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Chinas Kredite der „Neuen Seidenstraße“ von Ausfällen bedroht – jetzt wird der IWF zum Spielfeld um die Weltmacht

Die USA arbeiten unter Hochdruck an der Sicherung ihrer Dominanz in der westlichen Hemisphäre. Dabei zählt der Internationale Währungsfonds zu den wichtigen Vehikeln dieser Strategie. Allerdings droht ein schleichender Einflussverlust zugunsten Chinas.

IMAGO/ZUMA Press Wire

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Der Internationale Währungsfonds (IWF) zählt zu den fundamentalen Bausteinen der Nachkriegsordnung. Gegründet 1944 als Kind des Bretton-Woods-Regelwerks, vergibt er – ähnlich der Schwesterorganisation Weltbank – aus einem Gemeinschaftspool Rettungskredite an kriselnde Staaten. Ziel ist die Währungsstabilisierung unter strengen Nebenbedingungen. Wer sich den IWF-Regeln unterwirft, spielt nach den Vorgaben der Finanziers. Washington dominiert hierbei mit 16,5 Prozent Kapitalanteil als Vetomacht.

Kritiker bemängelten in der Vergangenheit immer wieder, dass es sich beim IWF um ein geopolitisches Vehikel handle, das vor allem ressourcenstarke Länder an die beherrschenden Kräfte des Westens binde und deren Stellung im globalen Finanzsystem stabilisiere. Es ist dabei nicht nur Washington, das seinen Einfluss über diese Organisation geltend machte: Auch das globale Finanzzentrum City of London prägte und flankierte die Spielregeln mit – denn der Zugang zu Ressourcen und Energie ist für beide Machtzentren von zentraler Bedeutung. Damit avancierte der Fonds de facto zu einem zentralen Steuerungsinstrument westlicher Ordnungspolitik im globalen Finanzsystem.

Mit dem Aufstieg Chinas zur zweiten Supermacht wuchs zugleich der Anspruch Pekings, die eigene Hemisphäre politisch stärker zu kontrollieren – eine Art Monroe-Doktrin chinesischer Prägung. Diese materialisierte sich unter anderem durch die Gründung der China Development Bank im Jahr 1994 und der im Jahr 2015 ins Leben gerufenen Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB).

Gleichzeitig verschieben sich die Kräfteverhältnisse. China baut seit Jahren systematisch eigene Finanz- und Entwicklungsstrukturen auf und fordert damit die traditionelle Dominanz von IWF und Weltbank heraus. Institutionen wie die New Development Bank der BRICS-Staaten sind Ausdruck dieser Strategie.

Seit der Jahrtausendwende gewährte China über die unterschiedlichen Arme seiner Auslandsfinanzierung Kredite im Wert von deutlich über zwei Billionen US-Dollar. Vor etwas mehr als zehn Jahren bündelte man diese Aktivitäten unter dem Projektnamen der „Belt and Road Initiative“ – in Deutschland auch als „Neue Seidenstraße“ bekannt. In ihr laufen sämtliche Projekte zusammen, die China den Zugang zu fundamentalen Ressourcen eröffnen und die Energieversorgung sichern, die das Riesenreich für sein rasches Wachstum benötigt.

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Dass China im Rahmen seiner Expansion bis in die westliche Hemisphäre, den Einflussbereich der Amerikaner, vordrang, dürfte mit dem Aus des Maduro-Regimes in Venezuela und dem Rückzug der Hongkonger Betreiberfirma der Panama-Hafenkonzessionen, CK Hutchison Holdings Ltd., vorerst der Vergangenheit angehören.

Doch China ist nicht nur unter den machtpolitischen Druck Washingtons geraten. Das Land steht demografisch und binnenökonomisch vor großen Herausforderungen. Auch das Schuldenproblem des Staates, der immer wieder als fiskalischer Stabilisator einsprang, wenn es konjunkturell schlecht lief, ist bislang ungelöst.

Zudem gesellt sich ein weiteres gravierendes Problem zur immer schwierigeren politischen Agenda Pekings: eine wachsende Zahl chinesischer Schuldner steht vor Zahlungsschwierigkeiten. Es ist davon auszugehen, dass bis zu 60 Prozent der im Rahmen der Belt and Road Initiative vergebenen Staatskredite notleidend sind oder zumindest latent ausfallgefährdet.

Verschlechtert sich die globale Konjunktur im Zuge der Hormuskrise weiter, dürfte dieses Problem schnell zu einem fiskalpolitischen Flächenbrand Pekings werden. In diesem Moment wäre jede Querfinanzierung willkommen, und Peking setzt zunehmend auf die Kredite des IWF – wodurch sich eine Dreiecksfinanzierung herausbilden kann.

Die Kurzfassung lautet etwa so: China vergibt einen Staatskredit zur Erschließung einer Rohstoffquelle in einem Schwellenland. Die ansässige Infrastrukturfirma, die den Auftrag erhielt, geht in die Insolvenz, und der Heimatstaat beantragt einen IWF-Kredit zur Überbrückung des Problems. Aus diesem Fonds speist sich dann der Schuldendienst für die chinesische Entwicklungsbank – etwas, das Washington unter allen Umständen vermeiden will.

Genau an dieser Stelle entzündet sich in diesen Wochen ein Streit zwischen dem Weißen Haus und dem Kongress. Die US-Regierung von Donald Trump ist bestrebt, das Finanzierungsvolumen des IWF durch eine allgemeine Kapitelerhöhung um 50 Prozent deutlich auszuweiten,.der Kongress warnt vor einer Zweckentfremdung der Mittel durch Peking.

Die Erhöhung der nationalen Quoten zur Finanzierung des IWF würde der Institution einen zusätzlichen Kreditrahmen von einer Billion US-Dollar einräumen. Um zu verhindern, dass vergebene Kredite an Staaten, die in einem Schuldverhältnis zu Peking stehen, unmittelbar an chinesische Banken abfließen, werden neue Kredite an harte Bedingungen geknüpft.

Vor allem sogenannte „Haircuts“ (Gläubigerverzicht aller bestehenden Kreditgeber) sollen sicherstellen, dass multilaterale Transparenz besteht und eine heimliche Refinanzierung chinesischer Kredite über IWF-Mittel ausgeschlossen wird. Zugespitzt könnte man sagen: America first wird nun auf der Ebene der alten Bretton-Woods-Strukturen zur Realität.

Der Streit um das IWF-Budget, der in den USA entbrannt ist, gibt jedoch einen wichtigen Hinweis: Die Institutionen des Währungsfonds und der Weltbank dürften in die neue amerikanische außenpolitische Strategie integriert werden und erhalten bleiben. Möglicherweise werden sie strategisch sogar gestärkt, um die hemisphärische Einflusssphäre Washingtons abzusichern.

China steht derweil vor dem zentralen Problem der Umschuldung seiner massiven Auslandskredite. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Peking dabei eine Doppelstrategie verfolgen wird – wie wir sie in der Vergangenheit bereits kennengelernt haben: Zum einen wird die chinesische Notenbank einen erheblichen Teil dieser Kredite aufkaufen und monetarisieren, zum anderen dürften Kreditvolumina über das weit verzweigte chinesische Bankensystem verteilt werden, um Klumpenrisiken zu vermeiden.

Und es bleibt abzuwarten, inwieweit staatliche Kreditvergabe über Vehikel wie den IWF oder die chinesische Entwicklungsbank in der Zukunft überhaupt noch ökonomisch wirksam sein werden. Der allgemeine Verschuldungsgrad hat astronomische Höhen erreicht. Immer neue Schulden in dieses System hineinzupressen wird bestenfalls Zeit kaufen, bevor eine lange Phase des Abbaus offensichtlicher Kreditausfallrisiken einsetzt.

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14 Kommentare

  • Was sich heute in der politischen Diskussion, zumindest in unserem Land, beobachten lässt, ist, dass viele Menschen so eine Art Gerechtigkeit für den ganzen Planeten suchen.

    Das mag auch durchaus wünschenswert sein. Anstreben kann man vieles. Realistisch ist es jedoch nicht.

    Und das ist genau das, was unserer Politik fehlt. Die Erkenntnis, dass es besser ist, die „Supermacht“ liegt bei den angelsächsisch geprägten Staaten als bei anderen.

    Warum? Weil die angelsächsischen Staaten so stark für individuelle Freiheiten stehen, wie andere Länder kaum.

    Klar, ein buddhistischer Superstaat wäre international vielleicht noch besser – allerdings liegt es bei diesem schon in der Grundtheorie, dass er nie eine Supermacht werden kann.

    Für uns Europäer dürfte eine westlich geprägte Ordnungsmacht zu deutlich angenehmeren Lebensbedingungen führen als z.B. die Chinas.

    • Im Grunde genommen sollten wir uns keiner internationalen Ordnung unterstellen. Wären wir nicht fremdgesteuert, so würden wir die Weltpolitik mitbestimmen, und das eher zum Guten. Leider werden wir weiterhin von Lobbyisten und dem Finanzgebilde gemaßregelt. Die Frage ist, wann durchbricht Germanien die Vasallität der Globalisten,

      • „Wären wir nicht fremdgesteuert, so würden wir die Weltpolitik mitbestimmen…“ Das ist genau der Größenwahn, der in Teilen der AfD grassiert. Sorry, seit dem Tod Hitlers hatte es damit (zum Glück!) ein Ende. Wir sind entweder Teil der westlichen Weltordnung oder das Frühstück von Russland. Oder von China.

  • Es gibt so viele Experten, die ohne Ende analysieren und gerade der Finanzsektor erscheint hoch kompliziert. Aber am Ende aller Tage ist alles eigentlich ganz einfach, Schulden sind kein aller Heilmittel und sollten irgendwann einmal zurück gezahlt werden und wenn nicht dann kommt ein ganz böses Erwachen. Leider zahlt, in der Regel, der normale, Steuer zahlende Bürger die Zeche.

    • Schulden, denen produktive Investitionen, gegenüber stehen, sind etwas Gutes, ein Mittel des Fortschritts. Erst, wenn Schulden dazu dienen, den Konsum zu finanzieren, beginnen die Probleme. Da ist Deutschland allerdings angekommen.

  • Nun, im Endeffekt wird man sehen, welche Volkswirtschaft sich bei diesem Spiel übernommen oder verzockt hat.

    Wir sind dabei nur die Zuschauer und – wahrscheinlich – die Leidtragenden, denn wenn chinesische oder amerikanische Staatspapiere in den Keller rauschen sollten, wird sich wohl kaum noch jemand für deutsche Obligationen interessieren (außer uns).

    • Die EZB kauft europ. Anleihen und schöpft unbegrenzt Geld und entwertet damit.
      Inflation.

  • WHO; Corona; China.

  • Sehr guter Artikel! Endlich wird mal das Getriebe weltweiter Machtpolitik sachlich erläutert anstatt bloß Fotos von händeschüttelnden Politikern so wie in der Tagesschau.

  • Also weder Washington noch Peking rücken Kredite raus, ohne daß sie dafür eine Gegenleistung erhalten, Ressourcen oder was auch immer.
    Diese ganz spezielle Art von Dämlichkeit gibt es nur in: Berlin.

    • …..und Brüssel

  • Kurzfassung:, der Petrodollarnust ist zwar am Ende, die USA sind Pleite, aber China bekommt Probleme mit dem IWF, einem Erpressungsinstrument des Westens.

    Bleibt eigentlich nur eine Frage, warum macht sich einen Online-Schülerzeitung mal wieder ohne Not zum Affen?
    Bringt doch lieber mal was über Jette oder Timmy.

    -18
    • Herzliche Grüße nach Peking. Wie geht es dem Wal?

    • Haben sie den Artikel überhaupt gelesen? Sicher nicht-sonst würden sie sich dieses Schülerzeitungsgeschwätz verkneifen.
      Der einzige der sich zum Affen macht sind sie selbst und Jette und Timmy ist das Niveau bei dem sie besser bleiben sollten.

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