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Kunstausstellung

„Schwieriger Balanceakt“: Deutscher Kulturrat hält antisemitische Vorfälle bei der documenta 16 für wahrscheinlich

Vor der documenta 16 hat der Deutsche Kulturrat vor erneuten antisemitischen Vorfällen auf der Kunstausstellung gewarnt. Wolle man die Kunstfreiheit nicht einschränken und Werke nicht zensieren, seien diese auch künftig denkbar.

Sorgte in der Vergangenheit mit antisemitischen Vorfällen für Aufsehen: die documenta, weltweit bedeutendste Ausstellungsreihe für zeitgenössische Kunst (IMAGO/Hartenfelser)

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Ein Jahr vor Beginn der „documenta 16“ in Kassel hält der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, erneute antisemitische Vorfälle bei der weltbekannten Kunstausstellung für möglich. Antisemitismus lasse sich auf der documenta „nicht grundsätzlich verhindern“, sagte Zimmermann dem Evangelischen Pressedienst. Wollte man antisemitische Vorfälle vollständig verhindern, „müsste man die Kunstfreiheit einschränken oder Zensur einführen – und das wollen wir ja nicht“, erklärte der Geschäftsführer des in Berlin ansässigen Dachverbands der deutschen Kulturbranche.

Zimmermann reagierte damit auf die anhaltende Debatte um den Umgang mit antisemitischen Darstellungen bei der vergangenen Ausgabe der Kunstausstellung. Die im Jahr 2022 unter der Leitung des indonesischen Künstlerkollektivs „ruangrupa“ durchgeführte documenta 15 war international in die Kritik geraten, nachdem auf mehreren Werken eindeutige antisemitische Bildsprache und israelfeindliche Motive entdeckt worden waren.

Besonders heftige Proteste hatte ein großformatiges Banner des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi ausgelöst, auf dem unter anderem Figuren mit stereotypen antisemitischen Darstellungen zu sehen waren. Das Werk wurde zunächst verhüllt und später entfernt.

Darüber hinaus entfachten weitere Exponate und Filmvorführungen Debatten über Israel-Bezüge, die Haltung einzelner Künstler zur antiisraelischen BDS-Bewegung („Boykott, Desinvestition und Sanktionen“) sowie die Frage, ob Verantwortliche antisemitische Inhalte im Vorfeld ausreichend geprüft hatten.

Der damaligen künstlerischen Leitung wurde vorgeworfen, Warnhinweise ignoriert und auf öffentliche Kritik zu spät reagiert zu haben. Die Kontroverse löste bundesweit Diskussionen über Antisemitismus im Kulturbetrieb, Kunstfreiheit und staatliche Verantwortung aus.

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Zimmermann machte nun deutlich, dass sich ein vollständiger Ausschluss antisemitischer Vorfälle bei einer international kuratierten Großausstellung kaum garantieren lasse. Kunstfreiheit gehe immer auch mit Risiken einher. Aus seiner Sicht liege der Fokus aber ohnehin woanders. Mit Blick auf die documenta 15 sagte Zimmermann: „Die entscheidendere Frage ist für mich deshalb nicht, ob so etwas noch einmal vorkommen kann, sondern: Wie geht man dann damit um?“

Zudem seien aus den Ereignissen der vergangenen documenta die richtigen Konsequenzen gezogen worden. „Ich glaube, da wird schon einiges getan, und das ist positiv“, betonte Zimmermann. Inzwischen gebe es eine deutlich höhere Sensibilität für antisemitische Inhalte sowie neue Kontroll- und Beratungsstrukturen – etwa einen „Code of Conduct“ genannten  Verhaltenskodex.

Dieser sieht vor, „Antisemitismus, Rassismus und jedweder anderen Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit aktiv entgegenzutreten“, gilt aber lediglich für die Mitarbeiter der Kunstausstellung und nicht für die dort ausstellenden Künstler.

Die Verantwortlichen der documenta 16 hatten bereits angekündigt, stärker auf Transparenz und Prävention setzen zu wollen. Die kommende Ausgabe der alle fünf Jahre durchgeführten Ausstellung wird im Sommer 2027 in Kassel stattfinden. Erstmals wird die amerikanische Kuratorin Naomi Beckwith die künstlerische Leitung übernehmen. Sie hatte in ersten Stellungnahmen angekündigt, den Fokus auf internationale Perspektiven, gesellschaftliche Konflikte und künstlerische Debatten zu legen.

Nach den Erfahrungen von 2022 steht die documenta unter besonderer Beobachtung. Insbesondere jüdische Verbände erwarten, dass antisemitische Inhalte frühzeitig erkannt werden und auf der documenta keinen Platz haben.

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12 Kommentare

  • Die Skandalproduktion ist hier Teil der Marketingstrategie. Weil sonst niemand merken würde, dass diese Veranstaltung überhaupt noch existiert.

  • Geduldeter Antisemitismus ist Bestandteil des Sozialismus.
    Ist Bestandteil des Faschismus,

  • Da bin ich doch einigermaßen erstaunt: Das Risiko von Antisemitismus ist also in Kauf zu nehmen, wenn er gegen ein „höheres Gut“ (hier Kunstfreiheit) abzuwägen ist, verstehe ich das so richtig?

    Meine Meinung: Entweder die Verantwortlichen dieses Zirkus sorgen dafür, dass dort Antisemitismus konsequent unterbunden wird, oder der Gesetzgeber hat dafür zu sorgen, dass die ganze Veranstaltung unterbunden wird.

    Klingt überzogen? Dann bitte statt der Kunstausstellung ein beliebiges anderes Ereignis vorstellen (folgendes ist nur beispielhaft zu verstehen):

    „Vor dem Karnevalszug 2027 äußerte sich der Kleinwuppner Karnevalsverein bezüglich befürchteter antisemitischer Vorfälle: Wolle man die Karnevalskultur nicht einschränken und Wagen nicht zensieren, seien diese auch künftig denkbar.“

  • Wenn der Begriff „Künstlerkollektiv“ fällt, ist der Sozialismus mit seinem Antisemitismus nicht weit.

  • Der Antisemitismus war nicht nur vor, sondern auch nach dem Holocaust links. Auch rechts, aber dort offener. Seit der Invasion ab 2015 tritt der Judenhass auch auf linker Seite offen auf und das immer häufiger ungeniert. Das Symbol der neuen Nazis ist nicht das Hakenkreuz, es ist das Pali-Tuch, sowie Hammer und Sichel.

  • Bei Kunstfreiheit ist man viel liberaler als bei Meinungsfreiheit.

    Antisemitische Hetze wird durch Kunstfreiheit gedeckt aber bei Kritik an Kinderbuchautoren oder Mofarockern schlägt die Staatsanwaltschaft brutal zu.

    Gab es eigentlich für Claudia Roth Konsequenzen wegen der antisemitischen Skandal-Documenta 2022?

  • Im Kulturbetrieb verurteilt man Antisemitismus selbstverständlich entschieden – allerdings erst nach drei Podien, vier Stellungnahmen und einer Arbeitsgruppe zur Definition des Begriffs.

    Bis dahin bleibt alles ein komplexer Diskursraum mit viel Doppeldeutigkeitstoleranz. Nur eine Sache gilt als wirklich unanständig: die klare Feststellung, dass Antisemitismus im Kunst- und Kulturbetrieb nichts verloren hat.

    Der ach so schwierige Balanceakt liegt darin, dass man die Judenhasser nicht gegen sich selbst aufbringen möchte.

    Das verkomplizieren einfacher Sachverhalte ist nichts anderes als Feigheit.

  • Was ist eigentlich „Antisemitismus“?!
    „Als Semiten werden (historische) Völker bezeichnet, die eine semitische Sprache sprachen oder sprechen. Semitische Sprachen sprechen heute insbesondere Araber, Mehrier, Israelis, Aramäer, Malteser sowie mehrere Sprachgruppen in Äthiopien und Eritrea.

    In verschiedenen pseudowissenschaftlichen Rassentheorien wurden die Juden als „Semiten“ bezeichnet, weil die Hebräer ein semitisches Volk seien.“

  • Antisemitismus hat nichts mit Kunstfreiheit zu tun … geschweige denn mit Kunst!

  • Antisemitismus ist Kultur, in meinen Augen Unkultur, aber das gilt für Heavy Metall, Schlager und den Islam ja auch.

  • Liebe Nachbarn, ihr müsst entscheiden, wen ihr lieben wollt.
    Der Skandal um die Namen weiterer Hitler-Anhänger, die von Präsident Wolodymyr Selenskyj zu ukrainischen Nationalhelden erklärt werden sollen, hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Die Berliner diplomatische Website „German Foreign Policy“ enthüllte, dass nach dem Nazi Andrij Melnyk nun auch der Nazi Jaroslaw Stecko die gleichen Ehren eines ukrainischen Staatsbegräbnisses auf dem Heldenfriedhof der Ukraine in Kiew erhalten soll.

    Jaroslaw Stecko gilt als Hitler-Anhänger par excellence. In seiner 1941 im Dritten Reich veröffentlichten Autobiografie schrieb er: „Moskau und das Judentum sind die Hauptfeinde der Ukraine und Träger korrupter bolschewistischer, internationalistischer Ideen … Deshalb befürworte ich die Vernichtung der Juden und die Zweckmäßigkeit der Übertragung deutscher Methoden des Judenextremismus auf die Ukraine, ohne deren Assimilation.“

  • Die Epsteinklasse spielt wieder die A-Karte.
    Mir kommen die Tränen 😂😂😂

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