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Bundesverdienstkreuz für Lothar Wieler – diese Auszeichnung ist eine Verhöhnung

Die ehemaligen Vorsitzenden des RKI und des Paul-Ehrlich-Institutes, Lothar Wieler und Klaus Cichutek, werden mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Dabei haben die Herren sich in der Coronazeit in keiner Weise verdient gemacht - im Gegenteil. 

„Gegen eine vorzeitige Heiligsprechung spricht vor allem die beharrliche Verweigerung jeglicher Selbstkritik“, dieser Kommentar war im April 2023 in der Stuttgarter Zeitung zu lesen. Damals war es die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Ex-Kanzlerin Angela Merkel, gegen die sich diese kritischen Worte richteten. Ein Dreivierteljahr später lassen sie sich treffend erneut auf eine Verleihung des deutschen Verdienstordens anwenden. 

Kommende Woche sollen die ehemaligen Präsidenten des Robert-Koch- und Paul-Ehrlich-Institutes, Lothar Wieler und Klaus Cichutek, von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet werden. Beide hatten in der Pandemiezeit die zwei wichtigsten Gesundheitsbehörden geleitet und mit ihrer Arbeit entscheidend zur Pandemiepolitik beigetragen. Beide zeigen bis heute keine Reue. 

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Mikrobiologe und Tierarzt Wieler hatte als RKI-Chef damals zahlreiche Pressekonferenzen zur aktuellen Corona-Lage gehalten und die Bundesregierung bei Ihren Entscheidungen beraten. Biochemiker Cichutek war als Vorsitzender der zentralen Impfstoffbehörde Deutschlands vor allem als Seelentröster bei Sorgen rund um die Corona-Impfstoffe aufgetreten. 

„Gesundheit von Millionen Menschen höheres Gut als der Schutz Einzelner“

Nun werden die Ex-Chefs vom Bundespräsidenten für diese Tätigkeit geehrt – und wie schon bei Merkel nimmt man diese Entscheidung wie blutleer hin, fassungslos, genervt, indifferent. Immerhin sind die Wunden, die diese beiden Herren bei einem Teil der Bevölkerung hinterlassen haben, inzwischen bei vielen wieder verheilt. Vielleicht jucken sie noch ein bisschen, wenn einmal die Erinnerung an die Pandiemiejahre zurückkommt. 

„Wäre eine Impfpflicht nicht ein schwerer Eingriff in das Recht auf körperliche Unversehrtheit?“, fragte der Spiegel Lothar Wieler im Dezember 2021, wenige Tage nachdem der Bundestag die einrichtungsbezogene Impfpflicht beschlossen hatte und Diskussionen über eine allgemeine Impfpflicht hochkochten. „Ich persönlich denke, dass Leben und Gesundheit von Millionen Menschen ein höheres Gut sind als der Schutz Einzelner vor einer Injektion“, antwortete der Mediziner damals. Ein Satz, den Honecker nicht besser hätte formulieren können. 

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Die Omicron-Welle, so erklärte Wieler weiter im Interview, müsse flach gehalten werden. Wie das gehe, fragte der Spiegel. „Indem wir impfen, impfen, impfen, konsequent Masken tragen, Kontakte beschränken, Großveranstaltungen absagen, Hotspots wie Klubs schließen, kontrollieren, ob die 2G-Regeln eingehalten werden, zum Beispiel in Restaurants.“ Es sind Worte, die weit weg wirken, jedoch in einer Art Flashback-Reaktion den Puls wieder steigen lassen. 

Wofür wird so ein Mann ausgezeichnet? Ein Mann, der spätestens damit bekannt wurde, dass er Anfang 2022 quasi im Alleingang – ohne Abstimmung mit Gesundheitsminister Lauterbach – entschied, den Genesenenstatus von sechs auf drei Monate zu verkürzen und damit quasi über Nacht zahlreichen Personen ihren 2G-Status entzog. Ein Mann, der Anfang Dezember 2021 im The Pioneer Briefing schamlos behauptete, „die wesentlichen Treiber“ der damaligen Corona-Welle seien die Ungeimpften; der nur weniger Tage später gegenüber dpa erklärte: „Wir dürfen denen, die sich nicht impfen lassen, wirklich nicht die Chance geben, die Impfung zu umgehen, zum Beispiel, indem sie sich freitesten lassen.“ 

Versagen bei Erfassung von Impfnebenwirkungen

Welchen Verdienst hat dieser Mann erbracht? Ebenso Cichutek. Ein Herr, der weniger Menschen bekannt sein dürfte, der aber nicht weniger zu verantworten hat, als das beispiellose Versagen des Paul-Ehrlich-Instituts bei der Erfassung und Auswertung der zahlreichen Meldungen von Impfnebenwirkungen. Wie Apollo News bereits berichtete, legten ehemalige Mitarbeiter des Institutes im Corona-Untersuchungsausschuss des Brandenburger Landtags offen, dass der Großteil der Meldungen bis heute nicht ausgewertet wurde – Grund sei ein technischer Fehler bei der Datenübertragung gewesen. 

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Die auch von Cichutek viel propagierte Sicherheit der Corona-Impfung steht dadurch auf sehr wackeligem Boden. Denn wie will man die Sicherheit eines Stoffes versprechen, wenn man sich noch kein Bild von den gemeldeten Nebenwirkungen gemacht hat? Und trotz dieser unfassbaren Verfehlungen, trotz dieser unverzeihlichen Worte und Taten, werden die beiden Herren in der nächsten Woche das rot-goldene Kreuz des Bundespräsidenten in der Hand halten. Die versammelte Menge im Schloss Bellevue wird klatschen und bei Kanapees und Sekt darüber sprechen, wie schlimm alles gelaufen wäre in der Pandemie, hätten diese zwei Männer nicht das Ruder fest in der Hand gehalten. 

Doch egal, mit wie viel Gold und Orden diese zwei Männer behangen werden – ein großer Teil der Bevölkerung wird nie vergessen, was sie in den Pandemiejahren tatsächlich getan haben, wie viel Leid sie verantworten müssen. Ehrenwert wäre, wenn Wieler und Cichutek sich kritisch mit dieser Zeit auseinandersetzen würden, vielleicht hier und da einen Fehler zugeben könnten. Aber dazu wird es wohl nicht kommen. Mit dem Gold an der Brust kommt wohl auch das Vergessen. 

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