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Vorsitzende Alena Buyx

Entkoppelt von der Realität: Ausgerechnet der Ethikrat geht jetzt auf die Bauern los

Der Ethikrat, der die Corona-Maßnahmen hofierte und auch die Blockaden der „Letzten Generation“ nicht kritisieren möchte, wirft den Bauern nun einen „ruppigen und empörten“ Umgangston vor. Gewalt sei keine Lösung, meint Buyx – dabei protestieren die Landwirte in Realität völlig friedlich.

republica GmbH, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

„Öffentliche politische Debatten werden zunehmend ruppiger und empörter geführt“, sagte die Vorsitzende des Ethikrats, Alena Buyxs am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Die Impf-Verfechterin, die kein schlechtes Wort über den radikalen Protest der sogenannten „Letzten Generation“ verlor, befürchtet nun, dass ausgerechnet die Bauern „rote Linien“ überschreiten könnten. Das dürfe aber nicht passieren, so Buyx. Deswegen sollten vor allem staatliche Akteure und Medien ausgeglichen berichten, denn „emotionales Aufheizen ist das Letzte, was wir gerade brauchen.“

„Knackige Debatten“ seien zwar wichtig, aber „Gewalt ist niemals akzeptabel“, meint Buyx. Die Ethikrat-Vorsitzende formuliert diesen Satz zwar nicht in direktem Bezug auf die Proteste der Landwirte, bedient hier aber dennoch das Sinnbild des „Mistgabel-Mobs“, das auch auf die Blockade der Fähre von Wirtschaftsminister Habeck angewendet wurde, obwohl sich später zeigte, dass sich die Bauern überwiegend friedlich verhielten. Alena Buyx spricht den Landwirten damit indirekt falsche Attribute zu, denn auch aktuell kann man ausgedehnte, aber friedliche Proteste der Bauern in sämtlichen deutschen Städten beobachten.

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Buyx führte aus, dass der Ethikrat schon länger für ein respektvolles Miteinander in Krisenzeiten eintrete. Doch davon kann kaum die Rede sein: Während man die Corona-Proteste im Sommer 2020 scharf verurteilte und Corona-Kritiker verunglimpfte, verlor man etwa über den Schaden, den die Aktionen der „Letzten Generationen“ verursachten, kein Wort. Bei den Bauern-Protesten nimmt Buyx als Vorsitzende diesmal aber kein Blatt vor den Mund und ruft aktiv dazu auf, friedlich zu demonstrieren.

Trotz fehlendem Anlass ist der Aufruf zwar per se nicht zu verurteilen, allerdings vergisst Buyx in ihren Ausführungen ganz bewusst, dass der Umgangston – wie sie es nennt – „ruppiger und empörter“ geworden ist, weil die Lage sich zunehmend verschlechtert – vor allem für die Bauern. Die Inflation, ungeregelte Migration und andauernde gesellschaftliche Spaltung führt zu immer mehr Frustration in der Bevölkerung. Grund für diesen Frust sind auch vom Ethikrat hofierte Vorkommnisse, wie die Corona-Maßnahmen. Doch das blendet Alena Buyx einmal mehr aus.

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