„Der Mond ist nur ein Pendlerflug. Innerhalb eines Jahres wird es die Zusage für einen bemannten Flug zum Mars geben“, erklärte Wernher von Braun nur einen Tag nach der Rückkehr der Apollo-11-Besatzung zur Erde. Der Mond ist nur der Anfang – das war 1969 die Haltung des deutsch-amerikanischen Architekten des Apollo-Programms. Aber über den Mond ging es für Menschen bisher nie hinaus.
Diese Nacht, mehr als 50 Jahre später, hat die NASA jetzt eine Rakete ins All geschickt, die Astronauten tiefer in den Kosmos bringen soll als jeden anderen Menschen zuvor. Mit dem nun gestarteten Artemis-II-Flug werden erstmals seit einem halben Jahrzehnt wieder Astronauten den Mond umfliegen. Nach weiteren Tests mit Artemis III sollen sie mit Artemis IV auf die Krateroberfläche des Erdtrabanten zurückkehren, mit Artemis V dort eine permanente Basis errichten. Nächster Stopp: Mars.
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Das Vorhaben ist nicht neu – bereits vor Jahrzehnten plante man bei der NASA die Rückkehr zum Mond und den Flug zum Mars. Aber daraus wurde bisher nie etwas. Es war eine Tragik der Geschichte: Mit 60er-Jahre-Technik und Wänden an Computern, die heutzutage in ein Smartphone passen, hatte es die Menschheit auf einen anderen Himmelskörper geschafft. Aber dann wurde diese Fähigkeit zwar nie komplett verlernt, aber doch für Jahrzehnte schlicht aufgegeben.
Geld und Talent flossen in andere Projekte im Erdorbit: das Space Shuttle und die Internationale Raumstation. Anfang dieses Jahrtausends fasste US-Präsident George W. Bush dann mit dem Constellation-Programm die Rückkehr zum Mond und den Flug zum Mars ins Visier. Geplagt von unzähligen Verzögerungen und Budgetkürzungen durch den Kongress, wurde das Projekt am Ende von seinem Nachfolger Barack Obama beendet. „Ohne Fähigkeit der bemannten Raumfahrt, die Erdumlaufbahn auf unbestimmte Zeit zu verlassen, verdammen wir unser Land dazu, zu einer zweit- oder gar drittklassigen Nation zu werden“, beklagte damals ein greiser Neil Armstrong die Entscheidung der US-Regierung.
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Auch wenn man den bemannten Flug zu anderen Himmelskörpern als fernes Ziel nie ganz aufgab, lag der Fokus bei der NASA dann oft bei anderen Dingen: Satelliten zur Erdbeobachtung, zuletzt vor allem zu Klimaveränderungen, und Forschungsprojekten mit unbemannten Sonden. Das alles ging so weit, dass die USA ein gesamtes Jahrzehnt lang, von 2011 bis 2020, nicht einmal die Fähigkeit hatten, selbst Astronauten ins All zu bringen. Man war in dieser Zeit von Russland abhängig.
Auf eine Art war dies ein Tiefpunkt für die NASA: 1969 schickte man Menschen bis auf den Mond, in den 2010ern konnte man selbst gar keine Menschen mehr in den Orbit senden. Zur Zeit des Apollo-Programms träumte man dabei davon, dass man im 21. Jahrhundert längst viel weiter wäre. Der Kubrick-Klassiker 2001: Odyssee im Weltraum ging wie selbstverständlich längst von Mondbasen und bemannten Flügen bis zum Jupiter aus.
Eine Mondpräsenz und zumindest Marslandungen sind dabei schon lange keine undenkbare Science-Fiction mehr, sondern eigentlich bereits seit Jahren im Bereich des technisch Realistischen. Der Flug zum Mars und zurück zum Mond war nie undenkbar, es fehlte nur der Wille. Verkrustete und bürokratische Strukturen in der NASA und mangelndes Interesse der US-Haushälter verschleppten das alles nur jahrelang. Was hat sich nun geändert?
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Einerseits war es US-Präsident Trump, der mit dem in seiner ersten Amtszeit gestarteten Artemis-Programm einen neuen Startschuss zur Rückkehr ins All gab. Andererseits aber waren es vor allem auch Visionäre außerhalb des Staates in der Privatwirtschaft, allen voran Elon Musk, die Bewegung in die Sache brachten.
SpaceX ist heute weniger als 25 Jahre alt, aber für mehr Starts (und Landungen) in den Weltraum verantwortlich als jede nationale Raumfahrtbehörde oder andere Firma auf der Welt. Binnen weniger Jahre baute Musk mit einem zunächst kleinen Team an Ingenieuren, woran andere scheiterten: günstige, wiederverwendbare Raketen. All das mit dem ultimativen Ziel: Mars. Und aus der Menschheit damit eine „multiplanetare Zivilisation“ zu machen, wie Musk es gerne festhält.
Ab Artemis III werden im Artemis-Programm dabei SpaceX-Raketen zum Einsatz kommen. Jetzt schon war es die Firma von Musk, die die fast ein Jahrzehnt andauernde „Launch Gap“ (zu Deutsch „Startlücke“), als Amerika von Russland abhängig war, beendete und 2020 selbst US-Astronauten ins All zurückbrachte. Das gesamte Artemis-Programm soll dabei massiv auf die Technik aus der Privatwirtschaft setzen.
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Amerika fliegt nun also zurück zum Mond. Auch wenn es nur eine Rückkehr darstellt, ist es ein historischer Durchbruch. Endlich, nach Jahrzehnten der Verzögerung, Verschleppung und Verschiebung, hebt nun tatsächlich eine Rakete mit Astronauten gen Mond ab. Es schließt damit ein halbes Jahrhundert ab, in dem die bemannte Raumfahrt sich wieder vom Mond entfernt hatte, und eröffnet ein neues Kapitel, eine neue Ära: Es geht zurück ins All.
Das allein gibt Hoffnung darauf, dass die bemannte Erkundung und Erschließung anderer Himmelskörper eben nicht nur als Zukunftskonzept in den Regalen verschwindet, sondern dass die Zukunft hier ist. Auch wenn es erst einmal zurück zu jenem Ort geht, wo Armstrong und Aldrin vor über 60 Jahren Geschichte schrieben.
Und diesmal soll einiges anders werden: Mit Artemis soll am Ende eben nicht nur ein einmaliger Ausflug, sondern eine dauerhafte menschliche Präsenz auf dem Mond entstehen. Die rechtlichen Grundlagen dafür legten bereits die Artemis Accords, ein Vertragswerk zwischen mehr als 60 Ländern, angeführt von den USA, unter Beteiligung der westlichen Weltraumnationen aus Europa, Japan und Co. Die ursprüngliche utopische Vorstellung, dass jede Nation auf jedem Weltraumkörper überall machen kann, was sie will, kaschieren sie mit der Einführung von sogenannten „Sicherheitszonen“, die damit erstmals auch offiziell Weltraumsiedlungen, Start- und Landeplätze und Minen demarkieren können.
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Die Zeichen sind damit langfristig auf Kolonisation gesetzt: Die Konzepte dafür sind teils so alt wie die Raumfahrt selbst, aber mit der Ära Artemis könnten sie nun wirklich Realität werden. Angefangen mit dem Mond – dem Mars aller Hoffnung nach als Nächstem. Es wäre nichts Geringeres als ein neues Zeitalter, ein neuer Aufbruch ins All.
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Nennt sich Apollo-News dann jetzt in Artemis-News um? 😃
Spaß beiseite. Ich glaube nicht, dass das Artemis-Programm von langer Dauer sein wird. Es sind einfach zu viele Nationen, die mitmischen, die Technik ist veraltet und letztendlich sind die Kosten auf Dauer nicht tragbar. Die geplante Mondlandung von Artemis III wurde bereits gecancelt und vor 2028 wird keine Mondlandung stattfinden. Meiner Meinung nach ist das SLS zum Scheitern verurteilt.
„Nach weiteren Tests mit Artemis III sollen sie mit Artemis IV auf die Krateroberfläche des Erdtrabanten zurückkehren, mit Artemis V dort eine permanente Basis errichten. Nächster Stopp: Mars.“
ZURÜCKKEHREN….insinuiert, dass es schon einmal eine Mondlandung gab, Dies aber ist – entgegen allen Mythen – in höchstem Maße fraglich. Vielmehr spricht vieles dafür, dass es sich damals um einen gigantischen HOAX gehandelt hatte.
Die „Mythen“ und der angebliche „HOAX“ sind nicht weniger fraglich.
Nicht mal die Russen bestreiten ernsthaft die US-Mondlandung.
Der Wettlauf der Mächte zum Mond ist gut dokumentiert.