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„Selbstentzündung“ bei über 40 Grad 

ORF verbreitet Hitze-Fake News

Der österreichische Rundfunksender Ö1 verbreitet in Bezug auf die Waldbrände in Griechenland ein Zitat seiner Wissenschaftsredakteurin Elke Ziegler, die behauptet, dass es bei einer Temperatur jenseits der 40 Grad zu einer „Selbstentzündung“ kommen kann - doch das ist schlichtweg  Fake-News.

„Informationen für Anspruchsvolle“, so beschreibt sich der österreichische Sender Ö1 Journale, der zum Österreichischen Rundfunk (ORF) gehört, bei Twitter. Wirklich anspruchsvoll ist allerdings nur, bei ihrem Tweet zum Ö1 Mittagsjournal von Montag nicht in gellendes Gelächter auszubrechen. Der Sender postete nämlich ein Zitat ihre Wissenschaftsredakteurin Elke Ziegler, die in Bezug auf Waldbrände allen Ernstes behauptete, dass es bei „Extremtemperaturen“ von über 40 Grad zu Selbstentzündungen kommen kann. Eine Behauptung, die jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrt.

Das Interview mit der gelernten Politikwissenschaftlerin, dem das Zitat entstammt, fand anlässlich der Ö1 Berichterstattung zu den Waldbränden in Griechenland statt, die, wie inzwischen erwiesen wurde, zu großer Zahl durch den Menschen verursacht wurden – durch absichtliche oder fahrlässige Brandstiftung. Elke Ziegler, der im Jahr 2022 der österreichische Staatspreis für Wissenschaftspublizistik verliehen wurde, ist sich trotzdem nicht zu Schade darauf hinzuweisen, dass es auch zu einer „Selbstentzündung“ kommen kann.

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Auf die Frage, ob die Hitzewelle und die damit verbundene, hohe Waldbrandgefahr als Einzelereignis oder im Zusammenhang mit dem Klimawandel gesehen werden muss, antwortet Ziegler es sei beides – und: „Eine Hitzewelle mit Extremtemperaturen jenseits der 40 Grad Celsius trocknet nicht nur Böden und Wälder aus, die Oberfläche wird auch extrem heiß, sodass es vermehrt zu Selbstentzündungen kommt.“

https://twitter.com/elke_ziegler/status/1683427587031269377?s=21&t=pkQ9aErW4bKiez-6EMBd2Q

Frau Ziegler hat zwar Recht, dass die Oberflächentemperatur je nach Art des Materials und abhängig von anderen Einflussfaktoren wie zum Beispiel Wind und der Intensität der Sonneneinstrahlung, sehr viel höher ausfallen kann, als die Lufttemperatur. Dass es bei um die 40 Grad zu Selbstentzündungen kommen kann, ist faktisch jedoch trotzdem völlig falsch. Damit sich Holz, ohne einen Funken selbst entzündet, bedarf es nach Angaben verschiedener Feuerwehrverbände einer Temperatur von etwa 280 bis 340 Grad Celsius – abhängig von der Art des Holzes und seinen physikalischen Eigenschaften.

Wie die Feuerwehr Eschlkam auf ihrer Internetseite berichtet, beträgt die Entzündungstemperatur, also die Temperatur bei der Holz anfängt ohne Fremdeinfluss zu entbrennen, bei Fichtenholz zum Beispiel 280 Grad Celsius – und selbst Stroh entzündet sich nach ihren Angaben erst bei 250 bis 300 Grad Celsius. Selbst wenn die Oberflächentemperatur drei- oder viermal so hoch wäre, wie die Lufttemperatur von um die 40 Grad Celsius, würde sich ein Waldbrand also selbst bei Holz mit einer vergleichsweise niedrigen Entzündungstemperatur nicht von selbst entfachen.

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In diesem Sinne warf der Meteorologie-Journalist Jörg Kachelmann Elke Ziegler aufgrund ihrer Aussage „frei erfundenen Schwachsinn“ vor. Laut Kachelmann lüge die Journalistin oder habe schlicht keine Ahnung, wovon sie rede.

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Neben dem Kommentar von Kachelmann, machten sich unter dem Beitrag auch viele andere Twitter-User über die haltlose Aussage lustig. Der Ö1 Account deaktivierte – wohl deshalb – nach einer Zeit seine Kommentarfunktion und postete selbst einen Beitrag, in dem man sich für die „missverständliche Formulierung“ entschuldigte. Der Begriff „Selbstentzündung“ sei nicht richtig gewesen. 

Frau Ziegler, die den Beitrag selbst nochmal teilte, sieht das wohl anders. Dass die Auswahl dieses Zitats aus dem mehrere Minuten dauernden Interview reiner Zufall war und dann auch noch ungeprüft veröffentlicht wurde, ist ebenfalls unwahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher ist, dass man das Zitat absichtlich wählte, um auf der medialen Welle der Hitze-Panik mitreiten zu können – um das Narrativ vom gefährlichen, menschengemachten Klimawandel, der laut Frau Ziegler mit den Hitzewellen zu tun hat, zu verbreiten.

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