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Iran eskaliert Angriffe: Droht der Region jetzt ein Flächenbrand?

Unter Druck von Fundamentalisten in den eigenen Reihen, schießt Irans Regime um sich, sogar auf die Atommacht Pakistan. Die Eskalation trägt weiter zu einem schwelenden Flächenbrand in der ganzen Region bei, der sich fatal entzünden könnte. Ein Überblick.

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Der Iran schießt wild um sich. Zumindest wirken so die jüngsten Meldungen über Raketenangriffe der islamischen Republik auf seine Nachbarländer in der Region. Erst der Irak und Syrien, dann Pakistan. Teheran erklärt, man zeige so „Stärke und Entscheidungskraft“.

Die Angriffe sind eine Eskalation des Mullah-Regimes in Teheran – die Antwort lässt nicht lange auf sich warten. Während die dysfunktionalen Staaten Irak und Syrien allerhöchstens verbalen Protest einlegen, vergilt die Militärmacht Pakistan gleiches mit gleichem: In der Nacht zum Donnerstag feuert das Militär der südasiatischen Regionalmacht auf Stellungen von „Militanten“ im Iran. Die jüngsten Schläge nähren nun Befürchtungen, dass der Krieg zwischen der Hamas und Israel weiter in Richtung Regionalkrieg eskalieren könnte.

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Die jüngste Verschärfung dessen, was längst als schwelender Regionalkrieg gilt, überraschte die Welt: Viele Experten betrachteten die iranische Herangehensweise seit Oktober eher als kontrollierte Eskalation. Zwar war der Iran wohl maßgeblich an der Konzeption des Hamas-Angriffes gegen Israel beteiligt, zögerte aber gleichzeitig, selbst aktiv zu werden. Das hat sich jetzt offensichtlich geändert. Nicht nur hat der Iran Verbindungen zu allen destruktiven Akteuren in der Region – von der Hamas über die Hisbollah bis zu den Huthi-Terroristen im Jemen – das Regime in Teheran eskaliert nun selbst.

Irans Achse mobilisiert

Als Antwort auf die zunehmende Aussöhnung der arabischen Welt mit den Israelis stärkt Iran seit Jahren seine Reihe an Regionalbündnissen, die es als „Achse des Widerstandes“ bezeichnet. Dazu zählen neben der Hamas und der Hisbollah-Miliz auch die jemenitischen Huthi-Milizen und diverse schiitische militante Gruppen, etwa im Irak. Seit dem 7. Oktober ist diese iranische Achse so aktiv wie nie zuvor.

Zwar waren viele Führer der einzelnen „Achsenmächte“ in die Angriffe auf Israel nicht involviert – auch, wenn sie Unterstützung bekundeten – sondern standen zunächst außen vor. Erst in der Folgezeit wurden sie, sicherlich auch auf Geheiß Teherans, aktiv. Die Huthis im Jemen, die durch den Iran seit Jahren als Instrument eingesetzt werden, begannen ihren fortwährenden Raketenbeschuss. Auch die Hisbollah begann eine kontrollierte Eskalation gegen Israel, und diverse schiitische Milizen nahmen immer wieder US-Basen im Irak unter Feuer.

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Amerikanischer Druck verhinderte in den letzten Monaten wohl einerseits manche Eskalationen – die Präsenz der 6. Flotte der US Navy etwa wird gemeinhin als Hauptgrund dafür gesehen, dass die Hisbollah sich im Kampf gegen Israel so weitgehend zurückhält, wie sie es tut.

Andererseits wächst der Handlungsdruck auf den Iran. Das Regime in Teheran hatte bereits seit einigen Wochen und Monaten mit immer lauter werdender Kritik von Fundamentalisten zu kämpfen, es tue selbst nicht genug für den Kampf gegen Israel. Außerdem hat das Mullah-Regime in den vergangenen Wochen mehrere Rückschläge erlitten: Der Iran verlor durch israelische und amerikanische Luftangriffe wichtige Offiziere und Verbündete im Nahen Osten.

So tötete Israel im Dezember den iranischen General Sajed Razi Musavi, den höchsten iranischen Befehlshaber in Syrien, sowie den stellvertretenden Hamas-Chef Saleh al Aruri. Anfang Januar kam ein hochrangiger Kommandeur einer pro-iranischen Miliz im Irak bei einem US-Drohnenangriff in Bagdad ums Leben.

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Die Schläge in Irak und Pakistan zeigen: Teheran steht unter Druck

Der iranische Beschuss von Zielen im Nachbarland Pakistan war unerwartet. Er zeigt aber, dass das iranische Regime unter Druck steht und öffentlich wirkmächtige Antworten formulieren musste. Der Umgang mit der Situation belegt das: Pakistan zog seinen Botschafter aus Teheran ab, brach geplante, gemeinsame Marineübungen im Indischen Ozean ab.

Eigentlich sind Pakistan und der Iran, zumindest ein Stück weit, Partner. So gehören gemeinsame Militärübungen beispielsweise durchaus zum Geschäft beider Staaten. Die Beziehungen der beiden Länder waren historisch freundlich, aber auch kompliziert – Pakistans Rolle als „sicherer Hafen“ für diverse Terrorgruppen belastete die Beziehungen schon zuletzt immer wieder. So kam es in den letzten Jahren auch wiederholt zu Angriffen von Terrorgruppen aus dem jeweils anderen Grenzgebiet heraus, bei denen Grenzschützer und Soldaten auf beiden Seiten starben.

Ein solcher Angriff war nun auch scheinbar der Grund für den iranischen Schlag auf pakistanischem Staatsgebiet: Die Terrormiliz Jaish al-Adl, die auch in der Vergangenheit für Angriffe auf den Iran verantwortlich war, hatte jüngst einen Terroranschlag im Südosten des Landes verübt. Dennoch ist die Entscheidung, souveränes pakistanisches Gebiet anzugreifen, ein sehr eskalativer Schritt – ähnlich wie der Angriff auf die Stadt Erbil im Nordirak.

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Sollten die Berichte stimmen, dass iranische Oppositionelle im dortigen Exil das Ziel gewesen sind, wäre das ein Indikator für wachsenden Druck auf die Machthaber in Teheran – dann wäre ein solcher Schlag eine Warnung und ein Zeichen der Stärke, vor allem nach innen.

Eine berechtigte Befürchtung ist aber: Dem Iran könnte die Situation schnell entgleiten. Zwar hat kein regionaler Akteur Interesse an einem Flächenbrand – doch aus schwelenden Konflikten kann schnell das Feuer des Krieges erwachsen. Und eine aggressive Außenpolitik, die von innenpolitischen Macht-Maximen geleitet wird, ging historisch häufig schlecht aus – für alle Beteiligten.

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