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Von der Hamas ermordet

Shani Louk – alleine in den vergessenen Tunneln

Die Leiche von Shani Louk wurde endlich gefunden. Nachdem sie sieben Monate lang verschleppt in einem Tunnel der Hamas gelegen hatte, konnte sie damit endlich beerdigt werden. In Deutschland ist es derweil bezeichnend still.

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Der Glaube an eine Seele soll Angehörigen den Umgang mit dem Tod eines geliebten Menschen erleichtern. Doch seit die Bilder der leblosen, entblößten Shani Louk um die Welt gingen, die am 7. Oktober durch die Straßen Gazas verschleppt wurde wie eine entmenschlichte Trophäe, fragt man sich, ob diese Vorstellung nicht auch ein Fluch sein kann. 

Shani Louk musste viel durchmachen – vor und nach ihrem Tod. Sie war eine der tausenden Opfer des 7. Oktobers, eine der hunderten jungen Menschen, die auf dem Nova-Festival ermordet wurden. Sie war eins der ersten Opfer, das der Welt zur Schau gestellt wurde – entblößt, leblos, bespuckt. Dann verschwand sie im Gaza-Streifen, verschleppt von Hamas-Terroristen, und wurde nicht mehr gesehen. 

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Es ist bisher nicht vollständig bekannt, was Shani Louk genau angetan wurde. Nicht zuletzt auch, weil die Angaben vonseiten der Hamas sich widersprachen und ihre Anhänger viel Propaganda auf den Sozialen Medien verbreiteten. Nicht vergessen darf man immerhin, dass zur Zeit der Veröffentlichung der ersten Bilder und Videos im Oktober noch breitflächig behauptet wurde, sie sei eine Soldatin der IDF gewesen.

Ihre wahre Identität kennt man erst, seit ihre Eltern sich öffentlich zu Wort meldeten. Sie hatten ihre Tochter anhand der grausamen Aufnahmen identifizieren müssen. Ihr Vater sagte später, er hielte es für richtig, dass die Bilder von Shani um die Welt gingen – als Warnung für die folgenden Generationen.

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Zuerst war für viele klar, dass sie tot sein musste, da in dem Video ihre Glieder unnatürlich verbogen sind und sich an ihrem Kopf eine blutige Wunde erkennen ließ. Später behaupteten Hamas-Terroristen aber nicht nur, dass Shani noch am Leben sei, sondern auch, dass man sie in einem Krankenhaus in Gaza versorgen würde. Diese Nachricht wurde von Palästina-Anhängern für Pro-Hamas-Propaganda missbraucht, da es beweisen würde, dass sie sich sogar gut um ihre Feinde kümmern würden. 

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Dann wurde ein Splitter ihres Schädelknochens gefunden, der nach einem DNS-Test Shani zugeordnet werden konnte. Nun hat man die ganze Leiche von der 23-Jährigen gefunden, die ihre Eltern anhand ihrer Tattoos identifizieren mussten, nur wenige Tage nach Mutter- und Vatertag. Die wohl größte Angst jeder Eltern. 

Gefunden wurde sie in einem Tunnel – also nichts mit Krankenhaus – und das israelische Militär stellte klar, dass sie bereits auf dem Festival ermordet worden war, ebenso wie die beiden weiteren Opfer, die sie zusammen mit Shani in den Tunneln fanden: die 28-jährige Amit Buskila und der 56-jährige Itzhak Gelerenter. 

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Man muss wohl annehmen, dass die Lüge, Shani sei noch am Leben und würde behandelt werden, dazu dienen sollte, das israelische Militärvorgehen zu untergraben. Nach dieser Meldung wurde die Sorge laut, das israelische Militär könnte dadurch auch die Geiseln töten. Auf jeden Fall hat man ihren Eltern damit falsche Hoffnungen gemacht. 

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Nach der Feststellung von Shanis Tod drehte sich der Wind im Pro-Hamas-Lager. Wer einfach nur den Namen „Shani Louk“ bei X (Twitter) sucht, findet neben Posts zu ihrem Gedenken zuhauf die Behauptung, ihre Eltern seien selbst schuld an ihrem Tod – wer ließe denn seine Tochter schon mit unverheirateten Männern auf Huren-Festivals. Es wird Pornografie mit brünetten Frauen gepostet, deren Gesichter man nicht sieht, mit der Behauptung, es würde sich dabei um Shani Louk handeln. Nicht nur glauben sie die Lüge der barmherzigen Hamas selbst nicht, sie wollen gar nicht, dass man die Geiseln wie Menschen behandelt. 

Im Judentum gib es feste Rituale für Beerdigungen, die Totenwache ist dabei ein fester Bestandteil. Die Verstorbenen werden vom Tod bis zur Beerdigung begleitet. Es ist von hoher Bedeutung, dass die Leiche so schnell wie möglich bestattet wird, möglichst innerhalb von 24 Stunden. Shanis Leiche lag sieben Monate lang verschollen und verlassen in einem Tunnel. Nun bleibt ihren Eltern nur, Trost darin zu finden, dass Shani wieder bei ihnen ist und sie endlich abschließen können. Shani wurde am Sonntag in israelischer Erde beerdigt. Hunderte waren dem Aufruf ihrer Eltern gefolgt, zahlreich zu ihrer Beerdigung zu erscheinen.

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Währenddessen gibt das israelische Volk vereint die Hoffnung nicht auf, dass die weiteren Geiseln noch am Leben sind. Am Sonntag kamen Angehörige der verbleibenden verschleppten Geiseln am Hostage Square in Tel Aviv zusammen, einem Platz, der den Opfern und Geiseln umgewidmet wurde, und demonstrierten mit Tausenden für die sichere Heimkehr der über hundert Israelis, die noch in den Händen der Hamas sind. 

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Auf der Demonstration war auch die Sängerin Eden Golan, die Israel beim Eurovision Song Contest 2024 vertreten und mit ihrem Lied „Hurricane“ den fünften Platz belegt hatte. Sie sang auf der Versammlung zum ersten Mal öffentlich „October Rain“ – das eigentliche Original ihres Eurovision-Liedes, das umgeschrieben werden musste, nachdem der Veranstalter des Wettbewerbs es als zu provokativ erachtet hatten. 

Eine Zeile, die „Never again“ enthalten hatte, musste umgeschrieben werden in: „Baby, promise me you’ll hold me again“ („Versprich mir, dass du mich wieder halten wirst“). Aus dem ursprünglichen „October Rain“ („Oktoberregen“), eine Anspielung an den Anschlag des 7. Oktober, wurde der heute berühmte Titel „Hurricane“. Auch die letzte Strophe, die Eden Golan auf Hebräisch singt, musste umgeschrieben werden, nachdem sie zuvor noch „Sie waren gute Kinder, jedes einzelne von ihnen“ gelautet hatte, eine Anspielung an die Opfer des Anschlags. 

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Über hundert Geiseln sind nach wie vor in den Tunneln der Hamas gefangen gehalten. Das israelische Militär geht außerdem davon aus, dass die Terroristen rund 30 Leichen in ihrer Gewalt haben. Wie viele der Geiseln tatsächlich noch leben, ist unbekannt. Ebenso, wie lange sie noch in den dunklen, kalten Tunneln bleiben können und müssen. Man mag sich nicht ausmalen, welche Angst und welche Qualen diejenigen Geiseln durchleben, die noch leben. Und man traut sich nicht, sich zu fragen, ob es für sie ein Fluch oder ein Segen ist, noch am Leben zu sein. 

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Währenddessen hört man von der deutschen Regierung nichts dazu. Christian Lindner, der mit beachtlichem Durchhaltevermögen regelmäßig auf seinem Twitter-Account an die Gefangenschaft von Alexej Nawalny erinnerte, findet diese Worte nicht für die Gefangenschaft der israelischen Geiseln. Auch nicht für eine getötete und verschleppte junge Frau mit deutschem Pass.

Annalena Baerbock postet zwar Fotos von palästinensischen Kindern auf ihrem Instagram-Account und kritisiert das Vorgehen der israelischen Armee, findet aber wohl das Gedenken an eine deutsche Jüdin zu provokativ oder einfach nicht so wichtig. Genauso wie die anderen deutschen Minister. Es bleibt uns, unsere Mitbürgerin zu betrauern und ihr zu wünschen, dass sie wenigstens jetzt in Frieden ruhen kann. 

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