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Chancenlos? Woran DeSantis‘ Kandidatur gegen Trump scheiterte

Noch vor einem Jahr konnte sich Ron DeSantis Hoffnungen machen, Donald Trump als republikanischen Favoriten für die Präsidentschaftswahl zu verdrängen – durch einen Angriff von rechts. Heute nach Ende seiner Kampagne sieht aber alles aus – wie kam das? Ein Rückblick.

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Am Sonntag hatte Ron DeSantis seine Kandidatur für die Nominierung seiner Partei für die Präsidentschaftswahl nach einem abgeschlagenen zweiten Platz in Iowa zurückgezogen. Noch vor einem Jahr sagten die Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Trump und DeSantis bei Vorwahlen in Staaten wie Iowa und New Hampshire voraus. Wie konnte die Wahlkampagne von Ron DeSantis so untergehen?

Es lohnt sich dafür, einen Blick zurückzuwerfen: Als sich Floridas Regierung während der Corona-Zeit immer wieder weigerte, im Gegensatz zu fast allen anderen Bundesstaaten und Ländern der westlichen Welt, Lockdowns und Maskenpflichten einzuführen, um das Virus zu bekämpfen, machte Floridas Gouverneur damit Schlagzeilen. Ron DeSantis war 2018 äußerst knapp ins Gouverneursamt gewählt worden und hob sich bis Corona kam nicht sonderlich medienstark von seinen republikanischen Amtskollegen in anderen Bundesstaaten ab.

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Durch seine freiheitliche Corona-Politik erspielte er sich selbst unter eingefleischten Trump-Anhängern ein Alleinstellungsmerkmal unter Republikanern. Die Sympathie für DeSantis wuchs dabei auch, als er später als eine Art konservativer Pionier bei Fragen der „Culture Wars“ (Kulturkrieg) voranging: Er brachte im Land einzigartige Gesetze ein, die beispielsweise besonders aggressiv gegen die „Critical Race Theory“ an öffentlichen Schulen und Universitäten vorgingen oder das Waffenrecht liberalisierten.

DeSantis Popularität wuchs mit jedem verabschiedeten Gesetz, und damit auch die Spekulationen über eine Kandidatur fürs Präsidentschaftsamt im Jahr 2024. Im November 2022 konnte er dafür wohl die wichtigste Hürde überwinden: Während bei den Zwischenwahlen von Trump aktiv unterstützte Kandidaten landesweit enttäuschende Ergebnisse einfuhren, konnte DeSantis in Florida einen Erdrutschsieg zur Wiederwahl feiern und mit knapp 20 Prozentpunkten Vorsprung in einem Staat gewinnen, der eigentlich als „Swing State“ galt.

Jedoch stand der Gouverneur sofort vor einem großen Dilemma. Nach Donald Trumps Wahlniederlage 2020 kristallisierte sich schnell heraus, dass der Ex-Präsident keine Umstände machen würde, um das Feld 2024 für einen jüngeren und frischeren Kandidaten zu räumen. Und trotz der zahlreichen Skandale und Niederlagen Trumps war offensichtlich, dass sein Einfluss in der Parteibasis nur schwer zu brechen sein würde. Doch ein Aussitzen der Kandidatur bis 2028 war keine Option für DeSantis.

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Es sind schnelllebige Zeiten in der amerikanischen Politik, seine politischen Erfolge könnten innerhalb weniger Jahre schon vergessen sein. Mit dem Ablauf von 2026 wird DeSantis aufgrund einer Amtszeitbegrenzung aus dem Gouverneursamt scheiden müssen, heißt, er würde 2028 noch weniger öffentliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Als warnendes Beispiel gilt hier für ihn wohl der ehemalige republikanische Gouverneur von New Jersey, Chris Christie. Dieser war 2012 einer der populärsten Politiker des Landes. Trotzdem weigerte er sich zur Präsidentschaftswahl anzutreten, und wartete lieber bis 2016. Doch da war sein Stern bereits untergegangen. Er hatte in der Zwischenzeit deutlich an Beliebtheit eingebüßt und noch dazu erstürmte mit dem unberechenbaren Neuling Donald Trump bereits ein anderer die Herzen der Republikaner.

Um es nicht Chris Christie gleichzutun, entschied sich DeSantis bereits eine Kandidatur für 2024 anzustreben. Doch schon bei der Ankündigung gab es schlechte Vorzeichen. Statt einer traditionellen Ankündigung in Form einer großen Wahlkampfveranstaltung, versuchte DeSantis ein digitales Interview mit Elon Musk und anderen in einem „Twitter-Space“ zu veranstalten. Doch die Twitters Server wurden überlastet – das Interview wurde erst mit deutlicher Verspätung durchgeführt.

Zu dem Zeitpunkt, Ende Mai 2023, waren DeSantis Umfragewerte bereits eingesackt: Aus einer Führung in New Hampshire und einem knappen Rückstand in Iowa, den zwei frühesten Vorwahlstaaten, waren jeweils Rückstände auf Trump im Bereich der 25 Prozent geworden. Die Werte sollten sich, wie sich herausstellte, im Laufe der Wahlkampagne nicht verbessern. Trump hatte bereits von den ersten Anklagen gegen ihn – und dem entsprechenden Gegeneffekt der Basis, nämlich steigender Unterstützung für den Ex-Präsidenten profitiert. Und DeSantis und sein Team machten Fehler. Einige warfen ihm vor, er würde seinen größten Konkurrenten, Trump, kaum angreifen. Auf Attacken aus dem Trump-Lager reagierte er derweil oft zu passiv.

Die Attacken seitens Trumps Wahlkampfteam definierten ihn fast schon: DeSantis hatte nie den Charme Trumps, doch während dem Wahlkampf wirkte er, nachdem ihn Trump dafür bereits kritisiert hatte, viel zu oft verloren. Bei Interviews und Reden wiederholte er ständig Sätze, sein Lachen wirkte aufgesetzt.

Jedoch kann man diese Fehler und Unstimmigkeiten kaum als Grund für eine so eindeutige Niederlage, wie die vor einer Woche in Iowa nehmen. Schließlich gab es auch positive Seiten an DeSantis Wahlkampagne. Er erhielt sowohl in New Hampshire als auch in Iowa viel Unterstützung seitens lokaler Politiker. Auch die Anzahl an Wahlkampfveranstaltungen überstieg die von Trump und Nikki Haley deutlich. In den Medien erhielt er unterdessen Zustimmung konservativer Kommentatoren: Ob Ben Shapiro, Dave Rubin oder Ann Coulter, die Liste an DeSantis Anhängern unter prominenten Konservativen ist lang.

Nein, DeSantis hätte wahrscheinlich einen perfekten Wahlkampf führen können, und wäre gegen Trump dennoch chancenlos geblieben. Wie Umfragen zeigen, ist sein Wählerklientel Trumps einfach zu ähnlich. Ohne Trump im Rennen, hätte DeSantis wohl gewonnen, doch so trifft ein normalerweise billiger Satz hier zu: Am Ende wählen die Leute lieber das Original. Trump ist schließlich seit 2016 das Aushängeschild der Republikaner.

Viele Republikaner glauben noch dazu, er sei 2020 einer Wahl beraubt worden. Jetzt wird er, meist aus politischen Motiven heraus, in zahlreichen Fällen angeklagt. Selbst wenn sie DeSantis sehr mögen, würden die meisten Anhänger, allein schon aus Trotz heraus, nie jemand anderen als Trump unterstützen. DeSantis hatte am Ende wohl einfach Pech, an Trump sollte, zumindest im Nachhinein betrachtet, nie ein Weg vorbeiführen.

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