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Habeck-Fähre und Potsdamer „Geheimtreffen“ – Wenn Journalisten überall Umsturzpläne wittern

Erst die Fakenews vom „Angriff auf Habeck“, dann die brutal überdrehte Story von angeblichen „Deportationsplänen“ - zwei mediale Erzählungen der letzten Wochen belegen, wie viele Journalisten im Kampf gegen rechts absurde Drohkulissen aufbauen. Damit schaden sie am Ende sich selbst - und der demokratischen Gesellschaft.

„Die Szenen von Donnerstagabend am beschaulichen Fährhafen von Schlüttsiel – wir werden sie so schnell nicht vergessen.“ So steigt Tagesspiegel-Journalist Daniel Friedrich Sturm am 5. Januar in seinen Kommentar zu dem ein, was damals noch als „versuchte Erstürmung“ und „Angriff auf Habeck“ gilt. „Die Bauern und der wütende Mob in Nordfriesland“ wären Habeck mit „Gewalt“ angegangen, behauptet Sturm. „Die Szenen vom Donnerstag in Schlüttsiel müssen jeden Bürger aufrütteln.“

Er ist nicht der einzige, der „Die Szenen vom Donnerstag in Schlüttsiel“ zu dieser Zeit zu etwas herauf schreibt, was sie nicht sind. Der Kölner Stadtanzeiger schreibt vom „Bauern-Angriff“ auf Habeck, Der Spiegel von einer „Attacke auf Robert Habeck“. Medien erzählen, es hätte einen Erstürmungsversuch gegeben. Die Zeit schreibt von der „neuen deutschen Brutalität“. Selbst die Bild war sich leider nicht zu schade, in ihrer Print-Schlagzeile vom „Angriff auf Habeck“ zu fabulieren. Aber: Einen solchen Angriff hat es nicht gegeben.

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Wie die ganze Medienlandschaft eine Fake-Story kolportierte

Das Narrativ vom „Angriff auf Habeck“, vom „Sturm auf die Fähre“ kollabierte innerhalb von 24 Stunden bereits komplett – vor allem dank der sozialen Medien. Inzwischen hat auch die Polizei bestätigt: Es gab keinen Sturm auf die Fähre. Haben sich die verschiedenen Medien bereits für ihre Artikel und Kommentare entschuldigt, die genau das behaupteten? 

Der Versuch, mithilfe des angeblichen „Sturmangriffs“ der Bauern auf Habeck die Bauern-Proteste noch vor ihrem Beginn zu delegitimieren, sind krachend gescheitert. Der wohl allen rechten und regierungskritischen Umtrieben unverdächtige NDR bestätigt mittlerweile, dass es Stürmungen oder ähnliches nicht gab. Die Polizei will sogar nicht einmal von „Gewalt“ sprechen. Von der Geschichte, die fast zu einem Mordanschlag, einem Putsch hochgeschrieben wurde, bleibt nichts mehr übrig. Außer der Frage: Warum waren so viele Medien so schnell dabei, eine Geschichte zu erzählen, die gar nicht stimmte?

Journalismus im Sinne des Bundespresseamtes

Diese Frage stellen sich sicherlich viele aufmerksame Bürger, die die Entwicklung dieser Geschichte genau verfolgt haben. Sie nehmen wahr: Ein Protest, den wir (oder zumindest knapp 70 Prozent von uns) gut finden, soll irgendwie madig gemacht, delegitimiert, verleumdet werden. Die Medienberichterstattung zu Schlüttsiel ging nahtlos über in die lächerlichen Warnungen vor „Rechtsextremisten“, die die Proteste angeblich allerorts infiltriert hätten. Politiker versuchen, den Protest gegen sich selbst zu verleumden – und die Presse macht mit. Sie tut das Gegenteil ihres Auftrages – den Mächtigen auf die Finger zu schauen – und macht sich quasi zum verlängerten Arm des Bundespresseamtes.

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Viele werden sagen: Das ist keine neue Entwicklung. Viele verweisen beispielsweise zu Recht auf die Parallelen zwischen der „Stürmung von Schlüttsiel“ und der „Hetzjagd von Chemnitz“ als aufgebauschte, letztendlich falsche Geschichte, die nur als politischer Brandsatz wirken soll. Aber die offene Dreistigkeit, mit der die Fake-Story von Schlüttsiel kolportiert worden ist, sollte trotzdem für sich bemerkt werden. Denn die Kollegen überdrehen total. Offensichtlich sehen es viele Medien als ihre heilige Aufgabe, gegen die zunehmend Regierungs- und mainstreamkritische Stimmung, gegen Ampel-Kritik und zusätzlich auch die zunehmende AfD-Zustimmung im Land anzuschreiben. Auch mit fragwürdigen Methoden.

Das Schauermärchen einer neuen Wannseekonferenz

Auch die Correctiv-Recherche zu dem, was medial gerne als „Deportationsplan“ beschrieben wird, fällt in das Muster komplett überdrehter Medienarbeit. Das linkslastige Recherche-Kollektiv will belegt haben, dass die AfD an einem „Geheimplan“ arbeite, um Millionen Menschen aus Deutschland zu „vertreiben“. Cicero und Junge Freiheit belegen dankenswerterweise: Die angebliche Mega-Recherche ist vor allem Schall und Rauch. Mit geradezu geheimdienstlich wirkenden Skizzen versucht man, die dünne Sachlage aufzupeppen und einen Wow-Effekt zu produzieren.

Das merkt man auch an der Art, in der Correctiv das ganze zusammenschrieb – der große Enthüllungsartikel kommt ja kaum einen Absatz ohne einen Holocaust-Vergleich aus. „Womöglich ist es auch Zufall, dass die Organisatoren gerade diese Villa für ihr konspiratives Treffen gewählt haben: Knapp acht Kilometer entfernt von dem Hotel steht das Haus der Wannseekonferenz, auf der die Nazis die systematische Vernichtung der Juden koordinierten.“ Dieser Satz alleine macht aus dem Correctiv-Stück weniger Journalismus und mehr Agitation – denn es ist unsachlich, dient keinem berichtenden Zweck. Das kolportierte Wort „Deportationen“ soll auf dieselbe Art genau diese Assoziation wecken. Denn die tatsächliche Definition, die Bedeutung des Wortes „Deportation“ ist im Endeffekt völlig unerheblich: Im deutschen Sprachgebrauch heißt „Deportation“ immer Auschwitz.

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Auch „Geheim“ ist an den Gedanken nichts: Identitären-Aktivist Martin Sellner hat ganze Bücher darüber geschrieben, wie er sich Migration und Remigration vorstellt. Und die AfD? Deren Vertreter sprechen offen von „millionenfacher Remigration“, ob im Bundestag oder im Netz. Man müsste AfD-Politikern oder einem Martin Sellner einfach mal zuhören und ihre Positionen zur Kenntnis nehmen – dann hätte man diesen „Geheimplan“ schon vor Jahren enthüllt. Aber dann ließe sich kein Scoop, keine Enthüllung inszenieren – und es ließe sich keine Angst verbreiten, keine Stimmung machen. Und deswegen wird ein rechtes Strategietreffen zur neuen Wannseekonferenz hochgeschrieben, als planten AfD-Politiker die „Endlösung der Ausländerfrage“. Absurd, überdreht, lächerlich. Der Cicero meint vorsichtig: „All das lässt sich mit journalistischen Motiven allein nicht mehr erklären.“

Journalisten untergraben Journalismus – das ist brandgefährlich

Viele Medien springen trotzdem – oder gerade deswegen – darauf an. Der Deutschlandfunk schwadroniert von einem „Deportations-Treffen“, der Volksverpetzer-Chef Thomas Laschyk meint erkannt zu haben, dass die AfD ein „viertes Reich“, „ein arisches Deutschland“ inklusive „Lager“ errichten wolle. Von einem „vorgestellten Plan zur Deportation von Zuwanderern“ schreibt die Südwestpresse. Die Zeit zitiert einen linken Historiker, der sich durch das „rechtsextreme Geheimtreffen“ und den dort geäußerten „menschenverachtenden Vertreibungsphantasien“ an die Nazi-Zeit erinnert fühlt. Das ist alles – aber kaum noch saubere journalistische Arbeit. Zu offen erkennbar ist die dahinterstehende Agenda von Agitation und Angstmacherei.

Und das ist ein Problem, was die demokratische Gesellschaft deutlich mehr bedroht als irgendwelche Treffen in Potsdam: Wenn die Presse so offensichtlich agitiert und konstruiert, Propaganda betreibt und künstliche Drohkulissen aufbaut, geht Vertrauen verloren. Ohnehin steigt das Misstrauen gegenüber der Presse in den letzten Jahren – dieser Trend wird so nur noch befeuert. So delegitimieren die verantwortlichen Kollegen ihren gesamten Berufsstand. Das ist brandgefährlich. Denn eine Gesellschaft und eine Staatsordnung, die oft als „Mediengesellschaft“ und „Mediendemokratie“ beschrieben wird, braucht verlässliche Journalisten.

Journalisten, die sagen, was ist – und sich nicht für die Sache der Regierungsparteien einspannen lassen, Propaganda betreiben oder heimlich manipulieren. Viele Kollegen, gerade bei Correctiv und denen, die unkritisch von ihnen abschreiben, überdrehen ihre Stories so offensichtlich, dass sie am Ende nur noch wenige ernst nehmen können. Wie viele solcher Ausfälle übersteht eine demokratische Gesellschaft, ohne Schaden zu nehmen? Wahrscheinlich, muss man bilanzieren, ist dieser Schaden bei vielen Menschen schon längst da. Und das durch solche AgitProp-Aktionen verlorene Vertrauen wiederzugewinnen, wird vielen Medien vermutlich nie ganz gelingen.

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