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Zwischen Eskalation und Deals: Die zwei Trumps und eine neue Weltordnung

Der Iran-Krieg ist der bisherige Höhepunkt der offensiveren US-Politik unter Trump. Zugleich zeigt er aber auch, wie der US-Präsident von zwei gegensätzlichen Instinkten getrieben ist – und wie diese aufeinanderprallen.

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Als Trump am Dienstagabend den Abschluss eines – bis heute sehr brüchigen – Waffenstillstands mit dem Iran verkündete, war die Aufregung groß. Für viele Kommentatoren stand fest: Trump ist eingeknickt, hat mit seinem Einsatz nichts erreicht und macht jetzt einen schmutzigen Deal mit den Mullahs. Im Netz betitelte mancher das mit dem „TACO“-Meme, kurz für „Trump Always Chickens Out“ (zu Deutsch etwa „Trump kneift immer“).

Die größten Trump-Kritiker wollten aus dem Verlauf des Krieges jetzt gar eine Niederlage der USA machen. Das erscheint dabei natürlich etwas überzogen. Man bedenke: Wäre es andersherum und der Iran hätte gerade den US-Präsidenten und das halbe Kabinett ausgeschaltet, die meisten US-Kriegsschiffe auf den Grund der Ozeane befördert, den US-Luftraum übernommen und iranische Spezialeinheiten würden unbehelligt auf US-Boden landen, und man hätte dann einen Waffenstillstand vereinbart, würde man wohl kaum von einer iranischen Niederlage sprechen.

Natürlich ist Trump aktuell ganz offensichtlich darauf aus, einen Deal zu machen und den Konflikt zu beenden. Zu welchem Preis, ist nun die große Frage. Aber es ist klar, wie hier – wie auch in anderen Situationen – Trumps Instinkte aufeinanderprallen. Der Republikaner war gerade in der Außenpolitik immer schon mehr von ihnen getrieben als von ideologischen Ausrichtungen.

In dem US-Präsidenten stecken zwei Trumps: der eine, der Dealmaker, der im besten Fall pragmatische Abkommen liefert und im schlechtesten Fall Zugeständnisse um jeden Preis macht, nur um einen Deal präsentieren zu können. Dieser Trump will der größte Friedenspräsident sein. Und dann gibt es den anderen Trump, der in die Offensive geht, militärisch maximale Stärke für die USA beweisen will und jede Eskalationssorge beiseiteschiebt. Er ist das Gegenteil von „TACO“-Trump, er twittert US-Flaggen, nachdem er Amerikas Feinde einer Hellfire-Rakete zuführt (so etwa geschehen mit Qasem Soleimani).

Beides war von Anfang an da. Schon 2015 warb er offensiv darum, die „Forever Wars“ im Nahen Osten zu beenden, während er zugleich nur zu gerne seine Wahlkampf-Rallies mit dem Motto anfeuerte, wie er mit der IS-Bedrohung umgehen wollte: „Bomb The Shit Out Of Them“.

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Er habe keinen Plan und würde nur eine Katastrophe auslösen, warnte damals Hillary Clinton. Trump konterte immer gerne, dass er ihr seinen Plan nicht verraten werde – und der Ansatz von Clinton, Obama und Co. sowieso gescheitert sei. Auf diesem Ticket wählten ihn die Amerikaner 2016 zum Präsidenten – und nach den Biden-Jahren, die Ruhe versprachen, aber nur noch mehr Krisen brachten – 2024 erneut.

Mit beiden gegensätzlichen Instinkten zu jonglieren und zu balancieren, gehört damit von Anfang an zu Trumps politischer DNA. In seiner ersten Amtszeit schaltete er mit Soleimani Irans Nr. 2 aus – und der von manchen herbeibeschworene Flächenbrand blieb aus. Auf Putin ging er teils rhetorisch zu, nahm aber Europas Energieabhängigkeit von Russland ins Visier und lieferte Waffen an die Ukraine, die Obama abgelehnt hatte. Westeuropäische Verbündete kritisierte er für niedrige Verteidigungsausgaben, während er bereits aufrüstende Staaten wie Polen und das Baltikum mit US-Truppenverlegungen belohnte. Mit anderen Worten: Am Ende fand Trump eine Balance.

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„Trust the Plan“ (zu Deutsch „Vertrau dem Plan“) und sei kein „Panican“ (zu Deutsch etwa „Panikschieber“) ist daher jetzt Trumps Message in seiner zweiten Amtszeit. Mit anderen Worten: Vertraue auf Trump, und am Ende wird alles gut.

Das verlangt freilich einiges – von seiner Basis, seinen Verbündeten, von allen Amerikanern. Zumal die Ausschläge in beide Richtungen seiner Instinkte größer werden: Trump wagt viel mehr. Warf man ihm in seiner ersten Amtszeit meist noch vor, er würde Amerika aus dem Weltgeschehen zurückziehen, sind solche Vorwürfe nun verstummt. Stattdessen beklagt man immer mehr, es sei wegen Trump eine Weltordnung ohne Regeln angebrochen – während man etwa Putins Ukraine-Angriff, die Krim-Annexion oder Irans jahrzehntelange Attacken in Nachbarländern gekonnt ausklammert, aber das ist ein anderes Thema.

Klar ist: Massive Machtdemonstration kombiniert mit einem schnellen Deal ist in Trumps erstem Jahr seiner zweiten Amtszeit zu seinem Markenkern geworden. Im letzten Jahr versetzte er Irans Nuklearprogramm in Schutt und Asche und schloss Tage später einen Waffenstillstand. In Venezuela setzte man Nicolás Maduro fest und machte später einen Deal mit seiner Nachfolgerin Delcy Rodríguez, bei dem sie selbst im Amt blieb, aber in vielerlei Hinsicht geopolitisch gegenüber den USA kapitulierte.

Ein ähnliches Ende scheint nun auch für den Iran angedacht zu sein. Zuerst massive Schläge, dann bald „Mission Accomplished“ erklären – mit einem schwer geschwächten oder gar ausgetauschten Regime. Ganz so einfach wird es aber im Iran diesmal nicht. Das war durchaus absehbar – und Teil der scharfen Kritik, die Trump nun in den USA entgegenkommt.

Aber so sehr manch einer schon jetzt einen Vergleich zum „Forever War“ Irak aufmachen will, so spärlich sind bisher die handfesten Parallelen: Verloren haben die USA im aktuellen Konflikt bisher 13 Soldaten, bei der Invasion des Iraks 2003 starben mehr als 130, im gesamten Irakkrieg insgesamt weit über 4.000 US-Soldaten. Wenn man den Pentagon-Statistiken glaubt, die man freilich mit Vorsicht genießen muss, sind 90 Prozent der iranischen Drohnen- und 80 Prozent der Raketenfabriken zerstört, ebenso wie 90 Prozent der Marine, 80 Prozent der Luftabwehr und mehr als 450 Lager für ballistische Raketen und 800 Lagerstätten für Drohnen. Mehr als 80 Prozent der iranischen Verteidigungsindustrie liegen so am Boden.

Große Teile, wenn sicher noch nicht alle, der militärischen Ziele wären damit erreicht, auch wenn der „Regime Change“ ausbleibt. Vor allem aber gilt: Eine permanente US-Präsenz gibt es im Iran aktuell nicht. Wenn man sich auf einen langfristigen Waffenstillstand einigt, könnte Trump den Konflikt damit einfach und ohne jahrelange Intervention abschließen. Das ist freilich ein großes „Wenn“. Denn dafür muss es wirklich eine echte Einigung geben.

Entweder aus iranischer Schwäche oder durch Trumpsche Zugeständnisse. Und das bleibt eben einer der Knackpunkte, bei denen der US-Präsident zwischen schnellem Deal und weiterer Machtdemonstration durch maximale Zerstörung schwankt, wie immer wieder in den letzten Tagen zu sehen war. Die beiden Trumps treffen hier aufeinander. Genau diese Unberechenbarkeit, wohin ihn seine Instinkte führen, ist es, die bei ihm seine hartgesottenen Anhänger als größte Stärke im Sinne einer „Madman-Theorie“ sehen und andererseits nicht nur bei Establishment-Figuren wie Clinton und Co., sondern auch bei vielen Konservativen als größter Schwachpunkt und als Gefahr des mächtigsten Mannes der Welt gilt.

Und das ist der eigentliche Schluss aus jener vermeintlich „neuen Weltordnung“ im Zeitalter Trump: Es gewinnt, wer mit Trumps Instinkten umzugehen weiß – nicht abstrakte Vorgaben der „internationalen Gemeinschaft“. Das galt aber auch schon zuvor: Denn Geopolitik ist am Ende auch Machtpolitik. Autoritäre Staaten wie Russland oder China mögen dabei ihre Ambitionen gerne im Gewand eben jenes in Europa so groß gefeierten Völkerrechts kleiden, aber auch – und gerade sie – vertreten am Ende knallhart ihre Interessen. Niemand braucht sich einzureden, dass es Putin in der Ukraine darum gehe, die angebliche „Nazi-Ideologie“ des jüdischen Präsidenten Selenskyj ins Visier zu nehmen, ebenso wenig wie es China in Taiwan um die „territoriale Unverletzlichkeit“ eines Territoriums geht, das die Volksrepublik nie kontrollierte.

Wenn also etwas vorbei ist in diesem Zeitalter, dann der Glaube, dass internationale Geopolitik nach dem Maßstab eines Vertrauens in „das Völkerrecht“ und nicht eben durch die ganz realen Interessen, Ambitionen und Fähigkeiten der Staaten und ihrer Köpfe getrieben wird. Und dass in diesem Zeitalter Geopolitik nicht mit Resolutionen, Verurteilungen und Statements gemacht wird.

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8 Kommentare

  • Wer einen genauen Blick auf Trumps Gestik und Mimik richtet, wird noch mehr als zwei Trumps ablesen können. Der Mann ist hochgefährlich.

  • Zu einem Deal gehört auch, dass man diesen einhält.

  • Es offenbart die erschreckende Hilflosigkeit der Golfstaaten. Außer Drohungen ist nichts passiert. Die Angriffe werden Hingenommen, können nichts entgegen setzen.

    • Da sieht man, was der „Schutz“ durch die Amis wert ist.

      • Gemini sagt:

        In Riad und Dubai wächst die Sorge, dass die USA zwar ihre eigenen Interessen und Israel schützen, aber nicht unbedingt die Ölfelder oder Entsalzungsanlagen der Araber, falls es zu einem totalen Krieg kommt.

      • Das ist nun mal als erstes die Sache der angegriffenen Staaten. Kein Staat der Welt opfer seine Soldaten, damit da unten ruhe ist. Sonst sieht das schnell aus wie eine Besetzung durch fremde Armen. Ausser die maschieren ein.

  • ….je tiefer die ‚approval ratings‘ für orange lun@.ic sind, desto länger und bizarrer werden die Artikel auf AN.

    Da braut sich ein riesiges Gewitter über „dem Dealmaker“ zusammen, nachdem seine Angetraute eine “ Unschuldsbeteuerung vom Feinsten“ abgegeben hat.
    Kommt da vllt in Kürze die Big Bomb, von der EM mal gesprochen hat ?

    Zeit, Popcorn zu besorgen…….

  • „Niemand braucht sich einzureden, dass es Putin in der Ukraine darum gehe, die angebliche „Nazi-Ideologie“ des jüdischen Präsidenten Selenskyj ins Visier zu nehmen, ebenso wenig wie es China in Taiwan um die „territoriale Unverletzlichkeit“ eines Territoriums geht, das die Volksrepublik nie kontrollierte.“

    Keep the Americans and Germans OUT ! Darum geht es „Putin“ und dies vollkommen zurecht, ganz ungeachtet dessen, was man ihm im Westen verlogenerweise alles andichtet.

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