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Angespannte Situation

Rekordverluste bei Gewerbeimmobilien – Anleger wetten auf Kurssturz bei deutschem Bankhaus

Der Gewerbeimmobilienmarkt erfährt eine historische Krise. In Deutschland sind die Preise für Gewerbeimmobilien in nur gut einem Jahr um 16,5 Prozent gefallen. Banken bekommen deshalb Probleme, die BaFin ist alarmiert. Großinvestoren ziehen sich zurück.

Die Gewerbeimmobilienmärkte in den USA stehen schon länger durch den zunehmenden Trend zum Home-Office und den wachsenden Online-Handel unter Druck. Die Nachfrage ist gering und die Immobilien können häufig weder vermietet noch zu hohen Preisen verkauft werden. Durch die Erhöhung der Leitzinsen ist die Situation nun noch angespannter. Diese Entwicklungen treffen nun auch den Bankensektor. Immobilieneigentümer können immer öfter ihre Kredite nicht mehr bedienen, was Banken wiederum in eine existenzbedrohende Schieflage bringt. Die im Gewerbeimmobilienbereich tätige Regionalbank New York Community Bancorp hat etwa seit Anfang Februar mehr als die Hälfte ihres Börsenwertes eingebüßt.

Diese Krise hat unlängst auch Deutschland erreicht. So ist etwa die Deutsche Pfandbriefbank (pbb) stark im US-Gewerbeimmobiliensektor vertreten. Ihre Aktie ist seit Anfang Februar um rund 16 Prozent abgesackt. Das Kreditinstitut aus München ist mit fast 5 Milliarden im US-Gewerbeimmobilienmarkt investiert, was etwa 15 Prozent ihres Immobilienportfolios und rund 10 Prozent ihrer Bilanzsumme ausmacht. Bei der Deutschen Bank machten sich zunächst keine negativen Entwicklungen sichtbar. Doch in den letzten Tagen sank auch der Aktienwert der Deutschen Bank um 8 Prozent. Dem gingen Warnungen der Bafin voraus. Bafin-Chef Mark Branson erklärte: „Wir beobachten etwa eine Handvoll Banken mit einem großen Engagement im Gewerbeimmobilienbereich genauer als sonst“.

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Gewerbeimmobilien mit historischem Preissturz

Verheerend ist, dass nicht nur deutsche Banken im US-Gewerbeimmobilienmarkt empfindlich investiert sind, sondern dass auch hierzulande Gewerbeimmobilien einen historischen Preissturz erfahren. Nach Daten des Verbandes der Deutschen Pfandbriefbanken (vdp) sind die Preise zwischen dem zweiten Quartal 2022 und dem dritten Quartal 2023 um insgesamt 16,5 Prozent gesunken. Noch nie verzeichnete man in den vdp-Daten einen höheren Wertverlust. Dabei dürfte der Markt auch weiterhin angespannt bleiben. „Eine Trendwende bei den Immobilienpreisen ist noch nicht absehbar“, erklärt Jens Tolckmitt vom vdp. Auch für 2024 prognostiziert man ein schwieriges Immobilienjahr. In diesem Zusammenhang steht die Deutsche Pfandbriefbank einmal mehr im Fokus. Diese ist ebenfalls in Deutschland insbesondere im Immobiliengeschäft involviert.

Auch ihre Großinvestoren sollen zunehmend die Segel streichen. Die Essener RAG-Stiftung hat ihre Anteile am Unternehmen erheblich reduziert. Statt 4,5 Prozent aller Aktien hält sie nur noch weniger als drei Prozent. Nun gerät die Bank auch noch unter den Beschuss von Shortsellern. Dem Handelsblatt zufolge liegt der Gesamtumfang der Wetten gegen das Unternehmen bei acht Prozent der frei handelbaren Aktien. Bei keiner im Dax, MDax oder SDax vertretenen Aktie wetten mehr Anleger auf Kursverluste. Shortseller leihen sich Aktien gegen eine Gebühr, verkaufen die Aktie und hoffen sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder einkaufen zu können. Die Differenz aus Verkaufs und Rückkaufpreis ist ihr Gewinn – so profitieren also, wenn der Aktienkurs sinkt.

Überhaupt werden an der Börse derzeit Investitionen in den Banken- oder Immobilienbereich großflächig gemieden. Anleger ziehen erstmals seit 2017 Gelder aus Immobilienfonds ab. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist die Private-Equity-Firma KKR. Die Aktie des Immobilienfonds „KKR Real Estate Finance Trust“ (REFT) verzeichnete innerhalb einer Woche einen Verlust von mehr als 16 Prozent. Zuvor hatte der Fonds aufgrund drohender Kreditausfälle die Dividende gekürzt.

Erst im vergangenen Jahr zeigte sich, wie fragil der Bankensektor ist. Die Vereinigten Staaten erlebten die zweit- und drittgrößte Bankenpleite ihrer Geschichte. Die Bankenkrise schlug auch auf Europa durch. Die Credit Suisse – bis dahin die zweitgrößte Bank der Schweiz – musste im Schnellverfahren erst durch staatliche Unterstützung vor der Insolvenz gerettet und anschließend von der UBS – der größten Schweizer Bank – übernommen werden.

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