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Unliebsame Informationen

Frühe Warnzeichen für Bank-Runs: EZB drängt auf Überwachungs- und Meldesystem für Soziale Netze

Der Kollaps der Credit Suisse oder der Silicon-Valley-Bank sorgten für Schocks im globalen Finanzsystem. Um solche zukünftig zu verhindern, will die Europäische Zentralbank jetzt die Verbreitung kritischer (auch wahrer) Informationen über überwachen lassen.

Die Europäische Zentralbank möchte die Überwachung von Aktivitäten in den sozialen Medien vorantreiben. Dies diene der Verhinderung sogenannter „Bank Runs“, also massenhafter Anstürme von Kunden an Bankschalter, die letztendlich zur Zahlungsunfähigkeit führen. Wie EZB-Mitarbeiter gegenüber Reuters erklären, hat die Zentralbank in Frankfurt am Main einige Banken aufgefordert, die Aktivitäten in den sozialen Medien genau zu überwachen, um eine Verschlechterung der Stimmung zu erkennen, die zu einem Ansturm auf die Einlagen führen könnte.

Die europäischen Aufsichtsbehörden haben nach dem Zusammenbruch der Silicon Valley Bank und der Credit Suisse im März letzten Jahres die Liquidität der Banken genauer unter die Lupe genommen, sagten die Personen. Banken können in finanzielle Schwierigkeiten geraten, wenn Kunden ihre Einlagen gleichzeitig abziehen.

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Im Oktober 2022 führte ein Social-Media-Posting eines Journalisten, in dem es hieß, dass eine „große internationale Investmentbank am Abgrund steht“, zu einem Ansturm auf die Schalter der Credit Suisse, bei dem Kunden bis zum Ende des vierten Quartals desselben Jahres mehr als 100 Milliarden Schweizer Franken abzogen. Das beschleunigte schließlich der Kollaps der einst renommierten Schweizer Bank. Die Information war allerdings korrekt.

Im März forderte die europäische Bankenaufsichtsbehörde die zuständigen nationalen Aufsichtsbehörden auf, Risiken zu bewerten. Insbesondere geht es auch um die Risiken sozialer Medien, die „zu einer Verschlechterung der öffentlichen Wahrnehmung und Reputation der Institution beitragen könnten“. Als Reaktion auf die spezifischen Anfragen der Europäischen Zentralbank hat eine bedeutende europäische Bank bereits ein Team eingesetzt, um bedeutende Mengen negativer Beiträge melden zu können.

Ein Sprecher der EZB schwieg gegenüber Reuters und wollte sich zu dem Vorgang nicht äußern. Klar ist aber, dass die Zentralbank die sozialen Netze schon etwas länger im Visier hat: „Soziale Medien ermöglichen eine schnellere Verbreitung von Informationen, können jedoch auch Erschütterungen auslösen oder verstärken“, erklärte die EZB in ihrer Finanzstabilitätsprüfung im November. Die Zentralbank hat in den letzten Monaten auch die Überwachung der Liquiditätsberichterstattung verstärkt.

Es handelt sich dabei ausdrücklich nicht um die Bekämpfung von „Fake News“: Die Zentralbank spricht offen von korrekten Informationen, deren Verbreitung hier überwacht werden soll. Im Falle der Credit Suisse oder der Silicon-Valley-Bank waren die kritischen Informationen, die zum Bank Run führten, jedenfalls korrekt – und die Banken tatsächlich wirtschaftlich am Ende.

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