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Helena von Troja aus Kenia und die Rassisten

Helena von Troja ist schwarz. Wer dabei ein Störgefühl hat, ist Rassist und hat Homer nicht richtig gelesen. Nach allem, was wir wissen, war Homer der große Vordenker der neuen Linken.

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Nach einer schwarzen kleinen Meerjungfrau und einem lateinamerikanischen Schneewittchen wundert man sich bei Hollywood-Neuverfilmungen über nicht mehr vieles. Wenn sich dann aber ein absurdes Gerücht, das man am Anfang noch für rechtes „Rage Bait“ gehalten hat, als wahrscheinlich wahr entpuppt – nämlich, dass in der Neuverfilmung von Homers „Odyssee“ Helena von Troja schwarz und Achilles transsexuell sein wird –, merkt man, dass man doch noch etwas Verwunderung übrig hatte.

Inzwischen ist das nicht mehr unser erstes Rodeo. Beide Seiten sind auf diese Situation bestens vorbereitet. Die Rolle einer weißen Figur, die ausdrücklich für bestimmte europäische Eigenschaften bekannt war, wird mit einem Schauspieler besetzt, der nicht so aussieht. Meistens sind es weibliche Rollen. Die eine Seite kritisiert das. Die andere Seite bezeichnet die erste als Rassisten. 

„That’s Hollywood, baby“, werfen sie einem an den Kopf, und dass es doch nun wirklich lächerlich ist, wie man sich über die Hautfarbe einer fiktiven Person so aufregen kann. Währenddessen hat dieser Trend aber selbst vor Königin Charlotte nicht haltgemacht, die eine echte Person aus (weißem) Fleisch und Blut war. Das Gerücht, dass Charlotte eine „person of color“ war, soll zum Teil in Gemälden begründet sein, auf denen sie afrikanische Züge habe. Auf diesen Gemälden hat sie hervortretende dunkle Augen, volle Lippen und eine kurze, breite Nase – wie charmant, da direkt an Afrikaner zu denken.   

Der absolut beste Artikel zu diesem Thema stammt dieses Mal vom Rolling Stone: „Helena von Troja war schon immer ein Kind ihrer Zeit – egal, was Rassisten denken“. Die Autorin, die sich als jemand darstellt, der Homers großes Werk tatsächlich gelesen haben will, erklärt, dass der Diskurs beweise, wie wenig die „Rassisten“ vom Original verstehen würden. Einerseits ließe sich schon gar nicht nachvollziehen, wie Helena ursprünglich einmal beschrieben wurde. Immerhin fließen in jede Übersetzung auch Vorurteile und Ideale der jeweiligen Zeit ein. 

Außerdem: „Der Trojanische Krieg und die griechischen Königreiche, die den Schauplatz der homerischen Epen bilden, erstreckten sich über den östlichen Mittelmeerraum und Nordafrika. Die Menschen, die dort lebten, waren vielfältig – und keineswegs, wie die großen Meister Europas sie später darstellten, eine Rasse lilienweißer, errötender Arier mit schöner Brust oder der Muskulatur eines Bodybuilders.“ Für die Ablehnung von Lupita Nyong’o in der Rolle der Helena macht sie einen einfachen Grund aus: Helena sei „eine Projektionsfläche für die eigene psychosexuelle Fixierung auf Weißsein als Güte“. 

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Aha. Ich werde nicht so tun, als ob ich das Original gelesen hätte. Und über die antiken Griechen weiß ich nur noch Fetzen aus meiner Schulbildung. Mich beschleicht trotzdem irgendwie das Gefühl, dass Nordafrikaner schon damals nicht wirklich anders ausgesehen haben dürften als heute. Mein letzter Stand war, dass Afrika ein Kontinent ist, auf dem nicht alle so aussehen, wie in Musikvideos von „We Are the World“ oder auf Flyern von Brot für die Welt dargestellt. Ich kann auch Geografie nicht zu meinen größten Stärken zählen, aber Kenia – wo die Schauspielerin Nyong’o zum Teil herstammt – hätte ich jetzt nicht in Nordafrika verortet. 

Diese Argumentation wiederholt sich dennoch im Diskurs. Man könne nicht wissen, wie Helena ausgesehen haben soll, sie kam nicht aus Griechenland, sondern aus Anatolien, „helle Haare“ könnte für die alten Griechen alles geheißen haben. Alles, was das beweist, ist, dass sie nicht unbedingt blond sein muss. Man tanzt dennoch um den Umstand herum, dass sie ganz sicher nicht kenianisch war und Homer – sofern es ihn gab – wahrscheinlich in seinem ganzen Leben keine schwarze Frau gesehen hat. 

Es könnte eigentlich wirklich egal sein. Ich werde den Film nicht wegen Lupita Nyong’o oder Elliot Page nicht gucken, sondern weil er unglaublich leb- und farblos aussieht. Jedoch spiegelt sich in dieser absurden Debatte ein beliebtes Phänomen unserer Zeit wider. Egal, ob es Homer nun gegeben hat und wie er sich Helena vorgestellt hat: Die Behauptung, dass wir uns unmöglich vorstellen können, wie sich antike Griechen schöne Frauen vorgestellt haben, ist Schwachsinn. Und auch, dass Homer nach allem, was wir wissen, ein großer weltoffener Vordenker der neuen Linken gewesen sein könnte, ist Schwachsinn. 

Das weiß auch jeder. Und es ist auch im Ernst jedem klar, dass der Ursprung des Problems, das manche nun mit der Besetzung durch Nyong’o haben, nicht Rassismus ist. Sie ist eine erfolgreiche Schauspielerin mit Oscar, die schon in vielen Filmen mitgespielt hat, bei denen es keine Probleme gab. Mich wundert eigentlich eher, dass sie diese Rolle angenommen hat. Denn eigentlich liegt der wahre Rassismus in der Ideologie, die es nun für nötig hält, weiße Charaktere auszutauschen. 

Diese Bewegung, die alles Europäische und Westliche ablehnt und mit Macht ersetzen will, ist nicht antirassistisch. Für sie ist europäische Kultur so etwas wie eine Standardeinstellung, Neutralität, eine Grundvoraussetzung. Alles andere ist besonders, kultiviert und exotisch. Es ist so, wie wenn man in einem Café in Berlin einen Kaffee bestellt und gefragt wird, ob man „normale Milch“ haben will oder eine vegane Nachmache in abgedreht.

Sie ist diejenige, die unsere Kultur wie etwas Überlegenes behandelt. Sie tut so, als wäre ein westlicher Film über eine europäische Geschichte mit weißen Schauspielern eine Machtdemonstration, die es zu verhindern gilt. Der Höhepunkt der Gleichberechtigung, die größte Ehre, die der weltoffene Westen den unterdrückten Minderheiten dieser Welt zuteilwerden lässt, ist, dass sie in unseren Geschichten mitspielen dürfen. Sie dürfen unsere großen Königinnen und Fabelprinzessinnen spielen. Denn am Ende des Tages gibt es doch nichts Größeres, als Teil unserer Kultur zu sein. 

Ich bin mir sicher, dass es in Afrika – immerhin einem riesigen Kontinent – irgendwelche mystischen Erzählungen über Fabelwesen, Prinzessinnen und Helden gibt. Doch niemand kommt darauf, diese Geschichten zu erzählen. Es widerspricht ja auch dem Konzept von Neuverfilmungen. Die meisten Filme, die heute erscheinen, sind entweder Geschichten, die schon zigmal verfilmt wurden, die zweiten Teile von irgendwas oder Biografien von allem und jedem. Das Einzige Rebellische, was einem da einfällt, ist, manche Rollen so unpassend wie möglich zu besetzen und sich dann als politisch korrekt feiern zu lassen. 

Wenn Sie also großer Homer-Fan sind, warten Sie einfach auf die nächste Verfilmung. Wenn Sie mal wieder ins Kino wollen, würde ich noch eher in „Glennkill: Ein Schafskrimi“ gehen. Der Film handelt von einer Gruppe Schafe, die den Mord an ihrem Schäfer aufklären. Wie schön, dass es jetzt einen Film gibt, der das Tier zum Helden macht, das uns allen zu ähnlich ist. Eigentlich genauso sinnbildlich für unsere Gesellschaft wie eine schwarze Helena von Troja. Aber wenigstens nimmt man sich da nicht so ernst. 

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28 Kommentare

  • Die alten Griechen sind schuld. Haben ihre Figuren aus weißem Marmor geklöppelt, statt aus schwarzem Gestein. Die Venus von Milo, die Nike von Samothrake und all die anderen Statuen – von den späteren Nachfolgern im antiken und klassischen Rom ganz zu schweigen – müssen dringend neu geschnitzt werden. Oder zumindest schwarz angepinselt. Ein paar gerne auch pink oder regenbogenbunt, Hauptsache, das Weiß ist weg.

    • Nur so als Funfact: Die meisten der griechischen Statuen waren ursprünglich bunt bemalt, um diese realistischer aussehen zu lassen. Das ist nur mit der Zeit verwittert.

  • Wenn Hollywood die Rolle des deutschen Regierungschef von 33 – 45 des vorigen Jahrhunderts endlich mal mit einem Schwarzen besetzen würde, dann wäre auch ich davon überzeugt, dass es keinen Rassismus, egal welcher Art, mehr gäbe.
    Aber so geht es ja immer nur in die eine linksrotgrünwoke Richtung…

    • Brilliant!😅

  • Inzwischen überrascht mich so etwas nicht mehr.

    Was den Film Glenkill angeht:
    Laut Kritik im Cicero:
    „Wir erkennen, dass menschliche Logik oft nur ein Konstrukt aus Vorurteilen und blinden Flecken ist, während die Schafe – frei von den Fesseln gesellschaftlicher Konventionen – das Wesentliche erfassen. “

    Die Schafe sind uns also nicht allzu ähnlich sondern deutlich überlegen wie es scheint.
    Ansonsten volle Zustimmung zum Artikel einschliesslich der Empfehlung sich Glennkill anzusehen.

  • Geht es hier nicht zufällig um die „Aneignung“ einheimischer (indigenen!)Kulturen?!

  • Hollywood kann filmen was sie wollen, sollten es aber dem Genre Fiktion einordnen.

    Bedauernswert ist nur wenn Menschen, es glauben und schlimmer es umsetzen.

    Dystopische Filme, Filminhalte z.B. aus den 1990er und Beginn 2000er sind doch gerade in westlichen Gesellschaften unterschwellig Realität geworden.

    Demolition Man, Equilibrium fallen manchen spontan sofort ein,
    wenn es um Verbote, Meinungen, Äußerungen, E-Mobilität, Innere Sicherheit, Gewalt und vor allem Überwachung und Kontrolle der Bevölkerung geht.

    Erst wenn Verfilmungen Realität werden sollen, dann muss man sich sorgen, ansonsten ist es eben Unterhaltung für eine winzige Klientel, die ihre Ideologie an Leinwänden geworfen sehen.

  • Lupita Nyong’o. Ich schaue mir die Bilder dieser Frau an und denke: wer soll für sie einen solchen Krieg anzetteln?

    • Ein schwarzer Adonis? Eh, ich meine, wie hieß er noch mal ? Achilles? Quatsch, es war doch, na?

  • Warum wird eigentlich nie eine Chinesin für den Feldzug der Woken verwendet? Ich finde es diskriminierend, wie rassistisch die Woken ihren Krieg führen!

  • Die woke Bewegung hat in Ihrer Welteroberungsformel einen Faktor übersehen, und der hat starke Auswirkungen.
    Je mehr von diesen anmaßenenden und übergriffigen Kulturellen Aneignungen sie durchziehen und mir gleichzeitig noch erzählen wie schlimm doch *meine* Kulturelle Aneignung angeblich sei, desto mehr schaffen sie nicht Toleranz sondern Abneigung. Tiefe echte Abneigung wo früher Weltoffenheit und Sympathie war.

    Der Begriff Toleranz im übrigen kommt aus dem Lateinischen und meinte ursprünglich „etwas erdulden“. Tja, bei mir ist mit der Duldsamkeit schon lange vorbei, und ich schätze das wird allgemein noch zunehmen.

    Im übrigen finde ich es sehr wichtig daß Sie hier endlich mal schreiben „Ich bin mir sicher, dass es in Afrika […] mystischen Erzählungen […] gibt. Doch niemand kommt darauf, diese Geschichten zu erzählen.“ – Ja, ein Gedanke den ich auch öfter hatte. Und vor Jahren hätten mich diese fremden Mythen sogar interessiert. Nun schon länger nicht mehr.

  • Gibt es überhaupt noch Publikum für solche Wokeismus Kino-Filme oder werden diese nur noch per Steuergeld über Filmförderung finanziert. Nächste Neuverfilmung wohl die Nibelungen mit Helge Lindh als Siegfried von Xanten und Anton Hofreiter als Brunhilde

    • Die Besetzung der Brunhilde passt!

      • Der Siegfried spielt die Esken.

    • Ja, derart Grossproduktionen werden zwecks Refinanzierung mit grosser Professionalität in den Markt gedrückt und erlangen Riesenreichweiten. Sowas wirkt dann auch.

  • Helena, Helene, Elena … blond, blaue Augen und slawischer Abstammung. Nicht mediteran mit dunklem Haar und braunen Augen. Zentralafrikanisch noch viel weniger.

    Nolan ist leider eine Enttäuschung. Zum Glück hatte er nicht Troja gedreht.

    Trotzdem werden sich Leute diesen Film anschauen und bekommen ein falsches Geschichtsbild.

  • Ich weiß (<-Tsk Tsk!) gerade nicht, wo ich es vor ein paar Tagen gelesen habe – es gibt wohl einen Kriterienkatalog, dem man entnehmen kann, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, um in die Auswahl für einen Oscar zu gelangen. So in der Art (ich spitze leicht zu) "Die Assistentin des stellvertretenden Hilfsbeleuchters m/w/x muss a) trans, b) übergewichtig, c) behindert und d) Angehörige einer von Kolonialismus, Rassismus, Klimawandel und Trumpismus unterdrückten, ethnischen Minderheit sein. Und muss faktisch mehr zu sagen haben, als derdiedas Regisseur.

    Ja, ich übertreibe leicht, aber wer die Kriterien irgendwo findet, wird sehen, dass ich sehr nah an der Realität bin.

  • Sofern Hollywood weiterhin versucht mir seine Ideologie aufzuzwingen, werde ich das ganz sicher nicht akzeptieren und mit den Füßen abstimmen. Die Ergebnisse an den Kinokassen werden auf Dauer dann hoffentlich dieses Ägernis eleminieren. Schade nur um die kulturreduzierte Zeit bis dahin.

  • Es geht letztlich um Demütigung. Seht her, wir können eure Geschichte umschreiben wie wir wollen und ihr könnt nichts dagegen tun

  • „Ohne die Errungenschaften des Weißen Mannes hätte der Rest der Welt weder die Mittel, noch die Freizeit, noch überhaupt die Konzepte, um sich von ihm unterdrückt zu fühlen.“ — Michael Klonovsky, aus dem Gedächtnis zitiert

    Die linke Persönlichkeitsstörung (von der der „Wokismus“ nur die neueste, bislang am weitesten degenerierte Spielart darstellt) reduziert sich bei gar nicht mal so tiefgehender Analyse auf den Drang des Wertlosen, das Wertige und Würdige zu zerstören, da ersteres den Vergleich mit letzterem verständlicherweise nicht aushält, die Kluft mangels Entwicklungsmöglichkeiten aber auch nicht schließen kann.

    Der von einschlägig interessierten Milieus projizierend so genannte „Rassismus“ ist zu 99% schlichte, evolutionär bewährte Mustererkennung.

    • Ich reiche das korrekte Zitat mal nach: „Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.“ (Michael Klonovsky)

    • Das ist genau der Punkt. Der Hass auf die weiße, christliche Kultur und die weißen, alten Männer beruht einfach nur darauf, dass sie erfolgreich waren. Ein marxistisches Weltbild, in dem alle gleich wären und jeder alles sein konn steht da dem entgegen.

  • Die Welt wird immer perverser.

  • Hier arbeiten die US-Amerikaner ihre Sklaven-Neurose auf, Schuldgefühle auf weißer, Minderwertigkeitskomplexe auf schwarzer Seite. Meine hochgebildeten US-Freunde sind davon geradezu besessen. Als Anti-Marxisten glauben sie, „das Bewusstsein schaffe das Sein“. Sie wollen mit einem Umlügen von Geschichte (des „Bewusstseins“) die heutige Gesellschaft (das „Sein“) verbessern. Aber das Ende des Rassismus wird so nicht bewirkt: der heutige Rassismus hat sehr reale Gründe im „Sein“ (ein Grund, nicht unbedingt der einzige, steht im Buch The Bell Curve). Nur die Lüge, die könnte bleiben, und das ist das Gefährliche.

  • Niemand kann leugnen, dass antike (griechische und römische) Skulpturen kaukasische, also europäische Merkmale aufweisen.
    Aber was heute, insbesondere für Feministinnen und WOKMeschen ůberhaupt, Fakten bedeuten?!

  • Einfach den Scheiss ignorieren und nicht anschauen oder als Indianer verkleidet ins Kino gehen, wäre ja dann auch keine kulturelle Aneignung.

  • Und ich dachte nach Schneewittchen wäre der Spuk vorbei. An der Kinokasse werden die sehen was das Publikum denkt. Nach meiner Meinung war Helena ein verhunzelter alter, nonbinärer Zwerg von 70 Jahren mit Pickeln und ohne Haare.

  • Go woke, go broke.
    Ich hoffe, es gilt auch für solche Filmemacher.
    Nicht dass ich etwas gegen POC hätte, ganz im Gegenteil.
    Mir geht es um diejenigen, die uns ihren Wokismus aufdrängen wollen und glauben, die einzig richtige Perspektive zu vertreten.
    Solche Menschen müssen mit ihrem Schwachsinn und ihrer Ideologie scheitern.

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