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In Chile gewinnt der konservative José Antonio Kast die Präsidentschaftswahl und setzt damit eine Erfolgsserie für konservative Politiker in Südamerika fort. Den Stein ins Rollen gebracht hatte Argentiniens Kettensägen-Präsident Javier Milei.

Eine Analyse •

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Die „Marea Rosa“ – die rosarote Welle – war über Jahre die bestimmende Geschichte der südamerikanischen Politik: Mit dem Sieg von Hugo Chávez bei der Präsidentschaftswahl in Venezuela institutionalisierte sich die in Südamerika einst revolutionäre Linke, gleichzeitig kam damit eine neue Art südamerikanischer Staatschefs auf die geopolitische Bühne: antiwestlich, streng sozialistisch und zu oft mit autoritären Mitteln regierend. Im Laufe der 2000er Jahre gewannen Akteure dieser Gruppe eine Präsidentschaftswahl nach der anderen: Lula, der heutige Präsident Brasiliens, hatte dieses Amt etwa bereits zwischen 2003 und 2011 inne.

In Argentinien regierte derweil ab 2003 Néstor Kirchner. Er betrieb eine Politik von Verstaatlichungen, Steuererhöhungen und eines massiven Ausbaus des Sozialstaats. In Chile wurde die Sozialistin Michelle Bachelet 2006 und 2014 zweimal zur Präsidentin gewählt. In Bolivien kam mit Evo Morales, wie in Venezuela, ein zunehmend autoritär regierender Sozialist an die Macht.

Nachdem dieses als „rosarote Welle“ bezeichnete Phänomen Ende der 2010er Jahre kurzzeitig zum Halten kam – in Brasilien, Chile und Argentinien amtierten beispielsweise plötzlich konservative Präsidenten –, nahm es während der Corona-Jahre wieder Fahrt auf. Mit der chilenischen Wahl am Sonntag steht jedoch fest: Die rosarote Party ist vorbei – nachdem die Chilenen vier Jahre lang durch den Sozialisten Gabriel Boric regiert wurden, haben sie sich nun mit José Antonio Kast für den wohl bislang konsequentesten konservativen Staatschef entschieden, seit Augusto Pinochet sein Amt im März 1990 abgetreten hat.

Kast orientiert sich an Mileis Kettensägenkurs

Er möchte bei illegaler Migration eingreifen: Seit einigen Jahren flüchten immer mehr Venezolaner aus ihrem durch den Sozialismus von Chávez gebeutelten Land – und wandern in andere Länder illegal ein. Mittlerweile leben Hunderttausende Venezolaner illegal in Chile. Auch hier ist ein Anstieg der Kriminalität zu beobachten, insbesondere durch kriminelle venezolanische Banden, die immer wieder durch brutale Entführungen und Morde auffallen. Kast möchte deshalb nicht nur abschieben, sondern auch die Grenzsicherung deutlich ausweiten.

Wirtschaftspolitisch ist er liberal – er möchte zwar nicht wie sein Amtskollege in Argentinien, Javier Milei, mit der Kettensäge an den Staat ran; es ist immerhin aber mindestens eine Heckenschere: So will er die Steuern senken, Regulierungen abbauen und bei den Staatsausgaben deutlich sparen. Er und Milei haben ein freundschaftliches Verhältnis.

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Am Dienstag, nur zwei Tage nach der Wahl, haben sich die beiden in Buenos Aires getroffen. Das Treffen soll nach Aussagen der beiden sehr gut verlaufen sein – für die sozialen Medien posierten sie gemeinsam vor der vergoldeten Kettensäge, die in Mileis Büro steht. Kast steht genauso wie Milei für eine prowestliche Ausrichtung: Er ist ein offener Unterstützer von US-Präsident Donald Trump und gilt als einer der größten Unterstützer Israels.

Seit Mileis Wahlsieg läuft es für Südamerikas Konservative rund

Überhaupt kann der Kettensägen-Mann aus Buenos Aires als Vorbild für die vielen neuen konservativen und liberalen Staatschefs Südamerikas gewertet werden: Seit Mileis Wahlsieg im Dezember 2023 konnten Politiker rechts der Mitte in Südamerika einen Sieg nach dem nächsten einfahren: In Venezuela konnte der dortige sozialistische Machthaber Nicolás Maduro im vergangenen Jahr nur dank massiver Wahlfälschung an der Macht bleiben.

Bei den Präsidentschaftswahlen in Bolivien in diesem Jahr verloren die Sozialisten erstmals seit rund 20 Jahren – bereits in die Stichwahl zogen zwei konservative Kandidaten ein. Neuer Präsident ist nun der Christdemokrat Rodrigo Paz. Bereits kurz nach Amtsantritt kündigte er die Auflösung mehrerer überflüssiger Regierungsbehörden an. Außerdem möchte er die Steuern rasch deutlich senken.

In Peru nahm unterdessen die chaotische und wegen Korruptionsvorwürfen in der Kritik stehende linke Präsidentschaft von Dina Boluarte ein Ende. Die Marxistin war zunächst 2021 Vizepräsidentin – gewählt wurde sie gemeinsam mit dem ebenso linken Präsidenten Pedro Castillo. Die Regierung verlor wegen zahlreicher Korruptionsskandale rasch an Popularität – als Castillo 2022 kurz vor der Amtsenthebung stand, unternahm er einen Putschversuch, in dem er das peruanische Parlament aufzulösen versuchte. Der Versuch scheiterte – anstelle Castillos wurde Boluarte zur Präsidentin.

Boluarte war jedoch noch unpopulärer als Castillo: Gegen Ende ihrer Amtszeit sorgte sie weltweit durch Beliebtheitswerte von rund zwei Prozent für Aufmerksamkeit. Mitte Oktober wurde Boluarte schließlich ebenso des Amtes enthoben – mit José Jerí steht nun ein Christdemokrat an der Spitze Perus. Für die Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr sind die beiden Favoriten Konservative.

Die zweite Welle konservativer Politiker ist nachhaltiger

Anders als Ende der 2010er Jahre, als die Welle sozialistischer Staatschefs in Südamerika kurzzeitig beendet schien, ist der neue Trend auf dem südamerikanischen Kontinent in Richtung konservativer Politiker nun deutlich nachhaltiger: Mit Milei und dem anderen konservativen Vorreiter Lateinamerikas, dem Präsidenten von El Salvador, Nayib Bukele, gibt es bereits erfolgreiche Vorbilder mit einer positiven Vision: Der argentinische Präsident hat sein Land vor einer Hyperinflation bewahrt und der überbordenden Bürokratie den Kampf angesagt. Bukele hat aus El Salvador, einst dem Land mit der höchsten Mordrate der Welt, einen der sichersten Orte der Welt gemacht – mit einem Hardliner-Ansatz gegen organisierte Banden.

Kast geht sowohl mit seiner Wirtschaftspolitik als auch mit seinem Konzept zur Kriminalitätsbekämpfung in eine ähnliche Richtung. Anders als bei Bolsonaro, Piñera und Macri – den Köpfen der ersten konservativen Welle Ende der 2010er –, wirkt Kasts Wahl nicht mehr nur wie ein Aufstand der Wähler gegen inkompetente linke Politiker, sondern wie eine bewusste Entscheidung für konservative und liberale Konzepte.

Das sieht man bereits an seinem Wahlergebnis: In der Stichwahl erhielt er 58 Prozent der Stimmen – ein Ergebnis, das durchaus als Erdrutschsieg bezeichnet werden kann. In rohen Zahlen: über sieben Millionen Chilenen haben für ihn gestimmt – so viele Stimmen hat noch kein Präsidentschaftskandidat vor ihm erhalten. Die Wahlbeteiligung lag bei 85 Prozent – sie war damit so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr.

Wenn Kast im März als Präsident Chiles vereidigt wird, werden sechs der zwölf Staaten Südamerikas durch konservative Staatschefs geführt werden – noch im Januar 2023, nachdem Lula Bolsonaro als Präsident Brasiliens abgelöst hatte, waren es lediglich drei von zwölf. Bereits im kommenden Jahr könnte die Zahl noch weiter ansteigen: In Brasilien steht Lula zur Wiederwahl – aktuelle Umfragen sagen eine knappe Wahl voraus. In Kolumbien, dem traditionell konservativsten Land Südamerikas, stehen ebenso Präsidentschaftswahlen an – der amtierende linke Präsident Gustavo Petro ist dort äußerst unbeliebt. Und im linksautoritären Venezuela könnte es ebenso zu einem Regierungswechsel kommen – allerdings wohl kaum durch eine Wahl, die im dortigen Regime schon lange nicht mehr fair ablaufen kann.

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24 Kommentare

  • Südamerika wird zunehmend attraktiver für Urlaubsreisen und Investments.

  • Es besteht Hoffnung für den Rest der Welt!

    • Inwiefern?

      -16
  • Ich hoffe, der rollende Stein wird zur Lawine.
    Die Welt muß vom Sozialismus befreit werden.

    • Wo genau auf der Welt gibt es, abgesehen von Kuba Sozialismus? Sie wissen offenbar nichteinmal was das ist.

      -27
      • In Amerika unter anderem. Nur der Kapitalismus sorgt für Wohlstand für Bürger und Wirtschaft. Sozialismus, wie hier zu sehen, ruiniert ein Land und versorgt nur die, die nicht arbeiten. Da kommen immer mehr Länder dahinter. Deutschland darf irgendwann überall betteln gehen.

      • Einfach die Augen öffnen.

  • Die Wahlbeteiligung lag bei 85 Prozent….
    Si, si, dabei sollte man aber auch erwähnen das in Chile seit 2023 Wahlpflicht herscht.
    Nichtteilnahme wird mit einer empfindlichen Strafe von rund 100 US $ sanktioniert…

  • Ich finde es ist immer wieder ein Hoffnungsschimmer zu lesen das es durchaus Laender gibt in denen die Menschen der links/grünen Ideologie klarmacht das deren Macht nicht endlos ist und das sie mit deutlicher Mehrheit lieber einen konservativen Führungsstil bevorzugen

  • „Ein Kontinent kippt“ ist das falsche Bild (richtig nur für Linke) – es sollte evtl. besser heißen:
    Ein Kontinent richtet sich auf

  • Man muß allerdings dazu sagen, daß seit 2022 Wahlpflicht (voto obligatorio) gilt.
    Die 100%-igen hätten auch diesmal der Kommunistin Jara zur Mehrheit verholfen. Da aber die schweigende Mehrheit auf den Dörfern nun ebenfalls gefragt wird, hat es gereicht; und hätte vermutlich schon 2021 Boric vermieden – was wiederum die Gefahr einer Verfassungsänderung vergrößert hätte.

  • Links ist vorbei, tönte hier auch ein Friedrich Merz vor der Wahl. Nach der Wahl ließ er sich von links am Nasenring durch die Manege ziehen. Aber auch hier wird sich das Blatt wenden und die Vernunft einkehren.

    • Hoffentlich bald! Und hoffentlich ist dann noch genug Geld im eigenen Land um die größten Schäden dieser Regierung aufzufangen. Aber so, wie Friedrich das Geld, das für Deutschland gedacht war, ins Ausland und der Ukraine verschleudert….

  • Danke für den sehr informativen Artikel. Solch eine Übersicht über die aktuelle politische Landkarte in Lateinamerika habe ich mir schon immer gewünscht. Wenn es mit dem Sturz Maduros klappt und wenn Lula seine Abwahl nicht verhindern kann wird Lateinamerika zu einem Wellenbrecher gegen den in den vergangenen 15 Jahren weltweit erstarkten Sozialismus. Überhaupt ist es so, das Impulse für die Bewahrung von Demokratie und Marktwirtschaft in der Welt inzwischen ausschließlich von Kontinenten außerhalb Europas ausgehen.

  • Herr Cerny, ich bin kein Freund der Libertären und von Milei, ich war es nicht, bin es nicht, und werde es nie sein. Warum glaubt man bei Apollo News und Nius immer das alle Menschen die diese beiden Portale konsumieren immer dem geschriebenen und gesagten (gerade der Bereich Außenpolitik)) zustimmen? Es ist nicht so, für mich ist das Meinungsfreiheit.

    • Da kann ich ihnen nur zustimmen.
      Die, die Milei in den Himmel schreiben, haben anscheinend keinen Schimmer von den Folgen seiner Politik.
      Ich lebe in einem Nachbarland und bin relativ oft in Argentinien, Brasilien und Chile.
      Für die Menschen in Argentinien hat sich bis auf die einigermaßen Stabilisierung des Peso, die durch eine Abwertung um 50% erreicht wurde, nicht viel zum Besseren geändert.
      Erkauft wurde das mit exorbitante Preisteigerungen. Im Februar lag der Diesel z.B. bei ca. 1,60€ !
      Milei wirft den Rest von Argentinien den Raubtierkapitalisten zum Fraß vor. Argentinien wird gerade ausverkauft ein hübsches kleines Strohfeuer, mehr nicht.
      Und seine Kettensäge hat wohl bei Militär und Polizei keinen Sprit mehr, alle paar Kilometer Posten: Wohin weshalb, wieso, was geladen usw.
      Anscheinend hat der Herr Angst vor seinem Militär und Polizeiapparat und traut sich nicht ran. Man hat den Eindruck das halb Argentinien bei der Polizei arbeitet.
      Oder er hat Angst vor seinem Volk.,

  • In Brasilien hat Lula gewonnen. In Bolivien wurde Rodrigo Paz Pereira Präsident. Seine Partei PDC steht für einen „zentristischen Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus“. Yamandú Orsi in Uruguay ist ein Linker, Gustavo Petro in Kolumbien ebenfalls. Und dann gibt es ja noch den korrupten José Jerí in Peru…

  • Schon mal was von Väterchen Stalin gehört?

  • Linke werden nie Probleme lösen die sie verursacht haben.

  • Irgendwann erkennt jeder, dass mit den Linken nur der Untergang naht.

    • Das muss beim 1. und 2. Weltkrieg und allen anderen davor auch so gewesen sein. Die Linken waren dran schuld.

      • Beim 2.WK war es ja auch so. Es war nach Abschaffung der Monarchie bereits sicher, dass eine linke Regierung entsteht, es ging nur noch darum, ob nationaler oder internationaler Sozialismus.
        Unabhängig davon wussten die Linken jener Zeit zumindest, dass ohne harte Arbeit nichts funktioniert. Die heutigen sind komplett von der Realität entkoppelt.

        Aber wieso beim 1.WK oder anderen davor? Da gab es noch keinen umfangreich praktizierten Sozialismus, das begann unter Lenin mit der russischen Revolution 1917. Mir scheint, Sie haben keinerlei Ahnung, wovon Sie reden.

  • Beneidenswert, die mussten den Irrsinn nur vier Jahre ertragen. Und bei denen herrscht Demokratie bei den Wahlen, und danach.
    Hoffe um Deutschland herum wird die ganze Welt konservativ und baut eine Brandmauer zu D. und der EU.

  • Auch in Deutschland hat die Mehheit der Bevölkerung die Schnautze von links-grünem Sozialismus gestrichen voll- Leider sind viele naive Wähler bei der lezten Wahl einem windigen Betrüger auf den Leim gegangen, welcher nun das Gegenteil von dem liefert was er versparch.

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