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Ethikratsvorsitzende

Alena Buyx: Coronakrise sei von „Antidemokraten“ ausgenutzt worden

Die Impfung, die uns „den Hintern gerettet“ hat, soll auch weiter verabreicht werden, meint Alena Buyx in einem Interview. Die Vorsitzende des Ethikrats zeigt keine Einsicht bei der Bewertung der Coronajahre, lässt Kritik ungeachtet abprallen.

republica GmbH, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

„Die Impfung hat uns, mit Verlaub, allen den Hintern gerettet“, meint Alena Buyx in einem aktuellen Interview mit der Neue Osnabrücker Zeitung. Die Vorsitzende des deutschen Ethikrats hat seit fast vier Jahren nur ein Lieblingsthema: die Impfung. Leider seien in der Coronazeit „gesellschaftliche Bruchstellen“ offenbart worden, beispielsweise zunehmende Wissenschaftsskepsis und auch sinkendes Vertrauen in die Wirkstoffe, meint sie. Aber auch das Vertrauen in Regierungsinstitutionen habe arg gelitten.

Die Menschen seien sich zwar uneinig, nicht jedoch „gespalten“. „Aber wir haben Spaltungsphänomene, die sich weiter fortsetzen“, behauptet die 46-Jährige, spricht im Folgenden aber vor allem von „verschwörungsideologischen Erzählungen“ – verurteilt kritische Stimmen also grundsätzlich, wenn sie sagt: „Die Krise ist auch von Demokratieskeptikern ausgenutzt worden, die ganz gezielt versuchen, das Vertrauen in den Staat zu erschüttern, mit dem Ziel, die Demokratie zu schwächen.“ Dennoch seien die „Antidemokraten“ nur eine Minderheit geblieben, das dürfen man „nie vergessen“.

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Aber das sei nicht nur ein Phänomen der letzten Jahre, die Zeit der Verschwörungsideologen sei keinesfalls vorbei, „oh nein“, meint Buyx. Auch in aktuellen Konflikten, etwa in der Ukraine, der Energie- und Klimakrise „und den anderen Krisen“ – hier nennt Buyx ausnahmsweise einmal die Inflation – setze sich verschwörerisches Gedankengut fort.

Dem wollte Buyx während der Pandemie nach eigener Auffassung aufklärerisch entgegentreten, allerdings wollte sie ihre „Rolle nicht überhöhen“. Sie sei froh, dass sie während dieser Zeit nur beraten habe und nicht selbst entscheiden musste. Buyx benutzt zwar nicht das Wort „belehren“, demagogische Grundzüge weisen die Ausführungen der Medizinethikerin dennoch auf. Die populäre Sängerin Taylor Swift singt in einem ihrer Songs von einem versteckten Narzissmus, den man hinter dem Vorhang des Altruismus versteckt. Wie passend.

Buyx fordert weitere Impfungen und vergisst, dass nicht vergessen wird

Buyx also habe versucht, die komplexen Abwägungsvorgänge in einer pandemischen Situation zu erklären und auch denen anschaulich zu machen, die es nicht verstehen wollten. Ihr Lieblingsthema: Die Impfung. Der Ethikrat billigte die einschränkenden Entscheidungen der Bundesregierung, etwa bei der Impfpflicht im Gesundheitswesen, und ließ nur hie und da mal ein Pseudo-Alibi verlauten, man solle doch zum Beispiel an die Gesundheit der Jugendlichen und Kinder denken. Solche Sätze fußten meist aber nicht einmal auf ethischen Bedenken, sondern logistischen Entscheidungsfindungen, wie Buyx im Interview mit der NOZ zeigt. Die Ethikratsvorsitzende spricht über die komplexen Abwägungsprozesse, benennt dabei aber nur eine Entscheidungsfindung wörtlich: „Wer kriegt eigentlich als Erstes den knappen Impfstoff“?

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Mit dieser Aussage wird einmal mehr deutlich: Buyx hat oder möchte nicht verstehen, was alleinig die Existenz des Impfstoffes in den Köpfen von hinterfragenden Menschen auslöste und dass die Pandemiejahre zu gravierenden psychischen Veränderungen in unserer Gesellschaft führten. Genau das sollte der Ethikrat bemängeln und aufarbeiten – aber nein, lieber hofierte man die Impfentscheidungen der Bundesregierung und bewarb die Injektion der Vakzine. Und wie ist das heute? „Die Leute, für die das empfohlen ist, sollten sich mal wieder impfen lassen“, sagt sie. Chance vertan.

Aber Fehler sind menschlich. Buyx weiß, „was man da alles mitbedenken muss, ist furchtbar komplex. Manchmal denke ich, das ist schon wieder vergessen.“ Sehr geehrte Frau Buyx, viele mündige Bürger haben nicht vergessen. Das beweisen auch die Stimmen vieler Geimpfter, die mittlerweile zumindest Kritik an den Corona-Einschränkungen und dem Impfdruck äußern. Niemand wünscht sich diese Zeit zurück – vergessen wird jedoch nichts.

Da wären beispielsweise die begeisterten Ausführungen von Buyx über die auf mRNA basierende Impfung, die ja „ein edles Verfahren“ sei, weil die mRNA an der Einstichstelle verweilen und sich innerhalb von zwei Wochen auflösen würde. Buyx hat komplizierte Details tatsächlich einfach greifbar gemacht – lag mit ihrer Schlussfolgerung letztlich aber daneben. Mehrere Studien konnten mRNA bis zu sechs Monate nach der Injektion im ganzen Körper, teilweise sogar im Herz, nachweisen.

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„Ich lese das selbst übrigens nicht“

Buyx widerspricht der hier dargelegten Sichtweise, der Ethikrat hätte die Entscheidungen der Bundesregierung stillschweigend mitgetragen. So wäre man bei der Abstimmung über eine mögliche Immunitätsbescheinigung in zwei gleich große Lager gespalten gewesen. Letztlich wurde die Einführung einer Immunitätsbescheinigung im September 2020 abgelehnt – aber nicht, weil man damit die Menschen in zwei Schubladen unterteilt hätte, sondern wegen der „zweifelhaften Verlässlichkeit“ der frei verkäuflichen Covid-Tests. Aber daran erinnert sich Alena Buyx wohl nicht, wenn sie sagt, der Ethikrat habe „die gesellschaftlichen Konflikte also ein Stück weit abgebildet“.

Den Produzenten von impfkritischen Inhalten im Internet wirft sie außerdem vor, einseitig und teilweise gar „bösartig“ berichtet zu haben. Aber sie habe gelernt, mit Shitstorms umzugehen. „Man geht da durch ein Tal und dann gewöhnt man sich daran. Ich lese das selbst übrigens nicht und halte mich davon fern“, erläutert sie. Vielleicht erklärt das, warum Buyx auch angebrachte Kritik kaum bis gar nicht wahrnimmt.

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