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Milliardenschäden durch Bahnchaos: Entschädigungen bleiben oft nur ein Tropfen auf den heißen Stein

Die Deutsche Bahn zahlte 2025 über 150 Millionen Euro an Entschädigungen für verspätete oder ausgefallene Züge. Gemessen an den volkswirtschaftlichen Schäden, die durch Verkehrsverlagerungen, verspäteten Arbeitsbeginn, verpasste Termine und gestörte Lieferketten entstehen, ist das aber keine hohe Summe.

Der ICE, das Flaggschiff der Deutschen Bahn: Viele Länder haben keine oder kaum Züge dieser Klasse. (IMAGO/Horst Galuschka)

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Vor dem Hintergrund zahlreicher Verspätungen und Zugausfälle hat die Deutsche Bahn im vergangenen Jahr insgesamt 156,1 Millionen Euro an Entschädigungen an Fahrgäste ausgezahlt. Damit hat sich der Betrag im Vergleich zum Jahr 2019 verdreifacht, lag jedoch etwa 41 Millionen Euro unter dem Wert des Vorjahres.

„Wir gehen davon aus, dass das auch daran liegt, dass es im vergangenen Jahr keine großen Sonderereignisse wie Streiks gab“, erklärte Fernverkehrsvorstand Michael Peterson den Rückgang der Entschädigungen gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Doch an den Verspätungsquoten im Fernverkehr ist keine Verbesserung ablesbar, eher im Gegenteil.

Besonders bemerkenswert ist jedoch, dass den Entschädigungszahlungen gewaltige volkswirtschaftliche Schäden gegenüberstehen. Verspätungen und Zugausfälle führen zu verspätetem Arbeitsbeginn, verpassten Terminen sowie zu Kettenreaktionen in Lieferketten und betrieblichen Abläufen. Wer schon einmal wegen eines Zugausfalls in einer beliebigen Stadt übernachten oder ein Taxi nehmen musste, kann davon ein Lied singen.

Zum Vergleich kann man die volkswirtschaftlichen Schäden, die Staus im Autoverkehr zugeschrieben werden, heranziehen. Teilweise sind diese auch direkt mit der Unzuverlässigkeit der Deutschen Bahn verknüpft: Weichen Pendler und Geschäftsreisende auf das Auto aus, steigt das Verkehrsaufkommen auf den Straßen – und damit die Zahl der Staus.

Eine Studie des Centre for Economics and Business Research und des Verkehrsdatenunternehmens Inrix bezifferte die jährlichen wirtschaftlichen Schäden, die durch Staus in Deutschland entstehen, bereits im Jahr 2013 auf rund 7,5 Milliarden Euro. Insgesamt wurden die kumulierten volkswirtschaftlichen Kosten von Staus zwischen 2013 und 2030 auf etwa 520 Milliarden Euro geschätzt – im Durchschnitt also rund 30 Milliarden Euro pro Jahr, mit stark steigender Tendenz.

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Eine aktuellere Studie aus dem Jahr 2023, ebenfalls unter der Federführung von Inrix, untersuchte konkret die Schäden, die Pendlern durch Staus entstehen. Demnach verbringt ein durchschnittlicher Pendler in Deutschland rund 40 Stunden pro Jahr im Stau. Legt man für den Zeitverlust einen durchschnittlichen Stundenlohn zugrunde, ergibt sich daraus ein Kostenaufwand von etwa 854 Euro pro Fahrer. Bundesweit summierten sich die durch Staus verursachten Kosten für Autofahrer somit auf rund 6,4 Milliarden Euro pro Jahr.

Selbst wenn Bahnverspätungen und Ausfälle – sowie die dadurch ausgelösten Verkehrsverlagerungen – nur einen kleinen Anteil dieser volkswirtschaftlichen und persönlichen Schäden ausmachen, ergibt sich daraus bereits ein jährlicher Schaden in Milliardenhöhe. Vor diesem Hintergrund erscheinen die Entschädigungszahlungen von rund 156 Millionen Euro unzureichend, geradezu mickrig.

Doch nicht nur Wirtschaft und Arbeitnehmer sehen sich bedingt durch die zahlreichen Zugausfälle und Verspätungen mit finanziellen Problemen konfrontiert. Auch die Deutsche Bahn selbst steht unter Druck. Im vergangenen Jahr musste der Staatskonzern erhebliche Verluste verkraften. Für den Konzern stand zum Jahresende 2025 ein Verlust in Höhe von insgesamt 2,3 Milliarden Euro zu Buche. Das entspricht mehr als einer halben Milliarde Euro mehr als im Jahr zuvor.

Einen großen Teil dazu trugen die Verspätungen im Fernverkehr – als bei ICE- und IC-Verbindungen – bei, großenteils verursacht durch das marode Schienennetz und die umfangreichen Sanierungen, die vor diesem Hintergrund angefallen sind. Diese hätten den Insiderberichten zufolge eine Wertberichtigung von 1,4 Milliarden Euro in der entsprechenden Sparte erforderlich gemacht. 

Wie gravierend sich Streckensperrungen auf das Geschäft auswirken, verdeutlichte Peterson gegenüber der Süddeutschen Zeitung: Eine mehrwöchige Sperrung habe demnach Umsatzeinbrüche „im ein- oder sogar zweistelligen Millionenbereich“ zur Folge. Zudem habe die Fernverkehrssparte allein im vergangenen Jahr nahezu 300 Millionen Euro mehr für die Nutzung der Schienen aufbringen müssen.

Wie unzuverlässig die Deutsche Bahn im vergangenen Jahr tatsächlich war, zeigt ein Blick auf die Pünktlichkeitsquote. Im Fernverkehr lag diese 2025 bei lediglich 60,1 Prozent und erreichte damit einen historischen Tiefstand – noch unter dem Wert von 62,5 Prozent im Jahr 2024. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 hatte die Quote sogar noch bei 74,4 Prozent gelegen.

Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass ein Zug nach Definition der Deutschen Bahn erst ab einer Verspätung von sechs Minuten als verspätet gilt. Würde man bereits Verzögerungen ab der ersten Minute einbeziehen, wäre die Pünktlichkeitsquote wohl noch deutlich schlechter ausgefallen (mehr dazu hier).

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15 Kommentare

  • Die Deutsche Bahn sollte in „unsere Bahn“ umbenannt werden.

    • Guter Vorschlag! Und für jedes Geschlecht ein extra Wagen bitte sehr 🥳

    • DER ist gut 🙂

  • Die Bahn ist als zuverlässiges Transportmittel für alle ausgefallen, die Zeiten und Termine einhalten müssen. So einfach ist das. Wer als Arbeitnehmer von Kollegen und Chef freie Zeiteinteilung zugebilligt bekommt und nicht Vollzeit arbeiten muss, kommt vielleicht noch klar. Alle anderen müssen Auto fahren und sich da von den Grünen mit unnötigem Tempo 30 und hohen Bußgeldern schikanieren lassen.

  • Wäre es nicht besser die Deutsche Bahn zu verbieten und alle Zugfahrten unverzüglich einzustellen? Ist zu Fuß gehen nicht auch viel gesünder? 150 Millionen Schritte am Tag?

  • Das ist das wahre Gesicht der sogenannten Mobiltätswende: Es geht nur darum, den Menschen ihre Autos wegzunehmen. Und als Ersatz für ihre Autos bekommen die Menschen dann diese unzuverlässige, unsichere und unbrauchbare Alternative namens Deutsche Bahn.

  • Ich verstehe ja, dass die Leistung der Bahn mit extremen Unmut aufgenommen wird. Aber wenn die Bahn tatsächlich für alle Schäden aufkommen müsste, die die Verspätungen verursachen, wäre ihre Finanznot nur noch größer.

  • Ich würde den Laden von Grund auf neu organisieren. Aber die politischen Rahmenbedingungen passen dafür absolut nicht.

  • Was die Bahn braucht ist A) der Wegfall der Lasten der Schiene und der Bahnhöfe, sowie eine Entschuldung B) höhere Preise und eine Sitzplatzpflicht. Dann wird es Wettbewerb geben und Langfristig werden die Tickets deutlich günstiger.

  • Ist genau wie bei der Bundeswehr. Hier haben echte „Spezialisten“ ein heilloses Chaos angerichtet.

    Eine Fata Morgana sozialistischer Verkehrsplanung. Sie träumen von einer hochtrabenden „Verkehrswende“. Dabei kann ein ganz primitiver Zug noch nicht einmal drei Meter ohne Störung fahren.

    Da landen die Amerikaner eher auf dem Mars als dass die Nichtskönner in Deutschland mal etwas zustande bringen. Ihr Hauptproblem: Klarnamenpflicht, Bürgerdiskriminierung, Steuererhöhungen und dazwischen immer wieder lautes Nasebohren.

    • Wo haben die Regierungen der letzten 20 Jahre kein heilloses Chaos angerichtet?

  • Es ist politischer Wille das die pleite gehen.

  • An dem Zustand der Deutschen Bahn kann jeder ganz gut sehen, wie es mit dem Staat als Investor aussieht. Man kann sogar an der Bahn sehen, wie schlimm der der Zustand der deutschen Wirtschaft ist. Seit Jahren geht es bei der Bahn abwärts …. und bei der deutschen Wirtschaft. Spielen da die Phrasen mit dem Fachkräftemangel eine Rolle? Fachkräftemangel haben andere auch. Teilweise eben auch wegen starken Rückgängen bei den Geburten, aber auch wegen guten Wirtschaftwachstum. Davon kann wohl in Deutschland keine Rede sein. Die Wirtschaft schrumpft dramatisch seit Jahren und die nicht arbeitenden „Fachkräfte“ …. immerhin schon deutlich über 5 Millionen, steigen seit Jahren. Was machen ber andere Länder, wo Wirtschaft Wachstum statt Absturz stattfindet? Sie automatisieren. Dort setzt man extrem auf Robotertechnik statt unausgebildeten „Fachkräften“ und die Wirtschaft wächst weiter.Das gibt es nicht? Doch in Südkorea oder China oder Amerika …. oder …. oder.

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