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Diskrepanz zu westlichen Zahlen: Russlands Verluste wohl deutlich geringer als angenommen

Weder Russland noch die Ukraine veröffentlichen verlässliche Zahlen zu ihren Gefallenen. Westliche Medien verlassen sich vor allem auf westliche Schätzungen. Unabhängige russische Journalisten meinen nun: Russlands Verluste seien geringer als gemeldet.

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Russische Journalisten haben die Todeszahlen von Putins Truppen in der Ukraine ausgewertet und sind zu dem Schluss gekommen, dass die westlichen Angaben über russische Verluste zu hoch sind. In einer umfangreichen Untersuchung haben die unabhängigen Medienportale Medusa (im Januar 2023 von Moskau als „unerwünscht“ erklärt) und Mediazona (gegründet von Mitgliedern der Punkband Pussy Riot) die Anzahl der russischen Soldaten, die bisher im Konflikt zwischen Moskau und der Ukraine getötet wurden, auf 75.000 geschätzt. Dies entspräche einem Preis von 120 Toten pro Tag, den Russland für den Überfall auf das benachbarte Land zahle.

Die Investigativjournalisten erklärten, dass sie ihre Ergebnisse aus der Analyse von Datenbanken für Erbangelegenheiten, dem Sterberegister, statistischen Angaben und Informationen von Hinterbliebenen gewonnen hätten. Es wurde betont, dass dies keine exakte Zahl sei, sondern eine statistische Schätzung. Der genaue Wert könnte zwischen 66.000 und 88.000 Gefallenen liegen.

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Schätzungen weichen stark ab

Die Enthüllungsjournalisten widersprechen damit den westlichen Angaben zu den Verlusten auf russischer Seite, die höher sind. Die Ukraine gibt die Zahl der russischen Verluste mit über 400.000 an, darunter Tote und Verletzte. Dieser Wert ist etwa doppelt so hoch wie die Schätzungen bei Medusa und Mediazona, die zudem von 130.000 verletzten russischen Soldaten ausgehen. Weder Russland noch die Ukraine machen offizielle Angaben zu den Verlusten in den eigenen Reihen.

Die Analyse führt weiter aus, dass allein 20.000 ehemalige russische Straftäter, die aus der Haft entlassen wurden, bei den Kämpfen in der Ukraine getötet wurden. Die Zahl der getöteten Kämpfer unter den rund 300.000 Reservisten, die während der russischen Teilmobilmachung 2022 einberufen wurden, wird auf 16.000 geschätzt.

Zwei tote Russen auf einen Ukrainer

Die Analysten erläutern ausführlich ihre Methodik bei der Erstellung der Zahlen und Grafiken. Sie erwähnen auch das anonyme Projekt UALosses, das rund 47.000 Namen getöteter ukrainischer Soldaten auflistet. Bei einer stichprobenartigen Überprüfung wurden fast alle Todesfälle verifiziert. In der Ukraine gibt es insgesamt mehr Zugang zu Quellen, weshalb der Datensatz besser ist als der für Russland.

Die Analysten äußern sich zum Verhältnis der Gefallenen auf beiden Seiten und zweifeln an den jüngsten Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Demnach kommen möglicherweise höchstens zwei getötete russische Soldaten auf einen toten ukrainischen Verteidiger, nicht fünf, wie es Selenskyj behauptet hatte. Die Ukraine müsse nicht nur der russischen Armee Verluste zufügen, sondern auch versuchen, ihre eigenen Verluste zu minimieren, um den Abnutzungskrieg zu gewinnen, so die Analysten.

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