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Dystopische Zukunftstechnologie?

Neue Kryptowährung will jeden per Iris-Scan identifizieren

Der Chef der Firma hinter ChatGPT will mit einer neuen Kryptowährung „Worldcoin“ jeden Nutzer per Iris-Scan erfassen. Dazu werden in 35 Städten Identifizierungs-Bälle aufgestellt, bei denen man zur Konto-Einrichtung sein Auge scannen muss. Die Macher der Währung glauben daran, dass sie schon in 10 Jahren bewährtes Zahlungsmittel ist.

Sam Altman will die Welt auf den Kopf stellen: Der US-Amerikaner ist der Gründer von OpenAI und hat ChatGPT auf den Markt gebracht. Nun feilt Altman gemeinsam mit dem deutschen Wirtschaftsingenieur Alex Blania bereits an einem neuen Projekt: „Worldcoin“, eine spezielle Kryptowährung. Altman steigt in den Krypto-Sektor ein – auch weil er die Entwicklung der künstlichen Intelligenz schon zu Ende gedacht haben will.

Die Gründer präsentieren sich dabei als Wohltäter: „Durch seine einzigartige Technologie will Worldcoin jedem auf der Welt, unabhängig von Herkunft oder Einkommen, Zugang zur wachsenden digitalen und globalen Wirtschaft auf eine datenschutzfreundliche und dezentrale Weise ermöglichen“. In einer Zeit in der die künstliche Intelligenz menschliche Arbeit überflüssig gemacht hat, soll dem Menschen ein Grundeinkommen zustehen. Schon in 10 Jahren könne durch die künstliche Intelligenz jedem volljährigen US-Bürger bedingungslos 13.500 Dollar jährlich ausgezahlt werden, so die Vision. Erhalten sollen sie diesen Betrag selbstredend in Worldcoin.

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Allerdings hat die Sache einen Haken. Worldcoin unterscheidet sich fundamental von anderen Kryptowährungen. Der Worldcoin setzt auf eine digitale Identität, die lediglich durch einen Menschen und nicht durch künstliche Intelligenz generiert werden. Die Entwickler erklären, damit einem künftigen Problem vorgreifen zu wollen. Durch eine digitale Identität könne man auch in der digitalen Welt Menschen von KI unterscheiden. Wer also auf Worldcoins zugreifen möchte, der benötigt eine digitale ID.

Um diese zu erhalten müssen Nutzer einen Iris-Scan durchführen. „Tools for Humanity“ (TFH) das Unternehmen, das hinter dem Worldcoin steckt, will in den kommenden Monaten in 35 Städten Identifizierungs-Bälle („Worldcoin-Orb“) aufstellen. Diese entsprechen etwa der Größe eines Fußballs und verfügen über eine spezielle Kamera. Hierdurch kann man in Zukunft seine Augen scannen und sich anschließend für den Worldcoin registrieren. Die World ID sei ein „dezentrales Identitätsprotokoll, das den Datenschutz in den Vordergrund stellt“, erklärt das Unternehmen. Abgesehen von dem Iris-Scan werden keine weiteren personenbezogenen Daten benötigt.

Das Unternehmen gibt zudem vor, dass die Daten anonymisiert behandelt werden sollen. Es gehe dem Unternehmen nicht um die konkrete Person, sondern lediglich darum zu bestätigen, dass es sich bei dem Nutzer um einen echten Menschen handele. Durch den Scan werde lediglich ein numerischer und nicht ein personenbezogener Iris-Code erstellt.

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Viele kaufen Worldcoin das Weltverbesserer-Image nicht ab

Doch der Worldcoin steht schon jetzt in der Kritik. Die US-Fachzeitschrift „MIT Technology Review“ berichtete, dass Menschen in Indonesien mit Bargeldzahlungen dazu gebracht worden seien, sich zu registrieren. Vitalik Buterin, Mitentwickler von Ethereum, der zweitgrößten Kryptowährung der Welt führte aus, dass die Programmierung der Worldcoin-Orbs (der Scanner) nicht überprüfbar sei. Über Hintertüren könnten also doch personenbezogene Daten erhoben werden.

Auch vor dem Hintergrund der geplanten Einführung des digitalen Euro könnten die Entwicklung rund um die digitale ID noch spannend werden. Bisher ist die Einführung einer digitalen ID von der Europäischen Kommission natürlich geplant. Klar ist jedoch, dass durch eine digitale ID Möglichkeiten zur Kontrolle und Überwachung so groß wie nie zuvor wären.

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