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Blackout an der Nordseeküste: Was Windkraft mit dem Stromausfall zu tun haben könnte

Die genaue Ursache des Stromausfalls an der schleswig-holsteinischen Küste ist noch nicht aufgeklärt. Doch die Verantwortlichen versichern: Mit der Energiewende habe er nach bisherigen Erkenntnissen nichts zu tun. Das ist höchstens die halbe Wahrheit.

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Setzen das Stromnetz unter Stress: Windkraftanlagen bei Heide in Schleswig-Holstein. (IMAGO/Daniel Reinhardt)

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Beschädigte Ladekabel, geschmolzene Schaltschränke, defekte Kühlschränke: Die Folgen des Stromausfalls an Schleswig-Holsteins Westküste sind gravierend. Bis zu 40.000 Haushalte waren am Sonntag plötzlich ohne Strom, nachdem ein Fehler im 110-Kilovolt-Hochspannungsnetz eine Überspannung ausgelöst und mehrere Umspannwerke abgeschaltet hatte.

Der Strom floss nach wenigen Stunden wieder, doch die Schäden sind enorm. Denn die Überspannung war so heftig, dass Sicherungen durchschmorten, Steckdosen brannten und Elektrogeräte zerstört wurden. „Alle Bereiche sind kunterbunt betroffen – bei einem ist es die Heizung, bei anderen der Geschirrspüler“, klagt der Bürgermeister einer betroffenen Gemeinde im NDR.

In Schafstedt zum Beispiel fielen die Heizungen in drei Seniorenwohnanlagen mit insgesamt 20 Wohnungen aus. Zudem geriet ein Wohnhaus infolge der Überspannung in Brand. Im Alltag sind die Folgen des Blackouts weiterhin zu spüren. Es fehlen Elektriker, um alle Schäden schnell zu reparieren. In den Supermärkten fallen Kühl- und Gefriergeräte aus, sodass das Lebensmittelangebot eingeschränkt bleibt.

Unterdessen läuft die Suche nach der Ursache des Stromausfalls – bislang ohne eindeutiges Ergebnis. Als möglicher Auslöser stand zunächst ein beschädigter Strommast im Raum Itzehoe im Verdacht. Eine Analyse ergab laut dem Netzbetreiber SH Netz jedoch, dass ein einzelner defekter Mast eine derartige Kettenreaktion nicht auslösen könne. Dann geriet ein beschädigtes Leiterseil in Verdacht. Dieses habe man ebenfalls im Raum Itzehoe entdeckt.

Die Innenministerin von Schleswig-Holstein, Magdalena Finke, spekulierte schnell über einen möglichen Anschlag: „Das kann ein technischer Defekt sein. Das kann aber auch, haben wir auch in anderen Bundesländern gesehen, das kann auch eine hybride Bedrohung sein“, sagte sie am Montag nach dem Stromausfall im NDR. Die Christdemokratin spielte damit auf Vorfälle wie in Berlin Anfang des Jahres an, als mutmaßliche Linksextremisten mit einem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke im Südwesten Berlins zehntausende Haushalte tagelang von der Stromversorgung trennten.

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Doch dieser Verdacht hat sich nicht erhärtet. Es lägen bisher keine konkreten Hinweise auf einen Anschlag als Ursache des großen Stromausfalls vor, teilte SH Netz am Donnerstag mit. Die Spezialisten des Netzbetreibers hätten unter anderem Drohnen eingesetzt, festgestellte Beschädigungen an Netzbauteilen untersucht und die Stromflüsse und Spannungszustände während des Störungsereignisses über die Daten der Netzleitstelle analysiert. „Die bisherigen Untersuchungsergebnisse deuten darauf hin, dass mehrere technische Umstände zusammengewirkt haben könnten. Die genaue Ursache und die Abfolge der Ereignisse sind jedoch weiterhin Gegenstand der Untersuchungen.“

Das deutsche Stromnetz, das jahrzehntelang zu den sichersten und stabilsten der Welt zählte, ist grundsätzlich so aufgebaut, dass der Ausfall einer Komponente durch andere ausgeglichen werden kann. Deshalb ist es sehr wahrscheinlich, dass an diesem Sonntag mehrere Probleme im betroffenen Netzgebiet zusammenkamen. Eines, das in der öffentlichen Diskussion bisher kaum eine Rolle spielt, nennt sich Energiewende.

Schleswig-Holstein ist vergleichsweise dünn besiedelt und hat kaum Industrie, dafür aber sehr viele Windkraftanlagen. Das führt je nach Wetter zu Stress im Netz: Viel zu viel Stromerzeugung trifft auf geringe Nachfrage. Am vergangenen Sonntag wurde im betroffenen Landkreis Dithmarschen zeitweise etwa fünfmal so viel Windstrom produziert, wie die Region selbst verbrauchte. Der überschüssige Strom musste über das Netz in andere Regionen abtransportiert werden.

Auf diesen Zusammenhang weist auch der Energieexperte und Energiewende-Kritiker Fritz Vahrenholt im Gespräch mit Apollo News hin. Er vermutet, dass die hohe Einspeisung und der damit verbundene Transportbedarf die Leitungen stark beansprucht haben könnten. Er verwies darauf, dass der überschüssige Windstrom teilweise über eine 110-Kilovolt-Leitung abtransportiert werden müsse. Diese sei seiner Einschätzung zufolge möglicherweise bereits stark ausgelastet gewesen.

Davon will man im zuständigen Landesministerium nichts wissen. „Die Stromeinspeisung in Schleswig-Holstein zeichnet sich grundsätzlich durch einen hohen Anteil erneuerbarer Energien aus“, teilte das von dem Grünen-Politiker Tobias Goldschmidt geführte Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur Apollo News mit. Der Umgang mit hohen Einspeisungen aus erneuerbaren Energien sei für die Netzbetreiber ein fester Bestandteil des regulären Netzbetriebs. „Dem Ministerium liegen keinerlei Erkenntnisse zu einem ursächlichen Zusammenhang des Stromausfalls mit einer hohen Einspeisung Erneuerbarer Energien vor.“

Ähnlich äußerte sich auch der Netzbetreiber SH Netz, ein teilstaatliches Unternehmen, das mehreren Kommunen und dem Eon-Konzern gehört. Doch gleichzeitig verweist er darauf, dass die Ursachenforschung noch nicht abgeschlossen sei: „Aufgrund der hohen Komplexität des Themas sind weitere Analysen durch externe Gutachter erforderlich, um belastbare Erkenntnisse zu gewinnen.“

Auf Nachfrage von Apollo News teilte SH Netz mit, dass der Netzbetreiber vor dem Stromausfall Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien abregeln ließ. Solche sogenannten Redispatch-Maßnahmen sind notwendig, wenn das Stromnetz durch ein Überangebot überlastet ist. Innerhalb der 24 Stunden vor der Störung seien rund 370 steuerbare Ressourcen betroffen gewesen. „Im genannten Zeitraum wurden im Rahmen der Redispatch-Maßnahmen in der Spitze rund 523 Megawatt abgeregelt.“ Das entspricht etwa der Leistung eines großen Gas- oder Kohlekraftwerks.

Auch wenn sich nach Abschluss der Untersuchungen wirklich kein Hinweis darauf ergeben sollte, dass das hohe Windkraftangebot bei geringer Nachfrage eine Ursache des Stromausfalls war, wie Schleswig-Holsteins Energiewende-Ministerium und der Netzbetreiber derzeit betonen, so bleibt doch eines klar: Das Stromnetz ist durch die stark schwankende Erzeugung der Windkraft- und Solaranlagen, die sich nur nach dem Wetter und nicht nach dem Bedarf richtet, viel anfälliger geworden.

Im Vor-Energiewende-Zeitalter mit wenigen Großkraftwerken – die dort gebaut wurden, wo sie gebraucht wurden, verlässlich Strom lieferten und das Netz mit der Trägheit ihrer großen Turbinen stabilisierten – konnten Störfälle einfacher ausgeglichen werden. Heute ist die Arbeit der Netzbetreiber viel komplizierter. Sie müssen mit immer mehr Eingriffen dafür sorgen, dass Erzeugung und Verbrauch in jedem Moment deckungsgleich sind.

Hinzu kommt, dass die Stromleitungen nun viel größere Mengen an Energie über viel weitere Strecken als früher transportieren müssen. Und das historisch gewachsene Netz ist schlichtweg nicht für die enormen Lasten ausgelegt, die ihm die Energiewende über die letzten Jahre auferzwungen hat. Die unbeständige, planlose Energieproduktion von Windkraftanlagen und Photovoltaikzellen führt dazu, dass gigantische Strommengen permanent quer durch ganz Deutschland verteilt werden müssen. Das setzt die Infrastruktur einer Dauerbelastung aus, für die sie nie gebaut wurde.

Der Stress, unter dem das deutsche Stromnetz steht, ist schon jetzt enorm und wird weiter wachsen. Denn der massive Ausbau dieser Lebensadern einer Industrienation, den die Politik seit Jahren als Lösung der Energiewende-Probleme verspricht, kommt nur schleppend voran und verschlingt Milliarden. Der Stromausfall an der Nordseeküste wird nicht der einzige bleiben.

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2 Kommentare

  • … bisher keine konkreten hinweise auf anschlaege….

    nur gut, dass die ministerin das thema putin unterschwellig schonmal unters volk gebracht hat.

    soetwas bleibt eher in den koepfen haengen, als trockene, technische erklaerungen fuer das versagen.

    fall geloest.
    bitte weitergehen.

  • Immerhin schickt der Wind keine Rechnung, also ist alles umsonst, so wie die Idiotenführer erzählen.

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