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Zurückhaltung statt „Haltung“

DFB und Bundesregierung ziehen bei Erdogan-Besuch den Schwanz ein

Der türkische Präsident Erdoğan fiel in der Vergangenheit immer wieder mit israelfeindlichen Parolen und Hamas-verherrlichenden Aussagen auf. Trotzdem übt sich der sonst so auf Symbolpolitik bedachte DFB während des Besuchs des türkischen Präsidenten in Zurückhaltung.

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Am Freitagnachmittag beginnt der umstrittene Staatsbesuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Berlins Innenstadt wird für den türkischen Machthaber streng überwacht und weitläufig geräumt – in Berlins Hauptstadt kommt es vereinzelt zu Protesten gegen den Präsidenten. In der Vergangenheit war Erdoğan immer wieder mit israelfeindlichen Aussagen auffällig geworden, hatte Israel einen „Terrorstaat“ genannt und die Hamas als „Befreier“ bezeichnet. Das Fußballspiel zwischen der Nationalmannschaft und der türkischen Auswahl am Samstag möchte Erdogan ebenso wenig wie Bundeskanzler Scholz besuchen, auch eine Schweigeminute oder anderweitige symbolträchtige Aktionen soll es rund um das Freundschaftsspiel nicht geben.

Obwohl das Auswärtige Amt die Position der Bundesregierung, die Hamas sei eine Terror-Organisation, auf Apollo News Anfrage hervorhob und damit der Ansicht des türkischen Präsidenten widersprach, seien laut der Behörde keine weiteren Aktionen geplant, um Erdoğan gegenüber die Solidarität mit Israel zu untermauern. In der Pressekonferenz vom 14. November mit dem griechischen Ministerpräsidenten Mitsotakis sagte Bundeskanzler Scholz lediglich, dass die Zwei-Staaten-Lösung als „Perspektive für einen wirklichen Frieden in der Region […] für Israelis und Palästinenser“ bleibe. Auch wenn diese Lösung aus palästinensischer Sicht sicher begrüßenswert ist, zeigt der Satz doch viel mehr das Einknicken der deutschen Bundesregierung hinsichtlich des Staatsbesuches Erdoğans.

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DFB verhält sich zurückhaltend

Auch der DFB kann sich nicht zu mehr Rückgrat durchringen. Eine Schweigeminute für die Opfer der gewaltvollen Auseinandersetzungen oder sogar das Gedenken der am 7. Oktober verschleppten, verstümmelten und ermordeten Zivilisten wäre nach den vergangenen Schweigeminuten bei den letzten beiden Spielen in den USA naheliegend gewesen – stattdessen macht der Verband einen Rückzieher. Das erste Spiel, das nach den Angriffen auf deutschem Boden ausgetragen wird, soll nach Apollo News-Informationen regulär, ohne ein Gedenken oder anderweitige Symbole, stattfinden.

Während der DFB die letzten beiden Auswärtsspiele für symbolträchtige Schweigeminuten nutzte, bei der WM im vergangenen Winter in Katar sogar mit einer Regenbogenbinde auflaufen wollte, um ein Zeichen für Diversität zu setzen, gelingt es dem Deutschen Fußball Bund nicht, im eigenen Land Flagge zu zeigen. Die Bundesregierung vergräbt sich lieber in nichtssagende Floskeln und bemüht sich um Einbahnstraßen-Diplomatie, statt in einen Diskurs zu treten.

Im Verlauf des Wochenendes wird die Berliner Polizei bemüht sein, die Gemüter im Zaum zu halten. Man gehe, wie eine Pressesprecherin auf Apollo News-Anfrage mitteilte, zwar nicht von „einer Störung oder Gefährdung“ während des Fußballspiels aus, dennoch werden 3000 Polizisten „über den Tag verteilt im Einsatz“ sein. Eine verhältnismäßig hohe Zahl, sind bei normalen Fußballspielen doch je nach Sicherheitslage 200 bis 1000 Beamte vor Ort. „Das Fanverhältnis beider Anhängerschaften wird als neutral beschrieben“, heißt es weiter – die aktuellen angespannten Polit-Verhältnisse finden in den Ausführungen der Polizei auf Anfrage keine weitere Erwähnung.

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