Novartis
Mehrere Tumorfälle nach Vektorgentherapie mit Zolgensma bei Kindern
Nach der Gabe der Vektorgentherapie Zolgensma traten bei neun Kindern Tumore auf. Bei zwei der drei untersuchten Fälle konnte eine Integration der Vektor-DNA in die DNA der Patienten nachgewiesen werden. Die Technologie kam auch bei manchen Corona-Impfstoffen zum Einsatz.
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Der Schweizer Pharmariese Novartis meldet, dass es nach der Gabe des vektorbasierten Medikaments Zolgensma bei Kindern zu neun Tumorfällen kam. Dabei konnte in bisher zwei von drei untersuchten Fällen eine Integration der Vektor-DNA in die DNA der Patienten nachgewiesen werden, wie Novartis mitteilte. Bei sechs weiteren Tumorfällen steht eine genauere Untersuchung noch aus. Das Tumorrisiko wird in den Fachinformationen zu Zolgensma aufgeführt. Bislang haben über 6.000 Kinder das Medikament bekommen.
Die Tumore traten sowohl im zentralen als auch im peripheren Nervensystem sowie an der Wirbelsäule und in den Nieren auf. „Es scheint so, als hätte sich Virus-DNA in die Gene von den Patienten eingebaut. An dieser Stelle wurde dann ein Eiweiß aktiviert, das Zellwachstum fördert und Tumoren auslösen kann. Weil die Virus-DNA in den Zellen verbleibt, könnte sie auch Jahre später noch Tumore auslösen“, ordnete Prof. Christoph Kleinschnitz, Direktor der Neurologie an der Uniklinik Essen, die Tumorfälle gegenüber der Bild ein.
Zolgensma wird Kindern gegen eine seltene erbliche Muskelerkrankung, die spinale Muskelatrophie, gegeben. Durch die Erkrankung sterben die Nervenzellen ab, was dazu führt, dass die Muskeln immer schwächer werden. Je nach Typ der Erkrankung kann diese bereits in den ersten beiden Lebensjahren zum Tod führen. Das Medikament wird Kindern unter zwei Jahren, die an der Krankheit leiden, einmalig per Infusion gegeben. Dabei wird eine funktionsfähige Kopie des defekten Gens in die Zelle eingeschleust. Zolgensma kostete 2019 bei der Markteinführung 2,1 Millionen Dollar pro Behandlung.
Vektorbasierte Arzneimittel und Gentherapien rückten insbesondere im Zuge der COVID-19-Pandemie verstärkt in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Die Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson nutzten gentechnisch veränderte, nicht vermehrungsfähige Adenovirusvektoren, um die genetische Information für das Spike-Protein des Coronavirus in menschliche Zellen einzuschleusen.
Ein vergleichbares Grundprinzip des viralen Gentransfers kommt auch beim Gentherapeutikum Zolgensma zum Einsatz. Dieses verwendet einen Adeno-assoziierten Virusvektor des Serotyps 9 (AAV9), um eine funktionsfähige Kopie des SMN1-Gens in Zielzellen einzubringen. Trotz dieses gemeinsamen technologischen Ansatzes unterscheiden sich die verwendeten Vektoren hinsichtlich ihrer Virusfamilie, ihrer biologischen Eigenschaften, ihres Zelltropismus und ihrer therapeutischen Zielsetzung.
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