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Länger arbeiten

Klingbeil-Berater Südekum will Renteneintrittsalter abschaffen und fordert 45 Jahre Arbeit von jedem

Der Ökonom und Berater von Lars Klingbeil, Jens Südekum, hat seine Forderung nach einer Reform der Rente konkretisiert. Statt einem festen Rentenalter soll es zukünftig nach den Beitragsjahren gehen. 45 Jahre schlägt der Ökonom vor.

IMAGO/Mike Schmidt

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Der Ökonom und Regierungsberater Jens Südekum hat seinen Vorschlag für eine Reform des Rentensystems konkretisiert. In einem Interview bei der Neuen Osnabrücker Zeitung sprach er sich dafür aus, den Renteneintritt stärker an die Zahl der Beitragsjahre zu koppeln. Ziel sei eine „effektive Verlängerung der Lebensarbeitszeit“.

Nach seiner Vorstellung müsste jeder Arbeitnehmer dafür mindestens 45 Jahre Beiträge in die Rentenversicherung einzahlen, um ohne Abschläge in den Ruhestand gehen zu können. Der Professor an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und persönliche Berater des SPD-Finanzministers Lars Klingbeil hatte seine Idee bereits im vergangenen Dezember öffentlich gemacht.

„Ich erwarte, dass die Rentenkommission entsprechende Berechnungen aufstellt und Vorschläge macht. Die Festlegung auf eine Jahreszahl ist am Ende natürlich Sache der Politik“, so Südekum im Interview. Sein Ansatz sieht vor, die bisherige feste Altersgrenze – derzeit liegt das reguläre Renteneintrittsalter in Deutschland bei 67 Jahren – abzuschaffen und durch eine feste Zahl an Beitragsjahren zu ersetzen. Dadurch könnten manche Menschen bereits vor dem 67. Lebensjahr aufhören zu arbeiten, während andere länger tätig bleiben müssten.

Kritik, sein Modell würde Akademiker benachteiligen, weist Südekum indes zurück. Das sogenannte Äquivalenzprinzip bleibe seiner Ansicht nach erhalten, erläuterte der Ökonom: Denn die Höhe der späteren Rente richte sich weiterhin nach der Summe der eingezahlten Beiträge beziehungsweise der gesammelten Rentenpunkte. Durch die veränderte Rentenbezugsdauer ändert sich allerdings die Summe, die ein Rentner über seine gesamte Rentenzeit ausgezahlt bekommt.

Zeiten der Ausbildung, ein Studium innerhalb der Regelstudienzeit sowie Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen könnten wie bisher auf die 45 Jahre angerechnet werden. Dadurch sollten insbesondere Frauen stärker berücksichtigt werden, so der Ökonom weiter. Auch der Wunsch, früh in Rente zu gehen, würde nicht unmöglich werden. Wer früher aus dem Berufsleben ausscheiden wolle, könne dies weiterhin tun – müsse allerdings Abschläge bei der gesetzlichen Rente in Kauf nehmen.

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Südekum zeigt sich optimistisch, dass sein Vorschlag politisch aufgegriffen werden könnte. Nach eigenen Angaben habe er auf das Konzept ungewöhnlich viel positive Resonanz erhalten, insbesondere von Menschen ohne akademischen Hintergrund. Grundsätzlich hält er die Umsetzung für machbar. Mit politischem Willen könne eine solche Reform seiner Ansicht nach noch in der laufenden Legislaturperiode beschlossen werden. „Fragen des Bestandsschutzes wären juristisch zu klären. Aber wenn die Regierung den Mut zu neuen Wegen aufbringt, sehe ich keine unüberwindbaren Hürden“, so Südekum bei der NOZ.

Im aktuellen System sieht Südekum keine Zukunft: Der Ökonom sieht mehrere Probleme in einem System mit einem festen Renteneintrittsalter. Zum einen müssten Menschen, die bereits sehr früh ins Berufsleben einsteigen – etwa mit 17 Jahren – bis zum regulären Renteneintritt fast 50 Jahre arbeiten. Wer dagegen lange studiere, komme oft nur auf 30 bis 35 Arbeitsjahre bis zur Rente. Zum anderen verweist Südekum auf Unterschiede bei der Lebenserwartung: Menschen mit höherem Einkommen lebten statistisch länger und könnten daher auch länger Rente beziehen.

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65 Kommentare

  • Das wird aber schwierig für einen Großteil unserer Politiker, welche ja noch nie gearbeitet haben.

    • Der größte Dorn im Auge der Neoliberalen ist der Sozialstaat. Südekum ist Mitglied der SPD und war 2022 der Wunschkandidat von SPD und Grünen für die Nachbesetzung einer Stelle im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (Wiki). Willy Brandt und Helmut Schmidt dürften gerade in ihren Gräbern rotieren.
      Abgesehen davon sollen die Forderer mal erklären wie man mit 50+ noch einen Job bekommt, weil hier die Firmen reihenweise schließen. Aber es geht ja darum, die zerstörerische Agenda weiter zu finanzieren und da müssen eben Opfer gebracht werden.

    • Im Ernst. Sie haben natürlich ihr eigenes Pensionswerk und sind nicht wie der dumme Michel gesetzlich „versichert“. Zudem können Politiker mit ihren extremen Einkommen leicht Kapital aufhäufen und eine Versicherung ist für sie nur noch ein Taschengeld oben drauf

    • Das klingt alles ziemlich nach NORDKOREA ! Das scheint vielen immer noch nicht bewusst zu sein. Wann propagiert die SPD Arbeitslager ?

      • Kostet auch nur wieder. Der feuchte Traum des Billionaires Club ist das sozialverträgliche Abtreten nach 45 Jahren. Heute schon: Wenn man bspw. in Kanada mit den Sorgen seiner Arbeitslosigkeit nicht mehr klarkommt, dann wird von Seiten der Behörden „MAID“ vorgeschlagen. Das muss man sich mal reinziehen!

        PS: Medical Assistance In Dying (MAID)

    • Die sollten besser nach zwei, spätestens drei Legislaturen aus den Parlamenten und Ämtern fliegen.

  • Das muss auch für Beamte und Politiker gelten, und für Berater.

    • Scheibenpils, vergessen Sie nicht Experten, Gutachter und Klugscheißer aller Colleur… 🙂

  • Einverstanden. Aber nur wenn Zahlungen wie Bürgergeld und Geld an Asylanten/Migranten auf Null runtergefahren wird.

    • Deal! 😉

  • Ich fordere, dass jeder Politiker nachgewiesen und überprüft mindestens 15 Jahre arbeiten muss – davon mindestens 8 in der freien Wirtschaft- bevor ein Amt angetreten werden darf!

  • Ein Schneeballsystem kann man nicht reparieren. Flicken vielleicht, hält hat nicht dauerhaft.

  • Grundsätzlich finde ich die Idee, den Renteneintritt an die Anzahl der Beitragsjahre zu koppeln, gut und sinnvoll. Und ja, Akademiker bekommen dann möglicherweise für einen kürzeren Zeitraum Rente (wobei sie ja m.W. aber auch eine höhere Lebenserwartung haben, was den Effekt wieder teilweise ausgleicht).

    Außerdem wird unterschlagen, dass Akademiker im jetzigen Rentensystem ja eine niedrigere Rente als im angedachten neuen System erhalten, weil sie eben nicht auf 45 Beitragsjahre kommen.

  • Bin voll dabei, Hauptsache unsere facharbeitenden Fachkräfte können entspannt ausschlafen…

  • Ich fordere Remigration.

  • Eine Kollegin sagte mir mal:
    „Mein Mann ist Zimmerer. Der kann so lange nicht arbeiten.“

    Für anständige, im normalen Leben stehende Menschen sollte das (selbst-)verständlich sein.

  • Wem meint er mit „Jeder“?

  • Jawoll, immer auf die Rentner! Die Pensionäre müssen geschont werden…

  • Und was ist daran verkehrt? Dann sind die Zeiten von 30 Semester irgendwas studieren für Malte-Torben und Konsorten vorbei. Regelstudienzeit gab es bei uns auch und die wurden eingehalten. 8 Semester und unsere Schiffsbetriebs-Ing. sind voll ausgebildet und qualifiziert gestartet. Ach so, mal eben 1 bis 3 Jahre „Chillen“ im Ausland geht dann auch nicht mehr.

  • Mit 50 Euro im Monat zur sechsstelligen Rente?
    Merz fordert die Bürgerinnen und Bürger auf, Geld auf die hohe Kante zu legen – und will keine Ausreden gelten lassen.
    Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz hat vor allem junge Menschen im Land mit Blick auf die private Altersvorsorge zum frühzeitigen Ansparen aufgerufen.
    „Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen früh genug beginnen, für ihr Alter auch zu sparen“, sagte Merz beim Wahlkampfabschluss der BW CDU in Ravensburg. „Und dann sag bitte niemand: Das könnten wir ja nicht. Natürlich können wir das.“
    …Und wenn Sie mit 50 Euro im Monat anfangen, dann haben Sie eine sechsstellige Altersversorgung, wenn Sie dann mit 65, 68 in den Ruhestand gehen.
    = Das sei die entscheidende Botschaft, die man mit der SPD verabredet habe!

    • Ja ja, um dann bei der Auszahlung mit der Steuer richtig zu zulangen. Und es bei der normalen Rente an zu rechnen..

    • Genau… Vom Mindestlohn noch was sparen, weil der ja so üppig ist 🤨 und weil die Mieten und der Rest der Lebenshaltungskosten ja so günstig sind

    • Geld auf die Hohe Kante zu legen bringt nichts für die Rente. Zuerst schlägt die Inflation zu, die höher ist als der Zinssatz. Und dann schlägt der Staat zu mit Kapitalertragssteuern. Und zum Schluss wird die Rente, die durch eigene Kapitalerträge aufgebessert werden muss, nochmals versteuert, wo dann versteuertes und angespartes Geld zum 2. mal besteuert wird.
      Und am Ende bekommt ein Aslyant mit Grundsicherung im Alter eine weitaus höhere Rente als die meisten Armutsrentner. Das Problem ist, dass unsere Rente ein typisches Ponzi-Scheme, also ein Schneeballsystem ist. Die neuen Einzahler müssen die Ausbezahlten finanzieren und deshalb müssen immer mehr „dumme“ Einzahler gefunden werden, zb. durch Massenimmgration von „Fachkräften“ die unsere Rente zahlen sollen. Funzt aber nicht. ☝️🧐

  • Und wenn Frauen länger leben und die Rentenkassen dadurch stärker belasten?Müssten die denn nicht eher länger arbeiten als Männer?

    • Ich hol das Popcorn.

  • Nicht nach Arbeitszeit, sondern nach Leistung wäre gerecht. Dann müssten viele Politiker mindestens 100 Jahre auf ihre Rente warten.

  • Wäre für mich okay. 62 und Tschüss. (45+17)

  • Ist der richtige Weg. Wer bis Mitte 30 studiert, wird dann halt bis 80 arbeiten dürfen. Ist seine freie Entscheidung.
    Boomer wie ich haben oft mit 16-17 ihre Ausbildung begonnen und dann ohne Sabatical bis zur Rente durchgezogen. Das sind die, die jetzt gerade in Rente gehen und die Fachwissen-Lücken hinterlassen.

  • Nun, machen wir doch mal eine Rechung auf …

    Ein Bundestagsabgeordneter erhält pro Mandatsjahr 2,5% seiner Entschädigung (~€ 11.000,–) als Ruhegehalt; daraus ergibt sich:

    Nach einem Jahr: ~€ 275,–/Monat.
    Nach vier Jahren: ~€ 1.100,–/Monat.
    Nach acht Jahren: ~€ 2.200,–/Monat.
    Nach zwölf Jahren: ~€ 3.300,–/Monat.
    Nach sechzehn Jahren: ~€ 4.400,–/Monat.
    Nach 26 Jahren: ~€ 7.150,– (65% Maximalbetrag).

    Dabei nehmen die Bundestags-Rentner natürlich an den regelmäßigen Diätenerhöhungen teil und die Ruhebezügs sind steuerfrei (brutto für netto).

    Bei 35 Beitragsjahren liegt derzeit die Durchschnittsrente bei Altersrentnern ohne Abschläge bei ~€ 1.400,–; Zusatzeinkünfte (zB. Mieteinnahmen, Zinsgewinne, Betriebsrenten, Lebensversicherungen, sonstige private Altersvorsorge auf Kapitalbasis, Flaschensammeln, etc.) sind natürlich zu versteuern.

    So viel zu den „neuen“ Reformvorschlägen, die auch nur „alte Hüte“ sind …

  • Ich bin dann mal weg, 45 Jahre geschafft. Die Fachkräfte freuen sich bestimmt.

  • Wie viele Studierende sind bereits seit 5 oder mehr Jahren im Studium? Wie viele davon erreichen nicht einmal 30 Jahre? Würden wir Politiker nach Leistung und Ergebnissen bezahlen, hätte der Sozialstaat noch mehr Zahlungen zu leisten!

  • Völlig Gaga,
    man stelle sich den Fall vor, jemand fängt erst mit 35 Jahren an sozialversicherungspflichtig zu arbeiten (warum auch immer, bis dahin auf dem väterlichen Hof gearbeitet, Familie gepflegt, aus dem Ausland eingereist,…),
    der soll also in die Rentenversicherung einzahlen ohne Chance etwas raus zu bekommen.
    Irre, einfach irre

    • Sie legen den Finger in die Wunde. Erst recht gilt das natürlich für die berühmten Fachkräfte aus dem Ausland. Es sei denn, die bekommen eine Vorzugsbehandlung,.

  • „Menschen mit höherem Einkommen lebten statistisch länger und könnten daher auch länger Rente beziehen.“ Problem erkannt, Verarmungsprogramm verschärfen!

  • 45 Jahre Zwangsarbeit, und danach das eigene Grab schaufeln. Nennt man das jetzt „Zum Wohle des Deutschen Volkes“?

  • Wenn die AFD genug Weitblick hat unterstützt sie diesen Vorschlag.

    • Sie meinen, wenn sie den Sozi-Weg unter die 5% beschreiten wollen.

  • Wo und wie will in Deutschland noch jemand auf 45 Arbeitsjahre kommen.

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