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Großbritannien

BBC untersagt Mitarbeitern Teilnahme an Demo gegen Judenhass

Der britische öffentlich-rechtliche Sender BBC hat seinen Mitarbeitern verboten, an einer Großdemo gegen Antisemitismus teilzunehmen. Öffentlich gegen Judenhass einzustehen, verletzt offenbar die internen Richtlinien über „kontroverse Märsche oder Demonstrationen".

Bildquelle: NftaDaedalus, CC BY 4.0 , via Wikimedia Commons

Der britische öffentlich-rechtliche Sender BBC hat seine Mitarbeiter Berichten zufolge angewiesen, nicht an einer für dieses Wochenende geplanten Demonstration gegen Antisemitismus in London teilzunehmen. Wie die britische Zeitung The Times schreibt, wird der bevorstehende nationale Solidaritätsmarsch gegen Antisemitismus durch den Sender als zu „kontrovers“ erachtet, als dass die Mitarbeiter der BBC – selbst die jüdischen – daran teilnehmen könnten.

Mitarbeiter, darunter Reporter und leitende Angestellte, behaupteten, der Sender habe ihnen die Teilnahme an der bevorstehenden Kundgebung untersagt. Der Marsch „wird die größte Demonstration zur Unterstützung der britischen Juden seit der Schlacht in der Cable Street 1936 sein“, so Campaign Against Antisemitism, die Veranstalter des Protests. The Times berichtete, dass BBC-Mitarbeiter, die an pro-palästinensischen Kundgebungen teilnehmen wollten, dies ebenfalls nicht tun durften

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Nach Angaben der Mitarbeiter entspricht die Entscheidung, ihnen die Teilnahme an der Kundgebung zu untersagen, den BBC-Richtlinien für „kontroverse Märsche oder Demonstrationen“.
Der Sender hatte im Jahr 2020 Richtlinien aufgestellt, die besagen, dass Mitarbeiter „keine persönliche Meinung zu Fragen der öffentlichen Ordnung, Politik oder kontroversen Themen“ äußern dürfen, was auch die Teilnahme an Kundgebungen einschließt.

Teilnahme an „Black Lives Matter“-Demos kein Problem

Mehrere Mitarbeiter sollen die Entscheidung der BBC auch vor dem Hintergrund des Umstandes kritisiert haben, dass der Sender in der Vergangenheit auf Teilnahmen an LGBTQ- oder Black-Lives-Matter-Märschen deutlich kulanter reagiert haben. Einer sagte der Times: „Rassismus ist Rassismus und etwas, das wir alle verabscheuen sollten – aber nicht, wenn es um antijüdischen Rassismus geht, wie es scheint. Wenn die BBC der Meinung ist, dass Rassismus Rassismus ist und in keiner Form akzeptabel ist, dann sollte die Teilnahme an einer Kundgebung gegen Antisemitismus kein Problem sein.“

Die Campaign Against Antisemitism, deren Marsch zum Ziel des BBC-Verbotes wurde, kritisierte den Sender scharf. „Wenn diese Berichte zutreffen, dann ist es eine unerhörte Einschränkung, die die BBC ihren Mitarbeitern auferlegt. Ein Teil des Problems, mit dem britische Juden konfrontiert sind, besteht darin, dass Antisemitismus zu einem Thema geworden ist, das von zwei Seiten diskutiert wird. Die BBC muss dringend klarstellen, auf welcher Seite sie steht.“

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