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Ludwig-Erhard-Gipfel

Interessenkonflikte am Tegernsee: Weimer hat Firmenanteile an langjährigen Vertrauten übergeben

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hatte im November angekündigt, seine Firmenanteile an der Weimer Media Group einem Treuhänder zu übergeben. Die Anteile sind nun bei seinem langjährigen Mitarbeiter und engen Vertrauten Peter Michael Kersting gelandet.

Steht unter Druck: Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. (IMAGO/Bernd Elmenthaler)

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Wolfram Weimer und der durch seine Frau organisierte Ludwig-Erhard-Gipfel stehen aufgrund mehrerer Absagen von Spitzenpolitikern für das diesjährige Event zunehmend unter Druck (mehr dazu hier). Nun werden Details zu Weimers vorübergehenden Abgabe seiner Unternehmensanteile an einen Treuhänder bekannt – und die Umstände werfen Fragen auf.

Wie aus der im Handelsregister einsehbaren aktualisierten Gesellschafterliste von Ende Dezember hervorgeht, handelt es sich bei dem Treuhänder um Peter Michael Kersting, einen engen Mitarbeiter und Vertrauten Weimers. Das Handelsblatt berichtete zuerst darüber.

Im November hatte der Kulturstaatsminister verkündet, für die Dauer seiner Amtszeit seine Unternehmensanteile an der Weimer Media Group (50 Prozent) an einen Treuhänder abzugeben – um so den Anschein eines Interessenkonflikts zu verhindern.

Bereits jetzt leitet Kersting als „General Manager“ das operative Geschäft der Weimer Media Group, seit etwa zehn Jahren arbeitet er in dem Unternehmen. Kersting wird daher auch im Impressum der Mediengruppe genannt – bezüglich der tatsächlichen Unabhängigkeit Kerstings und der Frage, ob durch einen solchen Treuhänder Interessenkonflikte tatsächlich vermieden werden, kommen deshalb Fragen auf. Darüber hinaus wird auch in Zukunft die Ehefrau des Kulturstaatsministers, Christiane Goetz-Weimer, die andere Hälfte der Anteile halten.

Weimer hatte den Entschluss, seine Anteile einem Treuhänder zu übergeben, in Reaktion auf die scharfe Kritik infolge einer Apollo News-Recherche gefasst. Diese hatte aufgedeckt, dass die Firma bei Sponsoring-Verhandlungen mit dem Verkauf von „Einflussnahme auf politische Entscheidungsträger“ geworben hatte.

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Doch die Übergabe der Anteile an Kersting sorgt nun ebenfalls für Kritik. Für Lobbycontrol reicht die Maßnahme nicht aus, um einen Interessenkonflikt zu verhindern: „Dass dieser Treuhänder nun ausgerechnet ein leitender Mitarbeiter der WMG ist, verstärkt den Eindruck der Augenwischerei“, so Lobbycontrol-Vertreter Timo Lange gegenüber dem Handelsblatt. Eine wirkliche Distanz sei nicht geschaffen worden.

Auch bei den Sozialdemokraten, die immerhin Koalitionspartner in Merz’ Kabinett sind, zeigt man sich bezüglich Weimers Vorgehen eher skeptisch: Gegenüber dem Handelsblatt meinte der Bundestagsabgeordnete Sebastian Roloff: „Entscheidend ist dabei (bei Treuhandlösungen, d. Red.) jedoch, dass ihre Unabhängigkeit nicht nur formal gewährleistet ist, sondern auch nach außen zweifelsfrei nachvollziehbar bleibt, und dies muss Herr Weimer in diesem Fall plausibel darlegen.“

Mittlerweile wurde die Liste der angekündigten Speaker für die nächste Veranstaltung im April von der Startseite der Webseite des Ludwig-Erhard-Gipfels entfernt und ein Link auf die entsprechende Unterseite verschleiert. Zuletzt hatten eine Reihe von Spitzenpolitikern ihre Teilnahme am diesjährigen Ludwig-Erhard-Gipfel abgesagt: Anders als zunächst vom Gipfel angekündigt, kommen die vier Kabinettsmitglieder Thorsten Frei, Katherina Reiche, Alois Rainer und Dorothee Bär nicht zum diesjährigen Gipfel.

Auch eine Reihe von bayerischen Staatsministern hat ihre Teilnahme abgesagt, nachdem der bayerische Ministerpräsident Markus Söder angekündigt hatte, seine Schirmherrschaft für den Gipfel aufzugeben und eine Teilnahme ebenso abzusagen. Die Namen und Bilder der entsprechenden Politiker sind jedoch weiterhin auf der Webseite des Gipfels abrufbar.

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23 Kommentare

  • In jedem Rechtstaat der Erde würde so ein Treffen als Bildung einer kriminellen Vereinigung eingestuft und alle Teilnehmer dementsprechend gerichtlich belangt.

    • „Bildung einer kriminellen Vereinigung “

      Nanana!!!
      Immerhin hat er seine Anteile doch einem Treuhänder übergeben!

      Oder bildlich dargestellt:
      er hat die Vase auf der Kommode etwas zur Seite geschoben, nun ist Alles wieder gut. 😉 😉 😉

    • Ich finde die Weimer Group hat das Compliance-Problem ganz vernünftig gelöst!

  • Stellt Euch vor, es ist Gipfel und keiner geht hin? Was dann?

    • Dann legt er sich weiter mit google an. Gröni hilft auch mit.

  • Stellt euch vor…Weimer wird verhaftet.

    • Das wird nicht passieren, da mit ihm Merz und damit die Regierung fallen würde.

      • Ich fürchte, dieser Mann hat ähnlich viele „aussagekräftige Akten“ in der Tasche wie seinerzeit Schalck-Golodkoswki, als er an den Tegernsee übersiedelte.

  • Ich warte jetzt auf den Dünnschiss Kommentar der linken Transe Atlas.

    • Don’t feed the troll

  • Gegen Weimer sind doch Strafanzeigen erstattet worden, u.a. wegen Vorteilsannahme. Bis heute habe ich nicht gehört, wie die Staatsanwaltschaft damit umgegangen ist. Sie müsste ja zumindest prüfen, ob ein Anfangsverdacht vorliegt.

    • Die Verjährungsfrist läuft noch …

  • Dazu fällt mir nur noch das Wort „VERBRECHER“ ein

    • …. oder Felix Krull …halt ein Hochstapler

  • Ohne Brandmauer hätten auch ehemals als „seriös“ geltende Medien schon längst seinen Rücktritt gefordert.

  • Auffälliger geht’s doch gar nicht mehr.
    Was für eine Augenwischerei. Das gehört alles von der Staatsanwaltschaft untersucht. Ob die Unabhängig sind, weiß nur der Himmel.
    Ein Sprichwort sagt: das stinkt alles bis zum Himmel. Und hier scheint viel Dreck am Stiefel oder den Stiefeln zu kleben.

  • Als der damalige Bundesfinanzminister Christian Lindner am 4. Mai 2023 während des Ludwig-Erhard-Gipfels spätestens die Kritik übte, dass allen voran Olaf Scholz als seinerzeit amtierender Bundeskanzler eine Politik duldet, die nicht einmal im Ansatz wenigstens „mit der physikalischen Realität in Überstimmung zu bringen“ ist, erweckt dessen Einlassung nicht den Eindruck, gekauft worden zu sein. Insofern sollte auch heute darin innegehalten werden, gleichsam das Kind mit dem Bade auszuschütten, wovor bereits Anfang der 1980er Jahre Hans Rieger als der einstige Vorsitzende des Betriebsrates der früheren Magirus-Deutz AG namens der Belegschaft der „Deutschen Bullen“ ausdrücklich warnte. Angezeigt wäre damit, sich anzuschicken, auch künftig die Unterschiede nicht aus den Augen zu verlieren. Der dadurch wohlbegründete Konservatismus des Industriearbeiters hätte sonst nur noch einen verschwindend geringen Marktwert.

    • Nur zur Erinnerung: Es war Willy Brandt, der am 17. März 1969 der Belegschaft der Magirus-Deutz AG persönlich seine Aufwartung machte. Olaf Scholz hingegen meinte bloß, es würde genügen, der Volkswagen AG zu Jahresbeginn 2023 einen Besuch abzustatten und den Konzern zu rühmen, angeblich wie kein zweites Unternehmen für das „Modell Deutschland“ zu stehen. Bereits daran ist mehr als augenfällig erkennbar, dass Welten zwischen beiden Bundeskanzlern liegen. Es verbietet sich daher, alles quasi über einen Kamm zu scheren. Man täte sich damit selbst keinen Gefallen.

      • Übrigens: Johann Wolfgang von Goethe notierte zuletzt noch in den Tages- und Jahresheften 1811: “ … denn ganz allein durch Aufklärung der Vergangenheit läßt sich die Gegenwart begreifen“.

  • Das Tollhaus in Berlin. Nur noch irre…

  • Wen möchte Weimer denn hier veräppeln?
    Den Bundeskanzler, die SPD, die Staatsanwaltschaft, den Bürger oder Apollo News?
    Oder vielleicht alle?
    Anscheinend hält er alle für strunzdumm, wenn er ein so leicht zu durchschauendes Manöver initiiert.

    • Was denn???
      Klappt doch …

  • Kersting steht als Mitarbeiter in einem Abhängigkeitsverhältnis ….

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