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Niedrige Füllstände

„Gas-Zitterpartie“ im Winter? Jetzt wächst selbst bei Merz die Sorge vor Engpässen

Die deutschen Gasspeicher sind so schwach gefüllt wie noch nie zu dieser Jahreszeit. Lange verteidigte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche ihren Kurs, die Befüllung allein dem Markt zu überlassen – doch nun wächst die Unruhe in der eigenen Koalition – selbst bei Merz.

Die Distanz zwischen Friedrich Merz und Katherina Reiche wächst – jetzt wohl auch bei der Bewertung der Gaskrise. (IMAGO/Bernd Elmenthaler)

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Die deutschen Gasspeicher sind derzeit so niedrig gefüllt wie noch nie zu dieser Jahreszeit – und weil der Gaspreis im Großhandel zugleich immer weiter ansteigt, drohen im kommenden Winter weitreichende Versorgungsengpässe. Auch die Spitze der Bundesregierung kann das Problem nun nicht mehr kleinreden.

Öffentlich hat sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu den niedrigen Füllständen bislang zwar nicht geäußert. Nach Informationen des Stern teilte er jedoch bei der Kabinettsklausur vergangene Woche die Sorge von Digitalminister Karsten Wildberger über mögliche Versorgungsengpässe im Winter. Das Kanzleramt lässt sich seither nach Angaben des Magazins regelmäßig über die Lage informieren.

Doch nicht nur Merz und Wildberger sind besorgt. Auch aus dem Rest der Koalition kommt inzwischen offener Widerspruch gegen die bisherige Strategie des Wirtschaftsministeriums. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verlangte nach einer Kabinettssitzung in München, der Bund müsse rasch für ausreichende Füllstände sorgen. Im Moment sei es noch zu wenig, und es deute sich wieder eine „Zitterpartie“ an, warnte der Ministerpräsident. Vor diesem Hintergrund forderte Söder die Schaffung einer nationalen Gasreserve nach dem Vorbild der strategischen Ölreserve.

Damit wächst auch der Druck auf Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), die bislang auf eine marktgetriebene Befüllung der Speicher setzt. Über das gesamte erste Halbjahr hinweg hatte Reiche staatliche Interventionen zur Absicherung der Gasversorgung im anstehenden Winter abgelehnt. Auch Wildberger betonte auf der Klausurtagung, er sei prinzipiell gegen einen staatlichen Eingriff, um die Gasspeicher zu befüllen. Im Zweifel seien jedoch staatliche Einkäufe notwendig, um Versorgungsprobleme für die deutsche Wirtschaft zu vermeiden. Mitte August erklärte auch eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums, dass nach aktuellem Erkenntnisstand eine Gasmangellage im Winter nicht zu erwarten sei.

Dies sollte jedoch mit Vorsicht betrachtet werden. Denn die marktgetriebene Befüllung hat bislang alles andere als gut funktioniert. Aktuell liegt der Füllstand der Gasspeicher in Deutschland bei 53,28 Prozent (+0,28 Prozent im Vergleich zum Vortag, Stand: 3.9.2026, 6 Uhr). Das ist deutlich niedriger als in den Vorjahren zu diesem Zeitpunkt. Am 1. September 2025 betrug der Füllstand noch 70,65 Prozent. Auch im Vergleich zum aktuellen europäischen Durchschnitt von 65,39 Prozent liegt Deutschland deutlich zurück.

Am Donnerstag, dem 20. August, waren die deutschen Gasspeicher zeitweise sogar nur zu 50,2 Prozent gefüllt. Das war nach Angaben des Gasspeicher-Branchenverbands INES der niedrigste Stand für diese Jahreszeit seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2011. Dieser Pfad führt nicht zu einer ausreichenden Befüllung bis zum Winter. Eigentlich soll im November ein durchschnittlicher Füllstand von 80 Prozent erreicht werden.

Zur Beruhigung könnte man zwar auf die veränderte Importstruktur und stabile Lieferketten verweisen: Fast die Hälfte des deutschen Gasbedarfs kommt inzwischen aus Norwegen. Hinzu kommen Pipelinegas über Frankreich und Belgien sowie Flüssiggas über die deutschen Terminals, das zu einem Großteil aus den USA stammt.

Man ist nicht mehr von Russland abhängig, und auch die Entwicklungen rund um die Straße von Hormus haben keine Auswirkungen auf die deutsche Gasversorgung. Zumindest nicht direkt. Doch verlässliche Importpartner bedeuten nun einmal nicht, dass eine ausreichende Reserve existiert. Bis zum Wintereinbruch im November sind von den Großhändlern gerade einmal 76 Prozent der Speicherkapazitäten gebucht (Stand: Mai).

Das könnte im Ernstfall nicht reichen, um über den Winter zu kommen. In einem kalten Szenario, basierend auf den Temperaturwerten des Referenzjahres 2010, drohen Deutschland laut dem im Mai veröffentlichten Gas-Szenario-Update von INES Versorgungsengpässe von insgesamt 20 Terawattstunden (TWh) im Januar, Februar und März 2027. „Wir haben bereits im letzten Winter gelernt, dass ein Buchungs- und Füllstand von 76 Prozent nur ausreicht, wenn die Wetterbedingungen günstig sind“, sagte der Geschäftsführer von INES, Sebastian Heinermann, in einer Stellungnahme zu dem Update.

Das heißt also: Um für einen kalten Winter vorzusorgen, müssten weitere Speicherkapazitäten gebucht werden. Aktuell ist dies jedoch nicht so einfach. Die Gaspreise sind nämlich immens hoch – sehr ungewöhnlich für diese Jahreszeit.

Am niederländischen Handelspunkt TTF, dem Referenzmarkt für europäisches Erdgas, kosteten die Terminkontrakte mit Stand vom 27. August rund 68 Euro je Megawattstunde und damit so viel wie zu keinem Zeitpunkt seit dem Ende der Energiekrise, genauer gesagt seit Januar 2023 (mehr dazu hier).

In den letzten Tagen sind die Erdgaspreise am Referenzmarkt TTF sogar noch weiter angestiegen – am 3. September notierten sie zeitweise bei über 73 Euro je Megawattstunde. Das liegt nicht zuletzt am anhaltenden Nahostkonflikt, der sich nun wieder zu verschärfen droht. Vor Beginn des Iran-Krieges wurden noch rund 20 Prozent des weltweiten LNG-Flüssigerdgases durch die Straße von Hormus transportiert. Der Einbruch des Angebots treibt die Preise stark.

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13 Kommentare

  • Wie kommt man eigentlich angesichts der Versorgungslage auf den Gedanken, Katharina Reiche wäre eine hinreichend gute Wirtschaftsministerin ?? Auf ihre Art ist sie kein Stück besser als Harbeck.

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    • Ist doch alles gewollt. Welcher darsteller für die rolle des wirtschaftsminister besetzt wird ist irrelevant.

      Es soll zum notstand kommen, um ….

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    • Wir wissen alle: Der Staat ist der bessere Unternehmer als der freie Markt 🤦🏼
      Reiche handelt hier absolut richtig. Wenn die Taugenixen von dieser Regierung eingreifen, wird es katastrophal.

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  • Bin ich eigentlich der Einzige, der einen großen Vulkanausbruch als möglich sieht, und daher ableitet, dass die Lager gefüllt sein sollten? Nuklearer Winter plus Sonnenlichtmangel ist anscheinend für jene, die gewählt wurden, für das Volk zu sorgen, keine Sorge wert.

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    • Da reicht auch ein „Normaler Winter “ aus ! Kalt Trübe Nass !
      Den spätestens 10min nach dem das Gas alle ist geht auch dann das „Licht“ in Deutschland aus !
      Grüße an alle Wärmepumpenbesitzer im Lande !

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  • Jetzt wächst selbst bei Merz die Sorge vor Engpässen ?!

    Da wächst wohl eher nur das Interesse an einem guten Grund Reiche los zu werden !

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    • Genau das ging mir auch durch den Kopf, als ich den Artikel gelesen habe. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt 🙈

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      • Zumal Ist es ja nicht so als ob der Begriff Gasmangellage eine neue Wortschöpfung oder gar eine Erfindung dieser Tage wäre .

        Was ich nicht verstehe ist warum die Reiche den grünen Vogel in der Bundesnetzagentur nicht längst gefeuert hat ?
        Obwohl die Antwort eigentlich im kleptokratieschen Kartellparteiensystem klar auf der Hand liegt .

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  • „Wenn die Leute kein Gas haben, sollen sie ihre Eichenmöbel verbrennen!“
    Merzie-Antoinette, 1789

    3
  • Bei Merz wächst nur die Sorge, wo er die nächsten Milliarden für Selensky herbekommt. Das Deutsche Volk bekommt Steuererhöhungen, Schulden, Steuergeldverschwendung und soll länger arbeiten und später in Rente gehen. Und mit der Kriegsrhetorik von Merz und Pistorius auch noch einen Krieg.

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  • “ Wir schaffen das “ !
    Vorsätzlicher korrupter Totalschaden !
    Hochverrat !

    6
  • ….Frieren für die Demokratie….
    “ Natürlich nur wir hier unten, die Oben natürlich nicht!“
    Obwohl, wäre sicher lustig, alle im Bundestag mit Pudelmütze….

    6
  • …seit dem Ende der Energiekrise Jan. 2023 steht da. Ich sehe da kein Ende. Für mich wurde diese seit dem genannten Zeitpunkt eher verschärft. Da ich mich nicht auf Menschen verlasse, die aus welchen Gründen auch immer destruktiv handeln und mich gefährden, sorge ich lieber selber vor. Propangasflaschen und dazu passende Standheizungen, das ist meine Lösung. Völlig irre dieser Laden. Strompreise, Kraftstoffpreise, Gasmangellage, kannst du dir alles nicht ausdenken.

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