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Regierungserklärung

Friedrich Merz sucht einen Gerechtigkeitsbegriff – und wirbt für „Bürokratie-Bremse“ in Brüssel

In seiner Regierungserklärung im Bundestag warb Merz für Optimismus und setzte sich viel mit dem Begriff der „Gerechtigkeit“ auseinander. Mit Blick auf die EU forderte Merz eine „Bürokratiebremse“.

Friedrich Merz am Mittwochnachmittag im Bundestag. (IMAGO/Andreas Gora)

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In seiner Regierungserklärung anlässlich des Europäischen Rates in Brüssel hat Bundeskanzler Friedrich Merz zu Zuversicht und Entschlossenheit aufgerufen. Große Teile seiner Rede handelten von dem Begriff der Gerechtigkeit. Merz verteidigte in diesem Zusammenhang auch die deutsche militärische und finanzielle Unterstützung für die Ukraine.

Zu Beginn der Sitzung war der neue Arbeitsminister Alexander Schweitzer vereidigt worden. Merz grüßte ihn und eröffnete dann mit einem Wort des Dankes an die ehemalige Bundesministerin Bärbel Bas. Bas habe ihr Amt „mit großer Empathie für die Schwachen in unserer Gesellschaft ausgeübt“, sagte Merz versöhnlich. „Wir waren mit ihr in Sachfragen nicht immer einer Meinung – das gehört dazu“, sagte der Kanzler wohl im Namen seiner Unionsfraktion. „Aber wir werden ihr die Anerkennung nicht versagen für ihren Dienst für unser Land.“

Dann kam Merz zur Sache: Der Bundeskanzler drehte sich in weiten Teilen seiner Rede um den Begriff der Gerechtigkeit. „Politik muss Mühen um Gerechtigkeit sein“, sagte Friedrich Merz – und zitierte damit den verstorbenen Papst Benedikt XVI. Im Sinne dieser „Mühen“, so Merz, mache man Politik. Unter Berufung auf die „Krisen und Kriege“ auf der Welt beschwor Merz Politik im Sinne von Gerechtigkeit. 

„Wir arbeiten daran, auch die Gerechtigkeitslücke zu schließen, die sich in unserem Land aufgetan hat“, sagte Merz. Er erklärte: „Gerechtigkeit ist keine Zuständigkeit nur einer Partei oder nur von Parteien auf der politischen Linken. Es ist eine Zuständigkeit jeder vernünftigen Partei in Deutschland.“ Zuletzt hatte die CDU auf einer Strategieklausur beschlossen, das Thema Gerechtigkeit mehr in den Fokus von Politik und Kommunikation zu nehmen.

Das Reformprogramm der Bundesregierung sei ein „Gerechtigkeitsprogramm“, sagte der Bundeskanzler. Er ergänzte: „Gerechtigkeit ist bei uns nicht Enteignung. Gerechtigkeit ist bei uns auch nicht Umverteilung zulasten der Leistungsträger in unserem Land.“ An diesem Punkt sprach Merz unter höhnischen Zurufen und Gelächter der Linken. Gerechtigkeit sei aber auch nicht die „Ausgrenzung von Minderheiten“, ergänzte der Bundeskanzler.

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„Gerechtigkeit ist bei uns Chancengerechtigkeit. Gerechtigkeit ist bei uns Leistungsgerechtigkeit. Und Gerechtigkeit ist bei uns Generationengerechtigkeit“, definierte Merz schließlich sein Verständnis des Wortes.

„Es hat sich eine Gerechtigkeitslücke zwischen den Generationen in unserem Land aufgetan“. Das sage er „als Vorsitzender einer Partei, die unser Land lange regiert hat“, auch sehr selbstkritisch, so Merz. „Die Kinder und Jugendlichen werden, wenn wir nicht handeln, noch mehr schultern müssen, als sie nach den Maßgaben der Gerechtigkeit eigentlich schultern sollten“, nannte er als zentrales Beispiel.

Dann kam Merz zum Thema der Außen- und Sicherheitspolitik – zum Thema des Krieges in der Ukraine. Der Kanzler schlug einen Bogen: Gerechtigkeit könne es nur in einem stabilen, sicheren Gemeinwesen geben. Sicherheit sei also die Bedingung für Gerechtigkeit, drückte er aus: Merz wolle ein „Europa, das unseren Kindern und Jugendlichen all die Entfaltungsmöglichkeiten bietet, die sie verdienen und die wir ihnen von Herzen wünschen.“

„Darum, liebe Kolleginnen und Kollegen, investieren wir in die Verteidigungsfähigkeit unseres Landes. Und darum unterstützen wir die Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen die russischen Angriffe.“ Der Kanzler betonte das „mit Nachdruck“ – denn manche würden „aus unserer militärischen Unterstützung für die Ukraine ein Gerechtigkeitsproblem konstruieren wollen. Meine Damen und Herren, das ist nicht richtig!“, rief Merz.

„Kein Euro der in die Ukraine fließt, fehlt bei den Sozialausgaben und den Bildungsausgaben in unserem Land“. Man habe die Schuldenbremse für Verteidigungsausgaben ja abgeschafft, „um genau das sicherzustellen“, ergänzte der Kanzler. 

„Wir sehen, dass die Eskalationsbereitschaft Russlands steigt“, warnte Merz – „auch gegenüber unserem eigenen Land. Und es ist mir vor diesem Hintergrund unbegreiflich, wie Sie von ganz links und ganz rechts trotzdem das Spiel der Verharmlosung betreiben“, adressierte der Kanzler AfD und Linke. Beide Parteien würden „mit diesem Spiel vorsätzlich die Spaltung in unserem Land vorantreiben.“ „Man gewinnt den Eindruck: Sie wollen das Chaos, weil Sie sich davon parteipolitische Vorteile verschaffen.“ 

Mit Blick auf die anstehende Zusammenkunft des Europäischen Rates in Brüssel – Anlass der Regierungserklärung – warb Merz für eine Deregulierungsoffensive innerhalb der Europäischen Union. Vor dem Hintergrund der laufenden Verhandlungen über den Finanzrahmen der EU, also im Grunde den Brüsseler Haushalt, warb Merz für einen Ausgabenstopp:

„ Die Mittel, die uns zur Verfügung stehen, sind begrenzt. Wir werden nicht umhinkommen, den aktuellen Vorschlag nochmal in allen Bereichen zu begrenzen“, sagte der Bundeskanzler. „Wir werden weniger zur Verfügung haben als ursprünglich von der Kommission geplant.“ Da müsse man „die Prioritäten klarer und richtig setzen“ und in „Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit“ investieren.

Merz warb für „eine EU-Bürokratiebremse“: Denn man müsse verhindern, dass in der Gesetzgebung der EU immer neue bürokratische Vorschriften geschaffen würden. Ebenso warb er für ein Ende von Berichtspflichten: „Alle Berichtspflichten gehören grundsätzlich abgeschafft“, forderte der Kanzler. Das seien „kostenlose, schnell verfügbare Investitionshilfen, die wir jetzt politisch auch schnell umsetzen können. Also tun wir das! Das wird meine Botschaft in Brüssel sein: Wir haben keine Zeit zu verlieren.“

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51 Kommentare

  • Gibts wirklich noch Bürger, die diesem Herrn noch was glauben?

    • Man könnte Merz nicht mal mehr glauben, wenn er seinen Rücktritt und Neuwahlen ankündigen würde ….

      • „Wenn Politiker von Gerechtigkeit reden, meinen sie meistens Verteilung. Wenn sie von Freiheit reden, meinen sie meistens sich selbst.“
        (Winston Churchill – zugeschrieben)

    • Ja. Die Zahl derer Vollpfosten belaufen sich auf ca. 70%

  • Wen interessiert was Merz sagt, plant, vorschlägt… völlig egal.

    • Unterschätzen Sie niemals den deutschen Michel. Der ist nicht dumm sondern schläft auch gerne und lang…

      • „Deutsch ist, jede Sackgasse bis zu ihrem Ende abzuschreiten.“

    • Verschwendete Lebenszeit 😵‍💫😵‍💫

  • Lame Duck.
    Würde er Brüssel auch nur ein Zehntel soviel Widerstand wie Russland entgegenbringen, könnte man vielleicht, eventuell was mit ihm anfangen.
    Der Kanzler möge des Bürgers Lebenszeit nicht mit Lippenbekenntnissen vergeuden.

    • Frankreichs Staatsschulden gelten zunehmend auch für die EZB als Problem.
      Im Wahlkampf schlägt Le Pen vor, die französischen Beiträge zum EU-Haushalt deutlich zu kürzen.
      Frankreichs Haushaltsdefizit liegt 2026 bei rund 5,4 Prozent des BIP, die Schuldenquote bei etwa 115 bis 119 Prozent. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der EU wird zunehmend zum Schuldenproblem, die Zinsen steigen und die Märkte werden nervös.
      Damit will man offenbar auch einen indirekten Wahlkampf gegen Le Pen führen.
      aus https://tkp.at/2026/10/14/le-pen-11-milliarden-weniger-an-die-eu/
      „Weniger Kiew, mehr Köthen“
      AfD und BSW wollen andere Ukraine-Politik
      Passend dazu https://www.unser-mitteleuropa.com/208177
      – die Steuerzahler „finanzieren“

    • Jochen D. : Aber er macht doch immerhin schon einen Anfang…….

      Oder meint er mit „Bürokratiebremse“ etwas nicht, auf die über 200 neuen Beamtenstellen für die Zuckersteuer zu verzichten….?

  • Tatsächlich hat er nicht gesagt, w a s überhaupt unter Gerechtigkeit zu verstehen ist. Der Begriff wird jedesmal ohne vorengehende Definition missbraucht.

    • Nun, wahrscheinlich ist damit – gut sozialistisch – die Verteilungsgerechtigkeit gemeint:

      Für alle Gleichheit in Armut, aber Zulagen für den Neofeudaladel!

  • Was sagt er zu den linken Antisemiten?

    • Davon braucht er mehr für den Kampf gegen Rääächts…

  • Nun, wie kann man – ernsthaft – die Bürger „zu Zuversicht und Entschlossenheit“ aufrufen oder mal wieder ermahnen, wenn diese zunehmend den Eindruck gewinnen müssen, daß die Regierung ihr Feind ist?

  • Bürokratiebremse, VdL says NO!

  • Gerechtigkeit? Minderheiten in Berlin? Wer? Worum geht’s? Kennt Merz die Fakten?

    – Es gibt ein Geschlechterungleichgewicht von 9% in der Altersgruppe 18-28. 350000 Männer können keine Familie bilden. (Destatis)
    – Die Linke und die grüne Jugendorganisation lehnen das Gesellschaftsjahr (Zivildienst) ab.
    – Eine ältere Frau im ostdeutschen Plattenbau erwähnte mal im ÖRR, dass in ihrem Haus zu DDR-Zeiten in jeder Wohnung Kinder waren und heute in keiner einzigen. Einsamkeit ist so schädlich wie rauchen.
    -2026 wählten in Malmös Vorort „Rosengård“ 54% Sozialdemokraten (S), 41.2% die Linkspartei (V) und 1.4% die Grünen (MP) = zusammen 96.6% (Quelle: svt)
    -Laut Konrad Adenauer Stiftung würden polnischstämmige Zuwanderer 2025 zu 25% CDU, zu 33% AFD und 6% BSW wählen.
    -Im Jahr 2025 gab es einen Wanderungsverlust von Netto 97000 Deutschen und über 50000 EU-Bürgern aus Deutschland ins Ausland (Destatis)

  • Merz und Brüssel: weniger Beiträge, weniger Bürokratie. Waren das nicht einst seine eigenen Wahlversprechen??

  • Merz oder keine Beachtung mehr!
    Kein Emoji wert!

  • Da wird es nach der Bürokratiebremse anschließend eine SONDER-Entbürokratisierung (analog zum Sondervermögen) geben, beschlossen schnell noch mit der scheidenden EU-Kommission, bevor die neue -noch schlimmere- Kommission antreten wird,

  • Bürokratieabbau und Senkung der Beiträge … versprach er auch vor seiner Wahl. Erinnerungen, oder vom gleichen Script abgelesen?

  • So, er dankt Bas wo für?
    Das sie Auffälligkeiten hat, wie dass sie sich mit Jacke ihres toten Mann unterhält, die in ihrem Flur hängt? Ich weiß nicht, ob und wie dies pathologisch einzuordnen ist. Aber von solchen Leuten wurden „wir“ „regiert“.

  • Der Sicht wohl eher irgendwelche Strohhalme, an denen er sich festhalten kann …

  • Nun … „Merz warb für „eine EU-Bürokratiebremse“:“ die Merz-Sprach übersetzt meint also, noch mehr Bürokratie aus der EU und noch weniger staatliche Souveränität. Punkt.

  • aus den 60igern:

    „Gerechtigkeit für alle!“

    Wenn das nicht den Wahlgewinn in NRW bringt weiß ich es auch nicht.

  • Herr Merz, ein Schauspieler sondergleichen.
    Wer den Mann nicht längst durchschaut hat, dem kann man nicht mehr helfen.

  • Merz, darf ich erinnern?

    „Links ist vorbei. Es gibt keine linke Mehrheit und keine linke Politik mehr in Deutschland“, hatte Merz in München beim Wahlkampfabschluss seiner Partei gesagt.
    Er werde wieder Politik für die Mehrheit der Bevölkerung machen, die gerade denke und „alle Tassen im Schrank“ habe – und nicht „für irgendwelche grünen und linken Spinner auf dieser Welt“, führte Merz aus.

  • Glaubt diesem „piiiep“ wirklich noch ein Mensch???

    • Ca. 70% Pfosten der Wahlberechtigten…

  • Merz muss dringend zum Arzt und Psychologen.

    • Ja, denn er scheint multiple Persönlichkeiten zu haben…..

  • „Kein Euro der in die Ukraine fließt, fehlt bei den Sozialausgaben und den Bildungsausgaben in unserem Land“. Man habe die Schuldenbremse für Verteidigungsausgaben ja abgeschafft, „um genau das sicherzustellen“, ergänzte der Kanzler.“

    Ich bin echt von den Socken. Wie kann man glauben, die Bürger derart verarschen zu können?
    WER bezahlt denn die Schulden plus Zinsen mit immer mehr Steuern?
    Der heilige Geist oder wer?

  • Der hat 0 Plan, so der Eindruck.

  • Eigentlich sollte man die Märchenstunden von Onkel Merz nur noch in KIKA übertragen.

  • Merz transferiert nicht sein privates Vermögen in die Ukraine, sondern verschleudert unsere Steuergelder; es ist nicht unser Krieg. Es muss endlich gelten: Germany First.

  • Ist der Typ noch ganz zurechnungsfähig?

    „Kein Euro der in die Ukraine fließt, fehlt bei den Sozialausgaben und den Bildungsausgaben in unserem Land“. Man habe die Schuldenbremse für Verteidigungsausgaben ja abgeschafft, „um genau das sicherzustellen“, ergänzte der Kanzler.“

    Wer zahlt denn die Schulden, wenn nicht die nächsten Generationen?

    • Na die übernächste halt !
      Oder wie sollen 1,5 Billionen Sonder-Schulden des abgewählten Bundestages(2025) jemals zurückgezahlt werden?
      Plus die 2,3 Billionen, mit der Deutschland sowieso schon im Soll ist.

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