Wirtschaftswunder.

    • Die Ukraine bekommt aus Deutschland nach den Worten des ukrainischen Botschafters Oleksii Makeiev „mehr Militärhilfe als je zuvor“.
      Zwar würden die Details der deutschen Unterstützung für die Ukraine nicht mehr öffentlich kommuniziert, doch habe die neue Bundesregierung diese „quantitativ wie qualitativ erhöht“, sagte Makeiev dem „Tagesspiegel“.

  • Und wieder hat das linksrotgrünwoke Regime ein tolles innovatives Unternehmen abgeschossen. Wir rasen immer schneller in den Abgrund und 75% der Wähler finden das toll. Das ist IRRE!!!!!!!!1

  • Kartell wirkt…

  • Schreibt Kinderbücher und Anleitungen für Feminismus.
    Macht noch mehr Vollpensionen für Freizeit Fachkräfte auf.
    Damit sollte doch jedwede Industrietätigkeit ersetzt werden.

    Satiere Ende.

  • Mett-Mario braucht keine Industrieöfen!
    Er mag es roh!

  • Ich kann diese Formulierung einfach nicht mehr ertragen: „“Hochlauf“ der E-Mobilität“!

  • Mein Mitleid mit deutschen Unternehmen hielte sich in Grenzen, wenn ich denn überhaupt welches hätte. Die aktuellen Ergebenheitsadressen deutscher „Unternehmer“ an die Einheitsfront der grünen Khmer zeigen ganz klar das deren vollständiges Verschwinden für die gesellschaftliche Gesundung kein Hindernis, sondern Vorraussetzung ist.

  • Eher EU Bürokratie!

  • Die Apokalypse ist doch abgesagt – also unverzüglich weg mit diesem ganzen „Öko-Abgaben-Gedöns“!!!

  • Es schreien viele nach billig und global aber verstehen einfach NICHT, welche Vor-und Nachteile das mit sich bringt. Das Wort Nachteile bitte nicht überlesen 🙂

  • Nun ja liebe Karlotta,hast dich wohl zu sehr aus Mett Mario verlassen.

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