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Trump droht, Deutschland schickt einen Bundeswehrtrupp und zieht dann abrupt ab – jetzt folgen US-Zölle. Wie es aktuell im Grönland-Chaos steht.

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Peinlich. Alles an der aktuellen Debatte rund um Grönland ist peinlich. Da wäre jetzt zuletzt Trumps bizarre Nachricht an den norwegischen Premier, in der er meint, er fühle sich nicht „mehr verpflichtet, ausschließlich an den Frieden zu denken, obwohl dieser immer im Vordergrund stehen wird“, weil er keinen Friedensnobelpreis bekam.

Die europäische Antwort auf Trumps immer lauter werdende Ansprüche auf Grönland ist allerdings ebenso peinlich: Mit dem groß publizierten und zugleich hektisch beendeten Mini-Militäreinsatz auf Grönland schaffte man es zugleich, Trump weiter zu provozieren und sich auf ganzer Linie zu blamieren.

Seit inzwischen mehreren Jahrzehnten betont man in Brüssel, wie wichtig es wäre, eine eigenständige Machtbasis aufzubauen, unabhängiger von anderen Weltmächten zu agieren und selbstbewusster aufzutreten. Unter Trump wurde diese Rhetorik noch einmal auf ein völlig neues Level gehoben. Nur zu oft scheitern genau diese Sprüche an der Realität: Das hat man mit dem Blamage-Einsatz jetzt auf Grönland bewiesen.

Vorweg: So undenkbar eine US-Invasion aus diplomatischen und historischen Gründen wäre, wenn man sie tatsächlich militärtaktisch einmal gedanklich durchspielt, ist jedem bewusst, dass die riesige Insel mit kaum Einwohnern und noch viel, viel weniger Militärpersonal niemals gegen die USA zu verteidigen wäre, die dort jetzt schon eine Militärbasis inklusive Stationierungsrechten hat. Käme es zum Undenkbaren, wäre es keine spektakuläre Invasionsanlandung, sondern wohl eher eine recht unblutige Blitzverlegung von US-Truppen, die dann ihre Basis verlassen und einmal die Übernahme der Insel bekanntgeben. Der diplomatische und geopolitische Schaden für die NATO und die transatlantischen Beziehungen insgesamt hingegen wäre natürlich kaum auszumalen.

Niemand braucht sich allerdings in diesem Kontext heroische Bundeswehrsoldaten, die Grönland bis zum letzten Mann gegen die Amerikaner verteidigen, herbeizufantasieren. Auch dieser Gedanke ist nichts anderes als Wahnsinn: ernsthaft Krieg mit den USA wegen einer Insel zu führen, die selbst eigentlich kaum mehr zu Dänemark gehören will. Natürlich würde es dazu nicht kommen, Deutschland ist selbst noch völlig abhängig vom Schutzschild der USA in Europa. Spahn wurde für seine Aussagen viel kritisiert, aber in einem Punkt liegt der Unionsfraktionschef richtig, als er sagte: „Ist es wirklich klug, dass wir als Europäer in der Abhängigkeit, in der wir von Amerika sind, diese Debatte jetzt so führen? Und die Antwort ist Nein.“

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Umso peinlicher war in diesem Kontext der Bundeswehreinsatz, für den man sich zwei widersprechende Deutungen bereitlegen wollte: In jedem Fall sollte er ein starkes Signal an Trump senden. Offiziell ließ man verlautbaren, man wolle demonstrieren, wie auch die europäischen NATO-Verbündeten Grönland vor Russland und China schützen können. Inoffiziell lief der Spin, dass all das auch ein Zeichen an die USA wäre, dass man bereit sei, Grönland auch vor Trump zu verteidigen – bewusst jedenfalls lief der Einsatz nicht über NATO-Strukturen, was im Fall Grönlands einen NATO-Oberbefehl beim zuständigen „Joint Force Command Norfolk“ in Virginia in den USA vorgesehen hätte.

So interpretierte es jedenfalls auch Trump, der das Mini-Manöver als gegen die USA gerichtet sah und prompt Strafzölle ankündigte. Kurz darauf wurde dann die plötzliche Abreise der deutschen Truppen bekannt. Die 13 Soldaten hätten ihre Übung wie geplant bereits abgeschlossen, hieß es am Morgen der Abreise. Noch am Abend vorher war dagegen verlautbart worden, es sei unklar, wie lange man noch dort bleiben werde. Die abrupte Abreise des Trupps einschließlich Pressebegleitung der Soldaten vom Rollfeld bis zurück in den Duty-Free-Shop des Flughafens vermittelte jedenfalls das völlige Gegenteil von Stärke.

Auch in der offiziellen US-freundlicheren Deutung kommt der Einsatz einer Blamage gleich. Wenn es wirklich darum ging, Trump zu zeigen, dass die Europäer Grönland verteidigen können und seine Sicherheitsargumente nicht ziehen, wie soll das ein dreitägiger Einsatz von gerade mal einem Dutzend Bundeswehrsoldaten, begleitet von ein- bis zweiköpfigen Trupps aus anderen europäischen Ländern, beweisen? Wenn überhaupt, beweist das eher das Gegenteil.

Ergebnis? Man hat Trump weiter verärgert, ohne auch nur einen Hauch jener vermeintlichen „europäischen Stärke“ zu vermitteln, die man sonst rauf und runter predigt. Peinlicher geht es kaum. Aber zurück zu Trump.

Als Trump Grönland zu Beginn seiner zweiten Amtszeit zum großen Thema machte, wurde er von vielen belächelt – auch in Europa. Dabei ist und bleibt es tatsächlich ein ernstes strategisches Thema, auch ein US-Kauf der Insel ist kein Trump-Hirngespinst. Bereits mehrfach standen die USA kurz davor, das Territorium zu kaufen. Zuletzt, nach Ende des Zweiten Weltkriegs mit dem Aufzug des Kalten Kriegs, gab es genau aus jenen geostrategischen Gründen, die Trump jetzt hochhält, innerhalb der US-Regierung ernste Vorhaben, eine Übernahme der Insel durch Kauf in Gang zu setzen.

Ja, die USA haben 1951 einen weitreichenden Stationierungs- und Verteidigungspakt mit Dänemark bezüglich Grönlands geschlossen, aber dennoch hielten die US-Militärs es auch danach, 1955, für nötig, die Insel zu erwerben. Bezogen auf das bestehende Stützpunktabkommen schrieb man dort: „Dennoch sind die Vereinigten Stabschefs der Ansicht, dass es aus militärischer Sicht vorteilhaft wäre, eine der folgenden Maßnahmen umzusetzen, die in der Reihenfolge ihrer Priorität aufgeführt sind.“ Was als Priorität Nummer eins folgt, lautet: „Erlangung des direkten Eigentums an Grönland durch Kauf“. Erst später folgen andere Stationierungsoptionen.

Klar ist auch, eine US-Übernahme der Insel wäre durchaus etwas anderes als ein US-Kauf von etwa Schleswig-Holstein, sondern eher vergleichbar mit dem Alaska-Kauf – soll heißen: Es geht hier am Ende um eine frostige, weit entfernte europäische Kolonie. Ein Territorium, das mit seinem „Frontier Spirit“ als abgelegener Außenposten der Zivilisation auf dem amerikanischen Kontinent durchaus eher zu den USA passen könnte als zu Mitteleuropa.

Das heißt aber natürlich nicht, dass Trump das Recht hätte, Grönland einfach zu annektieren. Es heißt aber, dass eine friedliche Lösung, bei der Grönland näher an die USA heranrückt, alles andere als unrealistisch ist. Gerade zu Beginn von Trumps zweiter Amtszeit gab es dafür auch in Grönland viel Interesse. Speziell die Idee einer Unabhängigkeit unter amerikanischer Schirmherrschaft schien dort attraktiv.

Dieses Modell von „freier Assoziation“ praktizieren einige kleine Inselstaaten im Pazifik, die zwar autonom und staatlich selbstständig bleiben wollen, aber viele der Vorzüge von US-Territorien nutzen möchten. Bei den COFA-Staaten („Compact of Free Association“) Palau, Marshallinseln und Föderierte Staaten von Mikronesien übernehmen die USA vollständig die Sicherheitspolitik und liefern weitreichende finanzielle Unterstützung, größtenteils zollfreien Handel und eine rechtlich ähnliche Stellung der jeweiligen Staatsbürger zu US-Amerikanern.

Jetzt scheint aber auch das in weite Ferne gerückt zu sein. Mit einem subtileren und diplomatischeren Ansatz hätte Trump die Grönländer, die übrigens selbst von Dänemark bereits das Recht zur Sezession erhalten hatten, davon vielleicht überzeugen können. Aber für Subtilität ist Trump schließlich nicht bekannt.

Wie geht es jetzt weiter? Das weiß keiner so richtig. Fest steht erst einmal nur eines: Die bisherige europäische Gegenreaktion auf Trump hat bisher kaum etwas zum Guten verschoben. Aus US-Sicht ist aber klar: Einen Grönland-Kauf hat man noch lange nicht abgeschrieben – auch wenn Dänemark bisher ablehnt. Der Druck wird also erstmal weitergehen. Ob man dann mit einer neuen Form der Kooperation, Grönlands Unabhängigkeit oder sogar wirklich einem Verkauf eine neue Lösung findet, ist offen.

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26 Kommentare

  • Die Chinesen müssen da raus gehalten werden. Das schaffen die Dänen nicht und auch nicht die schlecht aufgestellten Europäer. Trump versucht die USA auf die
    kommende Konfrontation mit China vorzubeteiten. Leider verstehen die Europäer nicht,
    dass ihr einziger Beitrag dazu darin besteht, einen geordneten Besitzwechsel zu
    organisieten.

    • @Klaus jürgen bremm:
      Ich gebe Ihne ja völlig Recht,aber sind:“Androhungen von Strafzöllen“
      der Richtige Weg?
      Für Mich klingt das eher nach Erpressung!
      LG
      Thorsten S.

    • Die Chinesen bedrohen Grönland gar nicht. Die Russen übrigens auch nicht. Die einzigen, die Grönland bedrohen sind die Amis. Und die Amis müssen sich nicht auf eine Konfrontation mit China vorbereiten, es sei denn, sie wollen die vom Zaun brechen. Und das werden die.
      Begreift es endlich, die Amis sind nicht eure Freunde. Wer das immer noch glaubt, der muss wirklich selten dumm sein.

      • @Elisabeth-Charlotte Kawuppke :
        Zitat:die Amis sind nicht eure Freunde
        Antwort:…Waren Die noch Nie!!!
        Nach dem WWII habe die Amis nur noch Kriege verloren,
        und sich Ihre“Frankensteine“selbst gezüchtet!!!
        LG
        Thorsten S.

        • Und wenn die den Konflikt mit China vom Zaun brechen, werden sie dieses mal nicht nur nicht gewinnen.

          3
      • @Elisabeth-Charlotte Kawuppke:
        Wenn China Taiwan angreift,wie verhält sich dann Japan?
        Eine nicht unerhebliche Frage!
        LG
        Thorsten S.

        • Die Japaner werden das tun, was ihnen ihre „Verbündeten“ befehlen.

          2
      • Ach Kawuppke, erzähls doch deinem Nachbarn.
        Als wüssten wir nicht längst, um was es euch hier wirklich geht.
        „Amis raus, Russen rein“ ist euer erstes und einziges Begehren seit anno tobak. „Eurasien“ ist euer Traumgebilde – aber ohne uns!
        „NATO raus!!“ – diesen Schlachtruf aller Linken sind die Wessis seit den 68ern gewöhnt.
        Aber diesen Gefallen werden wir euch nicht tun. Ganz im Gegenteil wird sich die NATO ausweiten. Zuletzt als sich euer Oberguru verrechnet hat und Schweden und Finnland beigetreten sind. Demnächst auch die heilig-neutrale Schweiz und viele andere werden folgen. Is halt so.

        • Sie bekommen die Tagesschau intravenös, per Druckleitung.

          0
  • Die Angelegenheit hat nicht nur eine geopolitisch-militärische Dimension, sondern dient auch der Rohstoffsicherung. Mit der Rohstoffsicherung werden heutzutage Kriege geführt, nicht mit Panzern und Raketen. Das beweisen auch China und Russland täglich.

    • Ne. Die lassen sich kaum erschliessen, da arbeiten schon lange Firmen dran

  • Wie sagte einst Henry Kissinger:
    Amerika zum Feind zu haben ist gefährlich. Amerika zum Freund zu haben, ist tödlich.

  • Vielleicht ärgert Trump sich einfach nur über die Europäer und führt ihnen ihre Schwäche vor. Denn die war ja sehr frech.

  • Der italienische Verteidigungsminister hat die Aktion zu recht als Witz bezeichnet. Wieder einmal wird uns vor Augen geführt wie substanzlos unsere Regierung ist. Es geht nicht um das nüchterne abwägen des realen machbaren, sondern um Haltung zeigen oder blanken Größenwahn.

  • Ich weiß echt nicht, warum sich die Europäer überhaupt streiten.
    Sie können Grönland nicht verteidigen und auch nicht erschließen. Was kann ihnen besseres passieren als dass die USA die Eiswüste übernehmen und militärisch stabil absichern??? Einen besseren Schutz in der nördlichen Hemisphäre kann es für Europa nicht geben.
    Haben die Europäer mit ihrem „Besitz“ Grönland schon andere Verträge ausgehandelt ohne dass die Grönen davon wissen? Eventuell mit China?

  • Grönland ist dänischer und europäischer Imperialismus.
    Ich sehe keine Not dafür, dass Dänemark eine Kolonie haben muss.

  • Eine gute Zusammenfassung, aus mehreren Blickwinkeln betrachtet, die auch zeigt, wie kompliziert die Sache ist. Was noch anzumerken ist, das wäre die Signalwirkung auf andere Länder, im Falle einer unfreundlichen Übernahme der Insel durch die VSA. Schon jetzt stellen die Ansprüche der VSA die westliche, oder besser EU „Werteordnung“ auf den Kopf. Denn wie soll man noch den Krieg gegen Russland rechtfertigen. Oder die Verteidigung Taiwan gegen China. Weiter gefasst- wenn nun jeder Despot in Südostasien, jede Militärregierung in der Welt sich z.B. am Nachbarland bedient. Oder selbst an Gebiete, die 3500km entfernt vom eigenen Land liegen. Und das nur, weil es geht. Voll vorbei am Völkerbund, an dem, was gemeinhin als Völkerrecht bekannt war. Wir bewegen uns hin zu einer Welt, in der man sich nur noch durch Aufrüstung behaupten kann. Wer es nicht schafft sich zu verteidigen, wird konsumiert. Ich hoffe Trump weiss, dass er dabei ist, die Büchse der Pandora zu öffnen.

  • …Das „Grönland“eine strategisch wichtige Bedeutung hat,leuchtet ein!
    Aber die Art wie Trump in“Cowboy-Manier“agiert,
    lässt die Frage offen:“Wer gefährlicher ist…Trump oder Putin???“
    Die „Herangehensweise“ist nahezu identisch! 🙁

    • Vladimir Trump und Donald Putin. Quasi Zwillingsbrüder?
      Nee, komm !!!

    • Genau. Und wenn man sich die Sache um den Friedensnobelpreis ansieht, muß man sich auch fragen, ob bei Trump geistig wirklich noch alles in Ordnung ist und das alles wirklich nur auf eine etwas andere Mentalität zurückzuführen ist.

      • @Amicus:Die Frage darf auch erlaubt sein,ob es Trump(el),
        um Sicherheitsaspekte geht,oder eher um die:“Ausbeutung der Rohstoffe wie zuvor in der Ukraine???“ 🙁
        LG
        Thorsten S.

        • In der Tat. Mir ist nicht so ganz klar bzw. mir wurde noch nie ausführlich begründet, weshalb Grönland in der NATO unsicherer sein sollte als wenn es den USA allein gehörte. Ich bin mir sicher, daß es auch, wenn nicht vornehmlich, um die Bodenschätze, wenn inzwischen nicht sogar um das Ego Trumps geht.
          Wie dazu schon gesagt: Was ich grundsätzlich verstehen kann, das ist, daß die USA nicht die Hauptlast für militärische Verteidigung zahlen wollen, ohne eine Art Gegenleistung dafür zu erhalten, schon gar nicht, wenn es letztlich um Gebiete geht, für die Europa „zuständig“ wäre. Aber selbst wenn derlei eine Rolle spielen sollte, kann ein NATO-Mitglied nicht einfach ein anderes mit Gewalt annektieren wollen. Das hat mit Geostrategie nichts mehr zu tun, das sind Weltherrscherallüren.
          Wenn es hier ein weltpolitisches Problem gibt, dann setzt man sich doch zusammen und bespricht das Thema, USA mit EU und Dänemark. Man wendet sich doch nicht an die Presse und sagt, man wolle Grönland, weil man es brauche, notfalls nehme man es sich.

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        • Nicht : entweder-oder, sondern : sowohl-als auch.
          Und das ist völlig legitim.
          Eine militärische Absicherung Grönlands kostet etliche Milliarden.
          Die Kohle muss auch wieder reinkommen.
          Es wirtschaftet ja zum Glück nicht jeder wie Deutschland.

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        • Wer spricht denn von annektieren?
          Die Amerikaner wollen kaufen.
          Die Grönen werden schon noch einsehen was besser für sie ist.
          Im ÖRR erzählt uns jeder Reporter, dass die Grönen nach Umfragen zu 85% dagegen sind. Wer’s glaubt …

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    • Amazing. Every word of what you just said was wrong.

      • @Jim :Just talk to my Hand….Cowboy!

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