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„Öffnet eure Augen“

Instagram im Krieg: Wie deutsche Influencer gegen Israel hetzen

Seit anderthalb Wochen führt die Hamas einen brutalen Krieg gegen Israel. Seitdem wimmelt es auf Instagram von Videos von deutschen Influencern, die Israel zum Aggressor erklären und die Palästinenser als Opfer darstellen. Eine Parallelgesellschaft, die vor allem Jugendliche anzieht.

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In Deutschland hat sich eine antisemitische Parallelgesellschaft gebildet. Wer das noch nicht wusste – oder wahrhaben wollte – bekam es in den vergangenen Tagen eindrucksvoll präsentiert: Immer wieder versammelten sich pro-palästinensische Demonstranten in deutschen Großstädten, riefen israelfeindliche Parolen und legten sich mit der Polizei an. Am Dienstagabend eskalierte die Lage in Berlin derart, dass Polizeibeamten das Holocaust-Mahnmal in der Nähe des Brandenburger Tors bewachen mussten.

Und nicht nur auf den Straßen versammelt sich eine überwiegend arabischstämmige Community, um antiisraelische Propaganda zu verbreiten. Auch in den Sozialen Medien lässt sich seit Tagen eine beispiellose Flut an israelfeindlichen Videos beobachten. Diese stammen zum Teil von arabischen Accounts, allerdings auch immer öfter von deutschsprechenden Influencern.

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Erst Anfang der Woche ging beispielsweise auf Instagram ein Video der Beauty-Bloggerin Zara Secret viral, in der sie den Nahostkonflikt in peinlicher Erklärbär-Manier herunterbricht und behauptet, die Palästinenser würden sich mit ihren neusten Angriffen ja nur gegen die über 70 Jahre Gewalt von Israel verteidigen. „Hallo ihr Lieben“, beginnt die Frankfurterin ihr Video, „heute kam ich auf die Idee, mit euch zwei Testfragen durchzugehen.“ Wer empathisch sei und gesunden Menschenverstand einsetze, so Secret, würde die Fragen sicher „richtig“ beantworten.

Eine Beauty-Bloggerin erklärt den Nahostkonflikt

Es folgt eine über fünfminütige Beschreibung von Situationen, die Secret offenbar mit dem Nahostkonflikt vergleichen will. Zuerst erzählt sie von zwei Schülerinnen, Lisa und Anna. Lisa, die offensichtlich Israel symbolisieren soll, terrorisiert Anna (die Palästinenser) seit Jahren, verprügelt sie regelmäßig, schikaniert sie öffentlich, ohne dass andere Schüler, die das beobachten, etwas sagen. Eines Tages schlägt Anna zurück und verprügelt Lisa – infolge solidarisieren sich alle mit Lisa (Israel). „Wie gehst du mit dieser Situation um? Wo positionierst du dich?“, fragt Secret und insinuiert, dass es falsch wäre, sich mit Lisa (Israel) zu solidarisieren, weil sie ja der eigentliche Aggressor sei.

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Im zweiten Beispiel fingiert Secret einen Städtekrieg zwischen Berlin und Köln. Berlin habe Köln über 70 Jahre regelmäßig überfallen, Kölner aus ihren Häusern getrieben und ermordet – schließlich wehren sich die Kölner und ermorden einige Berliner. Daraufhin riegeln die Berliner die Stadt Köln ab und ermorden zahlreiche Kölner. Andere Städte solidarisieren sich schließlich mit den Berlinern. Secret fragt wieder, wie der Zuschauer sich positioniere. Er wisse ja, dass die Berliner „etwas durchführen in Köln, was absolut menschenrechtswidrig ist.“ 

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Schließlich löst sie auf: „Was gerade auf der palästinensischen Seite passiert, ist menschenrechtswidrig.“ Strom, Gas und Wasser sei von den Israelis abgestellt worden. Regelmäßig würden Palästinenser durch die israelischen Bombenangriffe sterben. Dennoch würden Politiker nur Israel unterstützen. „Öffnet die Augen“, sagt Secret. Wer auf sein Herz höre, wisse schon, mit wem er sich eigentlich solidarisieren müsse.

Videos zeigen weinende Kinder aus dem Gazastreifen

Doch nicht nur fröhlich vorgetragene Gedankenexperimente wie das von Secret sollen die Instagram-Nutzer zum Umdenken bewegen. In den Sozialen Medien finden sich auch zahlreiche Videoaufnahmen, die augenscheinlich Bilder aus dem Gazastreifen zeigen: verletzte, verängstigte Kinder, zerstörte Häuser und weinende Familien. Die brutal von der Hamas ermordeten und verschleppten Israelis werden nicht gezeigt. In den Kommentaren findet sich viel Wut: jedoch nicht auf den Verursacher des Terrors, die Hamas, sondern allein gegen Israel. Vereinzelt wird in den Kommentarspalten auch gebetet und „Allahu Akbar“ geschrieben.

Es finden sich auch einige deutsche Instagram-Kanäle, die explizit zu pro-palästinensischen Demos aufrufen. Ein Kanal, der sich „Schulen in den Widerstand“ nennt, ruft regelmäßig zu Schulstreiks auf, bei denen die Schüler ihre Solidarität mit Palästina bekennen sollen. In ihren Aufrufen bezeichnet die Organisation die Terrorakte der Hamas als „Befreiungskampf“ und die Hamas-Terroristen als „Widerstandskämpfer“.

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Der Account ist kurz nach dem Angriff der Hamas auf Israel entstanden und wurde von vielen reichweitenstarken deutschsprachigen pro-Palästina Accounts massiv gepusht. Zunächst rief man zu einer Schulkonferenz mit allen Schülern Berlins auf. Auf Bildern der Veranstaltung sieht man, dass maximal 50 Personen an der Veranstaltung teilnahmen. Es folgte ein Aufruf zum Rechtsbruch: Weil die Berliner Bildungssenatorin das Tragen der Kufiya, auch bekannt als Palästinensertuch, in der Schule verboten hatte, forderte der Instagram-Account alle Schüler auf, sich dieser Regel zu widersetzen.

Einige Schüler folgten diesem Aufruf und trugen damit den Krieg ins Klassenzimmer. Stolz wurden einige Bilder der Aktion auf Instagram hochgeladen.

Feindbild Staat und Polizei

Pro-Palästina Demonstrationen wurden seit dem Angriff der Hamas auf Israel in den meisten Städten verboten. Dennoch versammelten sich teils hunderte Personen illegalerweise, um Sympathien mit dem Angriff auf Israel zu demonstrieren. Normalerweise werden solche illegalen Versammlungen von der Polizei aufgelöst und den Teilnehmern wird ein Verfahren gegen die beteiligte Personen eröffnet. Aufgrund der Masse an Demonstranten fällt dieses Vorgehen der Polizei bei Pro-Palästina Demonstrationen jedoch zunehmend schwerer.

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Sonntagabend hatten sich an die Tausend Demonstranten auf dem Potsdamer Platz in Berlin versammelt. Trotz Demoverbot schwenkten die Demonstranten Fahnen und grölten Parolen. Die Polizei kam mit der Masse an Demonstranten nicht zurecht und wurde selbst eingekesselt. Auf Instagram wurde anschließend die Polizei verhöhnt. „Berliner Hunde“ war eine der harmloseren Bezeichnungen. Ein anderer Nutzer schrieb: „Zu viele Hurensöhne auf ein Fleck… umzingelt von uns“. Damit meinte er die Polizei.

In den Kommentaren unter einem Video von der illegalen Demonstration am Potsdamer Platz drohte ein Account ganz offen mit einem Bürgerkrieg, sollte Scholz weiterhin Israel unterstützen.

Ein Blick in die Sozialen Medien zeigt: Die pro-palästinensische Community ist auf Instagram, TikTok und Co extrem stark. Dies ist nicht zuletzt deswegen problematisch, weil vor allem junge Leute sich häufig nur über diese Kanäle informieren. Da man davon ausgehen kann, dass in vielen Schulen und Familien nicht über den Krieg gegen Israel gesprochen wird, bleiben die Propaganda-Videos im Netz gerade für Jugendliche die einzige Informationsquelle. Es ist daher nicht abzusehen, dass sich die Parallelgesellschaften in Deutschland in naher Zukunft auflösen werden.

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