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Ähnlich zu mRNA-Impfstoff

Chinesische Forscher entwickeln inhalierbaren Corona-Impfstoff – Pulver soll tief in die Lunge vordringen

Auch vier Jahre nach dem Ausbruch von Covid-19 forschen Wissenschaftler noch an neuen Impfstoffen. Ein Team der Chinesischen Akademie der Wissenschaften entwickelte nun ein pulverförmiges Vakzin, das mittels Inhalator eingenommen werden und so die Atemwege immunisieren soll. Trotzdem fallen viele Parallelen zu den mRNA-Impfstoffen auf.

Covid-19 ist für einige Menschen nicht vorbei – auch ein chinesisches Forscherteam ist dieser Ansicht. Die Wissenschaftler der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking entwickelten einen neuartigen Impfstoff, der aus einem zu inhalierenden Pulver besteht und präsentierten diesen erstmal am Mittwoch im Wissenschaftsmagazin Nature. Die Forscher pochen durch den Einsatz des Pulvers auf eine starke Immunität in den Atemwegen.

Bislang musste auch Befürworter der mRNA-Vakzine eingestehen, dass die intramuskuläre Verabreichung in den Oberarm einen Nachteil bietet: So soll es zwar zu einer Immunreaktion im gesamten Körper kommen, eine lokale Immunisierung der Lunge findet aber nicht stark genug statt, sodass sich Viruserreger hier niederlassen können.

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Der Körper ist dann zwar grundsätzlich geschützt, das Virus kann dennoch in den Atemwegen verweilen. Wurde dieses Narrativ noch zu Beginn der Impfkampagne abgelehnt, mussten auch Befürworter der Covid-Impfstoffe mittlerweile einsehen, dass die Impfung nicht vor der Infizierung und Weitergabe des Virus schützt.

Um eine lokale Immunisierung in den Atemwegen zu gewährleisten, entwickelten jetzt die chinesischen Wissenschaftler ein Pulver aus „biologisch abbaubarem Material“. Ähnlich wie bei den mRNA-Impfstoffen werden auch hier Lipid-Nanopartikel verabreicht, die als Träger des Virus-eigenen Spike-Proteins fungieren, das mit bakteriellen Proteinen als Antigen auftritt und somit die Antikörperbildung im menschlichen Organismus anregen soll.

Die Forscher sehen gleich zwei Vorteile in dem neu entwickelten Pulver: Es soll einerseits tief in die Lunge vordringen und außerdem vergleichsmäßig unkompliziert lagerbar sein. Während flüssige Impfstoffe gekühlt aufbewahrt werden müssen, kann das Trockenpulver überall bei Raumtemperatur gelagert werden, ist also auch für sehr warme und energiearme Regionen geeignet. Das wiederum dürfte die wirtschaftlichen Erfolgschancen des Produkts erhöhen – auch vier Jahre nach dem Ausbruch von Covid-19.

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Unterscheidet sich das Pulver von mRNA-Impfstoffen?

Durch einen Inhalator soll das Pulver zerstäubt und anschließend aufgenommen werden. In der Lunge lagert sich das Pulver dann ab, gibt den Wirkstoff frei und sorgt so für eine lokale Immunisierung nicht nur im Blut, sondern auch in den Schleimhäuten der Atemwege. Laut den Wissenschaftlern soll sich der Wirkstoff dann nach kurzer Zeit auflösen – ähnlich wie bei den mRNA-Vakzinen behauptet wurde. Doch hier stellte sich heraus, dass der Wirkstoff teilweise gar nicht so schnell verschwand, wie vorgesehen und teilweise noch Monate später im menschlichen Körper vorzufinden war.

Bei diesem Auflösungs-Verfahren ist also Vorsicht geboten. Auch die Nutzung von bakteriellem Material sorgte für viele Fragen bei den mRNA-Impfstoffen. Die im Pulver genutzten bakteriellen Proteine müssen also genauer unter die Lupe genommen werden – denn im Moment wirkt das Trockenpulver wie ein mRNA-Impfstoff, der mal eben den eigenen Aggregatzustand änderte und oral statt intramuskulär verabreicht werden soll.

Davon ließen sich die Wissenschaftler aber nicht abhalten. Sie führten Tierversuche an Mäusen, Hamstern und nicht-menschlichen Primaten durch und berichteten von der erfolgreichen und nachhaltigen Immunisierung der Tiere. Daher betrachtet das Team auch die Anwendung bei Menschen als durchaus realistisch, möchte aber, bevor das Pulver zur Bekämpfung von Covid-19 und anderen Atemwegserkrankungen eingesetzt wird, noch die Wirkung bei empfindlichen Menschen untersuchen.

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