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Das weibliche Vorrecht, sich dumm stellen zu dürfen

Dunja Hayali will von dem KI-Video in ihrer Sendung gewusst haben. Annalena Baerbock glaubt, ihr Afghanistan-Projekt sei ein großer Erfolg gewesen. Wenn es brenzlig wird, kann man sich als Frau in Führungsverantwortung zum Glück einfach dumm stellen.

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Männer haben ein Talent, sich dumm zu stellen. Insbesondere in der Küche. Die Krönung der Schöpfung, die völlig aufgeschmissen ist, wenn es darum geht, am Geschirrspüler den „An“-Schalter zu finden, selbst wenn er als solcher beschriftet ist. Wobei es meistens daran scheitert, überhaupt danach zu suchen. Wie kocht man Nudeln? Die Anleitung auf der Packung wird da doch wohl kaum weiterhelfen. Wenn es dann ans Kühlschrank-Einräumen geht, resigniert das männliche Geschlecht völlig. Mit den Worten „Das kannst du viel besser als ich!“ wird das zur Frauensache erklärt und der Rückzug aufs Sofa angetreten. „Weaponised incompetence“ nennen die Feministen das.

So ganz Unrecht haben sie damit nicht. Doch das Dummstellen ist nicht nur den Männern vorbehalten. Insbesondere in der politischen Öffentlichkeit und dabei insbesondere von den vermeintlichen Feministinnen wird die strategisch eingesetzte Inkompetenz für Frauen gerne mal zur Waffe – und zur Selbsterhaltungsmaßnahme. Dieses Phänomen auszumachen, ist gar nicht so einfach. Immerhin ist die Unterscheidung tatsächlicher Inkompetenz von gespielter eine schwierige Angelegenheit und wird auch in diesem Artikel nicht so ganz trennscharf zu bewerkstelligen sein. Strategisch einsetzen kann man aber eh beides. 

Ein aktuelles Beispiel ist Dunja Hayali. Was für eine Peinlichkeit: Im heute journal werden falsche Videos von angeblichen Einsätzen der Abschiebebehörde ICE gezeigt. Ausgerechnet im ÖRR, ohne den doch unsere Demokratie in der Hochzeit von Fake News gar nicht möglich sein soll. Ausgerechnet im heute journal, das doch zur Elite der öffentlich-rechtlichen Angebote gehören soll. Ausgerechnet während Dunja Hayali moderiert, die sich doch so gerne über andere Medien erhebt – die sie gar nicht als solche benennen kann, so niedrig sind die für sie. Nius bezeichnete sie etwa als „Schrott“. 

Sie bildet sich sehr viel auf ihr schönes heute journal ein, zu dessen Stars sie gehört. Dabei ist das nicht das erste Mal, dass in der Sendung falsches Bildmaterial verwendet wird. Darf ich erinnern? Erst letztes Jahr musste das ZDF eine strafbewehrte Unterlassungserklärung unterschreiben, weil Screenshots von Apollo-News-Artikeln im Rahmen der Brosius-Gersdorf-Berichterstattung als Bildmaterial verwendet wurden, während in der Moderation von Falschnachrichten gesprochen wurde. Auch damals ist Dunja Hayali die Moderatorin gewesen. 

Das ungekennzeichnete KI-Video hat nun aber für mehr Wirbel gesorgt. Wie bei jedem Skandal weist erst mal jeder alle Schuld von sich. Die oberste Priorität in der Krisenkommunikation von Seiten des ZDF ist aber, Dunja Hayali von allem reinzuwaschen. Sie hat die Videos nicht ausgesucht, das Material nicht geschnitten, es auch nie gesehen. Nicola Albrecht wird allein vor den Bus geworfen. Sie habe „Videomaterial zur Bebilderung ihres Beitrags ausgewählt, ohne es vorher gewissenhaft auf Herkunft und Authentizität überprüft zu haben“, erklärt ein ZDF-Sprecher. 

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Auch Hayali selbst distanzierte sich öffentlich von den Fehlern, die jemand ganz anderes gemacht hat. Auf Instagram bezeichnete sie das Bildmaterial als „Beitrag aus NY“, um noch mal räumliche Distanz zu schaffen. Ein „Das Team samt Nachrichten-Chefin bittet dafür ausdrücklich um Entschuldigung“ drückt sie sich noch ab. Dann schließt sie mit „Weiterhin kränkliche Grüße aus dem Bett“ mit einem schniefenden Emoji. Noch mehr Distanz. Sie kann das gar nicht gewesen sein, die Arme ist doch krank!

Ich wäre sogar bereit, ihr zu glauben. Gut möglich, dass sie das Video nicht gesehen hat. Nur stellt sich dann die Frage: Was hat sie dann überhaupt mit der Sendung zu tun gehabt? Schreibt sie ihre Texte überhaupt selbst? Und hier kommt das Phänomen ins Spiel, das ich meine. Dunja Hayali würde man jetzt eigentlich nicht verdächtigen, geschickt das dumme Blondchen zu spielen und gezielt weibliche Reize zum eigenen Vorteil zu nutzen. Sie will eine Power-Frau sein, kühl und taktisch, sie braucht keinen Mann. Und doch: Sobald es Probleme gibt, weist sie jede Verantwortung von sich, selbst wenn es sie wie eind Nachrichtensprecherin dastehen lässt, das nur vom Prompter abliest. 

Sie glaubt, dass es ausreicht, einfach nichts falsch gemacht zu haben. Dass ihre Unkenntnis sie retten wird. Sie selbst ist ja schließlich ganz brav gewesen. Doch wenn man ein gewisses Level an Verantwortung erreicht oder erreichen will, reicht das nicht mehr. Da gibt es Dinge, die man einfach wissen muss. Wenn man sich ins Fernsehen stellt, sollte man seine eigene Sendung nicht mit den Zuschauern zusammen zum ersten Mal gucken. Bei der hohen Meinung, die Dunja Hayali von sich hat, sollte es ihr eigentlich noch peinlicher sein, einzugestehen, dass sie sich das Video vor der Sendung nicht angeschaut hat, als es wäre, wenn sie das KI-Video einfach nicht erkannt hätte. In jedem Fall sollte ihr jetzt als Führungsperson peinlich sein, dass sie glaubt, sie könnte sich einfach so rausreden. Doch Dunja Hayali ist gar nicht das schlimmste Beispiel. 

Annalena Baerbock hat sich mal wieder in Deutschland blicken lassen. Obwohl wir ihr bestimmt gar nicht mehr international genug sind. Bestimmt kam ihr hier ohne Wolkenkratzer alles winzig klein vor. In New York (bitte in übertriebener amerikanischer Betonung aussprechen) ist alles ganz anders – aber das kann man nicht erklären, dafür muss man einfach mal da gewesen sein. Sie selbst ist dort ja praktisch ein local – wie war das deutsche Wort noch mal? Sie haben den Auftritt bei Maischberger sicher gesehen. Bei aller Bodenständigkeit, die sie immer mal wieder vorspielt, um sympathisch und relatable (wie war das deutsche Wort noch mal?) zu bleiben, ist sie natürlich nicht einfach als die Annalena back nach Deutschland gekommen. 

Nein, als „Chefdiplomatin der UN“ spricht sie „im Namen von 193 Staaten“. Sie sieht sich selbst wie eine dieser Traumberuf-Barbie-Puppen. Eigentlich war dieser Satz schon eine so schöne Offenbarung, dass man ihm einen eigenen Kommentar widmen könnte. Annalena Baerbock hält sich für die Chefdiplomatin von 193 Staaten. Wenn sie das einem Kind erklären müsste, würde sie wahrscheinlich so was sagen wie: „Damit bin ich so zu sagen die Präsidentin von der ganzen Welt!“ Aber dass Annalena Baerbock arrogant ist und die schönen Chefposten, die sie immer hinterherbekommen bekommt, das nicht besser machen werden, war ja klar. 

Aber offenbart sie damit nicht wieder mal wundervoll, wie oberflächlich die Welt der Diplomatie ist? Diese Frau darf mit einem komischen Holzhammer herumfuchteln und sich dabei „Chefdiplomatin“ nennen. Wenn man das aber kritisiert, dann ist man sexistisch und kann nicht ertragen, dass eine Frau in einer Führungsposition ist. Ich habe in erster Linie ein Problem damit, dass DIESE Frau in einer Führungsposition ist. Und das sage ich ganz ausdrücklich als Frau, weil Baerbock sich nämlich auf Kosten aller Frauen bereichert. Die Tatsache, dass sie so weit gekommen ist, ist so sexistisch, dass ich schon fast Feministin werden könnte.

Annalena Baerbock hat die Kunst des Dummstellens absolut perfektioniert. Sie hat es auch bei ihrem Auftritt bei Maischberger wieder gemacht. Ihr schönes Afghanistan-Projekt fliegt uns gerade absolut um die Ohren. Als Teil ihrer tollen feministischen Außenpolitik wollte sie damit Frauen aus einem patriarchalen Land retten – stattdessen hat sie sehr vielen Männern die Möglichkeit eröffnet, durch Betrügerei in unser Sozialsystem zu kommen. Aber was soll’s – sie hat doch auch ganz viele Frauen gerettet, erklärt sie. Und dann war das für sie schon ein Erfolg. Grins, grins, klimper, klimper, und alles ist wieder gut. 

Die Frau, die sich für eine Elite-Politikerin hält, die eine „Chefdiplomatin“ sein will, setzt ihre Ansprüche an sich selbst bereitwillig auf das Minimum runter. Aus einem Desaster wird ein großer Erfolg, man muss sich nur dumm genug stellen. Frauen wie Baerbock und Hayali lieben Verantwortung. Sie wollen sie unbedingt haben, aber nie übernehmen. Jedenfalls nicht, wenn es keine Girlboss-Powerfrau-Hosenanzug-Ästhetik mehr hat, sondern unangenehm wird. Dann wird mit den Rehaugen geklimpert, und jemand anderes muss die Scherben wegräumen. 

Wer Annalena Baerbock für eine intelligente Politikerin und gute Führungsperson hält, beweist damit, dass er Frauen nicht mehr zutraut. Baerbock hat das Maximale von dem erreicht, was man von einer Frau doch überhaupt erwarten kann. Dass sie sich überhaupt für Länder wie Afghanistan interessiert und ihr hübsches Köpfchen mit so komplexen Themen überansprucht, statt sich mit Lidschattenfarben zu beschäftigen, ist doch schon mehr als beachtlich. Eigentlich ist es doch ganz nett, eine Frau zu sein. Man gibt sein Bestes, und wenn es nicht klappt, fällt man einfach auf den Stereotyp zurück, den insbesondere diejenigen, die sich für Feministen halten, von Frauen immer noch im Kopf haben.

Doch macht man es damit allen anderen Frauen mit einer realistischen Weltsicht und tatsächlichem Verantwortungsbewusstsein leider kaputt. Wer soll denn mehr Frauen in den Vorständen, in den Führungsetagen und Aufsichtsräten haben wollen, wenn das einfach nur bedeutet, dass die ganze Verantwortung auf die restlichen Männer zurückfällt? Wenn der Feminismus so weitergeht, werden wir bald wieder Suffragetten brauchen. 

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4 Kommentare

  • Wunderbar, danke

  • Es ist in Führungsverantwortung auch völlig egal, ob man selbst den Bockmist verzapft oder die eigenen Mitarbeiter.

    Man bekommt ein fürstliches Gehalt dafür, gesamtverantwortlich zu sein.
    Das heißt man muss schon aufzeigen können, dass es ein Ausrutscher im Arbeitsprozess war und kein systemisches Versagen im Bereich.

    Und wenn ich mir die Apollo Unterlassungserklärung, die KI Fakes und dann noch die Falschmeldung zu Merkel ansehe, glaube ich dass es eher letzteres ist.

    So viel Nachsicht hat z.B. Julia Ruhs nicht gesehen.

    • A. Baerbock hat den großen Vorteil sich gar nicht dumm stellen zu müssen.

  • „Was hat sie dann überhaupt mit der Sendung zu tun gehabt? Schreibt sie ihre Texte überhaupt selbst?“

    Gute Frage!
    Lässt sich ein Texter seinen Text bebildern, ohne diese Bilder zu kennen? Angeblich ist Hayali Journalistin. War sie hier nur Sprecherin? Liest sie bloß vorgefasstes ab?

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