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Deutsches Erdgas

Das Frackingverbot wackelt: Koalition will „heimische Gasvorkommen“ erschließen

CDU, CSU und SPD haben im Koalitionsausschuss beschlossen, heimische Gasvorkommen zu erschließen – eine Formulierung, die die Fracking-Debatte neu entfacht. Denn Deutschland sitzt auf bis zu 2.030 Milliarden Kubikmetern Schiefergas, das mit dieser Methode erschlossen werden könnte.

Fracking-Gas gegen Fracking-Angst: Deutschland lässt sich Erdgas aus den USA liefern, damit es die eigenen Vorräte im Boden lassen kann. (IMAGO/Jürgen Schwenkenbecher)

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Die schwarz-rote Bundesregierung hat im Koalitionsausschuss beschlossen, „ausgewählte heimische Gasvorkommen“ zu erschließen. So steht es im Ergebnispapier von Union und SPD, das am Montag veröffentlicht wurde. Wörtlich heißt es darin: „Dazu gehört auch die Nutzung heimischer Energiequellen, z. B. die Erschließung heimischer Gasvorkommen.“ Langfristig soll das Energieangebot ausgeweitet werden, um „die Abhängigkeiten im Energiebereich zu reduzieren“.

Mit dieser bewusst offen gehaltenen Formulierung stellt sich die Frage nach Fracking in Deutschland neu. Denn unerschlossene, heimische Erdgasvorkommen gibt es zum einen unter der Nordsee und zum anderen in Schiefergesteinsschichten, aus denen es nur mit der Fracking-Methode gewonnen werden kann. Doch dies ist bislang noch verboten.

Große Schiefergasvorkommen befinden sich laut der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, kleinere Mengen im Oberrheingraben und an der vorpommerschen Ostseeküste. Die BGR schätzt die technisch förderbaren Schiefergasmengen auf 320 bis 2.030 Milliarden Kubikmeter – so berichtete es Welt im Februar.

Der ehemalige BGR-Präsident Hans-Joachim Kümpel nennt gegenüber Welt einen realistischen Mittelwert von 800 Milliarden Kubikmetern: das Zwanzigfache der noch vorhandenen konventionellen Reserven. Jährlich könnten laut Kümpel bis zu 20 Milliarden Kubikmeter gefördert werden – ein Viertel des deutschen Gasbedarfs.

Bislang bleibt dieses Potenzial ungenutzt, mit spürbaren Folgen: Der Großteil des in Deutschland verbrauchten Erdgases wird importiert. Nach Angaben der Bundesnetzagentur deckte Norwegen im Jahr 2025 rund 48 Prozent des deutschen Gasbedarfs, etwa ein Viertel der Importe kam aus den Niederlanden, weitere 18 Prozent wurden über Belgien geliefert. Der Anteil von Flüssigerdgas (Liquefied Natural Gas, LNG) lag bei etwa zehn Prozent, wobei der Großteil aus den USA stammte. Und dort wird das Erdgas vor allem mit der in Deutschland verbotenen Fracking-Methode gefördert.

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Kümpel brachte es in der Welt auf den Punkt: Man mache sich „abhängiger von Lieferländern und deren Förderstandards, auf die wir keinen Einfluss haben. Und wir verkaufen das als vernünftig, obwohl wir uns damit selbst teurer und verwundbarer machen.“ Die Konsequenzen zeigten sich bereits im zu Ende gehenden Winter: Mitte Februar waren die deutschen Gasspeicher laut dem Verband Gas Infrastructure Europe nur noch zu 21,6 Prozent gefüllt – in Bayern sogar nur zu 17,5 Prozent (Apollo News berichtete).

In Deutschland ist das Erdgas-Fracking seit 2017 gesetzlich verboten; lediglich vier wissenschaftliche Erprobungsmaßnahmen sind bundesweit erlaubt. Eine Änderung würde eine Gesetzesnovelle im Bundestag sowie Anpassungen auf Länderebene erfordern. Mit dem Papier des Koalitionsausschusses ist zumindest die Debatte darüber wieder eröffnet.

Bundeskanzler Friedrich Merz bremste zuletzt. In einer Regierungsbefragung im Bundestag sagte er, es gebe auch „andere Methoden, Öl und Gas zu fördern, außer Fracking“. Es sei nicht Absicht, Fracking vorzuschlagen. Das Thema sei ebenfalls kein Gegenstand von Erörterungen in der Bundesregierung. Doch in seiner Partei mehren sich Stimmen, die genau das fordern.

Die von Fracking-Gegnern stets ins Feld geführten Risiken hält der frühere BGR-Präsident Kümpel für übertrieben: „Die Schreckensszenarien sind ausgedacht und wurden politisch ausgeschlachtet“, sagte er der Welt Ende Februar. Das Erdbebenrisiko sei bei unkonventionellen Lagerstätten vernachlässigbar, das Grundwasser unter strengen Auflagen schützbar. Das Verbot sei nicht das Ergebnis wissenschaftlicher Erkenntnis, sondern emotionaler Kampagnen – und strategischer Interessen, die einer heimischen deutschen Gasförderung von Anfang an entgegenstanden.

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40 Kommentare

  • Not macht erfinderisch. Da werden auch mal grüne Prinzipien über Bord geworfen.
    Merke: Wenn der Orkan bläst, biegen sich auch die standhaftesten Bäume!

    • Das würde aber ein Ende der Energiewende bedeuten ! Also CO2 imitierende Fossile Brennstoffe !
      Das bei einem Land und einem Kanzler der den Atomausstieg als einziger auf dem Planeten für einen Fehler aber Unumkehrbar hält ?
      Das passt überhaupt nicht zu den Altparteien und dem NGO Geflecht in Deutschland !
      Sieht eher nach Wahlkampftäuschung und Zeitgewinnen für die Vollendung und Unumkehrbarkeit der Energiewende aus als nach Einsicht und dem Erkennen zwingender Notwendigkeiten !

    • Warum regen Sie sich so auf? Es wäre eine bessere und sauberere Alternative als dreckigeres Frackinggas aus den USA. Der Deutsche Gasvorrat soll wohl mindestens 10 Jahre halten. Also warum nicht?

    • Freuen Sie sich nicht zu früh, lieber Ulf!

      Die rot-grüne Bundesregierung wird das niemals wagen … die Angst vor dem medialen Aufschrei der grünen Medien (also, ARD, ZDF, Spiegel, taz, Zeit, Süddeutsche, usw. ) ist zu viel gross, soweit reicht der Mut der CDU keinesfalls.
      🙂

    • Dann haben wir aber auch bald brennbares Leitungswasser.

      -12
      • Das ist schlicht Unsinn!
        Ich habe das in einem anderen Kommentar bereits erklärt.

      • Keine Sorge ! Was sie meinen ist Methan und das können dann sie für ihre Gastherme benutzen ! 🙂
        Aber jetzt mal ohne Spaß . Da wird gar nichts passieren ! Und somit braucht man sich darüber keine Gedanken machen .

      • Das war Biogas was aus dem Hahn kam, bitte informieren und die Lüge nicht weiter verbreiten.
        Es gibt keine Videos von anderen Personen, weil es ein Einzelfall war. Nix Fracking Gas im Grundwasser, dumme Lüge.

  • Wir müssen unsere spärlichen Ressourcen optimal ausnutzen, um nicht noch abhängiger zu sein als wir eh schon sind.
    Daher macht es Sinn dies weiter zu verfolgen.

    • Genau mein Humor . Diese Fracking Gebiete liegen in Niedersachsen und in Naturschutzgebieten !
      Da würde ich eher auf regelmäßige Wasserstofflieferungen von der Mondoberfläche rechnen als mit dem Erdgas aus dem Wattenmeer !
      Nur zur Erinnerung !! Hamburg hat gerade seine CO2 Neutralität auf 2040 vorgezogen !!
      Für solche Aktionen geht es uns noch nicht schlecht genug !! Die Grünen liegen noch Bundesweit weit über 10 % und die SPD ist immer noch im Bundestag und Merz noch Kanzler !

      • Windräder liegen auch in Naturschutzgebieten wie dem Wattenmeer, dem Schwarzwald etc. Dann gibt es halt eine Sondergenehmigung und fertig. Öffentliches Interesse –>Privates Eigentum egal, Abstandsregeln egal, Naturschutz egal, Baurecht egal. So baut man auch Asylheime ohne modernen Brandschutz. Was soll schon passieren?

        • Wenn es dem Grüne Mainstream passt stellen sie auch eine Kraftwerksschiff das mit Schweröl und ohne Abgasreinigung betrieben wird ins Wattenmeer ! Wie von Habeck 2022 Vorgeschlagen . Ja aber die Gasförderung ist genau wie die Kernenergie eben die Alternative zum Windrad und der Solarzelle . Und damit verdienen eben Linksgrüne und ihre Unterstützer kein Geld .

          9
      • Bayern will in Zukunft mehr Rohöl aus Kasachstan importieren:
        Das wurde bei einem Treffen in der kasachischen Hauptstadt Astana bekannt. Bisher erhält der Freistaat schon etwa 50 Prozent seines Erdöls aus dem Land. Wie viel Öl künftig geliefert werden soll, blieb offen.
        Laut dem bayerischen Europaminister Beißwenger erhöht das in der aktuellen Situation an der Straße von Hormus langfristig unsere Energiesicherheit. I
        m Gegenzug wolle Bayern den Ausbau der erneuerbaren Energien in Kasachstan technologisch unterstützen. (br)

  • Hä? Verstehe ich nicht!
    Sind doch Gesetze! Hat nicht unser Super-Kanzler von Irreversibel gesprochen beim Atomausstieg, weil es so beschlossen ist!
    —-
    Irreversibel in der Politik gibt es nicht, wenn man will kann man jedes Gesetz revidieren!
    —-

  • Nur für den Export …… ?
    Und darum wird schon in verschiedenen deutschen Städten geplant die Gasnetze abzureissen ?
    Also wir kaufen Atomstrom aus dem Ausland, und die kaufen Gas bei uns ?

    • Die hängen immer noch gedanklich in den 90ern: End of History / Fukuyama, Capitalist Peace Theory. Wenn wir nur alle genug Handel miteinander treiben und der andere die Dinge hat, die wir brauchen und vice versa, gibt‘s keine Kriege mehr.

      Vielleicht brauchen unsere Regierungen dringend neue Berater….

    • 1. Sind einzelne Bürgermeister noch realitätsferner als die Bundesregierung.
      2. Wird immer nur geredet und geplant, das Gasnetz rückzubauen. Dafür müsste man die ganze betroffene Stadt aufgraben – und B90-Kommunen sind pleite.
      3. Zum Vergleich: Einen Hausgasanschluss stilllegen durch Abklemmen der Erdleitung auf öffentlicher Fläche: ~8.000€. Loch graben, Leitung an einer Stelle dicht machen, Loch wieder zugraben + Pflasterarbeiten, Sicherung der Baustelle, Baustelleneinrichtungskosten, Genehmigungen etc.

  • Ein guter erster Schritt in Richtung Verstand und Vernunft. Jetzt bitte keine langen grünen bürokratischen Gesabbeleien, im wahrsten Sinne des Wortes Gas geben!!!

  • …endlich mal normale Leute.

  • Was wurde bei den „Fracking-Gegnern“ so alles gelogen!
    Zum Beispiel „brennendes Wasser“. Das Wasser enthielt zwar tatsächlich Methan und konnte brennen, aber floß zuvor in 30 Metern Tiefe durch die Flöze einer stillgelegten Kohlemine, nahm dort das Methan auf.
    Oder die „giftigen Chemikalien“. Eine kurze Recherche ergab, daß es sich bei diesen „giftigen Chemikalien“ um solche handelte, welche durch die Bank auch in Haushalten Verwendung fanden.
    Heute verwendet man gar keine Chemikalien mehr sondern ultrafein gemahlenen Sand zum Aufsprengen der Blasen mit Methan drin.
    In Norddeutschalnd wurde bereits in den 60er Jahren Fracking betrieben. Es gab keinerlei Probleme mit dem Grundwasser und ebenso keine Erdbeben!

  • Endlich mal ein vernünftiger Vorschlag, nachdem Gutachten belegen, dass Fracking ungefährlich ist, sollte man sofort anfangen das Frackinggas und die vorhandenen Ölvorkommen in Deutschland zu fördern.

  • Kanzler Merz sagt: es gebe auch „andere Methoden, Öl und Gas zu fördern, außer Fracking“. Dann steht ja einer Eigenversorgung Deutschlands nichts mehr im Weg:)

  • Vernunft entwickelt sich erst, wenn eigenständig (ohne Aufforderung Dritter) die eigenen Überzeugungen überprüft werden, ob es Illusionen sind.

    Wenn sich beispielsweise eine vermeintliche Unabhängigkeit als Illusion herausstellt, wird eine Abhängigkeit eingegangen.

    Die aktuelle Epoche Aufklärung kann Zwickmühlen (Dilemma) nicht ersetzen, um Illusionen abzubauen, denn der Verstand führt nicht zur Vernunft – Myside Bias.

  • Früher habe ich geglaubt das Fracking Böse ist und der Boden einbricht. Dann das Böse Methan was Austritt.
    Diese Informationen sind bewusst von käuflichen Medien verbreitet worden, nie kam ein Wort das ander Länder das alle machen. Die Medien tragen die Schuld an dieser Desinformation. Wer macht jetzt die Profite in dem man uns Fracking Gas Verkauft zu hohen Preisen? Was wir selbst produzieren können.

    • Da ging es mir genau wie Ihnen.
      Ich kannte mich nicht aus und bin diesen Falschinformationen komplett auf den Leim gegangen.

  • Dass Deutschland in irgendetwas einsteigt, was nicht durch die GrünInnen freigegeben wurde, glaubt selbst die SPD-geführte Regierung nicht.
    Aber Herr Merz …

  • Selbstverständlich wird das Verbot fallen. Deutschland importiert doch schon längst dreckiges Frackinggas.

  • Ganz gleich ob Fracking künftig erlaubt wird oder nicht: Wir brauchen das VERDAMMTE GAS JETZT und nicht erst in hundert Jahren…

  • Falls sie sich tatsächlich dazu durchringen, werden diese Blitzbirnen die Förderrechte mit größter Wahrscheinlichkeit an ausländische Firmen übertragen. Da bin ich mir – leider – ziemlich sicher.

  • Was sollen wir Norddeutschen noch alles ertragen, für den Rest von Deutschland. Bei uns sind die riesigen Windparks auf dem Land und im Wasser. Jetzt soll noch unser Grundwasser für die Industrie in Bayern und BW verseucht werden. Unsere Häuser sollen Zerstört werden wie in den Niederlanden, wo das Gas abgebaut wurde und der Abbau aufgrund der Schäden eingestellt wurde.

    -10
    • Da handelt es sich um geleerte Porenspeicher, nicht um Fracking.

    • Leben ist ein Risiko.

  • Gas aus der Wasserleitung bald auch in Deiner Stadt

    -12
    • So ein Unsinn!

    • Da kann man dann getrost die Gasnetze zurück bauen,bekommt eben die Gasheizung den Wasseranschluß,basta!!!

  • Die Franzosen bekommen weiterhin ihr Uran als Russland. Haben sogar eine EU-genehmigte Kooperation mit dem russischen Atomkonzern, trotz Sanktionen. Aber wir Deutschen dürfen kein Öl und Gas aus Russland beziehen und fahren unsere Wirtschaft sehenden Auges vor die Wand. Entweder Frankreich muß auch die Russen sanktionieren, was zum Black Out führt, oder wir beziehen endlich wieder das Gas aus Russland.

    • In Frankreich läuft vieles schief.
      Manches noch übler als in Deutschland.
      Wenn es aber außenpolitisch um die Interessen Frankreichs geht, dann kommt der nach wie vor vorhandene Patriotismus zum Vorschein.
      Da handelt man im Eigeninteresse.

      Etwas, was Bundesregierungen seit Merkel nicht mehr gewohnt sind.

  • Es war – wie von normaldenkenden nichtidelogischen Menschen und Technikern seit Jahren vorhergesagt – nur eine Frage der Krisen und Zeit, bis dieses idelogisch verlogene GRÜNE Verbot fallen würde.

    Jetzt werden die Verbieter weitere Horrormärchen verbreiten, dann wird der Verbotsspuk enden.

  • Frackinggas und Windräder sind ja auch völlig Klimaneutral. Die Verarsche nimmt kein Ende,Hauptsache der Euro rollt und Deutschland geht daran zu Grunde.

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