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Mitarbeiter entlassen

Potsdamer Baufirma saniert diplomatische Residenz von Äquatorialguinea – und bleibt auf Kosten sitzen

Eine Potsdamer Baufirma soll die diplomatische Residenz von Äquatorialguinea in Berlin sanieren. Doch der ausländische Staat zahlt keine Rechnungen, das Unternehmen bleibt auf Kosten von 141.000 Euro sitzen. Mitarbeiter müssen deshalb gehen.

Von

Das Gelände der Botschaft gleicht immer noch einer Baustelle. (Symbolbild)

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Die Potsdamer Baufirma Ectus 82 AG bekommt Ende 2024 den Auftrag, die diplomatische Residenz von Äquatorialguinea in Berlin energetisch zu kernsanieren. Das Auftragsvolumen beträgt 1,4 Millionen Euro. Für das mittelständische Unternehmen mit 20 Angestellten klingt es nach einem guten Geschäft. Doch Rechnungen werden nicht bezahlt, die Firma bleibt auf den Kosten sitzen – und von den zwanzig Mitarbeitern müssen sechzehn gehen, wie die Berliner Zeitung am Sonntag berichtet. Eine Möglichkeit zur Klage gibt es wegen der Staatenimmunität nicht.

Am 17. November 2024 unterschrieb der Vorstand von Ectus, Philip Schöntag, den Generalübernehmervertrag. Damit verantwortete er die gesamte Sanierung, konnte aber einzelne Aufgaben an Nachunternehmer weitergeben. Auf eine Vorabzahlung verzichtete er jedoch bewusst, berichtet er der Zeitung. Denn das hätte damals einen Wettbewerbsnachteil bedeutet, und er wollte bald mit den Baumaßnahmen beginnen.

Noch vor der Unterzeichnung wies der Botschafter Äquatorialguineas darauf hin, dass der Staat noch Gelder freigeben müsse. „Für uns wirkte der Auftrag zunächst wie ein seriöses internationales Projekt mit staatlichem Hintergrund“, so Schöntag. Im Dezember 2024 stellte er dann die ersten drei Rechnungen mit einem Gesamtwert von 141.150 Euro brutto. Doch das Geld wurde nie bezahlt.

Immer wieder wurde das Unternehmen mit unterschiedlichsten Begründungen vertröstet: Es laufe eine Antikorruptionsprüfung, man warte auf die Freigabe der Zentralbank. Schließlich stellte die Firma Ectus die Bauarbeiten im Januar 2025 ein. Als Bevollmächtigter für die Botschaft trat Bernhard Böttcher auf, der den afrikanischen Staat ebenfalls auf die Zahlungslücke hinwies. Böttcher fungierte als Mittelsmann, auch wenn zwischen der Firma und dem Botschafter weiterhin direkter Kontakt bestand. Am 4. Juli 2025 brach der Botschafter nach mehreren Nachfragen Schöntags bezüglich des Geldes den direkten Kontakt ab. Alles sollte nur noch über Böttcher laufen.

Schöntag beantragte einen Mahnbescheid, um die Geldforderung durchsetzen zu können. Doch das zuständige Gericht lehnte den Antrag mit der Begründung ab, dass es sich beim Schuldner um einen fremden Staat handele. Denn laut dem Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen ist es kaum möglich, dass solche Fälle vor Gericht verhandelt werden. Stattdessen kann die deutsche Regierung den Botschafter lediglich auffordern, etwas zu tun.

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Wie das Auswärtige Amt später der Berliner Zeitung mitteilt, wirft die Botschaft von Äquatorialguinea der Potsdamer Firma vor, erfundene Rechnungen eingereicht zu haben. Böttcher gibt gegenüber der Zeitung an, dass Ectus nie eine Baubeginnsanzeige eingereicht habe, der nach dem Vertrag vorgesehene formale Beginn der Zahlungsverpflichtung. Außerdem stehe die tatsächlich erbrachte Leistung, die laut einem Gutachten auf 20.000 Euro geschätzt wird, nicht in einem angemessenen Verhältnis zum Rechnungsbetrag. Das Unternehmen hält dagegen, dass es bis Juli in der Kommunikation mit der Botschaft nur um die Freigabe der Mittel ging und nie um angebliche Baumängel.

Die Immobilie befindet sich seit zwei Jahren im Baustellenzustand und steht leer. Dennoch gelte auch dafür weiter die diplomatische Immunität, sodass Schöntag nicht klagen kann. Im Juni 2026 stellt der AfD-Abgeordnete Frank-Christian Hansel dem Berliner Senat zu dem Fall eine Anfrage. Der Senat weist eine Verantwortung von sich: Das Auswärtige Amt sei zuständig. Der Senat rät Unternehmen, selbst für eine Absicherung zu sorgen. Sie seien „selbst gefordert, im Vorfeld ihre Geschäftsbeziehungen sorgfältig zu prüfen und vertragliche Absicherungen zu treffen“.

mra

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70 Kommentare

  • Warum braucht Äquatorialguinea hier eine diplomatische Residenz? Rhetorische Frage.

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    • Irgendwo muss doch eine Stelle sein, die Entwicklungashilfe beantragt und die Bewilligungsbescheide entgegennimmt. Der Staat hat sicherlich auch sehr großen Bedarf an aufgemalten Radwegen in der Hauptstadt für mehrere Millionen Euro oder auch für PV-Anlagen auf den Kirchendächern. Der Krampf gegen Rächts muss ebenso finanziert werden.

    • Warum braucht die Taliban in Berlin eine Botschaft? Rhetorisch zurückgefragt.

    • Potsdamer Baufirma saniert diplomatische Residenz von Äquatorialguinea – und bleibt auf Kosten sitzen

      Ein Erdloch oder Holzhütte hätte gereicht!

  • „selbst gefordert, im Vorfeld ihre Geschäftsbeziehungen sorgfältig zu prüfen und vertragliche Absicherungen zu treffen“ Genau so und nicht anders! Selbst Schuld.

  • Kann man das als Entwicklungshilfe abschreiben?

    • Guter Hinweis. Wer Finanzen für Radwege in Peru übrig hat… Die sollten sich mal nicht so pingelig haben. Wie Trump wohl ein solches Problem gelöst hätte?

  • Vorkasse hat sich stets bewährt.
    Sind halt schlechte Zeiten. 🙁

    • Stimmt.
      Wer darauf verzichtet ist generell selbst schuld.
      Heute zutage kann man doch niemandem trauen.

  • Bei monatlich mehr als 10.000 Jobs die die Politik absichtlich kaputtmacht, fallen 16 Jobs wg. unternehmerische Naivität nicht ins Gewicht.

    Es gibt Vorkasse, Teilzahlungen aber auch Absicherungen (z.B. Exportkreditgarantien (Hermesdeckungen) und Vertragsgarantiedeckungen) die man im VORFELD und vertraglich regelt.

  • Da es sich um ein Land handelt, mit dem kaum bilateraler Handel stattfindet und so gut wie keine Bürger dieses Landes hier leben, frage ich mich wozu solch eine Botschaft dienen soll?

    • Bei der Größe der Bude kann man annehmen, das dort eine Menge netter Jobs entstanden sind. ^^

  • Was haben in den letzten 20 Jahren an Entwicklungshilfe gekriegt?

    • Äquatorialguinea erhält von Deutschland keine direkte bilaterale Entwicklungshilfe. Aufgrund seiner durch Erdölvorkommen sehr hohen Wirtschaftsleistung pro Kopf gilt das Land als unabhängig. Offizielle Statistiken erfassen stattdessen nur gelegentlich indirekte und regionale Förderungen im Rahmen überregionaler Natur- oder Artenschutzprojekte in der Kongobecken-Region.

      Also nur gelegentlich, indirekt und regional, in den Artenschutz.
      Nachdem schwarz-rot gerade den Laden gründlich an die Wand fährt mit grüner Klima-Weltuntergangspolitik, sollten wir vielleicht bei Äquatorialguinea nach Entwicklungshilfe fragen?

  • Das ist keine Seltenheit bei Botschaften.
    Das haben die Berliner 1990 schnell gelernt, die Bonner wussten es schonlange.

  • Man hat ja immer die Möglichkeit Teilrechnungen zu stellen etc. oder sogar nur gegen Vorleistung oder Bankgarantien.

  • Ich habe mal für eine Immobilienfirma gearbeitet und einer der Kollegen hatte einen Diplomaten aus einem ostaeuropäischem Land für eines unserer Häuser. Der kam mit seiner Dienstlimousine mit Fähnchen zum Besichtigungstermin. Unser Chef sagte damals: „Wenn der unsere Rechnung nicht zahlt… Meint einer, wir kriegen unsere Kohle, wenn du versuchst die Ukraine zu verklagen?“ Wir haben das Haus dann jemandem anderen gegeben.

  • Rechtlich haftbar ist das Außenministerium.

  • Auf politische Unterstützung im künftig Links-Grün-Rot mit freundlicher Unterstützung der CSDU regierten Berlin werden Privatunternehmen wohl kaum noch rechnen dürfen.

  • Selber schuld?

    • Mit den Wüstenfuchsen macht kein Buisness – das muss man wissen.
      Da ist immer volles Risiko.

      • Da ist tropischer Regenwald.

  • Entwicklungshilfe kürzen.

  • Das riecht sehr nach schmutzigen Geschäften. Lief wohl nicht so glatt, wie sich die Beteiligten sich das im Berlin Sumpf so vorstellten….
    Wozu braucht so ein Land ein derart riesiges Gebäude hier?
    Wurde es Luxus saniert?

    • Psst, das Bild ist ein Symbolbild, nicht das Gebäude um das es geht. Und für 1,4 Mio kannst bei den heutige Baukosten gerade mal ein Mehrfamilienhaus mit Hundehütte sanieren … 😉

      Trotzdem hast du natürlich Recht, für diesen Staat hätte bestimmt auch ein drei Zimmer Apartment gereicht …

      • Am Sonntag 30.8. findet in Magdeburg das „Festival der Meinungsfreiheit“ statt.
        Weil das ein zentrales Anliegen von diesem Blog und meinem aktuellen Buch ist, will ich hier trotz meiner Parteizugehörigkeit ausnahmsweise ausführlich auf diese BSW-Veranstaltung hinweisen.
        Das Programm mit der Kabarettistin Christine Payon, dem Künstler Simon Rosenthal, dem Corona-Aufklärer Stefan Homburg, der Journalistin Gabriele Krone-Schmalz und vielen weiteren Helden der Meinungsfreiheit verspricht einen tollen Tag.
        https://norberthaering.de/propaganda-zensur/festival-der-meinungsfreiheit/

        -14
        • Können Sie auch was anderes, als ständig das Forum mit themenfremden Beiträgen zuzumüllen?
          Das ist so, als wenn ihnen bei einem Gespräch ständig jemand reinquatscht.

          12
        • tolle Sache, ich komme

          0
  • Solche Staaten nur gegen Vorkasse oder eine Bankbürgschaft bedienen. Das weiß man doch.

  • Auch Staatsmänner wollen auch gut leben, nicht nur in der BRD ,außerdem
    muß der Frieseur bezahlt werden

  • Der äquatorialguineanische Chefdiplomat ist nicht zufällig ein nigerianischer Prinz?

    Wie auch immer — ich könnte den Verantwortlichen hier in der Region noch ein paar für deutsche Verhältnisse sehr gut erhaltene Brücken anbieten.

  • Ein Erdloch oder Holzhütte hätte gereicht!

  • Keinen Vorschuß gefordert, selber schuld. Nun wurde der vermeintliche Wettbewerbsnachteil zur realen Last. Solchen „Unternehmern“ kann man wirklich nicht weiterhelfen.

  • AN… warum nehmt ihr kein richtiges Bild von der Botschaft? Die richtige Botschaft gleicht eher einer Villa und wäre keinen Aufreger wert und würde nicht für Verwirrung sorgen.

    • Zumal auf dem verwendeten Bild ein völlig unbeteiligte Baufirma zu erkennen ist!

  • Wurde schon drauf hingewiesen von Maxxam:
    Das Bild zum Artikel zeigt nicht das Gebäude, um das es geht, sondern ein Symbolbild.

    Hier kann man das richtige Gebäude sehen:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Botschaft_quatorialguinea_Berlin_Rohlffsstrae_17-19.jpg

    Könnte Apollo das Bild bitte noch austauschen?

  • Bei Bananenrepubliken und öffentlichen Auftraggebern im Inland nur gegen Vorkasse.

  • Also das Riesen-Bürogebäude-Symbolbild hat mit der kleinen 2 geschössigen Vorstadt-Villa (die man bei Google findet) aber auch absolut nichts gemein. Das wäre als würde man die Größe einer Maus mit einem Elefanten gleich setzen.

  • Alle rausschmeißen. Firma aus dem Sondervermögen entschädigen.

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