Werbung

Die Berliner Löwin, Luisa Neubauer und die Klimakatastrophe

Das Panik-Prinzip

In ihrer Sommerloch-Verzweiflung versteigt sich die Presse in die Jagd auf ein Tier, dass es gar nicht gibt. Und ausgerechnet Luisa Neubauer ist mit einem Tweet zur Stelle, der das ganze Theater perfekt in unsere hysterischen Klima-Diskussionen einordnet.

Alles geht ums Klima – selbst, wenn es nicht ums Klima geht. Frei nach diesem Motto ließ „Fridays for Future“-Wortführerin Luisa Neubauer es sich nicht nehmen, ihren Senf zur schönsten Sommerloch-Geschichte des Jahres dazuzugeben.

Click here to display content from Twitter.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von Twitter.

Neubauer macht einen Klima-Vergleich zur Löwenstory auf, um Skeptiker ihrer Propaganda zu verarschen. Der Klimawandel sei wie der Löwe, suggeriert sie. Ein schöner Tweet – der außerdem alterte wie guter Wein im Kellerfass.

Werbung

Denn wie sich heute herausstellt, gibt es die Löwin gar nicht – in Wahrheit, so die Behörden in Berlin und Brandenburg, handelte es sich stets um ein Wildschwein. Der ganze Aufriss um etwas, was seit Jahrhunderten in den märkischen Wäldern lebt und längst nicht so gefährlich ist wie ein Löwe. Die Polizeigewerkschaft spricht von der „teuersten Safari aller Zeiten“.

Kein Grund zur Sorge – sowas gab es schon immer hier!

Es war nur ein normales Wildschwein – eigentlich nichts, was Aufsehen erregt. Wildschweine können gefährlich sein, eine wirkliche Bedrohung sind sie aber nicht. Nur durch die Medien wurde eins zu einer – die stürzten sich auf dieses Wildschwein, wie es wahrscheinlich nur ein Löwe getan hätte. Der Berliner Tagesspiegel setzte zum Beispiel elf Journalisten ein, um die Löwen-Story zu schreiben. Die hätten in der Zeit vielleicht auch etwas tun können, was wirklich journalistische Arbeit mit Mehrwert ist. Etwas aufdecken, bei etwas nachbohren, etwas recherchieren zum Beispiel. Aber Panik verkauft sich besser.

Von Kleinmachnow bis Sizilien zieht die Panik-Welle

Man muss Luisa Neubauer für ihren Tweet danken – ihre Gleichsetzung der Löwen-Story mit der Klimadebatte könnte nicht glücklicher sein. Denn die Löwin von Kleinmachnow hat mit der Debatte um angebliche „Rekordtemperaturen“ auf Sizilien und co. eines gemeinsam: Beides sind hohle Sommerloch-Diskussionen, bei denen viel Panik um etwas gemacht wird, was es am Ende gar nicht gibt. Journalisten, Aktivisten und Politiker haben im Sommer offenbar einfach zu wenig wirkliches zu tun – deswegen geht die Phantasie mit ihnen durch. Zumindest bei der Löwin kann man ja davon ausgehen, dass es hier nicht um dreistes Lügen und Manipulation ging.

Werbung

Wenn die Löwin jetzt gar nicht existiert, es aber dank eifriger deutscher Schreiberlinge in die Schlagzeilen rund um die Welt gebracht hat – was sagt uns das über unsere Mediengesellschaft? Über Angst, Empörung und Schnellschüsse?

Ob eine Löwin in Kleinmachnow oder das Wetter auf Sizilien: Presse und Aktivisten haben, wie mir scheint, in diesem Sommer langsam mal eine Abkühlung nötig.

Werbung