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„Faktenchecker“ attackieren Übersterblichkeits-Forscher – die wehren sich jetzt

Deutsche Wissenschaftler haben in einer statistischen Auswertung einen möglichen Zusammenhang zwischen der Übersterblichkeit in Deutschland und dem Beginn der Impfkampagne aufgezeigt. Dafür werden sie medial vernichtet. Jetzt wehren sie sich.

Was ist die Ursache der dramatischen Zunahme an Todesfällen in Deutschland und anderen Ländern in den Jahren 2021 und 2022? Diese Frage stellen sich aktuell Statistiker auf der ganzen Welt. Einen wichtigen Beitrag zur Debatte haben die deutschen Analytiker Prof. Dr. Matthias Reitzner und Prof. Dr. Christof Kuhbandner geleistet. Ihre Studie „Übersterblichkeit in Deutschland 2020-2022“ wurde bereits im August letzten Jahres bekannt, als die Vorveröffentlichung online verbreitet wurde. Im Mai 2023 wurde schließlich die von unabhängigen Experten überprüfte Version im Online-Journal des renommierten Wissenschaftsverlags Springer Nature veröffentlicht

Die Professoren für Mathematik und Psychologie brachten Erschreckendes zutage: Während 2020 die Anzahl der verstorbenen Deutschen in etwa mit den statistisch erwarteten Todesfällen übereinstimmte, kam es in den Folgejahren zu einer dramatischen Übersterblichkeit in Deutschland. 2021 starben demnach über 34.000 Menschen mehr als erwartet, 2022 sogar 66.000. In den letzten 20 Jahren habe es laut den Autoren nie mehr als 25.000 Tode pro Jahr gegeben. Die rapide Zunahme der Sterblichkeit sei ab April 2021 zu beobachten, überwiegend in den Altersgruppen zwischen 15 und 79 Jahren. Das veranschaulichen die Autoren unter anderem in der folgenden Grafik, die eine deutsche Übersterblichkeit (englisch: „Excess Mortalität“) in den Altersgruppen 15-29 Jahre, 30-49 Jahre und 60-79 Jahre circa ab April 2021 zeigt. Allein die Altersgruppe 50-59 Jahre fällt aus dem Muster, was auch von den Autoren angemerkt wird. 

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Quelle: Kuhbandner C, Reitzner M (May 23, 2023) Estimation of Excess Mortality in Germany During 2020-2022. Cureus 15(5): e39371. doi:10.7759/cureus.39371

In den Mainstream-Medien wurde die Studie höchst kritisch aufgenommen. Die Tagesschau widmete ihr einen hauseigenen Faktencheck, der schon in der zweiten Zeile eine Verbindung zur Querdenker-Szene suggerierte, in der Rheinischen Post verfasste der Politkchef Martin Kessler eine „Analyse“ mit dem wenig wissenschaftlichen Titel: „Corona-Leugner geben keine Ruhe – die neue Offensive der Impfgegner“. In beiden Artikeln ist unschwer zu erkennen, was die Autoren derart aufbringt: Die Studie von Reitzner und Kuhbandner insinuiert, dass der Anstieg der Todeszahlen mit dem Beginn der Impfkampagne zusammenhängen könnte. 

Auffällige zeitliche Parallelen zur Impfkampagne

Die Wissenschaftler stellen in ihrer Analyse unter anderem die Anzahl der unerwarteten Todesfälle den verabreichten Impfdosen im zeitlichen Verlauf gegenüber. Sowohl im Frühjahr 2021, als viele Deutsche ihre erste und zweite Impfung erhielten, als auch im Herbst 21, als die dritte Dosis verimpft wurde, konnte ein Anstieg der unerwarteten Todesfälle verzeichnet werden. Das zeigt die unten stehende Grafik. 

2022 dann nahm die Übersterblichkeit erneut dramatisch zu. Reitzner und Kuhbandner kommentieren das in der Studie so: Entweder können die Corona-Impfungen die Covid-19-Tode doch nicht so gut verhindern wie gedacht, oder sie schützen tatsächlich vor dem Corona-Tod und es gibt andere Faktoren, die zur Übersterblichkeit in dieser Zeit geführt haben.

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Quelle: Kuhbandner C, Reitzner M (May 23, 2023) Estimation of Excess Mortality in Germany During 2020-2022. Cureus 15(5): e39371. doi:10.7759/cureus.39371

Auf der Grafik sind auch viele unerwartete Todesfälle Ende 2020 erkennbar, diese werden jedoch nicht kommentiert – wahrscheinlich, weil die Wissenschaftler bereits angemerkt hatten, dass es auf das ganze Jahr gerechnet damals keine ernstzunehmende Übersterblichkeit gab.

Auffällig finden Reitzner und Kuhbandner auch, dass die Anzahl der Todesfälle in den unterschiedlichen Altersgruppen 2020 noch zu der bekannten Altersabhängigkeit der Corona-Risiken passte: Während junge Leute kaum durch das Virus gefährdet waren, hatten ältere Personen schwerere Verläufe zu befürchten. Dies spiegelt sich auch in den Todesfällen wieder – 2020 sind deutlich mehr Menschen im hohen Alter gestorben. Ab 2021 jedoch ist dieser Zusammenhang nicht mehr zu erkennen. Hier ist die Übersterblichkeit unter den 15- bis 40-Jährigen vergleichbar mit der von den über 60-Jährigen. Dies lässt sich in der am Anfang aufgeführten „Grafik 4“ erkennen. 

Corona-Infektionen erklären die unerwarteten Tode nicht

Die Autoren von Tagesschau und Rheinische Post tun diese Darstellung als Spekulation ab. Die Autoren sollen eine Korrelation zwischen Übersterblichkeit und Beginn der Impfkampagne überinterpretiert haben. Die Journalisten zitieren dazu andere Wissenschaftler, die der Meinung sind, dass die Übersterblichkeit vielmehr mit anderen Faktoren wie der Zunahme der Covid-Infektionen im Verlauf, zusätzlichen Hitzewellen im Sommer, sowie einer Grippewelle im Winter 2022 zu begründen sei. 

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Auf diese Argumente reagierten Reitzner und Kuhbandner am Sonntag in einem Beitrag in der Berliner Zeitung. Darin erläutern sie, dass sich die Zunahme der Todesfälle nicht durch die steigenden Infektionszahlen erklären ließe. Das lässt sich auch in der folgenden Grafik aus der Studie erkennen. Dort wurden im oberen Teil der Grafik auf einer Zeitskala die unerwarteten Todesfälle rot und die gemeldeten Corona-Toten blau markiert. Unten wurden in Gelb die Anzahl der unerwarteten Todesfälle abzüglich der Corona-Toten dargestellt. Es zeigt sich: Ein im September 2021 verzeichneter steiler Anstieg in der Sterblichkeit wird nicht von einer vergleichbaren Zunahme bei den Corona-Toten begleitet. Ab Januar 2022 dann verlaufen die Kurven fast gegensätzlich. Während die Anzahl der Covid-Toten sinkt, nehmen die unerwarteten Sterbefälle immer weiter zu.

Quelle: Kuhbandner C, Reitzner M (May 23, 2023) Estimation of Excess Mortality in Germany During 2020-2022. Cureus 15(5): e39371. doi:10.7759/cureus.39371

Des Weiteren erläutern die Autoren, dass allein ein Vergleich der offiziellen Covid-Totenzahlen mit den unerwarteten Todesfällen deutlich mache, dass sie die Übersterblichkeit nicht erklären können. So seien 2020 knapp 42.000 Covid-Todesfälle vom RKI gemeldet worden, während es lediglich 4.000 Todesfälle mehr gegeben hatte als statistisch erwartet. 2022 wiederum wurden 49.000 Covid-Todesfälle gemeldet, es seien aber 65.000 unerwartete Todesfälle aufgetreten.

Hitzewellen können es auch nicht gewesen sein

Auch den Verweis auf die Hitzewellen halten Reitzner und Kuhbandner für nicht plausibel. Immerhin habe der Deutsche Wetterdienst im September letzten Jahres berichtet, dass die Sommer 2019, 2020 und 2022 besonders heiß waren, der Sommer 2021 jedoch nicht. Wären die heißen Sommer tatsächlich Ursache der Übersterblichkeit, hätte es 2020 eine Übersterblichkeit geben müssen und 2021 nicht. Dies ist aber, wie oben beschrieben wurde, nicht der Fall. 

Die außergewöhnlich frühe und starke Grippewelle im Winter 2022 habe laut den Autoren durchaus zur Übersterblichkeit Ende 2022 beigetragen. Dies sei jedoch kaum weniger besorgniserregend als die unerwarteten Todeszahlen an sich. Es habe nämlich seit der Jahrtausendwende keine vergleichbar große Grippewelle zu dieser Jahreszeit gegeben. Man sollte sich also fragen, was die Ursache für diese außergewöhnliche Grippewelle war. 

Eine wissenschaftliche Debatte ist überfällig

Überhaupt stellen die Autoren klar, dass sie in ihrer Studie nicht behauptet hatten, dass es gesichert sei, dass die Übersterblichkeit maßgeblich durch die Impfung verursacht wurde. Man habe lediglich „empirische Anhaltspunkte“ gegeben. Vor allem wollten Reitzner und Kuhbandner eine dringend notwendige Diskussion über die bisher ungeklärte Übersterblichkeit anstoßen. 

„Wir können eine solche Anzahl unerklärter Todesfälle gesellschaftlich nicht einfach ignorieren“, erklären die Autoren. Eine Aussage, der mit Sicherheit viele Deutsche zustimmen. Immerhin sind deutsche Behörden während der Pandemie vor allem mit einer desaströsen Datenerhebung aufgefallen und haben bis heute kein zuverlässiges System zur statistischen Erfassung von Impfnebenwirkungen etabliert. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit über 100.000 unerwarteten Toten in zwei Jahren, wäre also mehr als geboten. Auch wenn sie nicht in das politische Narrativ passt. 

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