Der vergangene Sonntag könnte wohl als einer der politisch bedeutendsten Tage der japanischen Nachkriegsgeschichte in die Geschichte eingehen – die Japaner haben ein neues Abgeordnetenhaus gewählt. Der Sieger der Wahl stellt dabei kaum eine Besonderheit dar: Die Liberaldemokratische Partei (LDP) hat wie auch schon bei 22 der 23 vorangegangenen Abgeordnetenhauswahlen den ersten Platz belegt – historisch ist jedoch das Ausmaß des Sieges.
Die amtierende Premierministerin Sanae Takaichi hatte im Januar die Wahlen einberufen, um eine absolute Mehrheit im Abgeordnetenhaus zu erhalten – möglicherweise sogar eine Zweidrittelmehrheit gemeinsam mit ihrem Koalitionspartner, der liberalen Ishin-Partei. Doch am Sonntag übertraf das Wahlverhalten der Japaner wohl selbst die kühnsten Träume Takaichis: Erstmals in ihrer Geschichte konnte die LDP mit 316 der 465 Sitze eigenständig eine Zweidrittelmehrheit im Abgeordnetenhaus erreichen.
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Mit 49 Prozent der Erststimmen konnte ihre Partei in den direkt gewählten Wahlkreisen abräumen – unter anderem gingen alle Wahlkreise in der Hauptstadt Tokio an die LDP. Der Sieg hat solche Ausmaße angenommen, dass die Partei sogar etwa 13 Sitze weniger bekommen hat, als ihr eigentlich nach dem Wahlergebnis zustehen würden: Zu viele LDP-Direktkandidaten, die gleichzeitig auch auf der Parteiliste kandidierten, haben ihre Wahlkreise gewonnen, sodass die Wahllisten der Partei in einigen Präfekturen zu kurz waren, um alle ihr zustehenden Sitze zu füllen.
Takaichi hat den Nerv der Zeit getroffen
Takaichi, die erst seit Oktober Premierministerin ist, hat ganz offensichtlich den Nerv der Zeit getroffen und dadurch künftig freie Hand bei ihren Vorhaben: Während die LDP in der zweiten Kammer des japanischen Parlaments, dem Haus der Räte (dem japanischen Oberhaus), keine Mehrheit besitzt, lässt sich das Oberhaus vom Abgeordnetenhaus mit einer Zweidrittelmehrheit überstimmen – eine Option, die die LDP künftig wohl immer wieder ziehen wird.
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Damit zementiert Takaichi ihre bisher fragil gehaltene Macht – seit Jahren befand sich die LDP, belastet durch eine Vielzahl an Skandalen und eine allgemeine Politikmüdigkeit, auf einem rapiden Abwärtstrend. Als die beiden größten Oppositionsparteien Mitte Januar eine Allianz verkündeten, sah es kurzzeitig bereits so aus, als könnten die Tage der LDP-Herrschaft gezählt sein. Doch nach der Wahl am Sonntag gilt Takaichi schlagartig sowohl in ihrer eigenen Partei als auch im Abgeordnetenhaus als unanfechtbar.
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In ihrer politischen Ausrichtung stehen sich Takaichi und Thatcher trotz der dreißig Jahre, die zwischen ihren Amtszeiten liegen, in wenig nach. Die japanische Premierministerin gilt wohl als die konservativste seit dem langjährigen Premier Shinzō Abe – im Wahlkampf hatte sie bereits eine deutlich strengere Einwanderungspolitik vorgeschlagen. Unter anderem sollen die Bedingungen für legale Einwanderung deutlich strenger werden – außerdem soll das Einbürgerungsrecht deutlich gestrafft werden.
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In der Wirtschaftspolitik möchte Takaichi in erster Linie Steuern senken – etwa durch eine zweijährige Aussetzung der japanischen Lebensmittelsteuer. Gleichzeitig möchte sie die Wirtschaft mit einem Konjunkturpaket in Höhe von rund 135 Milliarden US-Dollar stimulieren – was jedoch auch für Probleme im japanischen Staatshaushalt sorgen könnte.
Takaichi führt Japan außenpolitisch in eine neue Zeit
Entscheidend dürfte der Erdrutschsieg Takaichis jedoch in der Außenpolitik sein: Wie keine andere steht Takaichi für eine harte Linie gegenüber Xi Jinpings Volksrepublik – im Gegensatz zu ihren wenig erfolgreichen Vorgängern dürfte sie auf dem Feld der Nationalen Sicherheit das Tempo deshalb deutlich anziehen. Bereits vor ihrem Sieg hat Takaichi die Erhöhung der Verteidigungsausgaben des Landes auf zwei Prozent des BIP massiv vorangetrieben – voraussichtlich erreicht man dieses Ziel bis März dieses Jahres. Außerdem hat man die Regulierungen für die japanische Rüstungsindustrie deutlich abgebaut. Die Bedrohung, die von Peking ausgeht, spricht Takaichi ungewohnt deutlich aus.
Durch die Zweidrittelmehrheit im Abgeordnetenhaus wird Takaichi auch die realistische Möglichkeit eröffnet, die Verfassung zu ändern – denn diese beschränkt die Aufrüstung Japans deutlich: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde darin der sogenannte Artikel Neun festgesetzt. Dieser verbietet dem japanischen Staat jegliche offensive Aufrüstung – was das japanische Militär (offiziell die Selbstverteidigungsstreitkräfte) seit Jahrzehnten äußerst klein gehalten hat.
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Artikel Neun zu reformieren – dieses Ziel hat sich Takaichi bereits im Wahlkampf vorgenommen. Auch nach ihrem Wahlsieg verkündete sie, dass eine Verfassungsreform immer noch eine Priorität für sie sei. Damit könnte Japan künftig rapide aufrüsten, um sich so gegen die chinesische Eskalation zu wehren. Ob eine solche Reform bereits kurzfristig gelingen wird, ist jedoch angesichts einer deutlich schwächeren LDP im Haus der Räte (dem Oberhaus) fraglich – den entscheidenden Impuls könnte wohl erst die nächste Wahl des Oberhauses im übernächsten Jahr bringen.
Peking ein Dorn im Auge
Dass Peking Takaichi tatsächlich für ein ernsthaftes Problem hält, konnte man kurz nach ihrem Amtsantritt bemerken: Chinas Staatspräsident Xi Jinping reagierte kühl – verweigerte sogar das traditionelle Glückwunschtelegramm. Der chinesische Generalkonsul in Osaka, Xue Jian, übertraf das sogar mit einer impliziten Drohung gegen die neue Premierministerin. Auf X schrieb er, klar auf Takaichi bezogen: „Dieser widerliche Kopf, der sich hier eingeschlichen hat – den werde ich ohne zu zögern abschneiden. Bist du bereit?“
Als Takaichi dann auch noch bereits früh klarstellte, dass ein chinesischer Angriff auf Taiwan eine militärische Reaktion Japans hervorrufen würde, brach das Verhältnis zwischen den beiden Staaten endgültig zusammen: Kurz darauf veranstaltete das chinesische Militär vor der Küste Taiwans die dort bislang größten Militärmanöver. Als einer der Hauptgründe für den Schritt wurde von zahlreichen Analysten auch der neue chinakritische Kurs in Tokio angeführt.
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Trump erhält einen gestärkten Verbündeten in Asien
US-Präsident Donald Trump erhält damit jedoch im asiatischen Raum einen gestärkten Verbündeten – der Republikaner hat in seiner zweiten Amtszeit eine Verschiebung des außenpolitischen Fokus der USA von Europa nach Fernost massiv vorangetrieben. Wie auch Trump hat Takaichi (im Gegensatz etwa zum linkslastigen südkoreanischen Präsidenten Lee Jae Myung) keinen verharmlosenden Blick auf China. Dass Japan nun massiv aufrüsten möchte, dürfte die amerikanische Position im asiatischen Raum deutlich stärken.
Deshalb ist es wenig überraschend, dass Takaichi ein überzeugter Trump-Fan ist – sie trat sogar vor Kurzem bei einer seiner Rallyes auf. Auch der US-Präsident selbst unterstützt die japanische Premierministerin und hat im Vorfeld der Wahl enthusiastisch seine Unterstützung bekundet. Auch das enge Verhältnis zwischen der japanischen Premierministerin und Trump erinnert bereits etwas an die jahrelange Freundschaft zwischen Thatcher und US-Präsident Ronald Reagan während der 80er Jahre. Symbolisch für die Schwerpunktverschiebung Amerikas von Europa nach Asien dürfte das ebenfalls sein.
Durch die Wahl am Sonntag scheint sich Japan von einem pazifistischen Kurs endgültig verabschiedet zu haben – zu offensichtlich ist für viele Japaner die Gefahr, die von der Volksrepublik ausgeht. Dieser realistische Blick in Tokio dürfte in einem möglichen künftigen Konflikt um Taiwan entscheidend sein – insbesondere, weil sich die Lage diesbezüglich in den kommenden Jahren entscheidend zuspitzen dürfte: Seit Jahren bereitet sich die Volksrepublik intensiv auf einen Überfall auf Taiwan vor – bereits 2027 soll das chinesische Militär seine Vorbereitungen dafür abgeschlossen haben.
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Deshalb könnte die Wahl am Sonntag nicht nur eine neue Ära in der japanischen Politik einläuten, sondern auch für die Geopolitik in Asien eine Kehrtwende einläuten: Takaichi hat erkannt, dass die Gefahr von Peking ausgeht, und damit in Japan den Nerv der Zeit getroffen – dieser dürfte in ganz Asien ähnlich aussehen und wohl für ähnliche Wahlergebnisse sorgen.
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„Im Jahr 2024 wurden 190 Menschen als Flüchtlinge anerkannt, nach einem Rekordhoch von 303 im Jahr 2023. Obwohl die Zahl der Asylanträge angestiegen ist und 2023 einen neuen Höchststand erreichte, bleibt die Anerkennungsquote extrem niedrig, wobei jährlich nur ein Bruchteil der Antragsteller den Flüchtlingsstatus erhält.“
Und weiter:
„Gesamtausländer: Insgesamt leben über 3,4 Millionen Ausländer in Japan (Stand 2025), was jedoch überwiegend Arbeitskräfte und keine Asylbewerber umfasst. “
Oh, du glückliches Japan!
Dem kann ich mich nur anschließen. Glückliches Japan.
Dazu würde ich gerne mehr lesen, warum die Japaner so entschieden haben. Was war das Kernthema im Wahlkampf, was haben die anderen Parteien angeboten?
Was erwarten Sie an Informationen? Kernthema wird die Aufrüstung gewesen sein.Angeblich fühlen sich die Japaner ja durch die Chinesen und Nordkoreaner bedroht und wegen der Kurilen haben die ja auch mit Russland noch ein paar Fragen zu klären und mit Südkorea sind die sich auch ncht so grün.Daher wollen die massiv aufrüsten.Paßt natürlich den Amis in den Kram,dann sind die Chinesen schon mal mit den Japanern beschäftigt. Auf jeden Fall haben die ganz andere Probleme,als wir. Klima spielt bei den Japanern keine Rolle. Wo die Ukraine liegt,wissen die meisten auch nicht.
Weder in den ÖRR noch hier bei AN erfährt man über die Beteiligung. Das ist doch verdächtig? Den Link, den ich hier setze, scheint mit 28% zu ungenau, weil er als Referenz nur eine Uhrzeit setzt. Zugleich besagt Link: 3% geringer als 2024 (53.85%, wiki) – folglich muss Sonntag die Beteiligung bei 50% gelegen haben. … eine wirklich fantastische Empathie ‚für die Neue‘
(japantimes.co.jp) – Wahlbeteiligung 28.18% (19.30Uhr) Sumikai – 16% um 14 Uhr.
https://www.japantimes.co.jp/news/2026/02/09/japan/politics/japan-2026-lower-house-election/
YomiuriShimbun, Tokio: „Mit ihren einfachen, klaren, leicht zu verstehenden Botschaften wie ‚Japan stärken und reich machen‘ hat sie die verlorenen, konservativen Wähler zurückgewonnen. Die neue stabile Kraft im Unterhaus sollte sie nutzen, um die politischen Aufgaben umzusetzen. Dabei ist es unabdingbar, der Bevölkerung die Details ihrer Vorhaben zu erklären – was sie bislang kaum getan hat.“
AsahiShimbun: „Im Wahlkampf hat sie offenbar bewusst nicht viel über die polarisierenden rechtskonservativen Themen gesprochen. Es wäre inakzeptabel, wenn sie ohne konkrete Diskussionen und mit Stärke der vielen Parlamentssitze eine Verfassungsänderung durchsetzen würde. Sollte dieser Erdrutschsieg zur Arroganz der Partei führen, wird das Misstrauen der Bevölkerung in die Politik schnell wieder zunehmen.“
Haben die keine SAntifa in Japan?
Ab heute nicht mehr!
Dazu schrieb Danisch was Lustiges, hier:
https://www.danisch.de/blog/2026/02/06/der-japanische-burrito-wrap/
Käme dies wie im Artikel gemutmaßt, ist es mit dem „chinesischen Jahrhundert“ vorbei bevor es begann.
Opa hört „Aufrüstung“ und flippt aus vor Begeisterung.
WER MACHT denn sowas?
Ihr Nachfolger von uns seid doch die Leichtgläubigen auf die die dämlichen,seichten deutschen Wahlkämpfe zugeschnitten sind. Gut, ich gebe zu, so Leute wie der Uwe oder noch schlimmer der Roderich sind auch viele an Bord. Die wittern hinter jeder Ecke die gelbe Gefahr oder den Russen im Gebüsch.Aber es gibt auch sehr viele ,die eine tiefschürfendere Auffassungsgabe haben,kritischer sind und nicht jeder Antifafahne oder Demo gegen rechts hinterher laufen
Wird sich noch zeigen, ob die Japaner sich mit Sanae Takaichi eher eine Margaret Thatcher oder doch nur eine Angela Merkel eingefangen haben.
Na ja, bei einer Wahlbeteiligung von 16% von einem Erdrutschsieg zu sprechen?! Aber irgendwie haben die in Japan auch nicht mehr so alle beisammen. Ein „Mega“schneefall von 5cm Höhe soll viele vom Wählen abgehalten haben. Aber 16% der Wahlberechtigten wählen nur,Das grenzt ja schon an Wahlverweigerung.Ist da eine Regierung überhaupt legitimiert? Haben da nur die Abgeordneten selbst gewählt? Das sind ja fast deutsche Verhältnisse da!
Kein Wunder:
ARD – ZDF – DLF berichteten über den konservativen Erdrutschsieg NICHT !
Und wir haben nur unsere Vollversager….
Ist das ein Tippfehler und sollte „Volkszertreter“ heißen ???
Genauso dämlich wie die Deutschen. Eine durch und durch korrupte LDP immer wieder zu wählen ist schon erstaunlich! Dazu noch eine Premierministerin die man getrost als Trump Groupie bezeichnen kann.Aufrüstung einer Nation,die noch mehr verschuldet ist,wie Deutschland heute,aber wenigstens haben die keine durch die Politik zerstörte heimische Industrie wie Deutschlands linke Schrottregierungen es fertiggebracht haben. Gut,die Japaner kann man natürlich auch überhaupt nicht mit uns vergleichen.Die sind disziplinierter,familärer und leidensfähiger. Mich wundert nur,daß die Japaner den Amis so am Zipfel hängen. Immerhin waren die die bisher einzige Nation die von denen mit der Atombombe bedacht wurden. Sollte das nicht zu einer lebenslangen Abneigung führen ?Ich versteh die Welt nicht mehr?
Die Staatsschulden Japans betrugen schon 2024 ca. 7 Billionen € (1.300 Bill Yen). Derzeit trägt Japan seine Schuldenlast aufgrund geringer Zinshöhen und dem Umstand, dass die Zentralbank Schulden hält. Statista rechnete mit Rückgang von 258%-v.BIP (2020) auf 222% (2030). Allerdings geht diese Prognose noch auf Zeiten von Shinzō Abe zurück. Takaichi will erstmals seit Jahren wieder gnadenlos auf weitere offensive Verschuldung gehen. Da Japan selbst Gläubiger von US-Schulden ist, sollte Trump, um den US-Dollar vor ‚Unfällen‘ zu bewahren – den CVN-72 schnell wieder nach Japan zurückholen, um America gegen diese grausige Schlagzeugerin ‚selbstzuverteidigen‘ … Trump soll seinen Finanzminister befragen …