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Nvidia-Chef zeigt Merz, woran Europas KI-Politik scheitert

Offenbarungseid des Bundeskanzlers: Auf dem „Invest in Germany“-Gipfel in Berlin fordert Friedrich Merz einen Regulierungsrahmen für künstliche Intelligenz, bevor sie hierzulande überhaupt wirtschaftlich Fuß fassen konnte. Bei Nvidia-Chef Jensen Huang löst dieser beinharte Etatismus glattes Entsetzen aus.

Bundeskanzler Friedrich Merz und Nvidia-Chef Jensen Huang beim Auftakt des „Invest in Germany“-Gipfels in Berlin. (IMAGO/dts Nachrichtenagentur)

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Reizthema künstliche Intelligenz. Nicht wenige sehen in ihr den wahren „Gottseibeiuns“, eine Technologie zur Errichtung des digitalen Überwachungsstaates. Optimisten erwarten dagegen eine umwälzende technologische und wirtschaftliche Revolution – vergleichbar mit der Erfindung der Dampfmaschine oder dem Beginn des Industriezeitalters.

Der erste „Invest in Germany“-Gipfel in Berlin stand ganz im Zeichen dieser noch jungen Technologie, bei deren Entwicklung Deutschland bislang weit hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Die Gründe sind vielfältig: Da wären zum einen die turmhohen Energiekosten, die den Stromhunger der KI-Infrastruktur zu einem erheblichen Standortnachteil machen. Zum anderen wäre da ein ausufernder Regulierungsrahmen, gesteuert aus Brüssel, abgesegnet von Berlin.

Für Friedrich Merz scheint darin kein grundsätzlicher Widerspruch zu liegen. Der Kanzler forderte im Gespräch mit Nvidia-Chef Jensen Huang am Montagabend eine zumindest europäische, am besten globale Regulierung künstlicher Intelligenz. Was Merz dabei ausblendete: Europa hat bei der Entwicklung führender KI-Technologien den Anschluss an die amerikanische und chinesische Konkurrenz weitgehend verloren. Dennoch soll es am europäischen Regulierungsrahmen ganz bestimmt nicht mangeln, möchte man meinen.

Huang ließ im unmittelbaren Zwiegespräch mit Merz keinen Zweifel daran, was er von einer Regulierung hält, die der technologischen Entwicklung vorauseilt. Ohne Technologie, so Huang, gebe es schlicht nichts zu regulieren. Sicherheit entstehe nicht durch politische Absichtserklärungen, sondern durch technische Entwicklung und praktische Erfahrung. Erst müssten Anwendungen und entsprechende Sicherheitsverfahren entwickelt werden, bevor sich sinnvolle regulatorische Standards festlegen ließen.

Regulierung als Wettbewerbsnachteil

Dahinter steckt ein entscheidender Gedanke: Wer eine Technologie reguliert, deren wirtschaftliche Möglichkeiten noch gar nicht absehbar sind, läuft Gefahr, Innovationen bereits im Ansatz zu verhindern. Besonders für junge Unternehmen kann ein umfangreicher Regulierungsrahmen zum Problem werden. Während große Konzerne eigene Rechtsabteilungen unterhalten, müssen Gründer ihre knappen finanziellen Mittel für die Einhaltung immer neuer Vorschriften aufwenden.

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Mit Fördermitteltöpfchen und gutem Zureden entsteht jedenfalls keine Gründerlandschaft. Dies gilt erst recht für einen Wirtschaftsraum, der freies Unternehmertum mit hohen Steuern, bürokratischen Hürden und erheblichen regulatorischen Unsicherheiten belastet.

Zuvor hatte Huang Deutschlands technologisches Potenzial hervorgehoben. Gerade Deutschland verfüge über außergewöhnliche technische Fähigkeiten, hochqualifizierte Fachkräfte und eine starke industrielle Basis. Es müsse dieses Potenzial nur endlich konsequent nutzen. Denn die Verbindung von künstlicher Intelligenz und klassischem Ingenieurswissen könnte für die deutsche Wirtschaft eine gewaltige Chance darstellen.

Irgendjemand hätte den Amerikaner im Vorfeld der Veranstaltung auf die hiesigen Standortbedingungen hinweisen können. Im Verbund mit den Energiekosten, den regulatorischen Belastungen und den Problemen des Bildungssystems erscheint Deutschlands technologischer Rückstand gar nicht mehr so überraschend. Entscheidend ist schließlich nicht allein, wo neue Technologien erforscht werden, sondern auch, wo aus ihnen wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen entstehen.

Huang lieferte damit eine bemerkenswerte Kritik an der zögerlichen europäischen Technologiepolitik. Regulieren sollte man vor allem konkrete Anwendungen, nicht vorsorglich jede denkbare Entwicklung einer Technologie. Zwar verfolgt auch der europäische AI Act einen risikobasierten Ansatz, doch reichen seine Vorgaben teilweise bis zur Entwicklung allgemeiner KI-Modelle. Die damit verbundenen Kosten können gerade kleinere Anbieter belasten und den Markteintritt erschweren.

Zwei grundverschiedene Vorstellungen von Fortschritt

Das Zwiegespräch zwischen Kanzler und Konzernboss wirkte stellenweise wie der Aufprall zweier Universen. Hier der europäische Regulierungsanspruch, der neue Technologien möglichst umfassend kontrollieren möchte. Auf der anderen Seite ein Unternehmer, der Innovation als Voraussetzung wirtschaftlichen Fortschritts begreift und Regulierung an den praktischen Risiken konkreter Anwendungen ausrichten will.

Natürlich weist auch das amerikanische System ein erhebliches Maß an Korporatismus auf, mit zu viel Kumpanei zwischen Großkonzernen und politischer Führung. Dennoch: In den USA gibt man neuen Technologien und ihren Entwicklern grundsätzlich mehr Raum zur wirtschaftlichen Entfaltung. Das Kapital folgt diesen Bedingungen. Wer hohe Kosten und rechtliche Unsicherheiten schafft, muss damit rechnen, dass Unternehmen andernorts investieren.

Im Übrigen: Ist es nicht bezeichnend für die Situation der deutschen Politik, dass Digitalminister Karsten Wildberger zuletzt bereits eine Besteuerung hoher KI-Umsätze ins Spiel brachte? Zwar stellte er später klar, dass zunächst Wachstum und Wertschöpfung entstehen müssten. Doch schon die Debatte zeigt, wie schnell hierzulande über die Verteilung wirtschaftlicher Erträge gesprochen wird, die erst noch erwirtschaftet werden müssen.

Dabei wäre die Reihenfolge eigentlich selbstverständlich: Zunächst müssen Unternehmen entstehen, Technologien entwickelt und Investitionen ermöglicht werden. Erst auf dieser Grundlage wächst auch das Steueraufkommen. Wer dagegen bereits über zusätzliche Belastungen nachdenkt, bevor sich eine international wettbewerbsfähige Industrie etabliert hat, setzt die falschen Prioritäten.

Der Kontrast zwischen Europa und den USA bleibt frappierend. Hier eine defensive Haltung gegenüber neuer Technologie, geprägt vom Wunsch nach möglichst umfassender Kontrolle. Dort der Mut, Neues zu wagen und unternehmerisches Risiko als notwendige Voraussetzung wirtschaftlichen Fortschritts zu akzeptieren. Es ist eine unterschiedliche Geisteshaltung, die langfristig über die Wettbewerbsfähigkeit ganzer Volkswirtschaften entscheiden kann.

Man stelle sich vor, die Menschheit hätte jede große Innovation von vornherein mit einem derartigen Misstrauen behandelt: die Dampfmaschine, die Fließbandfertigung, den Computer oder gar das Internet. Technologischer Fortschritt bringt immer Risiken mit sich. Wer jedoch versucht, sie schon vor der Entwicklung einer Technologie vollständig auszuschließen, verhindert womöglich gerade jene Innovationen, aus denen neuer Wohlstand entstehen könnte.

Europa droht im Namen von Sicherheit und Fürsorge ein technologisches Hinterwäldlertum zu kultivieren, das am Ende vor allem der eigenen Bürokratie nutzt. Die entscheidenden Innovationen entstehen dann anderswo. Hierzulande bleibt die Verwaltung ihrer Folgen. Ein schauriges Geschäftsmodell.

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18 Kommentare

  • Geil. XD

    „Wie kann man KI regulieren?“

    „Man kann nur regulieren was man hat“

    XD

  • WEB.de: Polnische Firmen kaufen sich im kriselnden Deutschland ein.
    WELT: Deutschland im Abstieg: Der beispiellose Niedergang eines einstigen Musterlandes.

  • „Bill Gates fing in einer Garage an. In Deutschland wäre er damit schon an der Gewerbeaufsicht gescheitert.“
    – Roman Herzog

  • „Die deutsche Regulierungswut zwängt Ideenreichtum und Kreativität in ein Korsett.“
    – Helmut Thoma

  • „… bei deren Entwicklung Deutschland bislang weit hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.“ Nein, der Zug ist abgefahren.

  • Kein Problem, Merz hat Investitionen von 228 Mrd reingeholt, wenn es 228 Millionen werden, wäre ich positiv überrascht…

  • Es scheint, dass Merz da keine gute Figur gemacht habe als Verlierer, trotz all seiner Erfahrung.

    • Welche Erfahrung?

      • Vielleicht mit dem Koalitionspartner.

  • Naja, mit einem wie Huang oder auch Musk über eine Regulierung zu sprechen ist wie den Teufel nach Weihwasser zu fragen. Natürlich wollen die keinerlei Regulierungen. Das will die Wirtschaft nie. Es geht da nur um Profit und Macht.
    Geht allerdings etwas in die Hose und der Laden den Bach runter wird natürlich wieder nach dem Staat geflennt und um Hilfe gebeten, dann ist der wieder gut genug. 😀

  • Staatsratsvorsitzender Miedrich Ferz: Deutschland ist ein Auswanderungsland!

  • Alles gesagt an was unsere Wirtschaft krankt.

  • Zunächst bräuchte man eine sichere Stromversorgung. Ich habe mal gehört dass Rechenzentren auch nachts laufen sollen, auch dann wenn sie gehackt worden sind um gefälschte e mails zu plazieren….Mit Windrädern alleine wird das wohl nichts. Die einzig sichere und unabhängige Stromversorgung ist in Deutschland mittlerweile die Braunkohle, aber das soll ja beendet werden und die Gruben sollen geflutet werden damit da nie wieder was genutzt werden kann. Wir werden wohl von französischem atomstrom und polnischem Kohlestrom abhängig sein. Das ist die Zukunft wenn die AFD nicht rechtzeitig eine Rückkehr zur Vernunft durchsetzen kann.

    • Vernunft und AfD in einen Satz zu packen… 😀 Genau mein Humor!

  • Wer künstliche Intelligenz regulieren will, versucht damit natürliche Intelligenz zu regulieren und zu verhindern. Kann man etwas regulieren was man nicht hat?

  • Gegen chronische Beratungsresistenz hilft auch eine KI nicht …

  • Daran sieg

  • bei jedem einzelnen der auftritte des herrn merz frage ich mich was er bei blackrock eigentlich gemacht hat.
    aber wer weiss, vielleicht gibt es ja eine zweite firma black rock von der ich nichts weiss wo man sich damit beschäftigt inkompetenz und dilletantismus zu betreiben.

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